E-Book, Deutsch, Band 8, 312 Seiten
Reihe: Nick
Mehnert Nick 8: Spurlos verschwunden
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-86305-258-4
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 8, 312 Seiten
Reihe: Nick
ISBN: 978-3-86305-258-4
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Achim Mehnert wurde 1961 in Köln geboren. Seiner Heimatstadt ist der bekennende Lokalpatriot bis heute treu geblieben. Nach Kindergarten, Schule und Abitur folgte eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Zum Schreiben kam Achim Mehnert durch das Science-Fiction-Fandom. Zunächst verfasste er Kurzgeschichten für Fanzines, später für Zeitungen und Anthologien. Noch während seiner beruflichen Laufbahn veröffentlichte er erste Romane. Die Piccolos von Hansrudi Wäscher begeisterten ihn schon als Jungen. Er empfindet es als Auszeichnung, Nick, dem Comichelden unzähliger Kinder und Jugendlicher, ein literarisches Gesicht verleihen zu dürfen.
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EINS
Das Sternenschiff bewegte sich mit geringer Geschwindigkeit durch den interplanetaren Leerraum. Der vierte Planet des Systems mit der kleinen gelben Sonne lag hinter den Raumfahrern, der dritte vor ihnen, auch er in der habitablen Zone. Unter den flinken Fingern des Radartechnikers Hert Braxler entfalteten die Instrumente Aktivität. Sie maßen die aus dem All grün und bräunlich aussehende Welt sorgfältig durch, und die Wissenschaftler stürzten sich wissbegierig auf die eintreffenden Daten.
»Da unten gibt es reiche Erzvorkommen, Nick«, stellte der Geologe James Simpson fest.
Das war eine ausgezeichnete Neuigkeit. Der Kommandant nickte bedächtig. »Wenn sich die Lebensbedingungen als günstig erweisen, landen wir.«
»Bist du sicher, dass du dich auf dem Planeten umsehen willst?«, fragte Xutl. Der grünhäutige Marsianer drehte den Kopf und fasste Nicks eingegipsten Arm ins Auge.
»Mein gebrochener Arm stört mich nicht«, behauptete der Weltraumfahrer. »Und zum Erforschen ist eine Welt so gut wie jede andere. Warum also sollten wir diese dort nicht untersuchen, wenn sie uns gewissermaßen auf einem Silbertablett präsentiert wird?«
»Weil Xutl davon ausgeht, dass du von diesem Sonnensystem die Nase voll hast«, warf Tom Brucks ein. »Und ich sehe das ähnlich.«
Nick hob eine Braue. »Darf ich erfahren, wieso?«
»Weil das System uns kein Glück gebracht hat.« Tom senkte die Stimme. »Denk nur an das intelligente Ameisenvolk, das wegen unseres Besuchs nicht mehr existiert. Wir kamen mit den besten Absichten – und was ist passiert? Eine Katastrophe! Wir tragen zwar keine Schuld am Untergang dieses Volkes, dennoch waren wir daran beteiligt.«
Nick verstand die Bedenken seines Freundes. Dem Biologen war jedes Leben heilig. Dass eine ganze Zivilisation ausgelöscht worden war, selbst eine so aggressive und feindlich gesinnte wie die der Ameisen, traf Tom tief. Doch so traurig das Geschehene war, in ihrer Verblendung hatten die Ameisen ihren Untergang selbst heraufbeschworen.
»Du bist wie Tom gegen eine Landung, Xutl?«, wollte Nick wissen.
Der Marsianer zuckte mit den Achseln. »Das habe ich nicht gesagt. Ein Sonnensystem hier draußen ist so gut wie Millionen andere. Ich gebe nur zu bedenken, dass wir uns im Randbereich der Milchstraße befinden. All die Entdeckungen, auf die du so scharf bist, laufen uns nicht weg. Vielleicht wäre es klüger, zunächst nach einem Heimweg zu suchen.«
Nick lächelte. »Vielleicht. Ja, mag sein. Doch trotz der ungeheuren Entfernung zur Erde kennen wie die Richtung. Auch sie läuft uns nicht weg. Warum also nicht unser Glück versuchen? Nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit wird es Zeit, dass unsere Forschungsmission endlich einen positiven Verlauf nimmt. Wir hätten es uns verdient. Denkt außerdem an die zerstörten Landestützen.«
Das Glück war ihnen wirklich nicht hold gewesen seit ihrem Notsprung, der sie zwar vor der Vernichtung durch die Gluthölle Proxima Centauri bewahrt, sie aber in den intergalaktischen Leerraum außerhalb der Milchstraße geschleudert hatte. Zwei Sonnensysteme im Randbereich der Galaxis hatten sie danach angeflogen, und beide Male hatten sie Federn lassen müssen. Oder Landestützen. Zunächst auf der Welt der Metallfresser, dann bei dem intelligenten Ameisenvolk, das die Besucher mit einer Atombombe hatte aus dem Universum fegen wollen. Das Sternenschiff konnte nicht mehr aufsetzen, ohne umzukippen. Die Stützen mussten schnellstens repariert werden. Nick selbst hatte einen gebrochenen linken Arm davongetragen. Der Gips schränkte den Weltraumfahrer bei fast allen Tätigkeiten ein.
»Ich würde mich deiner Zuversicht gern anschließen«, sagte Xutl, während er eine weitere minimale Kurskorrektur vornahm. Das Sternenschiff flog jetzt geradewegs auf den dritten Planeten zu. »Aber ich bleibe lieber skeptisch, das erspart mir weitere Enttäuschungen.«
»Vielleicht finden wir da unten Uran. Unsere Energiereserven könnten eine Auffrischung vertragen«, sprach der leitende Techniker Ricardo einen wichtigen Punkt an.
Ein weiteres gutes Argument für eine Landung, stimmte Nick dem Mann zu. »Bring uns in eine Kreisbahn, Xutl.«
Der Marsianer griff auf die Steuerung zu. Inzwischen stand der dritte Planet groß im Zentrum des Bildschirms. Das Sternenschiff bremste ab und schwenkte in den Orbit ein.
*
Frederic Wohler kam aus dem physikalischen Labor in die Zentrale geeilt. »Die Spektralanalyse des dritten Planeten ist abgeschlossen«, verkündete der Optikspezialist.
»Heraus mit der Sprache, Doktor!«, forderte Nick den kräftigen Zweimetermann auf. »Wie sieht die Atmosphärezusammensetzung aus?«
»Ausgesprochen erdähnlich.« Wohler schwenkte einen Zettel, der mit Datenkolonnen übersät war. »Das Verhältnis von Sauerstoff und Stickstoff ist ideal für Menschen. Die Spuren von Edelgasen bewegen sich im akzeptablen Rahmen. Meine Herren, die Atmosphäre ist für uns bedenkenlos atembar.«
»Ausgezeichnet.« Der Weltraumfahrer nickte zufrieden, doch trotz der guten Nachrichten und seiner Entschlossenheit zur Landung vermied er übereilte Schritte. »Wir gehen noch vorsichtiger vor als beim letzten Mal. Wir schleusen zunächst unsere Kameraroboter aus, um sicherzugehen, dass diese Welt kein intelligentes Leben trägt. Außerdem warten wir die Ergebnisse des biologischen Labors ab.«
»Eine kluge Maßnahme«, pflichtete Tom seinem Freund bei.
Nick erließ den Befehl an Techniker Ricardo, der sich daraufhin umgehend an die Programmierung der mit Kameras bestückten Maschinen machte. Wenig später fielen die fußballgroßen Roboter aus der unteren Polschleuse. Sie rasten durch die Atmosphäre und der Planetenoberfläche entgegen.
*
Die Kameraroboter schwärmten aus.
Schon lieferten sie erste Aufnahmen, die direkt auf einen Monitor des Sternenschiffs übertragen wurden. Der Planet bot zwei verschiedene Gesichter. Manche Gebiete erstreckten sich trostlos und karg, geprägt durch unbelaubte Hügel und flache Felsformationen, durch Sand und Gestein. Dem gegenüber standen grüne Landstriche mit Wiesen und Wäldern. Das zerrissene Antlitz bewirkte, dass der dritte Planet aus dem Weltraum grün und braun aussah. Zwischen all dem dehnten sich zwei große Ozeane und zahlreiche Seen aus, die die Landmassen mit blauen Sprenkeln überzogen.
Bald entdeckten die Roboter Tiere, irdischen Sauriern der Urzeit ähnelnde Riesen. Sie weideten auf den Wiesen und taten sich an Buschwerk und Baumkronen gütlich.
»Es sind Pflanzenfresser.« Tom nestelte interessiert an seiner Brille. »Von denen haben wir nichts zu befürchten.«
»Geht deine Wissbegier als Botaniker mit dir durch?«, fragte Nick. »Unsere primäre Aufgabe besteht darin, das Schiff zu reparieren und unsere Treibstoffvorräte zu ergänzen.«
»Sag das mal unseren beiden Gästen.«
Die Tierfänger Jane Lee und Jack Hunter hielten sich nicht in der Zentrale auf. Beiden ging es darum, exotische Tierarten von fremden Planeten zur Erde zu bringen, um sie dort in einem Zoo zu präsentieren. Dass Hunter nicht vor Gewalt zurückschreckte, um sein Ziel vor seiner Konkurrentin zu erreichen, hatte er bereits auf der Erde unter Beweis gestellt.
»Jane und Jack müssen sich ebenso gedulden wie du, Tom«, vertröstete Nick seinen Freund. »Aber keine Sorge. Die Reparatur wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Das bedeutet, dass wir so schnell nicht wieder losfliegen. Du wirst Gelegenheit erhalten, die Tierwelt und besonders die hiesige Flora zu untersuchen.«
»Fein. Ich bereite …« Der Biologe stutzte mitten im Satz. »Was erheben sich da vorn für Strukturen? Sind das Bauwerke?«
Die Raumfahrer drängten sich vor dem Bildschirm, als sich Toms Eindruck bestätigte. Ein Kameraroboter übermittelte Aufnahmen von flachen Gebäuden.
»Eine Stadt!«, entfuhr es dem Archäologen Brown, dem auch der Ruf anhaftete, das reinste Sprachgenie zu sein. »Wo es eine Stadt gibt, da gibt es auch Menschen. Beziehungsweise andere intelligente Lebewesen.«
Der Roboter flog direkt auf die Steinbauten zu, die kreisförmig angelegt waren. Es war unübersehbar, wie beachtlich die Ausdehnung der Stadt war. Die Kamera enthüllte nun Einzelheiten der überwiegend einstöckigen Häuser, die längst verlassen waren. Nirgendwo regten sich Lebenszeichen.
»Eine Ruinenlandschaft«, stellte Nick fest.
Umso mehr löste die Entdeckung Überraschung bei den Wissenschaftlern aus. Vor ihnen lagen die Überreste einer versunkenen Kultur. Da sie davon ausgingen, dass die Letzten jener Unbekannten schon vor langer Zeit vom Antlitz dieser Welt verschwunden waren, bestand nicht die Gefahr eines feindselig verlaufenden Zusammentreffens, wie sie es auf dem Nachbarplaneten erlebt hatten. Über die Ruinen freuten sich die Archäologen noch mehr als über die Begegnung mit lebenden Angehörigen einer fremden Zivilisation. Bei den steinernen Hinterlassenschaften fühlten sie sich voll und ganz in ihrem Element.
Doktor Brown bedrängte seinen Kommandanten, in der Nähe der Ruinenstadt niederzugehen. »Wer weiß, was für Geheimnisse auf uns warten. Ich kann es kaum erwarten, die Häuser zu betreten.«
Nick zögerte, den Befehl zur Landung zu erteilen. Er wartete auf mögliche Entdeckungen der anderen Kameraroboter. Tatsächlich spürten sie ein paar kleine Tierarten auf, unter denen jedoch keine Raubtiere waren. Intelligente Lebewesen gab es auf dem ganzen Planeten keine. Die unbekannten Erbauer der Stadt existierten längst nicht mehr. Das bewiesen über den ganzen Planeten verstreute Ruinenstädte. Keine von ihnen barg Leben. Während Nick noch um eine Entscheidung rang, meldete sich...




