Mehnert | Tibor 1: Der Sohn des Dschungels | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 200 Seiten

Reihe: Tibor

Mehnert Tibor 1: Der Sohn des Dschungels


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-86305-169-3
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 1, 200 Seiten

Reihe: Tibor

ISBN: 978-3-86305-169-3
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Diese werkgetreue Umsetzung als Roman umfasst den Inhalt des ersten Abenteuers aus den Piccolo-Comicheften 1-9 von Hansrudi Wäscher. - Gary Swanson, der junge Millionenerbe aus Amerika, ist auf dem Weg zu einer Fotosafari in Afrika. Als einziger Überlebender eines Flugzeugabsturzes im Dschungel nahe Kenia kommt er mit völligem Gedächtnisverlust zu sich - ohne Erinnerung an sich selbst und seine Vergangenheit. Zusammen mit dem Gorilla Kerak, den er gerettet hat und der ihn Tibor (der Hilfsbereite) nennt, passt er sich an die harten Bedingungen des Dschungellebens an und erlernt die Sprache der Tiere. Doch dann taucht eine Bedrohung auf, der sich bis jetzt kein Dschungelbewohner entgegenstellen konnte ...

Achim Mehnert wurde 1961 in Köln geboren. Seiner Heimatstadt ist der bekennende Lokalpatriot bis heute treu geblieben. Nach Kindergarten, Schule und Abitur folgte eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Zum Schreiben kam Achim Mehnert durch das Science-Fiction-Fandom. Zunächst verfasste er Kurzgeschichten für Fanzines, später für Zeitungen und Anthologien. Noch während seiner beruflichen Laufbahn veröffentlichte er erste Romane. Die Piccolos von Hansrudi Wäscher begeisterten ihn schon als Jungen. Er empfindet es als Auszeichnung, Tibor, dem Comichelden unzähliger Kinder und Jugendlicher, ein literarisches Gesicht verleihen zu dürfen.
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EINS


Die Wolken, die am Horizont auf dem Meer zu schwimmen schienen, entpuppten sich als ferner Küstenstrich. Gary Swanson stand an der Steuerbordreling der STELLA MARIS. Der dunkelhaarige Amerikaner war ergriffen von den ersten Eindrücken, auf die er so lange und sehnsüchtig gewartet hatte.

Vor ihm lag Afrika, der Schwarze Kontinent – das Ziel aller Träume, die der groß gewachsene Fünfunddreißigjährige hegte, seit er in den veröffentlichten Tagebüchern des Afrikaforschers David Livingstone von dieser fremden Welt gelesen hatte. Damals hatte der Ruf des Unbekannten und Geheimnisvollen Swanson in seinen Bann geschlagen und ihn nie wieder losgelassen. Die Zeiten hatten sich indes geändert. Afrika war längst nicht mehr so unerschlossen wie zu Zeiten von Livingstones Expeditionen. Raum für Abenteuer und unentdeckte Wunder blieb dennoch genug.

»Du wolltest nie glauben, dass ich diesen Kontinent einmal mit eigenen Augen sehen werde, Vater«, murmelte Swanson.

Vor einem Jahr war Garys Vater gestorben und hatte seinen Sohn als gemachten Mann zurückgelassen. Seither hatte der junge Millionenerbe Tag und Nacht geschuftet, um die Firma in ruhigem Fahrwasser zu halten und sich der Fußstapfen seines Vaters als würdig zu erweisen. Es war ihm gelungen. Die Firma florierte, und nun, ein Jahr später, erfüllte Gary sich seinen lang gehegten Wunsch: Er war an Bord seiner Jacht aufgebrochen, um die Tierwelt Afrikas zu sehen und zu filmen.

Allmählich kippte die Küste nach rechts weg. Kapitän Desmond Spencer hatte südlichen Kurs genommen. Die STELLA MARIS schwenkte herum, während mittschiffs der Schornstein schwarzen Rauch ausstieß. Sie folgte jetzt dem Verlauf der Küste, einem grünen Landstrich, der aus dieser Entfernung völlig naturbelassen wirkte. Doch das Bild trog. Ganz so unberührt, wie es aussah, war Kenia nicht, waren auch die weiter Richtung Zentralafrika gelegenen Länder nicht mehr. Gary hätte stundenlang an der Reling stehen bleiben können, um jedes noch so winzige aus der Ferne erkennbare Detail in sich aufzunehmen.

Er würde später genug zu sehen bekommen – so viel, dass es für mehrere Leben genügte, hoffte er. Swanson gab sich einen Ruck, riss sich von dem Anblick los und begab sich zur Kommandobrücke.

Der Kapitän war gleichermaßen ein erfahrener Seemann wie ein zuvorkommender Schiffsführer, ausgestattet mit Höflichkeit, guten Manieren und Kompetenz. Gary, der ihn noch nie ohne seine weiße Kapitänsmütze gesehen hatte, hätte sich keinen besseren Skipper wünschen können.

»Wir sind zwischen Malindi und Mombasa angelangt«, empfing Spencer den Schiffseigner.

»Sehr gut.« Gary nickte zufrieden. »Lassen Sie die Maschinen stoppen und Anker werfen.«

»Aye, Sir.«

Die Küste schien zum Greifen nahe, dabei lagen noch drei Meilen zwischen ihr und der Jacht. Es war weniger heiß, als Gary erwartet hatte. Die Temperatur lag deutlich unter 30 ° Celsius. Er konnte es kaum noch erwarten, von Bord zu gehen und sich auf das Abenteuer seines Lebens zu begeben.

»Die englischen Kolonialbehörden sind benachrichtigt. Man wünscht Ihnen viel Glück, Mister Swanson«, erklärte Spencer. »Sie können Ihre Expedition starten.«

»Gut. Mein Pilot Ted und ich fliegen von hier aus auf direktem Weg nach Nairobi.«

»Wie sehen Ihre weiteren Pläne aus?«

»Ich werde in Nairobi von einem bekannten Tierfänger erwartet. Er wird mich an den Victoriasee begleiten.«

»Das beruhigt mich etwas, Sir, obwohl Sie wissen, was ich von der Durchquerung des afrikanischen Kontinents halte.« Dunkle Schatten umwölkten Spencers Miene. »Es ist und bleibt ein gefährliches Unterfangen, selbst wenn es nicht mehr so viele weiße Flecken auf der Landkarte gibt wie früher.«

Gary konnte nicht anders als amüsiert aufzulachen. »Sie machen sich unnötige Sorgen, Kapitän. Wir leben nicht mehr zu Livingstones Zeiten. Was soll uns schon passieren? Wir machen uns mit einer modernen Ausrüstung auf den Weg und sind für alle Fälle gewappnet.«

»Gegen die Wildnis kommen manchmal die modernsten technischen Errungenschaften nicht an. Sie sollten eine solche Expedition nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ihr Vater würde mir zustimmen.«

»Mein Vater, ja.«

»Ich bitte Sie nur, die nötige Vorsicht walten zu lassen, Mister Swanson.«

»Ich weiß Ihre Sorge zu schätzen.« Gary nickte. »Ich passe schon auf. Außerdem bin ich bei Ted in den besten Händen. Er ist ein hervorragender Pilot.«

Die Tür öffnete sich und Garys Vetter Chuck streckte den Kopf herein. »Das Wasserflugzeug ist startklar. Wenn du willst, kannst du sofort zu deinen Urwaldviechern aufbrechen.«

»Es sind nicht meine Urwaldviecher. Das ist das Gute. Sie gehören niemandem beziehungsweise der Allgemeinheit«, belehrte der sportliche Millionenerbe seinen Vetter.

»Sie sind frei, ich weiß. So frei wie keiner von uns.« Chuck winkte lächelnd ab. »Du hast es oft genug erwähnt.«

Gary erwiderte das Lächeln. »Ich sehe, du bist lernfähig. Ich starte in zehn Minuten. Würdest du mir einen Gefallen tun?«

»Sicher. Worum geht es?«

»Sei doch bitte so gut und bring meine Filmausrüstung ins Flugzeug. Ich verabschiede mich derweil von Judy.«

Chuck wölbte eine Augenbraue. »Deine Braut ist in ihrer Kabine. Ich bin ihr vorhin begegnet. Ich hatte den Eindruck, dass sie mit deinem Abenteuer nicht ganz einverstanden ist.«

»Dein Eindruck hat dich nicht getrogen.« Gary machte Anstalten, die Brücke zu verlassen.

»Bevor Sie starten, Mister Swanson, sollten Sie unbedingt den Wetterbericht aus Mombasa einholen«, vernahm er Spencers Stimme, als er schon fast draußen war.

»Das kann Chuck erledigen.« In Gedanken war Gary schon bei seiner zukünftigen Frau.

*

Chuck schaute seinem Vetter hinterher. Das Lächeln verschwand aus seinem Gesicht, als er Gary Swanson davoneilen sah. Dieser Glückspilz wusste gar nicht zu würdigen, was das Schicksal ihm an die Hand gegeben hatte. Er sah nicht nur blendend aus und war dank des Erbes, das ihm in die Finger gefallen war, steinreich, er war zudem drauf und dran, das schönste Mädchen der Welt zu heiraten.

Ich an seiner Stelle wüsste genau, was ich zu tun hätte, dachte Chuck. Jedenfalls würde er nicht ein halbes Jahr lang durch die Wildnis ziehen und sich Gott weiß welchen Gefahren aussetzen, statt in Judy Summers' Armen einzuschlafen.

»Soll ich mich um den Wetterbericht kümmern?«, fragte Desmond Spencer.

»Nicht nötig, Kapitän. Ich erledige das.«

Nachdenklich verließ der leicht untersetzte Chuck die Kommandobrücke und begab sich zum Radioraum. Er verdammte sein Pech. Hätte der alte Swanson keinen Sohn gehabt, wäre ihm, Chuck, das gesamte Vermögen zugesprochen worden. So jedoch fielen für ihn nicht einmal ein paar klägliche Brosamen ab. Die Welt war ungerecht und ganz besonders zu ihm. Nicht zum ersten Mal stellte er das fest.

Er betrat den kleinen Raum, in dem die Radioanlage untergebracht war, und ließ sich auf dem Sitzplatz davor nieder. Während er mit einer Hand die Anlage einschaltete, streifte er sich mit der anderen den Kopfhörer über. In seinem vollen Gesicht arbeitete es. Es dauerte nicht lange, bis er Welle Mombasa eingestellt hatte und den Wetterbericht der meteorologischen Station abhörte. Chuck spitzte die Ohren, als ein Gewittertief im Raum Nairobi gemeldet wurde.

»Nach Südost schwenkend«, warnte eine sonore Stimme. »Mit starken Böen, die Orkangeschwindigkeit erreichen können, ist zu rechnen.«

Den Luftdruck und weitere Werte vernahm Chuck nur noch mit einem Ohr. Die Meldung war erst kürzlich aktualisiert worden. Sie stellte die bisherigen Vorhersagen auf den Kopf. Bei diesen Wetterbedingungen durfte Gary auf keinen Fall starten. Das Risiko war viel zu groß.

Chuck verstellte den Kanal, schaltete das Radio aus und streifte sich den Hörer vom Kopf. Rasch sah er sich um. Er war allein. Außer ihm wusste auf der STELLA MARIS niemand von der drohenden Gefahr. Sollte das Schicksal es doch einmal gut mit ihm meinen? Er war bereit, sein Glück beim Schopf zu packen, wenn es sich bei ihm meldete.

Chuck erhob sich, schaltete das Licht aus und verließ die Radiostation. Er musste seinem Vetter Bericht erstatten.

*

»Versprich mir, dass du vorsichtig bist.« Angst zeichnete sich in Judys Gesicht ab.

»Das habe ich Kapitän Spencer versprochen und ich habe es Chuck versprochen.« Sanft drückte Gary Swanson die Hand seiner Braut. Er lächelte zuversichtlich. »Dir schwöre ich es hoch und heilig.«

»Damit sollte ich eigentlich zufrieden sein, aber ich ... ich ...« Verzweifelt suchte Judy nach den richtigen Worten. Sie schüttelte den Kopf und ihre langen braunen Haare flogen in alle Richtungen.

»Beruhige dich, Schatz. Was soll mir denn zustoßen? Meine Mission ist völlig ungefährlich. Menschenfresser gibt es in Afrika schon lange nicht mehr, und die Tiere sind froh, wenn man ihnen nichts tut. Deshalb besteht meine Bewaffnung auch nur aus einer Filmausrüstung. Dagegen haben die Tiere bestimmt nichts einzuwenden.«

»Ich weiß ja, wie sehr du Tiere liebst.«

»Und alle anderen werden das ebenfalls, sobald sie die fantastischen Aufnahmen zu sehen bekommen, die ich mitbringe. Das halbe Jahr, das ich unterwegs sein werde, ist keine Ewigkeit. Danach treffen wir uns in Monrovia und dann ...«

»Was dann?«

»Wird geheiratet.«

Judy sah ihn aus großen Augen an. Die...



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