Mehnert | Tibor 10: Die Brüder der Schwarzen Mamba | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 10, 315 Seiten

Reihe: Tibor

Mehnert Tibor 10: Die Brüder der Schwarzen Mamba


1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-86305-255-3
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 10, 315 Seiten

Reihe: Tibor

ISBN: 978-3-86305-255-3
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Diese werkgetreue Umsetzung als Roman umfasst den Inhalt des zehnten Abenteuers aus den Piccolo-Comicheften 133-167 von Hansrudi Wäscher. Aus einer Diamantenmine werden immer wieder wertvolle Edelsteine gestohlen. Der Drahtzieher der Diebstähle legt eine geschickte Spur, die den Verdacht auf Tibor lenkt. So ist der Herr des Dschungels gezwungen, sich der Sache anzunehmen, um seine Unschuld zu beweisen. Er ahnt nicht, dass er sich mit mächtigen Gegnern anlegt, deren Einfluss bis in hohe Kreise hinaufreicht. Tibor bekommt es nicht mit einfachen Dieben zu tun, sondern mit Intriganten, die das Land mit einem blutigen Bürgerkrieg überziehen wollen.

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ZWEI


Zwei Wochen später bestätigte sich Tibors Voraussage. Die Lastwagen der Expedition waren bis zu den Scheiben im Morast versunken. Selbst wenn es gelingen sollte, die Fahrzeuge mit Hilfe der Elefanten auf festen Untergrund zu ziehen, würden sie keinen Mucks mehr von sich geben.

»Sie hatten recht, leider.« Dobbs seufzte. »Wir müssen also auch den Rest des Weges bis zur Polizeistation auf dem Rücken dieser grauen Dickhäuter zurücklegen.«

Tibor winkte ab. »Sie und Miss Hudson schlagen sich prima. Sie schaffen das schon. Doch zunächst legen wir eine Rast ein. Schlagen Sie da vorn am Rand der Lichtung das Lager auf.«

»Und was machen Sie?«

»Ich hole etwas zu essen und ein paar Diamanten, mit denen sich eine stattliche Herde für die Tombos erstehen lässt.« Tibor stieg von seinem Reittier und machte sich auf den Weg. Die drei Männer, die sich im Urwalddickicht verborgen hielten, bemerkte er nicht.

*

Die stillen Beobachter trugen Uniformen der Dschungelpatrouille. Sie zogen die Köpfe ein, als Tibor sich von seinen Begleitern trennte. Solange sie ihn sahen, gaben die Polizisten keinen Laut von sich. Erst als er zwischen den Urwaldriesen verschwand, erhob Sergeant Andrews die Stimme.

»Glaubt ihr, er hat uns bemerkt?«

Brown schüttelte den Kopf. »Ausgeschlossen.«

»Sie scheinen hier lagern zu wollen«, raunte Peterson seinen Kameraden zu. »Sie errichten ein Lager. Tibor ist wahrscheinlich aufgebrochen, um etwas Essbares zu holen. Der Bursche kennt sich ja bestens im Dschungel aus.«

Nachdenklich betrachtete Brown den bärtigen älteren Mann und die junge Frau. »Die beiden kommen mir irgendwie bekannt vor, Sergeant.«

Andrews nickte. Auch er hatte einen Moment gebraucht, um die Gesichter zuzuordnen. »Richtig, das sind die Forscher, die wir für verschollen hielten, der verrückte Professor, der nach Sauriern suchen wollte, und seine Assistentin.«

»Dobbs und Hudson«, erinnerte sich Peterson an die Namen der monatelang vermissten Wissenschaftler. Er schob seinen Hut in den Nacken und wischte sich den Schweiß von der Stirn. »Damit sieht die Sache ganz anders aus. Tibor handelt nicht allein. Die Forscher sind seine Verbindungsleute in die zivilisierte Welt.«

»Bis zu Tibors Rückkehr können wir uns mit den beiden unterhalten«, schlug Brown vor.

»Warum ein solches Risiko eingehen? Ich halte es für besser, wir warten, bis sie wieder alle zusammen sind«, widersprach Peterson.

»Stimmt, denn wenn Tibor uns zu früh sieht, taucht er im Urwald unter und verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Dann erwischen wir ihn nie mehr.« Sergeant Andrews winkte mit seinem Gewehr. »Vergesst nicht, wie gefährlich dieser Dschungelbursche ist. Haltet für alle Fälle eure Waffen bereit.«

*

Tibor, der nicht ahnte, dass er am Rand des Lagers von drei bewaffneten Polizisten der Dschungelpatrouille erwartet wurde, sammelte Bananen und andere Früchte. Der Dschungel bot alles, was man zum Leben brauchte. Es genügte zu wissen, wo man danach suchen musste, genau wie nach den Diamanten, die es in den kleinen, sich durch den dichten Wald windenden Wasserläufen zuhauf gab. Tibor war froh, dass sie in der unberührten Natur versteckt lagen und keine Begehrlichkeiten weckten, doch er machte sich nichts vor. Der Tag würde kommen, an dem Schatzsucher und Glücksritter in das naturbelassene Paradies eindrangen, und in deren Gefolgschaft kamen Holzfäller mit Motorsägen, Planierraupen und Baggern.

Als Tibor genügend Früchte zusammengetragen hatte, legte er seine Hände wie einen Trichter vor den Mund und stieß seinen bei Freunden bekannten und bei Gegnern gefürchteten Dschungelruf aus. Seine Stimme schallte weithin durch den Wald und verständigte Kerak, der das Obst abholen und zum Lager bringen sollte. Tibor wartete nicht auf das Eintreffen seines Freundes. Auf den Gorilla war Verlass. Wenn Kerak die Früchte sah, wusste er, was er zu tun hatte.

Tibor ergriff eine aus der Krone eines Urwaldriesen herabhängende Liane und schwang sich zum nächsten Baum. Nicht weit weg bahnte sich ein Flüsschen seinen Weg, in dem er einmal Diamanten gesehen hatte, ohne sich weiter um sie zu kümmern. Im Dschungel gab es keine Reisemöglichkeit, die einen so schnell von einem Ort zum anderen brachte, wie sich in luftiger Höhe von Baum zu Baum zu schwingen.

dachte Tibor lächelnd.

So eilte er seinem Ziel entgegen, begleitet nur von den Lauten im Dickicht verborgener Tiere. Hier kreischten Äffchen, dort zischelten Reptilien, und in den Baumkronen zeterten und schimpften Vögel, die sich in ihrer Ruhe gestört fühlten. Unter ihm flogen farbenprächtige, exotische Blüten dahin. Vorhänge aus Licht schufen im Unterholz und in mannshohen Farnkolonien ein Spiel aus Licht und Schatten, ein faszinierender Anblick, der sich nur jenen erschloss, die Sinn für die Schönheit der Natur hatten.

Leises Murmeln erregte Tibors Aufmerksamkeit, und gleich darauf erspähte er inmitten des allgegenwärtigen Grüns das blaue Schimmern des Flüsschens. Das Sonnenlicht funkelte und gleißte in dem nur wenige Meter breiten Flusslauf, an dem ein sich wiegendes Meer aus Schilfgras wucherte. Tibor glitt von der Liane zu Boden und orientierte sich.

Nach einem halben Kilometer blieb das Schilf zurück, und das Gewässer legte sich in eine scharfe Biegung. Sand hatte sich in der Kehre abgelagert, an die sich Tibor erinnerte. Seine nackten Füße erzeugten schmatzende Geräusche, als er zum Wasser hinunterging, in dem sich Bäume und Sträucher spiegelten.

Tibor ging in die Hocke, und sein eigenes Spiegelbild schaute ihm entgegen. Nur Sekunden vergingen, bis er die Bestätigung erhielt, dass er sich nicht geirrt hatte. Im Sand lagen Diamanten, mehr als er für seinen Zweck benötigte. Als er die Hand ausstreckte, um danach zu greifen, fiel ein Schatten aufs Wasser.

Eine mächtige Gestalt stand hinter Tibor. Sie hob einen Knüppel zum Schlag.

*

Während Professor Dobbs und Miss Hudson das Lager errichteten, hockte Kerak an einem Baumstamm. Regungslos verfolgte er das Treiben der Zweibeiner. Pip und Pop hingegen tollten aufgekratzt umher. Mal kletterten die Äffchen auf die Schultern des Gorillas, von denen er sie gleich wieder verscheuchte, mal stiegen sie auf einen Baum, wo sie in einer Astgabel schnatterten und nach dem Sohn des Dschungels Ausschau hielten. Die Elefanten verweilten mit schwingenden Rüsseln am Rand der Lichtung. Sie waren klug genug, sich von dem sumpfigen Gelände fernzuhalten, das den Lastwagen zum Verhängnis geworden war.

»Hoffentlich bleibt Tibor nicht so lange weg«, sagte Miss Hudson. »Mir ist es nicht geheuer so ganz allein in der Wildnis.«

»Machen Sie sich keine Sorgen«, entgegnete Dobbs. »Kerak passt auf, dass wir keine unangenehme Überraschung erleben. Außerdem bin ich sicher, dass uns keine Gefahr droht. In dieser Gegend scheint es keine wilden Tiere zu geben, die uns gefährlich werden könnten. Tibor hätte uns sonst gewarnt.«

»Ja, da haben Sie wohl recht.«

Immer wieder schaute der Professor zu den versunkenen Lastwagen hinüber. Der Verlust der Fahrzeuge kam ihn ebenso teuer zu stehen wie der seiner technischen Geräte. Tibors Hilfe ließ sich nicht hoch genug bewerten. Die in Aussicht gestellten Diamanten sorgten dafür, dass Dobbs sein den Tombos gegebenes Versprechen halten konnte. Er zuckte zusammen, als ein langgezogener Schrei Pips und Pops Schnattern übertönte.

Miss Hudson drehte den Kopf in alle Richtungen. »Was ist das?«

»Tibors Dschungelruf.«

Kerak sprang auf und schüttelte die schon wieder wie Kletten an ihm hängenden Äffchen ab. Grunzend brach er durchs Unterholz und verschwand im Dschungel.

»Was mag das zu bedeuten haben?« Miss Hudson rückte ihre Brille zurecht. »War das vielleicht ein Hilferuf an Kerak? Hoffentlich ist Tibor nichts zugestoßen.«

»Bestimmt nicht. Tibor kennt sich bestens im Dschungel aus und weiß sämtlichen Gefahren zu trotzen.« Dobbs schaute in die Richtung, in die der Gorilla verschwunden war. Entgegen seiner Versicherung plagten auch ihn Zweifel.

*

Auch die Dschungelpolizisten vernahmen den ihnen wohlbekannten Ruf. Zwar wussten sie, dass er von Tibor stammte, nicht jedoch, was er bedeutete. Sie sahen nur, dass der Gorilla wie von der Tarantel gestochen aufsprang und auf allen Vieren in den Dschungel rannte. Unschlüssig berieten sie, wie sie sich verhalten sollten.

»Ob Tibor Lunte gerochen hat?«, grübelte Brown. »In dem Fall können wir warten, bis wir schwarz werden.«

»Befragen wir die Wissenschaftler«, schlug Peterson vor.

»Die wissen bestimmt nicht mehr als wir.«

»Vielleicht doch. Es ist einen Versuch wert.«

»Hiergeblieben!«, hielt Sergeant Andrews seine Kameraden zurück, bevor sie aus dem Dickicht treten konnten. »Die Lage ist zu unübersichtlich. Vielleicht kündigt der Urwaldschrei sogar Tibors bevorstehende Rückkehr an. Wir warten weiterhin ab.«

Die dem Sergeanten unterstellten Brown und Peterson fügten sich der Anweisung. Geduldig harrten die Polizisten in ihrem Versteck aus. Hin und wieder warf Brown den Elefanten verstohlene Blicke zu. Die Nähe der Dickhäuter war ihm nicht geheuer. Die Uniformierten brauchten nicht lange zu warten, bis Kerak zurückkehrte.

»Blinder Alarm«, brummte Peterson. »Der Affe hat Früchte geholt.«

»Was heißt blinder Alarm?« Brown war anderer Ansicht. »Tibor muss Lunte gerochen haben. Wieso schickt er sonst den Affen her,...



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