E-Book, Deutsch, Band 2, 140 Seiten
Reihe: Tibor
Mehnert Tibor 2: Ein Drittel fehlt
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-86305-188-4
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 2, 140 Seiten
Reihe: Tibor
ISBN: 978-3-86305-188-4
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Achim Mehnert wurde 1961 in Köln geboren. Seiner Heimatstadt ist der bekennende Lokalpatriot bis heute treu geblieben. Nach Kindergarten, Schule und Abitur folgte eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Zum Schreiben kam Achim Mehnert durch das Science-Fiction-Fandom. Zunächst verfasste er Kurzgeschichten für Fanzines, später für Zeitungen und Anthologien. Noch während seiner beruflichen Laufbahn veröffentlichte er erste Romane. Die Piccolos von Hansrudi Wäscher begeisterten ihn schon als Jungen. Er empfindet es als Auszeichnung, Tibor, dem Comichelden unzähliger Kinder und Jugendlicher, ein literarisches Gesicht verleihen zu dürfen.
Autoren/Hrsg.
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EINS
Major Deakins war mit Papierkram beschäftigt, als es an der Tür seines Büros klopfte. Er legte den Stift beiseite und zog seine Uniformjacke zurecht.
»Herein!«
Sergeant Waters trat ein. »Die Inspektoren der Minengesellschaft sind von den Goldfeldern herübergekommen«, meldete er das Eintreffen von zwei Besuchern. »Sie haben ihren Besuch angekündigt.«
Die Burschen kamen Deakins im Moment gar nicht recht, da er mitten in einem Berg von Arbeit steckte. Abwimmeln konnte er sie aber auch nicht. Er nickte. »Also schön, Sarge, führen Sie die Herren herein!«
Waters ging hinaus und kam gleich darauf mit zwei bulligen Männern zurück. Man sah ihnen an, dass sie sich viel im Freien aufhielten. Sie waren viel in der Welt herumgekommen, und das Wetter hatte ihre Haut nicht nur auf dem schwarzen Kontinent gegerbt. Deakins begrüßte sie zuvorkommend.
»Danke, dass Sie uns empfangen, Major«, ergriff der Kleinere von beiden das Wort. Er stellte sich als Anderson vor.
Sein Begleiter Burns sagte: »Dies ist unsere erste Ausbeute. Bitte sehr! Voll mit Goldstaub.«
Anderson und Burns legten ein Dutzend schwerer Säcke auf dem Schreibtisch des Majors ab. Sie schnauften vernehmlich – entweder wegen der Hitze oder wegen der ausgestandenen Angst, auf dem Weg in die Station ausgeraubt zu werden.
Deakins betrachtete die Säcke. »Donnerwetter, Leute, das ist ja ein Vermögen in Goldstaub!«
*
»Deshalb bittet die Minengesellschaft Sie, das Gold sicher nach Nairobi bringen zu lassen, Major. Uns ist der Transport zu gefährlich, seitdem die Mau-Mau die Gegend in Angst und Schrecken versetzt haben. Zivile Transporte haben wenig Aussicht, ihr Ziel zu erreichen.«
»Weil sie meistens zu auffällig sind.« Deakins hatte Verständnis für die Vorsicht der Männer. Die Mau-Mau waren in der Tat eine Bedrohung, die nicht unterschätzt werden durfte. Ihr Aufstand war zwar niedergeschlagen worden, doch einzelne Gruppen durchstreiften weiterhin die Gegend. Das war der Grund, warum in Deakins' Polizeistation eine starke Einheit stationiert war.
»Sie sind wesentlich besser ausgerüstet, um sich gegen Angriffe zu verteidigen«, sagte Burns.
»Richtig. Ich werde alles Nötige in die Wege leiten«, sagte der Major seine Hilfe zu. »Wir wiegen das Gold und geben Ihnen eine Quittung.«
»Gut. Wir danken Ihnen, Major.« Anderson war die Erleichterung anzumerken, die Verantwortung für das Gold in andere Hände abgeben zu können.
Deakins ließ den Goldstaub wiegen. Er war ein Vermögen wert. Kaum hatten die Inspektoren daraufhin ihre Quittung erhalten, verabschiedeten sie sich und verließen das Lager auf ihren Pferden. Deakins bestellte Sergeant Gray, dem er vorbehaltlos vertraute, in sein Büro.
Gray nahm Haltung an. »Sie wünschen mich zu sehen, Major?«
»Richtig, Sarge. Ich habe Sie kommen lassen, weil ich Sie für einen der fähigsten meiner Männer halte.«
»Danke, Sir. Aber Sie haben mich sicher nicht zu sich bestellt, um mir das zu sagen«, gab Gray zurück.
»Völlig richtig, Sergeant. Ich habe eine Aufgabe für Sie.«
»Ich höre, Major.«
»Es handelt sich um einen Spezialauftrag. Er ist äußerst wichtig. Ich dachte dabei gleich an Sie.«
»Das ehrt mich, Sir.«
Deakins deutete auf die Goldsäcke auf seinem Schreibtisch. »Das ist Gold der Minengesellschaft. Es muss nach Nairobi gebracht werden. Es ist ein erkleckliches Sümmchen wert. Entsprechend heiß ist die Fracht. Trauen Sie sich die Aufgabe zu, das Gold unangetastet an sein Ziel zu bringen, Sarge?«
»Allein, Major?«
»Ja, allein. Ich habe lange darüber nachgedacht. Ein einzelner Mann ist unauffälliger. Ein größeres Aufgebot würde Neugier wecken und die Aufmerksamkeit der Rebellen auf sich ziehen. Das will ich vermeiden.«
»Ich würde genauso vorgehen. Bei einer solchen Menge Gold ist nur wenigen zu trauen.«
»Ich weiß, dass Sie diese Gegend wie Ihre Westentasche kennen, Sergeant Gray. Das ist ein weiterer Grund, weshalb ich Sie ausgewählt habe. Vorausgesetzt, Sie trauen sich die Aufgabe zu. Ich stelle Ihnen frei, zuzustimmen oder abzulehnen.«
»Sir?«
»Weil der Transport des Goldes gefährlich ist. Das will ich nicht verleugnen. Sie haben es eben selbst gesagt. Sollten gewisse Elemente Wind von dem Transport bekommen, ist das Leben des Boten in höchster Gefahr. Ich brauche dafür einen Mann, der die Mission aus freien Stücken auf sich nimmt.«
»Ich nehme ein Pferd, dann bin ich nicht auf die Straße angewiesen«, sagte Gray. »Ich reite am Fluss entlang und dann quer durch die Steppe. Das ist der unauffälligste Weg nach Nairobi. Ich bin sicher, dass die Mau-Mau auf dieser Strecke nicht mit einem Transport rechnen.«
Deakins nickte. »Sehr gut. Ich wusste, dass ich mich auf Sie verlassen kann, Sarge.«
»Selbstverständlich, Sir. Wann soll ich aufbrechen?«
»Halten Sie sich für morgen früh bereit!«
»Verstanden, Sir.« Sergeant Gray salutierte zackig und verließ das Büro seines Vorgesetzten.
*
Major Deakins und Sergeant Gray bemerkten nicht, dass sie belauscht wurden. Dan Cramer war zufällig an dem Gebäude vorbeigekommen und wurde Zeuge der Unterhaltung. Er spitzte die Ohren, als die Sprache auf das Gold kam, und hörte bis zum Ende des Gesprächs zu. Was er erfuhr, elektrisierte ihn. Mehrere Säcke mit Gold stellten ein Vermögen dar. So viel Geld konnte er bei der Dschungelpolizei im ganzen Leben nicht verdienen. Fast wäre ihm vor Überraschung ein Pfiff über die Lippen gekommen. Er konnte sich gerade noch beherrschen.
Er sah den Reichtum buchstäblich vor sich liegen. Er brauchte sich nur zu bücken und zuzugreifen. Einen solchen Wink des Schicksals durfte er nicht unbeachtet lassen. Wer in einem solchen Fall nicht zugriff, war ein Dummkopf. Er hatte sich diese Chance verdient, fand Cramer. Seit zwei Jahren war er auf dem schwarzen Kontinent stationiert. Was hatte es ihm eingebracht? Nichts, aber auch gar nichts. Sein Sold war bescheiden, und seit er einmal angetrunken seinen Dienst angetreten hatte, war ihm der Aufstieg auf der Karriereleiter für alle Zeiten verbaut.
Er entfernte sich vom Dienstgebäude des Kommandanten, um nicht aufzufallen. Morgen früh also würde Gray aufbrechen auf einer Route, die er für sicher hielt. Bis dahin blieb genug Zeit, um einige Vorbereitungen zu treffen.
Ein Plan begann in Cramer zu reifen. Vor allen Dingen brauchte er Unterstützung. Sergeant Gray war ein fähiger Polizist, genau das, was man einen Wadenbeißer nannte. Sein Pflichtbewusstsein ging ihm über alles. Einer Aufgabe würde er bis zum letzten Atemzug nachgehen, ohne jeden Kompromiss. Er käme niemals auf die Idee, das Gold freiwillig herauszurücken, wenn er dadurch sein Leben rettete. Das machte ihn gefährlich.
Deshalb gedachte Cramer in die nahegelegene Goldgräbersiedlung zu reiten, in der neben manch ehrlicher Haut auch allerlei Gesindel und Lumpenpack nach Nuggets schürfte. Kaum einer der unabhängigen Goldsucher, welche nicht der Minengesellschaft angehörten, hatte je viel mehr als ein paar Unzen Gold ans Tageslicht befördert oder würde es jemals tun. Die Kerle sahen zu, dass sie sich halbwegs leidlich über Wasser hielten. Einige waren aus der Not heraus zu skrupellosen Halsabschneidern geworden, andere waren es bereits ihr Leben lang gewesen.
So wie Bill und Sam. Diese beiden waren genau die Richtigen für Cramers Plan. Mit ihnen war der Überfall auf Gray ein Kinderspiel. Wenn sie das Gold durch drei teilten, war jeder von ihnen ein gemachter Mann.
Cramer spie aus. Der Dschungel mit seinen Wilden und all dem Viehzeug, dem man besser nicht zu nahe kam, konnte ihm dann gestohlen bleiben.
Ein reicher Mann, frohlockte er mit einem schiefen Grinsen. Bald schon werde ich ein reicher Mann sein.
Er ging zu seinem Pferd in den Stallungen und sattelte auf. Mit einem Satz saß er auf und ritt gemächlich zum Tor. Die Dummköpfe, die zur Wache eingeteilt waren, durften keinen Verdacht schöpfen.
»Wohin willst du, Cramer?«, fragte einer.
»Doch nicht desertieren?«, scherzte ein anderer.
»Ihr Witzbolde!« Cramer machte gute Miene zum bösen Spiel. Er grinste die Dummköpfe kumpelhaft an. »Ich habe dienstfrei, Jungs. Ich reite nach Little Nugget hinüber und gieße mir einen hinter die Binde. Vor morgen Abend braucht ihr nicht mit mir zu rechnen.«
Gelächter brach aus.
»Das ist Cramer, wie wir ihn kennen.«
»Übertreib es nicht, Dan. Denk daran, dass der Alte dich seit dem letzten Zwischenfall auf dem Kieker hat. Wenn du besoffen zurückkommst und falsch herum auf deinem Gaul sitzt, hast du es dir endgültig mit ihm verdorben.«
»Danke für den Tipp.« Cramer grinste anzüglich. »Ich werde ihn beherzigen. Bis morgen, Jungs.«
»Viel Spaß!«, riefen sie hinter ihm her, als er durch das Tor ritt und sein Pferd in leichten Trab verfiel.
Diese Narren würden ihn nicht wiedersehen. Major Deakins schon gar nicht. Sie alle konnten ihm gestohlen bleiben. Sobald er außer Sichtweite war, setzte Cramer seinen Weg im Galopp fort.
*
Dan Cramer galoppierte am Flussufer entlang. Dort, wo keine Bäume standen, kam er am einfachsten voran. Unablässig kreisten seine Gedanken nur um ein Thema. Er hatte bis zum morgigen Abend frei, und am morgigen Abend wäre er bereits ein reicher Mann.
Er war jederzeit darauf vorbereitet, nach der Waffe in seinem...




