E-Book, Deutsch, Band 5, 164 Seiten
Reihe: Tibor
Mehnert Tibor 5: Im Tal der Ungeheuer
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-86305-199-0
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 5, 164 Seiten
Reihe: Tibor
ISBN: 978-3-86305-199-0
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Achim Mehnert wurde 1961 in Köln geboren. Seiner Heimatstadt ist der bekennende Lokalpatriot bis heute treu geblieben. Nach Kindergarten, Schule und Abitur folgte eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Zum Schreiben kam Achim Mehnert durch das Science-Fiction-Fandom. Zunächst verfasste er Kurzgeschichten für Fanzines, später für Zeitungen und Anthologien. Noch während seiner beruflichen Laufbahn veröffentlichte er erste Romane. Die Piccolos von Hansrudi Wäscher begeisterten ihn schon als Jungen. Er empfindet es als Auszeichnung, Tibor, dem Comichelden unzähliger Kinder und Jugendlicher, ein literarisches Gesicht verleihen zu dürfen.
Autoren/Hrsg.
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EINS
Nachdem das letzte Abenteuer glücklich ausgegangen war, hatte Tibor endlich Zeit, an seiner Hütte zu bauen. Der Gorilla Kerak war ständig an seiner Seite und unterstützte den Sohn des Dschungels, wo er nur konnte. Die Freunde arbeiteten emsig, und Tibors aus Bambus gebautes Haus nahm in einer Baumkrone rasch Gestalt an. Es stand auf einer stabilen Plattform aus Bambus und war beinahe fertig.
»Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass Bulgor uns nicht mehr auflauert«, sagte Kerak.
»Es war ein hartes Stück Arbeit, ihn davon zu überzeugen, dass ich nicht sein Feind bin«, antwortete Tibor in der Sprache der Tiere, die er längst perfekt beherrschte. »Aber es hat sich gelohnt.«
Die gefährlichen Auseinandersetzungen mit dem Elefanten lagen einige Tage zurück. Bulgor hatte seinen Fehler eingesehen und würde künftig immer für sie da sein. Dieses Wissen vermittelte Tibor ein gutes Gefühl. Er trug einen Stapel Bambusstäbe, als ihn etwas Hartes am Hinterkopf traf. Er fuhr herum, doch niemand war zu sehen. Dafür entdeckte er eine vor seinen Füßen liegende Frucht. Offenbar war sie es gewesen, die ihn getroffen hatte.
»Aua!«, stieß Kerak aus.
Ein Hagel aus Obst prasselte auf die Freunde herab. Tibor hielt vergeblich Ausschau. Er konnte nicht erkennen, woher sie kamen.
»Wer bewirft uns denn da mit Früchten?«, fragte er verwundert.
»Bestimmt kleine Affen.« Kerak schirmte seinen Schädel mit seinen gewaltigen Pranken ab. »Ihnen traue ich so etwas zu, denn sie haben immer nur Unsinn im Kopf.«
Den würde Tibor ihnen gleich austreiben. »Na, wartet!«, murmelte er lächelnd. »Lenke du ihre Aufmerksamkeit auf dich!«
Während Tibor einige Bananen auf die Plattform legte, arbeitete Kerak weiter, als sei nichts geschehen. Er ignorierte die Früchte, die jetzt nur noch vereinzelt geflogen kamen. Tibor huschte in die Hütte und legte sich hinter der Bambuswand auf die Lauer. Von dort hatte er die ganze Plattform im Auge. Es dauerte nicht lange, bis zwei kleine Äffchen hinter Keraks Rücken herbeigesprungen kamen. Sie lachten und feixten, da sie sich unbemerkt wähnten.
»Stibitzte Bananen schmecken immer am besten.«
»Nehmen wir sie und verschwinden wieder!«
»Oder auch nicht.« Als sie zugriffen, sprang Tibor aus seinem Versteck. Bevor die Äffchen entwischen konnten, hatte er sie bereits an den Schwänzen gepackt und hob sie in die Höhe.
Sie keiften, weil sie nicht entkommen konnten. Tibor ließ sie eine Weile zappeln. Sie strampelten verzweifelt und stießen keckernde Laute aus. Als sie begriffen, dass ihnen das nichts nützte, beruhigten sie sich und verlegten sich aufs Jammern.
»Bitte, lass uns los!«
»Wir werden euch auch nicht wieder stören.«
»Nur unter der Bedingung, dass ihr uns helft«, sagte der Sohn des Dschungels.
»Ja, wir versprechen es. Wir werden alles tun, was du verlangst.«
»Hm«, machte Kerak, der sich dazugesellt hatte. »Glaub ihnen nicht! Den kleinen Burschen kann man nicht trauen. Sobald sie frei sind, springen sie davon und lachen uns aus.«
Tibor setzte die Äffchen auf dem Boden ab. Er grinste amüsiert in sich hinein. »Dann ist es auch nicht schlimm. Ich kann den komischen Kleinen ja doch nichts antun. Sollen sie Reißaus nehmen, wenn sie wollen.«
Die Äffchen dachten nicht daran. »Wir laufen nicht fort. Wir haben versprochen, euch zu helfen. Das halten wir ein. Also, was sollen wir tun?«
Kerak kratzte sich am Schädel. »Ist das denn möglich? Sie meinen es wirklich ernst.«
Tibor war nicht weniger überrascht als der Gorilla. »Hier, nehmt diesen Krug und holt Wasser aus dem Fluss! Dafür bekommt ihr die Bananen.«
»Wird gemacht.«
Die kleinen Affen ergriffen das Gefäß und hangelten sich durch die Baumkrone. Gleich darauf verlor Tibor sie aus den Augen. Wenn sie nicht zurückkamen, war der Krug kein großer Verlust. Aber die Äffchen hielten Wort. Wenig später schleppten sie den mit Wasser gefüllten Krug herbei. Tibor gab ihnen die Bananen, über die sie mit Heißhunger herfielen.
»Wenn du uns immer so schöne Bananen gibst, helfen wir dir öfter.«
»Übrigens, ich heiße Pip, und das ist mein Bruder Pop.«
Tibor musste lachen. »Sehr erfreut. Ich heiße Tibor, und das ist mein Freund Kerak.«
Pip und Pop zeigten keine Scheu vor dem großen Affen. Wie selbstverständlich kletterten sie auf seine breiten Schultern. Kerak brummte ein wenig, ließ sie aber gewähren. Nach der Arbeit gingen die Freunde zum Fluss hinunter, um sich zu erfrischen. Die heiße Sonne hatte Tibor erschöpft. Er freute sich auf ein Bad in den kühlen Fluten. Die Äffchen klammerten sich immer noch an Kerak fest.
»Hüpft mit hinein!«, forderte Tibor die neuen Freunde auf. »Das kühle Wasser ist eine Wohltat. Ihr glaubt nicht, wie gut es tut.«
Pip quiekte entsetzt. »Nasses Wasser! Igitt, nein!«
»Wir haben Angst, dass sich unsere Flöhe erkälten«, zeterte Pop.
Die beiden waren witzige Bürschchen. Lachend sprang Tibor ins Wasser. Es erfrischte ihn augenblicklich. Mit kräftigen Zügen schwamm er bis zur Flussmitte. Dort drehte er sich auf den Rücken und ließ sich von der Strömung treiben. Es gab nichts Schöneres, als sich ein solches Bad zu gönnen, das Körper und Geist gleichermaßen reinigte. Er sah, dass Kerak ihm das Ufer entlang folgte. Auch der Gorilla traute sich nicht ins Wasser. Tibor blinzelte in die hoch am Himmel stehende Sonne. Für einen Moment schloss er die Augen und genoss die Fluten, die ihn mit sich trugen. Als er sie wieder öffnete, fühlte er sich wie ein neuer Mensch. Er schwamm zurück und stieg ans Ufer. Bevor die Affen ihn einholten, gewahrte er eine Bewegung im Unterholz. Plötzlich bohrte sich ein Speer neben ihm in einen Baumstamm.
Tibor fuhr herum. Hinter einem Busch hockte ein Eingeborener und starrte ihn aus großen Augen an. Ehe Tibor zum Gegenangriff übergehen konnte, war Kerak heran. Er packte den Schwarzen und zog ihn ins Freie. Grollend schüttelte er ihn wie eine Puppe, die nichts wog.
»Hilfe!«, schallte es weithin.
»Halt, Kerak!«, hielt Tibor den Gorilla zurück. »Du bringst ihn ja um!«
»Er hat dich aus dem Hinterhalt angegriffen. Er muss sterben.«
Daran war Tibor nicht gelegen. Der Angriff war heimtückisch erfolgt, dennoch lag es ihm fern, sich auf diese Weise zu rächen. Niemand hatte den Tod verdient, auch wenn Kerak das anders sah.
»Nein, bitte nicht! Lass nicht zu, dass der große Affe mich tötet, Fremdling mit der hellen Haut!«, flehte der Schwarze.
»Es reicht, Kerak. Setz ihn auf dem Boden ab!«
»Wie du willst.« Der Gorilla gehorchte. Er stellte den Angreifer auf die Füße, ohne ihn aus den Augen zu lassen.
»Nun erzähl!«, verlangte Tibor. »Warum hast du mich angegriffen?«
»Ich bin auf der Flucht. Als ich es im Gebüsch rascheln hörte, dachte ich, es wären meine Verfolger, die mich eingeholt haben.«
»Ich gehöre nicht zu ihnen. Weshalb hast du deinen Speer trotzdem nach mir geworfen?«
»Er war mir bereits aus der Hand geflogen, als ich erkannte, dass du keiner von ihnen bist. Ich wollte nicht auf dich werfen. Es tut mir leid. Bitte, verzeih mir!«
Tibor wusste nicht recht, was er von der Erklärung halten sollte. »Wie lautet dein Name?«
»Om-El.« Der Schwarze warf Kerak misstrauische Blicke zu.
Tibor nannte seinen und die Namen seiner Freunde. »Du sprichst die Sprache der großen Affen, Om-El. Woher kommst du, und wer verfolgt dich? Hier in diesem Gebiet gibt es keine Eingeborenenstämme.«
»Ich komme aus dem Land jenseits der toten Sümpfe.«
»Wie? Du behauptest, von dort hierher geflohen zu sein?«
»So ist es.«
»Er lügt.« Kerak packte den Gefangenen an der Kehle. »Es gibt keinen Weg durch die Sümpfe.«
»Doch, es gibt einen Weg.« Om-El sackte in sich zusammen wie ein Häufchen Elend. Er zitterte am ganzen Körper.
»Lass ihn endlich in Ruhe, Kerak! Du siehst doch, dass er keine Gefahr darstellt. Und du, Om-El, erzähl weiter!«
»Dazu bleibt keine Zeit. Lass mich gehen! Es wird nicht lange dauern, bis meine Feinde den Weg ebenfalls gefunden haben. Sie werden nicht aufgeben, bis sie mich wieder in ihre Gewalt bekommen haben. Wenn das geschieht, bin ich verloren.«
»Verrate mir, weshalb sie dich verfolgen.«
Om-El riss die Augen auf und deutete aufs Wasser hinaus. »Zu spät. Da – sie kommen. Ich bin des Todes.«
Tibors Blick folgte dem ausgestreckten Arm. »Bei allen Dschungelgeistern, das gibt es nicht.«
Mehrere Krieger kamen aus dem Fluss gewatet. Sie waren nicht herangeschwommen. Dann hätte der Sohn des Dschungels sie schon zuvor gesehen. Der Anblick war unheimlich. Sie kamen geradewegs aus dem Wasser, als würden sie an seinem Grund leben. Tibor begriff nicht, wie das möglich war. Etwas anderes sah er jedoch auf Anhieb. Sie trugen Speere und machten keinen freundlichen Eindruck.
»Was sollen wir tun?«, fragte Kerak.
»Wenn sie kommen, um Unfrieden zu stiften, verbiete ich ihnen, meinen Dschungel zu betreten.«
»Nein, geh nicht zu ihnen!«, hielt Om-El ihn zurück. »Sie besitzen nicht nur ihre Speere, sondern haben Blasrohre bei sich, mit denen sie vergiftete Pfeile abschießen können.«
Tibor hielt inne. Dieses Risiko durfte er nicht eingehen. Er zog den Speer aus dem Baum und behielt ihn. »Sie...




