E-Book, Deutsch, Band 13, 176 Seiten
Reihe: Die Kaminski-Kids (E-Books)
Meier Die Kaminski-Kids: Spurlos verschwunden
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-03848-688-6
Verlag: Fontis
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
mit Illustrationen von Lisa Gangwisch
E-Book, Deutsch, Band 13, 176 Seiten
Reihe: Die Kaminski-Kids (E-Books)
ISBN: 978-3-03848-688-6
Verlag: Fontis
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Im neuen Band der Bestseller-Reihe ist eines Tages plötzlich keine Spur von Debora mehr zu finden. Simon und Raffi durchstöbern Haus und Hof und durchkämmen mit ihrem Collie die ganze Gegend - erfolglos. Familie Kaminski schaltet die Polizei ein. Ein Personensuchhund nimmt die Fährte auf. Die führt bis zur Straße vor dem Hof und endet dort unvermittelt. Ist Debora in ein Auto gestiegen? Niemals würde sie freiwillig mit Fremden mitfahren. Wurde Debora entführt? Der ungeheuerliche Verdacht scheint sich zu erhärten ...
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
2. Wie vom Erdboden verschluckt
Ein lautes Schnaufen kam auf Raffi zu. Sie zitterte vor Angst und wagte sich nicht zu rühren. Aus den Augenwinkeln sah sie einen Lichtstrahl über das Gras huschen. Er kam immer näher …
Nun strich der Schimmer knapp neben ihr vorbei.
Ihr blieb fast das Herz stehen.
Der grelle Schein erfasste sie und blendete in ihren Augen.
«Da bist du ja!» Sie erkannte die Stimme. Es war Vater. «Ich hab dich schreien hören, Raffi! Was ist denn los?»
Keuchend kniete er neben ihr nieder. «Bist du verletzt?»
Die Kleine brachte kaum einen Ton heraus. Angstvoll setzte sie sich auf und zeigte ins Schilf. «D-da!», stammelte sie. «Da ist was!»
«Wo?» Vater erhob sich und leuchtete mit der Taschenlampe die Stelle ab.
Angespannt musterte er das Dickicht.
Doch er konnte nichts entdecken.
«Bist du sicher?», fragte er.
«Ja … Ein riesiger Schatten kam plötzlich auf mich zu, und da bin ich hingefallen.»
«Ein Schatten?»
«Mhm. Schrecklich. Ich konnte jedoch nicht genau erkennen, was es ist …»
«Aber Debora hast du nirgends gesehen?»
«N-nein.»
Vater richtete die Stablampe noch einmal auf das Schilf und trat vorsichtig darauf zu.
Er starrte die Stelle durchdringend an.
Es war keine Regung zu sehen. Nicht der leiseste Hauch.
Aufmerksam ging Vater am Ufer entlang und leuchtete sorgfältig in jeden Winkel des feuchten Gestrüpps.
Doch es gab nichts Auffälliges weit und breit.
«Tja», sagte er nach einer Weile. «Vielleicht war's ein Tier.» Ganz überzeugt klang er allerdings nicht.
Er kam zurück, streckte Raffi die Hand hin und half ihr hoch. «Dann wollen wir mal, sonst erkältest du dich noch.»
Fürsorglich legte er den Arm um ihre Schulter und ging mit ihr zurück zum Haus.
Unterwegs wandte er einige Male den Kopf, um zu überprüfen, ob ihnen jemand folgte.
Aber da war niemand.
Jedenfalls niemand, den er sehen konnte …
Auf dem Kaminski-Hof wartete Mutter im Dunkeln vor dem Haus. Raffi rannte auf sie zu, schmiegte sich an sie und erzählte aufgeregt von ihrem Erlebnis am Fluss.
Gleichzeitig kam Zwockel hechelnd auf den Hof und lief im Kreis herum.
Simon folgte wenig später. «Nichts», verkündete er außer Atem. «Weder auf dem Pferdehof noch im Baumhaus. Und ihr?»
«Keine Spur», erwiderte Vater. «Ist Debora vielleicht mit dem Fahrrad weg?»
«Nein», antwortete Mutter. «Ihr Rad ist da, ich hab nachgesehen. Wo könnte sie denn bloß stecken? Das hat sie doch noch nie getan, so ohne ein Wort fortzubleiben.»
«Mach dir keine Sorgen», versuchte Vater sie zu trösten. «Sie ist ja noch nicht groß verspätet.»
«Bei jemand anderem wäre das vielleicht nicht lang», wandte Mutter ein. «Aber Debora ist zuverlässig wie eine Uhr. Sie kommt nie zu spät, nicht mal fünf Minuten … Wenn sie so lange fehlt wie jetzt, dann stimmt etwas nicht …»
Zwockel schnupperte bei der Blumenhandlung am Boden herum. Plötzlich begann er zu bellen.
«Was ist denn, Zwockel? Komm her!»
Doch der Collie blieb an Ort und Stelle und bellte bloß noch heftiger.
«Ich schau mal nach …» Simon ging zum Hund hinüber.
Raffi und die Eltern folgten dem Jungen, und Vater leuchtete mit der Taschenlampe das Kopfsteinpflaster vor dem Laden ab.
Im Lichtstrahl glitzerte etwas.
Ein goldenes Kettchen mit einem zierlichen Goldkreuzchen als Anhänger.
«Debis Kettchen!» Simon hob es auf und betrachtete es aus der Nähe. «Es ist zerrissen …»
Die Eltern warfen sich einen besorgten Blick zu.
«Seltsam», meinte Raffi. «Wann hat sie das denn hier verloren?»
«Sie muss doch gemerkt haben, wie es zerrissen ist und runterfiel», meinte Simon.
«Aber warum hat sie's dann nicht aufgehoben?», wandte die Kleine ein. «Das Kettchen bedeutet ihr doch so viel …»
Simon nickte ernst. «Eben! Sie hat es bestimmt nicht freiwillig liegenlassen … Da stimmt eindeutig was nicht!»
«Oh-oh», murmelte Raffi bange.
«Kommt», sagte Vater. «Lasst uns reingehen und drinnen weitersprechen. Wir müssen euch auch noch was anderes erzählen. Wir haben nämlich im Blumenladen etwas entdeckt, als ihr nach Debora gesucht habt …»
Während sie ins Haus gingen, berichteten die Eltern den Kids vom Diebstahl aus der Ladenkasse.
Aufgewühlt setzten sich alle zu Opa in die Küche.
Das Essen erkaltete. Niemand brachte auch nur einen Bissen hinunter.
Simon legte das Goldkettchen auf den Tisch und schilderte Großvater, wo sie es gefunden hatten.
«Hmm», brummte der alte Mann. «Merkwürdig …»
«Offenbar hatte sie keine Zeit, es mitzunehmen», meinte Mutter. «Entweder weil sie's aus irgendeinem Grund so eilig hatte …»
«Oder», ergänzte Simon, «weil sie daran gehindert wurde, es aufzuheben.»
«Was?» Raffi blickte erschrocken hoch. «Von wem denn gehindert?»
«Vielleicht vom Ladendieb. Vielleicht hat sie ihn überrascht, es gab einen Kampf, und dabei hat sie das Kettchen verloren. Und dann hat er sie mitgenommen, um sich zu schützen.»
«Das wäre ja schrecklich!», rief Raffi.
«Wir sollten jetzt nicht gleich das Schlimmste denken», brummte Opa. «Es gibt ja noch ganz andere Möglichkeiten. Vielleicht kommt Debora schon bald wieder zur Tür hereinspaziert.»
«Oder», fügte Mutter hinzu, «vielleicht ist sie auch von sich aus weggegangen, und es hat gar nichts mit dem Diebstahl zu tun …»
«Weggegangen?»
«Ja, ausgerissen, fortgelaufen …»
«Was?» Die Kleine schaute sie verständnislos an. «Wieso sollte Debi das denn tun?»
Vater dachte nach. «War sie euch gegenüber in letzter Zeit irgendwie anders als sonst?»
«Schon ein bisschen», murmelte Simon. «Besonders seit ihrem Besuch bei Manuel letztes Wochenende. Ich denke, es könnte vielleicht was mit ihm zu tun haben – dass sie Probleme in ihrer Freundschaft haben oder so was in der Art. Aber sie wollte nicht darüber reden.»
«Ja, mit mir auch nicht.» Raffi nahm ihren Esslöffel und spielte unruhig damit herum. «Debi war diese Woche wirklich ein wenig seltsam.»
«Auf welche Art seltsam?», wollte Mutter wissen.
«Na, sie fand überhaupt nichts lustig, hat kaum geredet. Sie war wie in einer anderen Welt …»
Mutter nickte. «Mir ist es auch so vorgekommen, als hätte irgendwas sie beschäftigt, worüber sie mit uns nicht sprechen wollte. Vielleicht ist sie deshalb ausgerissen …»
«Und noch was.» Simon sah seine kleine Schwester an. «Hast du nicht gesagt, Debi wäre heute Nachmittag noch bei ihrer Stute gewesen? Das tut sie doch sonst nie freitags, dann geht sie ja immer nach der Schule Reklame austragen, um das Geld fürs Reiten zu verdienen.»
«Stimmt», bestätigte Raffi. «Sie hat in unserem Zimmer noch mit Suila telefoniert und ihr gesagt, sie solle heute alleine Reklame verteilen gehen.»
«Das alles ist schon ein wenig eigenartig», murmelte Vater. «Aber es muss trotzdem nicht bedeuten, dass Debora weggelaufen ist.»
Mutter blickte nachdenklich durchs Fenster auf den nächtlichen Hof hinaus. «Andererseits stellt sich schon die Frage, ob das Zusammentreffen dieses Diebstahls mit Deboras Verschwinden ein Zufall ist.»
«Das wäre in der Tat ein merkwürdiger Zufall …» Opa räusperte sich. «Lasst uns für einen Moment mal etwas Unvorstellbares denken. Könnte es sein, dass Debora das Geld genommen hat und damit weggelaufen ist?»
«Niemals!», rief Raffi.
«Debi würde so was nie tun», war auch Simon überzeugt. «Dafür würde ich die Hand ins Feuer legen!»
Opa blickte ins Leere. «Manchmal geschehen im Leben Dinge, die man zuvor nicht für denkbar gehalten hätte.»
«Es ist zwar möglich», meinte Vater. «Aber nicht sehr wahrscheinlich.»
«Eines finde ich schon etwas seltsam», gab Mutter zu bedenken. «Am Freitagabend ist am meisten Geld in der Ladenkasse, weil da die Wochenrechnungen bezahlt werden. Wer außer unserer Familie weiß davon? Wer konnte wissen, dass ausgerechnet heute so viel zu holen ist?»
Vater runzelte die Stirn. «Das würde tatsächlich dafür sprechen, dass Debora das Geld genommen haben könnte. Außer uns weiß nur noch Silvia davon, und die ist ja dieses Wochenende auf einer Haushälterinnen-Fortbildung und war zum Tatzeitpunkt gar nicht mehr da. Aber trotzdem – es ist einfach undenkbar, dass es Debora war.»
Das fand auch Simon. Er konnte sich unmöglich vorstellen, dass Debora Geld stehlen und damit abhauen würde. «Wo sollte sie denn überhaupt hin? Weshalb sollte sie abhauen? Und wozu sollte sie so viel Geld brauchen? Das ergibt doch alles keinen Sinn!»
Es entstand eine bedrückende Stille. Schließlich fragte Opa: «Wer hat Debora zuletzt gesehen?»
«Vielleicht ich», antwortete Raffi. «Vom Küchenfenster aus, gleich nachdem Mami zum Essen gerufen hat. Debi ging über den Hof und verschwand um die Ecke. Da hielt vorne an der Straße ein Auto, wendete und fuhr wieder davon …»
«Was?» Vater schaute die Kleine aufmerksam an. «Von diesem Auto hast du ja noch gar nichts erzählt! Kannst du uns noch mehr dazu sagen?»
«Na ja … Ich hab dummerweise nur einen Teil davon gesehen. Es war rot …»
«Und das Kennzeichen?», fragte Simon rasch. «Konntest du's erkennen?»
...



