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E-Book, Deutsch, 428 Seiten

Meine Das Piraten U-Boot


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7526-5554-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 428 Seiten

ISBN: 978-3-7526-5554-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nach dem Roman von Percy F. Westerman 'The Pirate Submarine', erschienen in London im Jahre 1927. Die Schrottpreise fallen, das Abwrackgeschäft lohnt sich nicht mehr, die Aktionäre sitzen einem im Nacken. Was also tun? Nun, wer U-Boote der englischen Marine zerlegt, kann sie ja auch wieder herrichten und damit als Pirat sein Geld verdienen. Das spannende Geschehen - unter und über Wasser oder auch an Land - wird immer wieder abwechslungsreich aus den verschiedenen Blickwinkeln der Beteiligten beschrieben. Typisch englisch die Einstellung: Kein Verbrechen ist groß genug, solange alles sportlich abläuft und die anderen trifft.

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1. Ein Gaunerpaar


»Das war's jetzt! Messingschrott ist um weitere dreißig Schilling die Tonne gefallen, Pengelly. Dieser Absturz hat dem Markt den Boden rausgehauen. Wir stecken im Schlamassel.«

Diese Worte sprach Tom Trevorrick, Senior Partner der Firma Trevorrick, Pengelly & Co., Schiffs-Abwracker in Polkyll, in der Nähe von Falmouth. Er war ein großgewachsener, kräftig gebauter Mann, der ohne Schuhe knapp 1,90 Meter groß war, rothaarig, rotgesichtig, mit einer hohen, fliehenden Stirn und einem weit vorstehenden Kinn. Seine volle, tiefe Stimme, hatte einen überzeugenden Klang – ein unwiderstehlicher, herrischer, dennoch überzeugender Ton, der dafür verantwortlich war, dass sich die Aktionäre von Trevorrick, Pengelly & Co. von ihrem Geld trennten, mit dem absoluten Glauben an eine Dividende von zehn Prozent.

Paul Pengelly war dreiunddreißig oder drei Jahre älter als sein Partner und unterschiedlich in Körperbau und Temperament. Trevorrick repräsentierte die keltische Rasse der Männer aus Cornwall; Pengelly hatte dunkles, lockiges Haar und blassgelbliche Gesichtszüge – Vermächtnis eines iberischen Vorfahren, einer aus der Handvoll von Überlebenden eines Schiffes der Spanischen Armada, das ans Ufer der felsigen Lizard Halbinsel in Cornwall geworfen wurde. Wir erfahren in der Geschichte nichts darüber, warum die Strandräuber in Cornwall das Leben der olivfarbenen Seeleute verschont hatten, aber es gibt Berichte, die besagen, dass die schiffbrüchigen Spanier sich Frauen unter den Mädchen von Cornwall genommen hatten und dort in dem Land ihrer Aufnahme lebten und gestorben sind.

Pengelly sprach mit Bedacht, er war phlegmatisch in seinem Handeln, ausgenommen, wenn er zornig wurde. Als diskussionsfreudige Person war er der Gegenpart zur Überschwänglichkeit seines Partners. Wenn Trevorrick eine bestimmte Richtung vorschlug, wandte sich Pengelly fast immer dagegen, nicht, dass er etwas gegen den Vorschlag hatte, sondern rein aus Gewohnheit. Er war verschwiegen und vorsichtig, aber er zögerte niemals, etwas Ungesetzliches zu tun, wenn er sich ziemlich sicher sein konnte, nicht entdeckt zu werden.

Er war ein Mann mit vielen Begabungen – ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen, beherrschte aber nur wenig richtig. Wenn man ihn hätte Luftschlösser bauen lassen, würde er zu schwindelerregenden Höhen emporsteigen bei der Planung fantastischer Ideen. Manche davon könnten Wirklichkeit werden; aber dann, fast ohne Vorwarnung, verwarf er alles wieder und hatte neue Pläne.

Achtzehn Monate zuvor hatten sich Trevorrick und Pengelly zum ersten Mal getroffen. Trevorrick hatte gerade die Königliche Marine verlassen. Er war Korvettenkapitän bei der U-Boot-Flotte in Portsmouth und ist dort nicht unter den positiven Bedingungen ausgeschieden, wie sie von den Lords den nicht mehr gebrauchten Offizieren gewährt werden; er wurde unter dem 'Geddes* Plan 'geschasst'. Er stand vor einem Kriegsgericht und wurde aus den Diensten entlassen, wegen Dingen, für die es keine mildernden Umstände gibt.

[* Sir Eric Geddes, Erster Lord der Admiralität, der in der Britischen Marine aufgeräumt hat].

Trevorrick war orientierungslos, als er Pengelly kennengelernt hatte. Er verfügte nur über beschränkte Geldmittel. So war es aber auch mit Pengelly. Dessen neueste Geschäftsidee sprach den Ex-Korvettenkapitän an. Genau zu dieser Zeit wurden Hunderte von Schiffen aus dem Dienst genommen und zum Abwracken verkauft. Da war Geld herauszuholen, mit sehr wenig Kapital, das für einen Betrieb notwendig war, während überschüssige Zerstörer und Unterseeboote zu einem festen Preis von einem Pfund pro Tonne erworben werden konnten, unter der Bedingung, dass sie beseitigt werden.

Von den Hunderten, nein Tausenden von Menschen, denen die kleinen Dampfer gehören, die zwischen Falmouth und Turo – oder Malpas hin und her fuhren, würden nur wenige ein Flüsschen auf der Steuerbordseite des malerischen Flusses Fal bemerken. Noch weniger kennen es beim Namen – Polkyll Creek.

Sein Zugang ist eng – zwischen steil aufwärts führendem, dicht bewaldetem Grund. Obwohl es an seiner Mündung kaum fünfundzwanzig Yards breit ist, hat es doch bei Springfluten eine Wassertiefe von dreißig Fuß. Zweihundert Yards weiter oben erweitert sich das Flüsschen. Das eine Ufer behält seine steil abfallende, natürliche Umgebung, voll mit Bäumen. Das andere ist abgesenkt und bildet einen flachen Landgürtel zwischen sich und dem hohen Gelände dahinter.

Auf dieser Seite, versteckt durch eine Biegung im Verlauf des Flusses Fal, stand eine verlassene Werft. Vor einem Jahrhundert, als sich Falmouth auf der Höhe seiner Entwicklung als Hafenstadt für den Waren- und Postverkehr befand, war die Werft noch voller Aktivitäten. Sie genoss eine kurze und trügerische Lebensdauer während des Weltkriegs, bevor sie wieder in der Versenkung und Vernachlässigung verschwand. Die beiden dortigen Hellingen wurden dem Verfall überlassen, und zwei Gezeitendocks ließ man verschlammen. Die Gebäude waren baufällig und leck.

Das ganze Anwesen war nun in den Händen des Konkursverwalters.

Trevorrick und Pengelly kamen an diesen traumhaften Ort. Sie schauten sich um. Trevorrick verlor keine Zeit damit, zu sagen, dass das 'der' Ort sei; Pengelly behauptete, das sei nicht der Fall. Der große Mann bekam aber seinen Willen, und so wurde die Polkyll Creek Schiffs-Abwrackgesellschaft gegründet.

Sie starteten bescheiden in ihre Unternehmung. Der gewichtigste Gegenstand auf ihrer Anlage war ein Schneidbrenner. Zunächst wurden zehn Arbeiter beschäftigt. Pengelly wollte sie aus der Umgebung holen. Trevorrick, wie gewöhnlich, überstimmte ihn und inserierte deswegen in einer Zeitung in Plymouth, um Ex-Marineleute und welche von der Handelsflotte zu bekommen. Sie erhielten Berge von Antworten und hatten die Wahl, auch ohne Beiträge an die Gewerkschaft zu zahlen.

»Wir nehmen unverheiratete Männer«, erklärte der Seniorpartner Treverrick. »Die wollen nicht alle fünf Minuten nach Hause rennen.

»Verheiratete Männer bleiben eher bei ihrem Arbeitsplatz«, protestierte Pengelly.

»Niemand außer einem Idioten würde einen Job hinschmeißen«, gab Treverrick zurück. Davon gibt es nicht zu viele.«

In kürzester Zeit war die Schiffs-Abwrackgesellschaft aktiv. Ein Zerstörer und ein U-Boot wurden in Devenport gekauft und nach Falmouth und den Fal hinauf nach Polkyll geschleppt. Der Metallschrott wurde in Lastkähnen hoch nach Truro gebracht, und von dort mit dem Zug in die Waliser Schmelzöfen transportiert. Das Unternehmen war so erfolgreich, dass drei weitere Schiffe zum Abwracken gekauft und zwanzig neue Arbeiter eingestellt wurden. Die Firma von Trevorrick und Pengelly wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Soweit gingen die Dinge glatt vonstatten. Die beiden Geschäftsführer kamen gut miteinander aus, was eher verwunderlich ist, weil Trevorrick immer sagte, dass er einen Haufen von Freunden gehabt hatte, aber keinen davon hatte halten können.

Kein Zweifel, die völlig entgegengesetzten physischen und mentalen Eigenschaften von beiden hielten sie in einem Zustand gegenseitiger Fügsamkeit; aber Pengelly wurde bereits der monotonen Arbeit müde und Treverrick plante, an einen belebteren Ort zu gehen, anstelle des weder tot noch lebendigen Polkyll Creek.

Dann, langsam aber stetig, kam der Absturz. Die Aktionäre hatten ihre ersten Dividenden erhalten – zehn Prozent – die sie aus dem vorhandenen Kapital bezahlen mussten. Eine weitere Dividende war in Kürze fällig, und es gab keine Möglichkeit, dass diese kommen würde, es sei denn, Trevorrick und Pengelly würden sie nunmehr aus ihrem eigenen Kapitalanteil nehmen – ein Schritt, von dem beide entschlossen waren, ihn nicht zu gehen.

»Stecken wir im Schlamassel?«, fragte Pengelly, als Antwort auf die pessimistische Erklärung seines Partners. »Was schlägst du vor?«

»Zusammenpacken und verschwinden«, antwortete der Seniorpartner. »Wir greifen uns alles Geld, das wir bekommen können, und machen uns rar.«

»Was ist mit den Aktionären?«, fragte Pengelly.

Trevorrick zuckte mit den Schultern.

»Aktionäre haben auch schon vor dem heutigen Tag Geld verloren«, bemerkte er. »Das ist deren Sache.«

»Das ist in Ordnung, was uns anbetrifft, wenn sie es gelassen nehmen«, entgegnete der andere. »Aber angenommen, sie tun das nicht? Was dann? Wir wären für keine vierundzwanzig Stunden sicher in diesem Land. Wir müssten unser Glück im Ausland suchen.«

Jetzt war Trevorrick an der Reihe Einwände zu erheben.

»Liebäugle nicht mit so einer Idee, besonders wenn ein Haftbefehl über unseren Köpfen schwebt. Burschen, die gefälschte Bilanzen veröffentlichen (Pengelly zuckte zusammen), bekommen ziemlich was ins Genick, wenn man sie erwischt. Ich habe keine Lust auf sieben Jahre hinter...



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