E-Book, Deutsch, 288 Seiten
Meine Die Boote der Glen Carrig
2. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7534-6554-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 288 Seiten
ISBN: 978-3-7534-6554-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nach dem Buch 'The Boats of the Glen Carrig' von William Hope Hodgson, erschienen im Jahre 1907. Er war ein Zeitgenosse von H.P. Lovecraft und Clark Adam Smith und einer der einflussreichsten Verfasser von Fantasy Romanen und unheimlichen Seegeschichten im 20. Jahrhundert. Männer in Booten eines versenkten Schiffs irren in einer Welt des Schreckens umher. Lebende Bäume, herumkriechende Monster, eine Seegraswelt voll von fürchterlichem Leben, Riesenkraken und unheimliche Dinge darum herum - und der Überlebenskampf mitten drin. Mit Glück, Ideen, Kampfeswillen und Tatkraft schaffen es einige wieder heraus.
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I. DAS LAND DER EINSAMKEIT
Wir waren nun schon fünf Tage in den Booten und die ganze Zeit über hatten wir kein Land entdeckt. Dann, am Morgen des sechsten Tages, kam ein Schrei vom Bootsmann, der das Kommando über das andere Boot hatte, dass es da etwas gab, das Land sein könnte, weit weg von unserer Backbordseite. Es lag aber sehr tief und niemand konnte sagen, ob es Land war oder nur eine morgendliche Wolke.
Dennoch, da dies der Beginn von Hoffnung in unseren Herzen war, ruderten wir ihm erschöpft entgegen, und so erkannten wir nach etwa einer Stunde, dass es tatsächlich die Küste eines flachen Landstrichs war.
Es war vielleicht ein wenig nach der Mittagsstunde, als wir so nahe herangekommen waren, dass wir mühelos erkennen konnten, welche Art von Land hinter dem Ufer lag. Wir empfanden es als schrecklich flach und so trostlos, wie man sich es kaum vorstellen konnte.
Hier und da schien es mit einer Ansammlung seltsamer Vegetation bedeckt zu sein. Ob es aber kleine Bäume waren oder große Büsche, konnte ich nicht sagen. Eines aber weiß ich, dass sie etwas waren, was ich niemals zuvor gesehen hatte.
Das alles konnte ich erfassen, als wir langsam an der Küste entlangfuhren und nach einer Öffnung suchten, durch die wir landeinwärts fahren konnten.
Es verging aber eine ermüdende Zeit, bis wir an so eine Stelle kamen, nach der wir suchten. Am Ende fanden wir sie aber doch noch – einen Bach mit leicht ansteigendem Ufer, der sich aber als die Mündung eines größeren Flusses erwies, obwohl wir fortan von ihm immer nur als der ' gesprochen hatten.
Wir kamen hinein und fuhren mit geringer Geschwindigkeit weiter nach oben, seinem sich windenden Verlauf entlang.
Als wir uns so vorwärts bewegten, schauten wir auf die Uferböschungen auf beiden Seiten. Möglicherweise könnte sich dort eine Stelle befinden, wo wir an Land gehen konnten; wir fanden aber keine – denn die Ufer bestanden aus einem abscheulichen Schlamm, der nicht dazu ermutigte, uns vorschnell hineinzuwagen.
Wir hatten das Boot über eine Meile den großen Bach hinaufgebracht und kamen an die erste Stelle der Vegetation, die ich zufällig von Meer aus bemerkt hatte. Hier, nur wenige Yards davon entfernt, konnten wir sie besser studieren. Ich fand dann heraus, dass sie in der Tat hauptsächlich aus einer Art von Bäumen bestand, sehr niedrig und verkümmert und etwas an sich hatte, was man als einen unheilvollen Anblick beschreiben könnte.
Ich erkannte, dass die Äste dieser Bäume der Grund dafür waren, dass ich nicht in der Lage war, sie von einem Busch zu unterscheiden, bis ich nahe an sie herangekommen war. Sie waren über ihre ganze Länge hinweg dünn und geschmeidig und hingen stark in Richtung des Bodens herunter, von einer einzelnen großen, krautkopfartigen Pflanze dorthin gezogen, die vom äußersten Ende eines jeden Astes zu sprießen schien.
Sofort, nachdem wir an dieser dichten Vegetation vorbei kamen und die Ufer des Flusses immer noch niedrig waren, stellte ich mich auf meine Ruderbank und konnte so das uns umgebende Land überblicken.
So weit es meine Augen durchdringen konnten, sah ich, dass es in allen Richtungen von zahlreichen Bächen und Teichen übersät war, wobei einige dieser Teiche eine ziemlich große Ausdehnung hatten, und das Land, wie ich vorher schon erwähnt hatte, überall sehr flach und einer großen Schlammfläche sehr ähnlich war.
Es gab mir deshalb ein Gefühl der Trostlosigkeit, wenn ich es ansah. Es könnte sein, dass mein Geist ganz im Unterbewusstsein in Furcht versetzt worden ist, wegen der Stille des ganzen Landes um uns herum, denn in all dieser Einöde konnte ich kein Leben erkennen, weder Vogel noch Pflanze, ausgenommen die verkümmerten Bäume, die hier und da in Ansammlungen über ganze Land verteilt waren, so weit ich sehen konnte.
Die Stille, als ich sie voll wahrgenommen hatte, wurde immer unheimlicher, denn ich erinnerte mich nicht daran, dass ich niemals zuvor in ein Land gekommen war, in dem es so viel Schweigsamkeit gab.
Nichts kam mir in den Blick – nicht einmal ein einsamer Vogel, der sich gegen den trüben Himmel erhob. Und was mein Hören anbelangte, kam nicht einmal der Schrei eines Seevogels zu mir – nein! – nicht einmal das Quaken eines Frosches, noch das Platschen eines Fisches. Es war so, als wären wir in das Land der Stille gekommen, welches einige von uns das Land der Einsamkeit genannt haben.
Nun waren schon drei Stunden vergangen, während denen wir nicht nachgelassen hatten, an den Rudern zu arbeiten, und wir konnten mittlerweile das Meer nicht mehr sehen. Dennoch war kein Platz in Sicht, der für unsere Füße geeignet gewesen wäre. Überall umgab uns Schlamm, grau und schwarz – der uns wahrhaftig wie eine kleine Wildnis umschloss. So waren wir gezwungen, weiterzumachen, in der Hoffnung, dass wir am Ende auf festen Boden kommen würden.
Dann, kurz vor Sonnenuntergang, hielten wir mit dem Rudern inne und bereiteten uns von einem Teil unserer verbliebenen Rationen ein karges Mahl vor.
Als wir aßen, konnten wir die Sonne sehen, wie sie über der Einöde versank. Ich bekam eine kleine Ablenkung durch die Beobachtung der grotesken Schatten, die von den Bäumen in das Wasser an unserer Backbordseite geworfen wurden, denn wir hatten gegenüber einer Ansammlung dieser Vegetation angehalten.
Es war zu diesem Zeitpunkt, wie ich mich erinnere, dass es mir wieder bewusst wurde, wie still das Land war.
Das war auch nicht nur in meiner Einbildung, als ich feststellte, wie unwohl sich die Männer in den Booten deswegen fühlten. Keiner sprach, ausgenommen in leisen Tönen, als hätten sie Angst, die Stille zu durchbrechen.
Und es war auch zu diesem Zeitpunkt, an dem ich durch so viel Einsamkeit ins Staunen geraten war, als sich die ersten Anzeichen von Leben in diese Wildnis zeigten.
Zuerst höre ich es in weiter Ferne, landeinwärts – einen merkwürdigen, leiseren Ton, wie ein Schluchzen, und sein Auf und Ab war wie das Seufzen eines einsamen Windes, der durch den großen Forst weht.
Doch es gab keinen Wind.
Dann, nach einem kurzen Moment, war nichts mehr zu hören, und die Stille des Lands erschien beängstigend wegen dieses Kontrasts.
Ich schaute mich nach den Männern um, sowohl in unserem Boot, wie auch in dem, das der Bootsmann kommandierte. Da gab es keinen, der nicht in einer lauschenden Haltung verharrte.
So verging eine Minute des Schweigens, und dann stieß einer der Männer einen Lacher aus, der aus der Nervosität heraus erwuchs, die er in sich hatte.
Der Bootsmann rief ihm zu, dass er still sein solle, und im selben Moment kamen die Klagelaute dieses wilden Schluchzens wieder. Es entfernte sich abrupt von unserer rechten Seite und kam sofort zurück – so schien es – und erklang von einem Ort vor uns, weit den Bach hinauf.
Daraufhin stellte ich mich auf meine Ruderbank, mit der Absicht, einen erneuten Blick über das Land um uns herum zu werfen, aber die Ufer des Baches waren höher geworden. Zusätzlich sorgte die Vegetation dieser Bäume dafür, dass sie ein Schutzschild bildete, nachdem mich noch vor Kurzem mein Aufrichten und die erhöhte Position in die Lage versetzt hatten, über das Ufer hinwegzusehen.
Nach einem kurzen Moment verschwand das Heulen wieder und es kehrte erneut Stille ein.
Dann, als wir so dasaßen und darauf horchten, was uns als Nächstes überkommen würde, packte mich George am Ärmel, der jüngste der auszubildenden Seeleute, der seinen Platz neben mir hatte. Er fragte mich mit sorgenvoller Stimme, ob ich irgendeine Ahnung hätte, auf was dieses Heulen hindeuten könnte. Ich schüttelte aber meinen Kopf und sagte ihm, dass ich auch nicht mehr wüsste als er selbst. Zu seiner Beruhigung erwähnte ich noch, dass es der Wind gewesen sein könnte.
Doch jetzt schüttelte seinen Kopf. Es war in Tat deutlich zu erkennen, dass dies nicht sein konnte, denn es war völlig windstill gewesen.
Ich hatte gerade meine Bemerkungen beendet, als dieses Heulen wieder über uns war. Es erschien von irgendwo oben den Bach hinauf zu kommen und auch weit vom Bach unterhalb, aber auch von innerhalb und dem Land zwischen uns und dem Meer. Es erfüllte die abendliche Stimmung mit seinem klagenden Jammern, und ich bemerkte, dass es darin ein seltsames Schluchzen gab, fast menschlich in seinem verzweifelten Weinen.
Das war alles so überwältigend für uns, dass keiner der Männer etwas sagte, denn es schien so, als würden wir dem Weinen verlorener Seelen lauschen. Und dann, als wir angsterfüllt warteten, sank die Sonne unter den Rand des Horizonts und die Dunkelheit brach über uns herein.
Und nun geschah etwas noch Außergewöhnlicheres, denn als die Finsternis der Nacht rasch zu uns kam, wurde das seltsame Jammern und Heulen leiser und ein anderer Klang verbreitete sich über das Land – ein weit entferntes, düsteres Knurren. Zuerst kam es, wie auch das Heulen von weit aus dem Landesinneren, erschien dann aber schnell an allen Seiten von uns, und plötzlich war die...




