E-Book, Deutsch, 172 Seiten
Meine / Jacobs Nachtwachen - Die Affenpfote
2. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7528-1840-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Night Watches - The Monkey's Paw
E-Book, Deutsch, 172 Seiten
ISBN: 978-3-7528-1840-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
NACHTWACHEN - Uebersetzung des 1911 erschienenen Buches »Night Watches« und DIE AFFENPFOTE - Uebersetzung der 1902 erschienenen Horrorgeschichte »The Monkey s Paw« von W.W. Jacobs. W.W. Jacobs (1863-1943) ist ein britischer Autor, an den man sich hauptsaechlich wegen seiner gruseligen Geschichte »Die Affenpfote« (The Monkey s Paw) erinnert. Sie wurde dieser Uebersetzung des Kurzgeschichtenbuchs »Nachtwachen« (Night Watches) noch hinzugefügt. Der Nachtwaechter auf einer Werft an der englischen Ostkueste, der auch gerne ueber das Leben philosophiert, erzaehlt von ungluecklichen Situationen, in die er oder manche Zeitgenossen - meist selbst nicht ganz unschuldig an den Entwicklungen - geraten sind. Die Geschichten haben ihre sehr eigene Art von Humor. Im Buch ebenfalls enthalten: eine weitere Horrorgeschichte »Die drei Schwestern« (The Three Sisters), sowie eine ungewoehnliche Gespenstergeschichte »Geisterwache« (The Vigil). Spaßig, total verrueckt, grotesk - einfach furchtbar britisch! Gut geeignet zum Vorlesen.
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RÜCKEN AN RÜCKEN
Mrs. Scutts stand versteckt hinter einem Vorhang und starrte aus dem Fenster auf die Kutsche, etwas erstaunt, aber auch mit einem komischen Gefühl im Magen. Der Kutscher stieg von seinem Sitz herunter, öffnete die Tür und wartete dann mit ausgestreckten Händen, bereit um eingreifen zu können, sollte seine Hilfe benötigt werden. Rücken an Rücken Ein Fremder war der Erste, der ausstieg. Er stand mit dem Rücken zu Mrs. Scutts und schien mit etwas zu kämpfen, das sich in der Kutsche befand. Er legte eine schlaff herunterfallende Hand um seinen Hals und schwankte unter dem Gewicht, als er sich rückwärts bewegte. Er stützte Mr. Bill Scutts, dessen anderer Arm um den Hals eines dritten Mannes gelegt war. Mit einem Satz war Mrs. Scutts draußen vor der Tür. Sie hatte ihren Mann erkannt, der nun seinen Kopf hob. Sein Mund öffnete sich, aber sogleich sank er wieder zurück, und er war wie ein totes Gewicht im Griff seiner Begleiter. »Er ist in Ordnung«, sagte einer von ihnen, indem er sich Mrs. Scutts zuwandte. Als Antwort hierauf kam ein tiefes Stöhnen von Mr. Scutts. »Was hat er?«, fragte seine Frau mit aufgeregter Stimme. »Nur ein kleiner Unfall bei der Eisenbahn«, sagte einer der Fremden. »Ein Zug krachte in einige leere Wagen. Niemand wurde verletzt – zumindest nicht schwer«, fügte er noch hinzu, als Reaktion auf ein weiteres tiefes Stöhnen von Mr. Scutts. Seine Füße schleiften hilflos über den Boden, als man ihn über seine eigene Türschwelle hinweg hob und aufs Sofa legte. »Alle anderen sind auf ihren eigenen Beinen nach Hause gelaufen«, sagte einer der Fremden vorwurfsvoll. »Er meinte, dass er nicht laufen könnte, und er wollte auch nicht ins Krankenhaus gebracht werden.« »Ich wollte zuhause sterben«, erklärte der Leidende. »Ich lasse niemanden in einem Krankenhaus an mir herumdoktern.« Die beiden Fremden standen daneben und beobachteten ihn, dann schauten sie sich an. »Ich will – nicht – in ein Krankenhaus«, röchelte Mr. Scutts. »Ich werde meinen eigenen Arzt rufen.« »Natürlich wird die Gesellschaft die Arztrechnung bezahlen«, sagte einer der Fremden zu Mr. Scutts, »oder sie werden ihren einen Doktor schicken. Ich denke aber, dass morgen alles wieder gut sein wird.« »Das hoffe ich«, sagte Mr. Scutts, »aber ich glaube, das wird nicht der Fall sein. Danke, dass Sie mich nach Hause gebracht haben.« Müde schloss er seine Augen und hielt sie geschlossen, bis die Männer weggegangen waren. »Kannst du nicht laufen?«, fragte Mrs. Scutts, die jetzt Tränen in den Augen hatte. Ihr Mann schüttelte den Kopf. »Du gehst jetzt und holst einen Arzt«, sagte er bedächtig zu ihr, »den neuen, der seine Praxis um die Ecke hat.« »Aber Bill, der sieht doch noch wie ein Junge aus«, brachte Mrs. Scutt als Einwand vor. »Du gehst und holst ihn«, sagte Mr. Scutts und erhob dabei seine Stimme. »Hörst du mich!« »Aber warum –«, begann seine Frau, die etwas erwidern wollte. »Wenn ich jetzt aufstehe und zu dir hochkomme«, sagte der etwas verwirrte Mr. Scutts, »dann wirst du wissen warum.« »Warum, ich dachte –«, sagte seine Frau, ein wenig überrascht. Mr. Scutts erhob sich von dem Sofa und zeigte ihr die Faust, dann sank er zurück und stöhnte wieder. Seine Frau schien erleichtert zu sein, nahm ihre Haube vom Nagel an der Wand und ging. Die Untersuchung durch den Arzt war lange und schwierig gewesen. Mr. Scutts klagte über keine weiteren Beschwerden, ausgenommen, dass er sich ein wenig unterkühlt fühlen würde. Der Doktor versuchte vergeblich, die vorgeschlagenen Tests durchzuführen. Er tat auch sein Bestes, ihn, mithilfe seiner medizinischen Assistenten, aufrecht hinzustellen. Selbstschutz ist ein Gesetz der Natur. Als die Beine und der Rücken von Mr. Scutts nachgaben und er umkippte, stellte er sicher, dass der Doktor unter ihm lag. »Wir müssen ihn ins Bett bringen«, sagte Letzterer, der sich wieder langsam erhob und sich den Staub abwischte. Mr. Scutts lag in voller Länge auf dem Fußboden, sehr duldsam, und schickte seine Frau weg, um ein paar Nachbarn zu holen. Einer von ihnen war ein professioneller Möbelpacker. Als dieser halbwegs die Treppe hochgekommen war, erinnerte ihn der Unglückliche vorsorglich daran, dass er es mit einem britischen Arbeiter zu tun hat und nicht mit einem Klavier. Vier Paar Hände legten Mr. Scutts mit mathematischer Präzision in die Mitte des Bettes, wickelten ihn ein und Mrs. Scutts zog die Decke genau parallel zu seinem Kinn hoch. »Es sieht nicht so aus, als hätte er etwas Ernsthaftes«, sagte einer der ärztlichen Assistenten. »Bei dem Gesicht, das er macht, kann man das sicher nicht vermuten«, sprach der Möbelpacker. »Es ist eines, das man als freudiges Gesicht bezeichnen würde. Er hat mich sogar angelächelt, als wir ihn die Stufen hier hochgetragen haben.« »Du bist ein Lügner«, sagte Mr. Scutts und öffnete seine Augen. »Schon gut, Kumpel«, sagte der Möbelpacker, »schon gut. Es gibt keinen Grund verärgert zu sein. Es ist wahrscheinlich nur die gute, alte englische Tapferkeit, wie ich es nennen würde. Wo tut es denn weh?« »Überall«, sagte Mr. Scutts kurz. Seine Nachbarn betrachteten ihn wohlwollend und dann, angeführt vom Möbelpacker, gingen sie auf Zehenspitzen aus dem Raum. Der Arzt und seine Assistenten gingen ebenfalls fort, nachdem er einige abschließende Instruktionen gegeben hatte. »Wenn es Ihnen morgen nicht besser geht«, sagte er noch, »müssen Sie den Arbeitsarzt kommen lassen.« Mr. Scutts dankte ihm mit schwacher Stimme und legte sich zurück, mit einem verschmitzten Lächeln auf seinem Gesicht und hörte dem lebhaften Bericht seiner Frau zu, den sie einer kleinen Ansammlung von Leuten vor der Eingangstür gab. Sie kam zurück, gefolgt von einem Nachbarn, der nebenan wohnte. Mr. James Flynn bot spontan seine Hilfe an. Diese reichte vom Angebot, Mr. Scutts huckepack zu nehmen, wenn er einmal frische Luft schnappen wollte, bis hin zum Pfeife stopfen oder Bier holen. »Aber ich wage vorauszusagen, dass du in ein, zwei Tagen wieder aufstehen und herumrennen kannst«, sagte er am Schluss. »Du würdest nicht so gut aussehen, wenn dich etwas Ernsthaftes plagen würde; rosarote, dicke Backen und …« »Das reicht«, sagte der empörte Invalide. »Es ist mein Rücken, der mir wehtut, nicht mein Gesicht.« »Ich weiß«, sagte Mr. Flynn und nickte weise. »Wenn es aber sehr weh tun würde, dann wäre dein Gesicht jetzt weiß wie das Bettlaken.« »Der Arzt hat gesagt, dass er Ruhe haben muss«, bemerkte Mrs. Scutts mit scharfer Stimme. »Gut so«, sagte Mr. Flynn. »Bis dann, alter Kumpel. Halt die Ohren steif! Und wenn du möchtest, dass man dir den Rücken mit Terpentinöl einreiben soll, oder etwas in dieser Art, dann brauchst du nur an die Wand zu klopfen.« Er ging, noch bevor Mr. Scutts sich eine geeignete Antwort ausdenken konnte, die zu einem Invaliden passen würde, der gleichzeitig vor Kraft strotzt. Der dumme, gerade noch zurückgehaltene Wunsch, aus dem Bett zu springen, um Mr. Flynn hinauszubegleiten, gab ihm eine noch stärker gerötete Gesichtsfarbe. Am nächsten Morgen ließ er nach dem Arbeitsarzt rufen. Während er auf ihn wartete, aß er eine Menge Pfeilwurz und trank ein wenig von der Rindfleischbrühe. Eine Flasche mit Rizinusöl und eine leere Pillenbox gaben dem Ganzen den richtigen Rahmen. »Irgendwelche Schmerzen?«, fragte der Doktor, nach einer kurzen Untersuchung, bei der seine knöchernen und sehr kalten Finger eine große Rolle gespielt hatten. »Es sind nicht so sehr die Schmerzen«, sagte Mr. Scutts. »Es scheint so, dass ich keine Kraft im Rücken habe.« »Aha!«, sagte der Doktor. »Ich habe heute Morgen versucht zur Arbeit zu gehen«, bemerkte Mr. Scutts, »aber ich konnte nicht stehen und auch nicht aus dem Bett kommen.« »Er war richtiggehend verärgert, der Ärmste«, bezeugte Mrs. Scutts. »Er kann es nicht ertragen, einen Tag zu verlieren. Ich denke, dass die Eisenbahngesellschaft etwas tun muss, wenn es etwas Ernsthaftes ist, müssen sie das nicht, Sir?« »Das hat nichts mit mir zu tun«, sagte der Doktor. »Ich werde ihn für einige Tage krankschreiben; ich denke, er wird bald wieder in Ordnung sein. Er hat eine gesunde Gesichtsfarbe – eine sehr gesunde Gesichtsfarbe.« Mr. Scutts wartete, bis er das Haus verlassen hatte. Was die ständigen Aussagen bezüglich seiner...




