Meister / Frey | Die drei Kapitäne | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 204 Seiten

Meister / Frey Die drei Kapitäne

Ein Seeabenteuer
2. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7431-6046-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Seeabenteuer

E-Book, Deutsch, 204 Seiten

ISBN: 978-3-7431-6046-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Aus dem Inhalt: Da - was war das? Dem Jungen sträubten sich die Haare, und es durchrieselte ihn eiskalt. Denn aus der unverschlossenen Vorluk stieg eine Gestalt herauf, langsam und mühevoll, bleich, in Lumpen gehüllt und so abgezehrt, dass sie beinahe einem wandelnden Gerippe glich. Paul saß ganz starr. Was hatte das zu bedeuten? Woher kam dieser Mann? Während diese Gedanken ihm blitzschnell durch das Hirn flogen, erschien ein zweites Gespenst aus der Vorluk - dann ein drittes, ein viertes und endlich ein fünftes! Fünf zerlumpte Männer, klapperdürr, mit zottigen Haaren und schrecklich hohlen Augen standen an Deck. Paul vermochte sich nicht zu rühren. Neufassung und Digitalisierung von Peter M. Frey. In der Neufassung nimmt Peter M. Frey leichte Veränderungen am Originaltext vor, die der Lesbarkeit und der Übertragung in die heutige Zeit geschuldet sind. Ziel ist es, den Charakter des Originals so weit wie möglich zu erhalten. Im alphabetisch geordneten Glossar finden sich Erläuterungen zu Fachbegriffen aus der Seefahrt.

Friedrich Meister wurde 1848 in Baruth in Brandenburg geboren und starb 1918 in Berlin. Er war ursprünglich ein Seefahrer der alten Schule. Zu seiner Zeit wurde der überseeische Handelsverkehr zum größten Teil noch durch Segelschiffe besorgt. Auf solchen Segelschiffen fuhr Friedrich Meister zehn Jahre lang durch alle Meere - die Polarmeere ausgenommen - und bei Sonnenschein und Sturm erlebte er manches Abenteuer. Dabei lernte er fremde Länder und Völker kennen. Er bereiste China, Siam, Japan und den Südsee-Archipel bis zur Küste von Neu-Guinea und nördlich davon, die Philippinen. Er war in Westindien, Nord- und Südamerika, England, Italien und Griechenland. Er sah die »Sultanstadt am Goldenen Horn«, das heutige Istanbul, und die Westküsten des Schwarzen Meeres. In Japan erkrankte er an einem Augenleiden, das ihn schließlich dazu zwang, den Seemannsberuf aufzugeben. An Land wusste er zunächst nicht, wovon er leben sollte. Er versuchte dies und das und gelangte schließlich zur Schriftstellerei. Friedrich Meister ist Autor zahlreicher Jugendbücher. (Aus dem Vorwort von 'Burenblut')
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Zweites Kapitel.



Windstille!

Kein Hauch bewegte die schwüle, glühend heiße Luft. Unter dem brennenden Firmament, auf der ölglatten See, im Süden von Madagaskar, lag das große Danziger Vollschiff, , ein stolzer Ostindienfahrer, beinahe regungslos.

Windstille! Schweigen, tiefe Ruhe rings in dem weiten All, in den Ätherhöhen, wie in dem unermesslichen Rund des Ozeans. Im Inneren des einsamen Schiffes aber webten tödliche Leidenschaften, regte sich der wilde Geist der Meuterei.

Der hatte mehrere Kisten mit edlen Steinen von der Insel Ceylon und einen erheblichen Betrag des Geldes an Bord, den einige Handelsfirmen in Kalkutta an Danziger Großkaufleute abgesendet hatten. Durch diese Schätze war die Begehrlichkeit einiger der Matrosen geweckt worden; sie hatten versucht, die übrige Mannschaft zu bewegen, sich des Schiffes mit Gewalt zu bemächtigen. Der Anschlag war verraten worden, und der Kapitän, der die Sache vorläufig nur leicht nahm, hatte die Hauptschuldigen auf eine Woche krummschließen lassen.

Dadurch aber wurde den bösen Gesellen die Raublust nicht vertrieben. Kaum sahen sie sich wieder in Freiheit, so begannen sie aufs Neue mit ihren verderblichen Einflüsterungen.

Der , ein Vollschiff von fünfzehnhundert Tonnen, wurde von Kapitän Gotthelf Winter geführt, einem der bravsten der vielen braven Schiffer, deren Wiege in der altberühmten Stadt Danzig gestanden hat. Der stattliche Dreimaster befand sich auf der Heimreise von Kalkutta.

Kapitän Winter schritt, nach alter Seemannsgewohnheit, auf der Luvseite des Achterdecks auf und ab. Eigentlich konnte von einer Luv- oder Windseite gegenwärtig keine Rede sein, da sich kein Lüftchen regte, und der so still lag, wie »ein gemaltes Schiff auf einem gemalten Ozean.«

Die Windstille bedrückte den wackeren Schiffer wie ein böses Omen. Die auf ihm lastende Verantwortlichkeit war vielseitig und schwer. Nicht nur das Fahrzeug selber erheischte seine äußerste Wachsamkeit, gleiche Anforderungen stellten die Passagiere, unter denen sich auch einige Damen befanden, an ihn; vor allem aber machte ihm die kostbare Ladung Kopfschmerzen.

Die Windstille verurteilte die Mannschaft zum Müßiggang. Müßiggang aber ist aller Laster Anfang, und so wusste Kapitän Winter sehr wohl, dass die Matrosen jetzt vollauf Gelegenheit hatten, ihren meuterischen Gedanken nachzuhängen.

Die Sachlage erfüllte ihn mit Sorgen und Bedenken, flößte ihm jedoch noch keineswegs Furcht ein. Die Steuerleute hatten alle Handfeuerwaffen samt Munition in die Kajüte geschafft. Zu jener Zeit unternahm kein Schiff die asiatische Reise, ohne sich zuvor aufs Beste gegen seeräuberische Angriffe zu wappnen. Man führte, je nach Größe des Fahrzeugs, vier, sechs, acht, auch zehn Deckgeschütze mit sich, dazu eine gefüllte Pulverkammer und Gewehre, Pistolen und Säbel. Es ist wiederholt vorgekommen, dass preußische Ostindienfahrer während der Freiheitskriege 1813, 1814 und 1815 französischen Kaperschiffen erfolgreich Widerstand leisteten.

Die Passagiere ahnten von dem Stand der Dinge nichts. Sie unterhielten sich und vertrieben sich die Zeit, so gut sie dies vermochten. Die Herren spazierten auf dem Achtereck, und die Damen beschäftigten sich mit Handarbeiten. Dabei beobachteten sie die Matrosen, die teils, an Deck sitzend, ihr Zeug flickten, teils allerlei Schiffsarbeiten, Segelnähen, Splissen, Anfertigen von Matten und dergleichen mehr ausführten. Alle aber hegten den sehnsüchtigen Wunsch, dass sich recht bald ein günstiger Wind aufmachen möchte.

Der Obersteuermann, ein Tilsiter mit Namen Elfeld, kam die Achterdeckstreppe herauf, trat an den Kapitän heran und machte demselben eine leise Mitteilung.

Der schaute ihn überrascht, fast erschrocken an, warf einen hastigen Blick über einen Teil des Horizontes und fragte dann ebenso leise: »Wo, Steuermann? Ich sehe nichts?«

»Dort, in Nord-Nord-West«, antwortete Elfeld.

Der Schiffer holte das Teleskop aus den Klampen innerhalb der Kajütskappe und richtete es gegen den Horizont.

»Mir kommt das Fahrzeug verdächtig vor«, fuhr der Steuermann unterdessen fort. »Ich will nur hoffen, dass es uns nicht zu nahe kommt, Kapitän - wegen unserer Leute!«

»Wegen unserer Leute?«, wiederholte der Schiffer, das Glas absetzend. »Glauben Sie also wirklich, dass wir von denen noch etwas zu befürchten haben?«

»Ja, Kapitän, das glaube ich. Ich bin überzeugt, dass es nur eines geringen Anstoßes bedarf, um die Kerle in offene Meuterei ausbrechen zu lassen. Die englischen Halunken haben nicht nachgelassen, das Volk zu verhetzen. Für unsere Pommerschen und Danziger Leute möchte ich freilich noch einstehen, die sind aber zu wenig, um ins Gewicht zu fallen.«

»Die Schusswaffen sind beiseite gebracht, nicht wahr?«

»Jawohl, Kapitän; Zolling und ich, wir haben alle Gewehre und Pistolen in unseren Kammern verstaut. Dort sind sie bei der Hand, wenn wir sie brauchen sollten.«

»So ist’s recht. Ich kann mir aber nicht denken ...«

Kapitän Winter schüttelte heftig den Kopf, lief bis zum Ruder, sah auf den Kompass und kehrte dann wieder zurück.

»Verlassen Sie sich darauf, Kapitän«, beharrte der Steuermann. »Die Leute murren in einem fort, angeblich wegen der Windstille, das aber ist nur ein Vorwand. Außer jenem fremden Segler ist nichts in Sicht, und der belauert uns. Ich halte ihn für einen verdächtigen Gesellen, das tun unsere Matrosen auch. Sie meinen, es sei ein Pirat, und dabei verschwören sie sich, dass sie lieber den fetten Bissen, unsere Wertkisten, schlucken wollen, ehe sie ihn dem da drüben gönnen. Das hat mir einer von den Danzigern hinterbracht.«

Der Kapitän stand einige Minuten in finsteres Schweigen versunken. »Ich danke Ihnen, Steuermann«, sagte er dann, sein sorgenvolles Auge auf das des treuen Gefährten richtend. »Wir müssen also auf das Schlimmste gefasst sein. Zum Glück haben wir auf dieser Reise nicht viele Passagiere. Die Herren müssen jedoch von unserer Lage in Kenntnis gesetzt werden. Treffen Sie alle Maßregeln zum äußersten Widerstand, Elfeld; stellen Sie eine Wache vor das Pulvermagazin. Sie glauben, dass einige von den Matrosen noch zuverlässig sind?«

»Einige wenige, ja.«

»Gut. Setzen Sie sich mit denen in Verbindung ...«

In diesem Augenblick kam eine Gesellschaft von Passagieren, Herren und Damen, plaudernd und lachend auf das Achterdeck.

»Wird denn diese langweilige Windstille ewig anhalten, Herr Kapitän?«, fragte eine junge Dame. »Ein tüchtiger Sturm wäre jetzt eine rechte Erfrischung.«

»Wie lange wird diese Stille dauern?«, flötete eine andere Dame.

»Bis wir Wind kriegen«, antwortete der Schiffer kurz.

»Ach! So lange!«, seufzte die Dame. »Sagen Sie doch, Herr Kapitän, was fangen wir nur an bis dahin?«

»Wir pfeifen«, knurrte Gotthelf Winter und ging ab.

»Hu, was für ein unhöflicher Kapitän!«, sagte die junge Frau mit unterdrückter Stimme. »Pfeifen sollen wir!«

»Der Kapitän hat ganz recht«, lachte einer der Herren. »Versuchen Sie es doch! Pfeifen macht Wind; ohne Wind können Sie überhaupt nicht pfeifen.«

Die Dame öffnete erstaunt die Augen. »Was Sie sagen!«, rief sie. »Dann wollen wir’s doch tun! Ich wundere mich nur, weshalb die Matrosen nicht längst schon gepfiffen haben, wenn das doch Wind gibt! Höchst kuriose Menschen, diese Seefahrer!«, wendete sie sich an eine ältere Dame, die neben ihr stand.

»Ja«, kopfschüttelte diese. »Sehen Sie nur, da vorn zankt sich ein Matrose mit dem Obersteuermann. Wahrscheinlich wieder um eine Kleinigkeit.«

Es ist ein alter, abergläubischer Brauch unter den Seeleuten, wenn es an Wind fehlt, entweder mit dem Fingernagel am Mast zu kratzen, oder aber leise und andauernd zu pfeifen. Hilft es nicht, so schadet’s auch nicht, sagt Janmaat.

Die alte Dame hatte sich nicht geirrt; Steuermann Elfeld war mit einem Matrosen in einen heftigen Wortwechsel geraten. Plötzlich brach ein wildes Getümmel los. Der Steuermann packte seinen Gegner, der ein Messer zückte. Die Damen auf dem Achterdeck kreischten gellend auf. Der Kapitän, der zweite und der dritte Steuermann, Bootsmann und Steward eilten nach vorn, wo die Mannschaft einen aufrührerischen, drohenden Haufen bildete.

»Ich denke, ich hole meine Pistolen herauf«, sagte der Passagier Ewers, ein Stettiner Kaufmann, zu seinem Mitpassagier Dörpinghaus, einem Fabrikanten vom Rhein.

»Ich werde desgleichen tun«, antwortete dieser. »Auch möchte ich den Damen raten, sich unter Deck zu...



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