Meister / Schulze | Das verschollene Schiff | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 183 Seiten

Reihe: 99 Welt-Klassiker

Meister / Schulze Das verschollene Schiff

Eine Seegeschichte
Überarbeitete Fassung
ISBN: 978-3-95418-956-4
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Eine Seegeschichte

E-Book, Deutsch, 183 Seiten

Reihe: 99 Welt-Klassiker

ISBN: 978-3-95418-956-4
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein spannendes Seefahrerbuch aus der Zeit der großen Windjammer und Klipper. Heinrich Rohrpenn ist der neue Steuermann auf einem Handelsschiff mit Ziel Melbourne. Doch Piraten kapern das Schiff, und setzen die Besatzung auf einer einsamen Südsee-Insel aus. Heinrich wird zum Helden, als er alles dransetzt, die Gestrandeten zu retten. Das Buch gewährt unterhaltsamen Einblick in den Alltag an Bord der Handelsschiffe zum Ende des 19. Jahrhunderts. Die wichtigsten nautischen Ausdrücke werden in Fußnoten erläutert. Null Papier Verlag

Friedrich Meister (1848-1918) war ein deutscher Seeoffizier und Schriftsteller. Er fuhr 10 Jahre zur See. Meister war noch ein Seefahrer 'alter Schule', aus der Zeit, als noch Segelschiffe die Weltmeere beherrschten. Durch eine Augenkrankheit zum Leben an Land verdammt, wandte er sich schließlich sehr erfolgreich der Schriftstellerei zu. Meister schrieb zahlreiche See- und Kolonialerzählungen und bearbeitete klassische Abenteuerromane.
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Erstes Kapitel


Wie Heinrich Rohrpenn an Bord des kam. – Ein fixer Kerl. – In See. – Seltsame Unterhaltung im Matrosenlogis. – Ein böser Geist an Bord. – Valeska am Ruder. – Der . – In den Mallungen. – Der Hai. – Eine Bö.

Wer einmal in Hamburg gewesen ist, den zieht es immer wieder nach der alten schönen Hafenstadt.

Wohl hat ihr die neue Zeit gar manche ihrer ehrwürdigen und romantischen Eigentümlichkeiten genommen, aber den Hauch jener alten kernigen Zeit, in der die stahlgepanzerten Hanseaten auf ihren kriegstüchtigen Koggen den Vitalienbrüdern Gödeke Michael, Störtebeker und andern Feinden siegreiche Schlachten lieferten und ruhm- und beutereich wieder aus der Elbe zu Anker gingen, diesen Hauch spürt heute noch jeder, der den mächtigen Strom überschaut und die alten sich längs des Hafens hinziehenden Stadtteile durchwandert.

Nicht wenig trägt dazu auch das Hamburgische Plattdeutsch bei, das einem auf Schritt und Tritt in die Ohren klingt, dasselbe Plattdeutsch, das schon vor Jahrhunderten hier geredet wurde.

Prächtig ist die Elbstadt in ihren modernen Teilen; anmutig spiegeln sich die stattlichen Patrizierhäuser, die von Gärten und Parks umgebenen freundlichen Villen in den stillen Fluten der Binnen- und Außenalster; vielgestaltig und eigenartig ist das wimmelnde Volksleben auf den Plätzen und Straßen, interessant der Blick auf die schmalen Flete, an welchen die altersgrauen, hohen Speicher stehen.

Die eigentliche Besonderheit der Stadt aber ist das Hamburg an der Elbe, der Stadtteil am Hafen, wo vor den Häusern der Schiffsmakler und Schiffshändler, vor den zahlreichen kleinen Wirtschaften und Tavernen sich die verschiedenartigsten Völkertypen, repräsentiert durch Kapitäne, Steuerleute und Matrosen, hin- und herbewegen.

An den , einer unmittelbar am Hafen gelegenen Straße, reiht sich Flaggenstock an Flaggenstock; niedrige eiserne Kräne dienen dem kleinen Schiffsverkehr, und auf dem Strome selbst liegen unabsehbare Reihen von Seeschiffen, deren Masten wie ein Wald zum Himmel ragen und mit ihrem Takelwerk ein schier unentwirrbares Gewebe zu bilden scheinen.

Vom großen Frachtdampfer bis zum kleinen Fischerewer sind hier alle Schiffsgattungen vertreten; Schuten und auch hier und da ein Elbkahn liegen den Schiffen zur Seite, die entweder Ladung aus ihnen empfangen oder in sie abgeben.

Kleine schnelle Schlepp- und Fährdampfer schießen ab und zu durch die Schiffsreihen, und ihr schrilles Pfeifen mischt sich mit dem dumpfen Geheul der gewaltigen Seedampfer, die brausend flußabwärts fahren oder von der Außenelbe heraufkommen.

Es ist ein so reiches und wechselvolles Bild, daß man sich kaum satt daran sehen kann, zumal wenn man seinen Standpunkt auf einem der Pontons bei St. Pauli hat, wo man einerseits den ganzen Hafen und die zahlreichen großen Schiffswerften, Docks und Maschinenfabriken von Steinwärder, Reiherstieg usw. und hinter sich die Deutsche Seewarte und das Seemannshaus auf der Elbhöhe hat, und andrerseits nach Altona hinausschaut und auf den sich breit ausdehnenden Spiegel des herrlichen Stromes, auf welchem je nach dem Stande der Gezeiten ganze Flotten von Segelschiffen vor Anker liegen oder in Bewegung sind.

Hell leuchten die weißen Segel der Vollschiffe, der Barken, Briggen und Schoner in die blaue Luft hinaus, im malerischen Gegensatz zu der lohfarbenen, braunen und roten Leinwand der Ewer, Galioten und Tjalken und den dunklen Rauchmassen aus den Schloten der Dampfer, die zeitweise die Aussicht mit einem Schleier verdecken.

In der Morgenfrühe des Tages, an dem unsere Geschichte beginnt, stand ein junger Mann auf dem Speicherkai am oberen Ende des Hafens, in die Betrachtung eines prachtvollen und ganz neuen eisernen Vollschiffes vertieft, das dicht an den Kai herangeholt hatte und mit diesem durch eine breite Planke verbunden war.

Die drei Luken des Schiffes, an dessen Heck und Bug der Name in goldenen, hell in der Morgensonne funkelnden Lettern zu lesen war, standen offen, um die Stückgüter aufzunehmen, die eine Anzahl Schauerleute aus dem Speicher heraus- und an Deck hinüberschafften, wo sie mit Hilfe der Winsch (Winde) in den Raum hinunterbefördert wurden.

Der Name des jungen Mannes war Heinrich Rohrpenn; er hatte sein neunzehntes Lebensjahr noch nicht ganz erreicht, war trotzdem bereits ungewöhnlich groß und kräftig, und konnte als ein prächtiges Muster eines jungen deutschen Seemanns gelten.

Seine Ausbildung hatte er an Bord der , eines der Schulschiffe des Norddeutschen Lloyd, erhalten, um sich später der Offizierslaufbahn auf den großen Bremer Schnelldampfern widmen zu können. Er war im ersten Jahre als Schiffsjunge, im zweiten als Leichtmatrose und im dritten als Vollmatrose gefahren und hatte auf seinen Reisen während dieser drei Jahre Japan, Australien und die Westküste von Südamerika kennen gelernt.

Diesen Fahrten folgte eine Reise auf einem der Lloyddampfer und hierauf hatte er die Seefahrtschule zu Bremen besucht. Gern hätte er nun eine Stellung als vierter Offizier auf einem der Bremer Schnelldampfer angenommen, allein auf den dringenden Wunsch seines Vaters, des alten Hamburger Kapitäns Adam Rohrpenn, entschloß er sich, als dritter Steuermann auf dem anzumustern, dessen Führer, Kapitän Lüdemann, seit langen Jahren mit Adam Rohrpenn eng befreundet war.

Rohrpenn besaß in dem unterhalb Altonas gelegenen Dörfchen Neumühlen ein kleines Haus, in dem er sein Leben zu beschließen gedachte. Er war bei einem Schiffbruch zum Krüppel geworden und mußte seine Tage in einem Rollstuhl zubringen, sonst hätte er es sich nicht nehmen lassen, seinen Heinrich persönlich an Bord des schönen neuen zu geleiten, der der nämlichen Reederei gehörte, für die er selber dreißig Jahre lang gefahren hatte.

Als der Bau des geplant wurde, da hatte man beschlossen, ihm, Adam Rohrpenn, die Führung dieses Schiffes zu übertragen; allein das grausame Schicksal fügte es anders. Dreißig Jahre lang hatte der brave Kapitän in dem Rufe gestanden, immer nur vom Glück ganz besonders begünstigte Fahrten zu machen; bei der letzten Fahrt aber brach das Unglück über ihn herein: ein...



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