Menapace | Durch Schlamm und Blut | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

Menapace Durch Schlamm und Blut

Ein erbarmungsloser Thriller
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-86552-854-4
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Ein erbarmungsloser Thriller

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

ISBN: 978-3-86552-854-4
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



In den Everglades geschehen Dinge, die man besser nicht beobachten sollte ... Der junge Schriftsteller Dan unternimmt mit seiner Freundin und ihrer Familie eine Bootsfahrt in die abgelegene Wildnis der Everglades. Dabei werden sie Zeugen eines brutalen Verbrechens ... Und plötzlich wird der Ausflug zu einem blutigen Albtraum. Zu Fuß müssen sie sich durch die tückische Wildnis kämpfen. Doch Krokodile und Schlangen sind geradezu harmlos, verglichen mit den menschlichen Raubtieren, die sie verfolgen. Ein erbarmungsloser Redneck-Thriller. Wenn du ein Fan von Stephen King, Richard Laymon oder Dean Koontz bist, wirst du Jeff Menapace lieben.

Jeff Menapace lebt als freier Schriftsteller mit seiner Frau Kelly und ihren Katzen Sammy und Bear in Pennsylvania.
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3

Ron Daigle stand langsam auf. Noah folgte seinem Beispiel.

»Jolene?«, begrüßte Ron die Angekommenden und wies auf das Boot. »Glaubst du, das ist schlau in deinem Zustand? Was, wenn du kenterst?«

Jolene antwortete nicht. Rons Besorgnis erzürnte sie nur noch mehr. Das war doch wohl nichts weiter als der Versuch eines Feiglings, der nur vom Thema ablenken wollte. Er wusste doch genau, warum sie hier war!

Travis Roy hielt den Kopf auch weiterhin gesenkt, er war nicht in der Lage, der Szenerie, die er doch selbst auf den Weg gebracht hatte, in die Augen zu sehen. Er hielt an dem grob gezimmerten Holzpier an, fixierte das Boot und half seiner Mutter ans Ufer. Beide gingen auf die Daigles zu, die sich ebenfalls ans Ufer begeben hatten, in Richtung Haus. Jolene ging voran. In ihrer Hand schwang bedrohlich der ins Geschirrtuch gewickelte Stein. Ron Daigle musterte sie, sein Blick blieb an der provisorischen Schleuder kurz hängen, dann wanderte er wieder hinauf zu ihr. Seine Miene verriet Furcht.

»Was soll’n das, Jolene?«

»Du weißt ganz genau, was das soll, Ron Daigle.« Jolene streckte die Hand aus und wies mit dem Finger auf Noah, der schräg hinter Ron stand. »Und wenn du’s nich’ weißt, dann fragst du vielleicht mal deinen kleinen Bastard da, warum wir hier sind.«

Ron hob eine Hand. »Du meine Güte, Jolene, jetzt schalt mal einen Gang zurück. So redest du nich’ über meinen Jungen!«

Jolene kam noch einen Schritt auf ihn zu und stach Ron mit dem Zeigefinger in die Brust. »Du traust dich ja was, den kleinen Scheißkerl noch zu verteidigen, wenn du weißt, was er getan hat!«

Unwillkürlich wich Ron einen Schritt zurück. »Geht’s um den Streit, den er und Travis hatten?«

»Das war ja wohl kein Streit. Es sei denn, du nennst zwei gegen einen einen fairen Kampf! Brauchte wohl seinen großen Bruder, dein kleiner Bastard, um meinen Jungen kleinzukriegen, was?«

Ron wandte leicht den Kopf, sodass er Jolene noch im Auge behalten konnte, während er mit seinem Sohn sprach. »Wovon redet Jolene denn, Noah? Du sagtest doch, es sei ein fairer Kampf gewesen.«

Noah trat einen Schritt vor. »War’s auch! Ethan war gar nich’ dabei!«

Jolene wies auf Travis hinter ihr. »Mein Junge sagt da was anderes! Brauchst ihn nur anzusehen, wie er aussieht! Das tut niemand ungestraft einem Roy an!«

Ron legte den Kopf schief und musterte Travis’ zerschlagenes Gesicht. Travis wich seinem Blick auch weiterhin aus. »Du behauptest also, dass Noah und Ethan dich zusammen verhauen haben, Travis?«, wollte Ron wissen.

Travis nickte. Hartnäckig hielt er den Kopf gesenkt und fummelte so intensiv an seinem Alligatorzahn herum, als wollte er ihn vollkommen abwetzen, bis nichts mehr übrig war.

Noah stampfte wütend neben seinem Vater mit dem Fuß auf den Boden. »Du bist ein Lügner, Travis Roy! Das war fair und anständig, Ethan war nich’ dabei!«

Jolene stieß Noah zurück, doch Ron trat vor seinen Sohn, um ihn zu schützen. »Jetzt hör mal, Jolene …«

»Dein kleiner Scheißkerl nennt meinen Jungen einen Lügner! Von wegen, das war ein fairer Kampf! Aber wir werden die Sache hier und jetzt regeln, damit wir kriegen, was uns zusteht.«

Ron wich jetzt zurück. Dabei winkte er und bedeutete so seinem Sohn, sich hinter ihn zu stellen. Sein Blick wanderte zwischen der unnachgiebig dreinschauenden Jolene und der Waffe, die sie in der Hand hatte, hin und her. »Jetzt mach mal ’nen Punkt, Jolene, immer mit der Ruhe. Niemand nennt hier irgendjemanden irgendwas. Ich hab Ethan heut noch gar nich’ gesehen und das ist die Wahrheit, ich schwör’s bei Gott. Wenn mein Junge mir sagt, dass es ’n fairer und ehrlicher Kampf war, dann glaub ich ihm das.«

Jolene kam noch einmal auf ihn zu. »Jetzt nennst du meinen Jungen also auch einen Lügner?«

»Ich hab grad schon gesagt, Jolene, dass niemand irgendjemanden irgendwas nennt. Ich sag nur, ich glaub meinem Jungen!«

Jolene runzelte die Stirn. »Und ich sag nur, ich glaub meinem Jungen! Lass uns das hier und jetzt miteinander klären, Ron Daigle, es sei denn, du willst, dass Tucker und Harlon dich mal besuchen kommen, um die Sache zu klären!«

Das Blut wich aus Rons Gesicht. »Jetzt komm schon, Jolene …«

»Nichts da mit ›jetzt komm schon, Jolene‹

Mit einem Krachen flog eine Fliegentür hinter ihnen auf. Jolene Roy legte den Kopf zur Seite, um zu sehen, wer im Türrahmen stand. Ron und Noah hingegen gingen das Risiko, sich umzuschauen, lieber nicht ein.

»Hey, was ist denn hier los?«

»Geh wieder rein, Adelyn«, rief Ron über seine Schulter hinweg.

Doch Adelyn Daigle blieb stehen, wo sie war. »Jolene Roy, was machst du denn hier in deinem Zustand? Du siehst aus, als würde es gleich hier und jetzt losgehen, Mädchen!«

»Bin hier, um deinem Kleinen mal ein oder zwei Dinge beizubringen über das, was passiert, wenn man sich mit einem Roy anlegt. Hätt’ nich’ gedacht, dass ihr Daigles eine solche Lektion nötig habt, Adelyn!«

Adelyn zog eine Grimasse. »Wovon redet sie bloß, Ron? Geht’s um diese kleine Kabbelei zwischen unserem Noah und ihrem Travis?«

»Hier geht’s um die Prügelei zwischen meinem Travis, deinem Noah und deinem Ethan noch dazu!«

Die ärgerliche Grimasse Adelyns wandelte sich in Überraschung. »Ethan? Ethan war doch gar nich’ dabei, Jolene. Das war doch ’n fairer Kampf!«

»Und das hast du mit eigenen Augen gesehen, Adelyn?«, höhnte Jolene.

»Nun, nein … Aber Noah meinte doch …«

»›Aber Noah meinte doch …‹!«, äffte Jolene nach. »Also, mein Junge sagte, dass Ethan dabei gewesen ist! Und das reicht mir. Jetzt könnt ihr beiden mal eurem Früchtchen Noah sagen, er soll herkommen, damit wir die Sache aus der Welt schaffen. Ich hab Ron schon gesagt, er will sicher nich’, dass Tucker und Harlon herkommen, um sich drum zu kümmern, Adelyn. Und ich könnt’ mir vorstellen, dass du das auch nich’ willst! Und jetzt sagt ihr beide Noah, er soll herkommen.«

Noah wand sich hinter seinem Vater vor und stellte sich vor Jolene. »Hey, ich hab gar nichts gemacht, das war alles fair und gerecht!« Verzweiflung sorgte dafür, dass ihm Tränen in die Augen schossen. »Dein Sohn ist ’n verdammter Lügner!«

Der Klang der Ohrfeige, die Jolene Roy Noah Daigle nun verpasste, klang wie ein Peitschenschlag. Der Junge taumelte. Der Schlag hatte ihm Furcht und Zorn aus dem Gesicht gewischt, nur purer Schrecken war geblieben.

Adelyn Daigle stürmte vor, doch Jolene zeigte auf sie: ein deutlicher Befehl, sich rauszuhalten. Adelyn blieb stehen, als ob Jolene eine Pistole auf sie richtete.

Ron Daigle blieb widerwillig an Ort und Stelle stehen. In ihm rangen Vernunft und Zorn miteinander; immerhin wollte er keinen Krieg mit den Roys.

Jolene warf einen Blick über ihre Schulter hinweg. »Travis, komm her.«

Travis folgte. Er machte den Eindruck, eingeschüchtert zu sein. Jolene hielt ihm das Handtuch mit dem Stein hin. »Und jetzt bist du dran. Jetzt nimmst du dir, was dir zusteht, Travis Roy.«

Travis zögerte.

»Nimm den Stein!«

»Heiliger Jesus, Jolene, siehste nich’, dass der Junge das gar nich’ will? Er weiß, dass das nich’ richtig ist! Travis, sag’s deiner Momma, sag ihr, dass meine Jungs dir nichts Unrechtes getan haben! Bitte!«

Travis sah auf zu seiner Mutter. Der Blick, den sie ihm von oben herab zuwarf, machte klar, dass ihn keine Vergebung erwartete, falls er jetzt mit der Wahrheit herausrückte. Er hatte eine einfache Wahl: weiterlügen und für immer die Schuld daran tragen, was nun mit Noah Daigle geschehen würde … oder die Wahrheit zu sagen und dem ins Auge zu sehen, was ihn erwartete. Ganz besonders ihn.

Er wählte Noah Daigle.

Travis nahm Stein und Handtuch, die seine Mutter ihm nach wie vor hinhielt, und ging auf Noah zu. Ron Daigle machte Anstalten einzugreifen, doch Jolenes Finger schoss auf ihn zu. »Ron Daigle, du bleibst, wo du bist. Und Gott helfe dir, wenn du das nich’ tust!«

Adelyn schrie nach ihrem Sohn. Jolenes Finger schoss jetzt auf Adelyn zu. »Halt bloß die Klappe, Adelyn! Ist doch wohl deine Schuld, wenn du deine Jungens so erziehst, dass sie gut nich’ von böse unterscheiden können!«

Der Schock, den Jolenes Schlag bei Noah ausgelöst hatte, hatte sich etwas abgeschwächt. Dennoch kamen ihm die Tränen der Angst, als Travis auf ihn zukam. Er machte keine Anstalten, sich zu verteidigen, er wartete nur auf das, was ihm nun wohl passieren würde. »Du bist ein verdammter Lügner, Travis Roy«, schluchzte er. »Am Jüngsten Tag wirst du bestimmt in der Hölle schmoren!«

Travis schwang das Gewicht im Handtuch. Der Stein traf Noah an der Schläfe, sodass dieser auf der Stelle bewusstlos zusammenbrach.

Adelyn kreischte auf und stürzte in seine Richtung los, doch Ron wirbelte herum und hielt sie auf. Er drängte sie zurück.

»Noch einmal!«, schrie Jolene.

Ron wirbelte zu Jolene herum, die Augen ungläubig aufgerissen. »Noch einmal? Komm schon, Jolene, das reicht!«

Jolene ignorierte ihn. »Travis Roy, du schlägst jetzt noch einmal zu!« Ihr geradezu besessener Blick richtete sich wieder auf Ron. »Eigentlich hätt’ ja je einer gereicht, aber Ethan ist ja nich’ hier, um seinen Schlag entgegenzunehmen. Also muss Noah wohl zwei kriegen!«

Jetzt kam Bewegung in...



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