Menzel | Chefarzt Dr. Holl 1990 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 1990, 64 Seiten

Reihe: Dr. Holl

Menzel Chefarzt Dr. Holl 1990

Blackout in der Berling-Klinik
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7517-6658-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Blackout in der Berling-Klinik

E-Book, Deutsch, Band 1990, 64 Seiten

Reihe: Dr. Holl

ISBN: 978-3-7517-6658-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Über München tobt ein heftiger Gewittersturm. Viele Verletzte werden in die Berling-Klinik eingeliefert. Dr. Stefan Holl und sein Team haben alle Hände voll zu tun. So auch Krankenschwester Lena, die inmitten der Hektik auf den herzkranken Alex trifft. Der junge Mann ist in der Klinik, weil ihm ein Spenderherz transplantiert werden soll. Zwischen dem Patienten und der Krankenschwester entsteht ein magischer Moment. Die Funken sprühen.
Dann ist plötzlich alles dunkel. Ein Stromausfall in einem Krankenhaus, in dem zahlreiche Menschen auf lebenserhaltende Maschinen angewiesen sind! Eine Katastrophe bahnt sich an ...

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Blackout in der Berling-Klinik

Ärzte, Schwestern und Patienten erleben eine dramatische Nacht

Von Marlene Menzel

Über München tobt ein heftiger Gewittersturm. Viele Verletzte werden in die Berling-Klinik eingeliefert. Dr. Stefan Holl und sein Team haben alle Hände voll zu tun. So auch Krankenschwester Lena, die inmitten der Hektik auf den herzkranken Alex trifft. Der junge Mann ist in der Klinik, weil ihm ein Spenderherz transplantiert werden soll. Zwischen dem Patienten und der Krankenschwester entsteht ein magischer Moment.

Dann ist plötzlich alles dunkel. Ein Stromausfall in einem Krankenhaus, in dem zahlreiche Menschen auf lebenserhaltende Maschinen angewiesen sind! Eine Katastrophe bahnt sich an ...

Lena saß im Schwesternzimmer über den prüfungsrelevanten Kapiteln für das Fachabitur, als der erste Donner zu hören war. Leise und in weiter Ferne, aber dennoch grollend und Unheil verkündend.

»Im Wetterbericht haben sie gesagt, dass der Sturm an uns vorbeizieht«, sagte ihre Kollegin Nina von der Chirurgie und biss beherzt in einen Apfel. »Wir haben wahrscheinlich Glück.«

»Dann wollen wir mal hoffen, dass es dabei bleibt«, murmelte Lena besorgt.

Sie wollte nach der Schicht eigentlich noch einkaufen, aber ohne eigenes Auto würde das eine nasse Angelegenheit werden.

Nina ging wieder an die Arbeit, und Lena nutzte den Moment der Stille für ihren Lernstoff. Lange hatte sie davon geträumt, auf eigenen Beinen zu stehen und sich nichts mehr vorschreiben zu lassen. Nun nahm sie ihr Fachabitur endlich in Angriff und ihre Zukunft damit selbst in die Hand.

Die ersten Regentropfen prallten auf die Fensterscheibe. Lena fühlte sich in der Berling-Klinik am Englischen Garten mehr als beschützt vor Wind und Wetter. Am Abend würde sie dann in den wohlverdienten Feierabend gehen und mit dem Bus in ihre Single-Wohnung am anderen Ende der Stadt fahren.

Lena hatte sich noch nie so frei in ihrem Leben gefühlt wie an dem Tag, an dem sie die Schlüssel überreicht bekommen hatte. Die Sorgen waren auf einmal nichtig gewesen, und ihr schlechtes Gewissen gegenüber Enrico war endlich verpufft. Die Zeit mit ihm fühlte sich weit entfernt an, obwohl zwischen ihrer Trennung und dem heutigen Tag kaum mehr als ein halbes Jahr lag.

Lena atmete aus und schloss die Augen für einen Moment. Sie hatte genug gelernt. Nun war es an der Zeit, sich auszuruhen, um die zweite Hälfte ihrer Schicht genauso gut hinter sich zu bringen wie die erste.

»Schwester Lena?«, fragte eine bekannte Stimme in ihrem Rücken.

Sie klappte das Buch zu. »Doktor Holl, wie kann ich Ihnen helfen?«

Lena war bewusst, dass der Chefarzt sie nicht ohne Grund im Schwesternzimmer aufsuchte. Sicher musste sie ihre Pause wieder einmal verkürzen und irgendwo aushelfen. Das kam immer wieder vor. Sie liebte ihre Arbeit in der Klinik, auch wenn sie sie auslaugte. Lena hatte hier das Gefühl, wirklich gebraucht zu werden und etwas zu schaffen, was von großer Bedeutung war. Sie hatte sich gleich zu Beginn gut aufgehoben gefühlt.

»Ich muss dich leider aus deiner Pause reißen. Doktor Cohn braucht uns auf der Inneren. Heute ist da die Hölle los.« Er strich sich durch die dunklen Haare und lächelte aufmunternd. »Ich selbst werde ebenfalls aushelfen.«

»Sind Sie denn in der Gynäkologie bereits fertig?« Lena biss sich auf die Zunge. Sie sollte nicht so mit ihrem Vorgesetzten reden. Er wusste sicher, was er tat. »Tut mir leid, das klang kontrollierend.«

Dr. Holl winkte lächelnd ab. »Aber nein. Ich bin froh, wenn jeder an jeden denkt. Ich konnte mich mit einem guten Gewissen verabschieden. Man braucht uns beide nun in Doktor Cohns Team. Du wirst bitte Doktor Neuhaus zur Hand gehen.«

»Alles klar, ich komme sofort.«

Der Chefarzt verschwand, während Lena zusammenräumte und ihre Tasche wieder im Spind verstaute. Dann wusch sie sich die Hände, desinfizierte sie und streifte sich einen frischen Schwesternkittel über.

Sie fand Dr. Ella Neuhaus bei einem Patienten. Die Assistenzärztin führte das Gespräch in Ruhe zu Ende. Das ging vor. Lena störte sie nicht dabei und hielt sich im Hintergrund.

Als sie wieder auf dem Gang waren, lächelte die Ärztin erleichtert. »Danke, dass du hier bist, Lena. Wir haben alle Hände voll zu tun. Es wurden allein heute fünf neue Patienten eingeliefert. Wir wissen kaum, wohin mit ihnen. Wenn das so weitergeht, müssen wir Patienten abweisen. Selbst der Chef hilft nach Leibeskräften mit.«

»Was kann ich tun?«

Sie drückte Lena ein Tablet in die Hand. »Darauf ist eine Liste mit Zimmernummern und Patientennamen. Bei allen bitte Blutdruck, Puls und Fieber messen. Danach müssen auf Zimmer 1626 noch eine Infusion gelegt und auf Zimmer 1633 Medikamente für den Abend verabreicht werden. Steht alles im Protokoll. Halte dich einfach an die Liste.« Die energiegeladene Assistenzärztin sprach so schnell, dass Lena kaum mitkam.

Sie kannte Dr. Neuhaus als überaus kompetent, engagiert und lebensfroh. Und das, obwohl sie das Schicksal einer unglücklichen Beziehung teilten, wie im Schwesternzimmer getratscht wurde. Dr. Neuhaus hatte bereits eine Ehe hinter sich, während Lena nie verheiratet gewesen war – zum Glück.

Am Anfang war sie so verliebt in Enrico gewesen, dass sie die rosarote Brille beinahe zur Eheschließung getrieben hätte. Sie war heilfroh, dass immer etwas dazwischengekommen war.

Lena schüttelte die Gedanken an Enrico ab. Er gehörte der Vergangenheit an. Nun gab es bloß noch die Zukunft für sie.

Lena arbeitete nach bestem Wissen und Gewissen. Sie war freundlich, selbst wenn sich die Patienten scheußlich verhielten. Schmerz und Sorgen machten Menschen häufig zu kleinen Monstern. Lena war dazu da, dass es ihnen wieder besser ging und ihre Freude zurückkehrte. Ein Lächeln war Lohn genug für sie und konnte selbst den anstrengendsten Tag aufhellen. Und dann gab es noch die Patienten, die sich freuten, mit jemandem zu reden. Lena nahm sich Zeit für jeden von ihnen, wenn es nur irgendwie möglich war.

Sie traf auf dem Gang ein paarmal auf Dr. Kaiser und Dr. Holl, die im Team arbeiteten, wie es die Ärzte in der Berling-Klinik gemeinhin taten. Hier unterstützte man einander, ganz gleich, von welcher Station man kam.

Lena hätte beinahe wehmütig geseufzt. Sie wollte selbst schon Ärztin sein, statt sich bloß um die Medikamentenausgabe, ein paar Tests hier und eine Spritze da zu kümmern. Doch zuerst musste ihr nachgeholtes Abitur her. Danach würde sie studieren und ihre Facharztausbildung absolvieren. Das würde Jahre dauern. Aber Lena war bereit, diesen beschwerlichen Weg zu gehen, um ihren Traum zu leben, den sie durch Enrico beinahe verloren hatte.

Der Regen nahm zu, und der Himmel hatte sich verdunkelt. Die dichte Wolkendecke ließ sie frösteln. Ein schweres Sommergewitter steuerte geradewegs auf sie zu. Lena mochte Stürme schon seit ihrer Kindheit nicht. Sie griff an die goldene Kette um ihren Hals und spielte nervös damit.

Als sie aufsah, bemerkte sie, dass sie sich nicht mehr in ihrer Abteilung aufhielt. Sie hatte wohl etwas zu viel vor sich hin geträumt. Schnell kehrte sie um und stieß hart gegen eine große Gestalt.

***

Alex blieb die Luft weg. Es dauerte einen Moment, bis er sich fing und die schöne Krankenschwester mit den großen roten Locken und den aufmerksamen blauen Augen bemerkte.

»Haben Sie sich verletzt? Alles gut?«, fragte er besorgt und fasste sie sanft bei den Armen.

Sie schien einen Moment irritiert, dann sah sie auf. Der helle Blitz, der über den Himmel bis zur Erde zuckte, war nichts im Gegensatz zu dem, welcher ihn selbst traf. Diese Augen sind eine Sünde wert ...

»Lena Vogelsang«, stellte sie sich hastig vor. »Ich bin Krankenschwester auf der Chirurgie, helfe aber momentan auf der Inneren aus.«

»Alex Böttner. Ich bin Patient, wie Sie unschwer erkennen können.« Er lächelte aufgeschlossen. Ihm entging ihr kurzer Blick auf seinen rollenden Begleiter nicht. »Fragen Sie ruhig, wenn Sie wollen. Ich bin ein offenes Buch. So oft, wie ich auf einem Operationstisch lag, wortwörtlich.«

Lena schien irritiert, weil er grinste, aber sie lächelte zurück. Nicht jeder verstand, dass sich Alex von diesen Dingen nicht einschüchtern ließ. Er war weder depressiv noch suizidgefährdet. Alex liebte das Leben, aber wenn es vorbei war, war es eben vorbei.

»Sie haben ein Herzleiden, Herr Böttner?«

Sie verfielen in ein lockeres Gespräch über seinen angeborenen Herzfehler, der nun dafür sorgte, dass er auf ein Spenderorgan angewiesen war.

»So lange laufe ich mit einer Pumpe auf Rädern herum, die an mein Herz angeschlossen ist und mich vor dem Tod bewahrt.«

»Nicht jeder geht so locker damit um. Dieses Schicksal ist sicher nicht einfach.« Sie zeigte sich mitfühlend. Diese Reaktion kannte er bereits.

Alex winkte ab. »Ich nehme mein Dasein, wie es kommt. Und bis jetzt hatte ich eine tolle Zeit mit vielen Freunden, einer liebenden Familie, lustigen Geschichten, meiner ersten großen Liebe ... Was will man...



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