Menzel | Tiergeschichten | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 252 Seiten

Menzel Tiergeschichten


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8192-5501-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 252 Seiten

ISBN: 978-3-8192-5501-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Diese Tiergeschichten sind in erster Linie für Erwachsene geschrieben. Es sind neben Happyend-Geschichten auch einige mit ernsteren Themen dabei. Es geht unter anderen Geschichten darum: Was soll man machen, wenn plötzlich ein Tiger in seinem Garten auf-taucht? Ist vielleicht eine Liebesbeziehung zwischen einer Eule und einer Antilope lebbar? Wenn der junge Kater Zwerg mal eben eine Kaffeegesellschaft durcheinanderbringt. Wenn man bemerkt, dass sein tierischer Freund nicht mehr 'so kann', und man selber zum Beschützer für ihn wird, wenn es im Wald gefährlich wird. Um ihren Garten und die Wiese zu retten, müssen sich Mensch und Tier und vor allem die kleinsten Lebewesen miteinander arrangieren.

Susi Menzel lebt in Minden, Ostwestfalen. Sie liebt es über die Natur und Tiere zu schreiben. Aber auch die vielfältige Natur der Menschen ist ein Thema, das sie immer wieder fasziniert. Schließlich gehören die Menschen auch in die Natur
Menzel Tiergeschichten jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Shira im Rosengarten


Shira saß im Garten unter dem alten Apfelbaum neben dem Rosenbogen, an dem die rosafarbige Kletterrose dieses Jahr äußerst prächtig blühte. Weit mehr als hundert herrlich duftende Blüten gab es zu bewundern. Die grüne Wiese darunter war mit tausenden, reizender Gänseblümchen verziert. Gerade öffneten sie im Morgenlicht ihre Blütenköpfchen. Rundherum blühten Rosen in allen Farben und Größen mit unterschiedlichsten, betörenden Duftnoten. Es war so wie in den Filmen im Fernsehen, die oftmals in englischen Schlössern mit wunderbaren Gärten spielten. In der Nähe wohnte meistens eine arme, bürgerliche Frau mit Strohhut, die ihren unglaublich prächtigen Rosengarten an einem Cottage pflegte.

Aber das hier, das war Realität: Shira saß tatsächlich in ihrem eigenen Garten in Löhne und genoss ihr Frühstück in diesem traumhaften Ambiente. „Fehlt nur noch der Prinz, der mich vor einer Gefahr rettet. Im Film ist das doch oft so“, lachte sie leise in sich hinein. Sie wurde aus ihrer Träumerei gerissen, als ein Vogel ganz in ihrer Nähe einen sehr lauten Warnschrei ausstieß. Vermutlich kam Kater Piedro des Weges, um sich ebenfalls sein Frühstück abzuholen. Da war es gut, dass sich die Vögel vor der Gefahr warnten und auf die höchsten Äste des Apfelbaums flüchteten. Der schwarze Kater trottete behäbig den Weg an der Hecke des Nachbarn entlang. Er sprang über das Tor im Zaun und schmiegte sich schnurrend an Shiras Beine.

Die Vögel flogen trotz der Anwesenheit der Katze an das Vogelhäuschen, das direkt neben ihr stand, um sich ihre Körner zu holen. Sie wussten offenbar genau, dass die Katze an der dünnen Stange, auf der das Futterhäuschen stand, nicht hinaufklettern konnte.

Shira lehnte sich glücklich zurück und genoss einfach nur alles um sich herum, als sie von einem sehr, sehr lauten Warnschrei eines Vogels aufgeschreckt wurde. Kater Piedro starrte äußerst angespannt in Richtung der Tanne neben dem Gartentor.

Shira war verwirrt. Der Vogel schrie immer lauter. Die anderen Vögel flogen panisch aus dem Garten heraus. Kater Piedro peitschte seinen Schwanz hin und her. Dann gab es einen Knall, als ob etwas umgefallen war. Alle schreckten auf und blieben dann sekundenlang bewegungslos stehen. Schließlich flog der Vogel, der so laut gewarnt hatte fort. Der Kater trollte sich ins Haus zu seinem Futter und Shira lehnte sich wieder zurück in Ihren Liegestuhl. Sie träumte weiter von ihrem Prinzen aus einem englischen Schloss, der selbstverständlich Pferde besaß. Na ja gut, ein Graf oder so was wäre ihr auch recht. Hauptsache er hatte Personal, sodass sie nicht putzen müsste. Und Katzen musste er mögen. Das war ganz besonders wichtig!

Sie ließ ihren Blick umherschweifen, damit sie wieder in diese wunderschöne Stimmung von vorhin käme. Da fiel ihr auf, dass alles ganz und gar still war. Kein Vogel piepte, nicht einmal in der Ferne. „Seltsam“, dachte sie. In dem Busch am Feldweg sah sie ein gestreiftes Katzengesicht. Hellbraun, schwarz und weiß gestreift, mit sehr großen Augen und einem großen Maul, in dem riesige Zähne steckten. Das Gesicht sah einem Tiger sehr ähnlich. Sie dachte, dass sie schon wieder träumte und dass ihr englisches Traumschloss möglicherweise in Indien stünde. Dort waren die Engländer früher die Herren, die riesige Anwesen hatten, in denen auch Tiger lebten.

Entspannt lehnte sie sich wieder zurück in ihren Stuhl. „Wie realistisch doch manche Träume sind. Der sah fast echt aus“, dachte sie erstaunt.

Wenn sie Fernsehdokumentationen über Tiger ansah, war sie immer voller Begeisterung. Sie liebte diese majestätischen Tiere, die vermutlich sehr groß und sicherlich auch sehr gefährlich waren. Für ihren Traum war das jedoch völlig egal. Sie lugte noch mal unter ihren Augenlidern hervor und schaute wieder zu dem Busch. Das Gesicht des Tigers war immer noch da! Eine große Pranke drängelte sich aus dem Busch heraus. Es folgte ihr eine zweite und ein langer, großer Körper, der eindeutig viel länger als sie selber hoch war. Wie realistisch das war. Fast schon unheimlich. Junge, Junge, wie groß der war, kein Wunder, dass man in Indien Angst vor Tigern hatte.

Shira schloss die Augen und schüttelte den Kopf. Es wurde Zeit, dass sie wieder in ihr Leben in ihrem Dorf in Norddeutschland zurückkam! Die Hausarbeit rief. Der Traum musste bis zur nächsten Pause warten. Sie schlug die Augen auf und - sie sah immer noch einen Tiger in ihrem Garten stehen.

„Das gibt es doch nicht!“ rief sie laut und rieb sich die Augen, damit sie endlich richtig aufwachte. Vorsichtshalber schüttelte sie ihren Kopf noch einmal ganz kräftig und guckte wieder hin. Der Tiger war immer noch da! In dem Moment riss das wunderschöne Tier sein Maul auf und stieß ein markerschütterndes Gebrüll aus. Shira schrie auf und schaute zur Terrassentür. Wie weit war es bis dahin? Etwa drei Meter? Schaffte sie es, ins Haus zu kommen? Wie schnell war eigentlich ein Tiger? Und dann die große Frage: Was machte ein Tiger hier in ihrem Garten? Oder träumte sie vielleicht immer noch? Ganz langsam ging sie rückwärts in Richtung der Terrassentür. Sie starrte das Raubtier an. Obwohl sie wusste, dass man Katzen nicht anstarren sollte, weil die das als Angriff empfanden. Sie klimperte mit den Augen. Das half bei ihren Hauskatzen. Für die war es wie ein Lächeln. Die verstanden das. Aber würde ein Tiger das auch verstehen? Da hörte sie ein: „Psst, psst, psst!“ von rechts. Ganz langsam wendete sie ihren Blick dorthin. Über dem Zaun sah sie das weiße Gesicht eines blonden Mannes. „Nicht aufregen. Der tut nix!“, sagte er.

Der hatte gut reden. Er war ja schließlich auf der sicheren Seite des Zauns.

Allerdings musste der Tiger mal auf seiner Seite gewesen sein. Denn hier in ihrem Garten war er vermutlich erst seit Kurzem. Da fiel ihr ein, dass sie das Stück Zaun an dem Busch, aus dem das Tier gekommen war, schon lange hatte reparieren wollen. Der Knall von vorhin war vermutlich das lose Zaunelement, das umgefallen war. Und eines schien noch klar: Die Raubkatze hatte Hunger. Und sie war wohl der Meinung, dass sie, Shira, eine gute Mahlzeit abgeben würde.

Wenn dieses hier immer noch ein Traum sein sollte, dann müsste der blonde Mann sie doch retten und den Tiger mit seinem Blick hypnotisieren oder irgendetwas anderes Heroisches tun. Danach würde alles gut werden. Sie würden sich ineinander verlieben und fertig! Obwohl … Sie bevorzugte eigentlich eher dunkelhaarige Männer, aber bei Prinzen im Traum konnte man vermutlich nicht sehr wählerisch sein.

Der Blonde flüsterte: „Bei dem Unwetter ist eines der Gehege kaputtgegangen. Einige der Tiere konnten ausbrechen. Die meisten haben wir schon wieder einfangen können. Eine Raubkatze musste leider erschossen werden. Sie war den Menschen zu nahegekommen“, seufzte er traurig, „Aber diesem Tiger wollen wir das Schicksal ersparen und ihn retten, nicht wahr?“ Er schaute sie flehentlich an.

Shira konnte es nicht fassen. War der vom Zirkus, oder was?!? Sie zischte zwischen ihren Zähnen eine wütende Antwort heraus: „Hol deine Peitsche und lenk ihn ab. Ich will ins Haus zurück!“

Er schaute sie erstaunt an. „Peitsche? Welche Peitsche? Ich habe keine!“, sagte er laut. Vielleicht etwas zu laut, denn der Tiger guckte sich um und stierte ihn an.

Diesen Moment nutzte Shira, um schnell rückwärts zu gehen, sich dann umzudrehen und ins Haus zu stürmen. Sie hatte jedoch nicht an das Vogelhaus gedacht und rannte davor. Im Schwung riss sie es aus der Erde heraus. Sie schleuderte das Ding in Richtung des Tigers und rannte wie der Blitz zur Tür. Der Tiger war wohl etwas irritiert durch die vielen Aktionen um ihn herum, denn bis er sich entschieden hatte, Shira doch noch anzugreifen, war sie schon im Haus und hatte die Tür hinter sich zugeschlagen.

Der blonde Mann hatte aufgeschrien, um ihn von ihr abzulenken, dachte sie beeindruckt. Er war auf den Zaun gesprungen, der bedenklich kippelte, und hatte wild mit seinen Armen gefuchtelt. „Mutig ist er ja“, sagte sie zu Kater Piedro, der mit ihr zusammen aus dem Fenster guckte und das Schauspiel beobachtete.

Sie griff nach ihrem Handy und wollte die Notrufnummer wählen. Verflixt! Nie fiel ihr ein, welches die richtige Nummer war. 110 oder 112? Da hörte sie den Tiger brüllen. Er duckte sich, und sprang mit voller Wucht gegen das Fenster, hinter dem sie stand. Es knackte bedenklich, aber es hielt Gottseidank. Shira hatte das Telefon fallen gelassen und war zurückgewichen. Sie ergriff Piedro und rannte mit dem verdutzten Kater unterm Arm aus dem Wohnzimmer heraus und die Treppe ins Obergeschoss hinauf. Alle Türen warf sie vorsichtshalber hinter sich zu. Atemlos traute sie sich jedoch an das Dachfenster. Bis in den ersten Stock würde der Tiger wohl nicht springen können – oder? Mutig öffnete sie es und schaute hinaus.

Zu dem...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.