E-Book, Deutsch, 338 Seiten
Mertens Auf einen Cappuccino
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-5478-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Lebensfreudige, nachdenkliche und vergnügliche Geschichten aus dem Kaffeehaus
E-Book, Deutsch, 338 Seiten
ISBN: 978-3-6957-5478-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Christian Mertens verwebt in seinen Debüterzählungen seine Passion für Kaffeehäuser und für ihre besondere Kultur, eine gastrosophische Lebensfreude, den beständigen Drang nach Inspiration und eine aufmerksame Haltung für Menschen und ihre Geschichten in Cafés. Er stammt aus Hamburg, lebt in München und trinkt selbst leidenschaftlich gern Cappuccino und Espresso.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
AUF EINEN CAPPUCCINO INS CAFÉ.
PROLOG.
Erich Mühsam1
Welch ein Geschenk des Himmels: Cafés! Ob sie uns als altehrwürdiges »Kaffeehaus« begegnen, mit ein paar Stühlen und Tischen die schmückende Beigabe einer »Konditorei«, »Patisserie« oder des guten alten »Bäckers« sind, ins italienische Gewand einer »« schlüpfen oder uns eben als »Café« ihre Pforten öffnen, sie erfreuen und begeistern auf so vielfältige Art und Weise.
Da sind ihre Herkunft und historische Entwicklung, die sich insbesondere in einigen bisweilen bis heute bestehenden Kaffeehausikonen von historischer Bedeutung manifestieren, die manchen reisenden Umweg lohnen, ihre Rezeption in Kunst und Kultur mit einigen durchaus reizvollen Pointen, und natürlich ihr gastronomischer und kulinarischer Reichtum, der uns ein ums andere Ma(h)l verköstigende Gastfreundschaft erweist. Vor allem aber erzählen Cafés so wunderbare Geschichten, wenn sie zum Besten geben, was die Menschen, die sie besuchen und beehren, in ihren Hallen erleben, darbieten und aufführen. Es sind leichte und lebensfrohe Begebenheiten, unterhaltsam vergnügliche Momente, zum Nachdenken und Hinsehen einladende Eindrücke, skurrile Begegnungen, Kuriositäten und Köstlichkeiten – doch sie alle erzählen vom Leben in seiner so einmaligen und wundervollen Vielfalt.
Bei den so vielfältigen globalen Erscheinungsformen könnte es beinahe erstaunen, dass die Kaffeetempel in den meisten, zumindest romanischen Sprachen tatsächlich auf den Namen »Café« hören. Die entsprechenden italienischen Institutionen weichen als »Caffè« nur leicht davon ab, insbesondere wenn es um die Namensgebung spezifischer Lokalitäten geht. Im uns nachbarschaftlichen Polnisch klingen zumindest die »kawiarnia« oder »kafejka«, ein paar sprachliche Kilometer weiter östlich im Russischen das »????´« doch zumindest erkennbar ähnlich, und selbst im Pinyin, der phonetischen Umschrift des Chinesischen, treffen wir mit »kafeigua?n« auf eine Buchstabenansammlung, die schnell die richtigen sprachlichen Assoziationen bei uns bewirkt.
Das Café teilt sich seine Wortherkunft mit jenem Heißgetränk, das für seinen Namensvetter, das Kaffeehaus, namensgebend ist, dem Kaffee, der sich aus dem arabischen Wort »qahwa« weiterentwickelt hat, wobei letzteres wiederum an die historische Provinz »Kaffa« in Äthiopien angelehnt ist, wo – und hier schließt sich der etymologische Kreis – die Kaffeepflanzen erstmals entdeckt und genutzt wurden und bis heute heimisch sind.
Nicht nur sprachlich, sondern auch kulinarisch machte sich das aus den Kaffeebohnen gekochte Getränk auf die Reise von Nordostafrika über Arabien ins Osmanische Reich, dem wir auch kulturhistorisch die Cafés zu verdanken haben (1554 in Kostantiniyye/Istanbul, zuvor schon in den Levante-Metropolen Aleppo und Damaskus sowie im ägyptischen Kairo). In seinen politischen und kulturellen Metropolen entstanden die ersten zaghaften Kaffeehäuser, und von dort aus gelangten sie über alte Handelsrouten in die damaligen Handelszentren im Mittelmeerraum und dies- und jenseits des Ärmelkanals und der Nordsee.
Als erstes Café im okzidentalen Europa wird zumeist die in Venedig genannt, die um die Mitte des 17. Jahrhunderts ihre Tore öffnete und aus der im Jahr 1720 die heute noch bestehende Institution auf der Piazza San Marco hervorging. Der Vorname des Kaffeesieders Floriano Francesconi verlieh dem seinen Namen, der damaligen Konvention folgend, Kaffeehäuser nach den Namen ihrer Besitzer zu benennen. Die kaufmännische Spur des Kaffees und der Cafés lässt sich auch an den ersten Eröffnungen im deutschen Raum ablesen, die nicht in den damaligen politischen Zentren, sondern den Hanse- und Handelsstädten Bremen und Hamburg erfolgten, in Bremen 1673, ab 1679 belegt als , in Hamburg 1677, gefolgt im süddeutschen Raum vom in Regensburg 1686 gegenüber vom Immerwährenden Reichstag.
Bei historischen Kaffeehäusern gelangen wir alsbald nach Wien. Tatsächlich ist das erste Kaffeehaus in Wien bereits für das Jahr 1685 belegt, in dem der in Istanbul geborene Armenier Johannes Theodat, seines Zeichens Händler und Kurier, das kaiserliche Privileg erhielt, Kaffee verkaufen zu dürfen, woraufhin er in seinen Wohnräumen ein bescheidenes Kaffeehaus, wohl eher einen einzelnen Kaffeeraum, eröffnete. Wenn auch nicht der Wahrheit entsprechend, so entfaltet doch das Gerücht einen so wunderbaren Wohlklang, nach dem die Osmanen bei ihrer zweiten (und erneut erfolglosen) Belagerung von Wien 1683 beim Rückzug Säcke mit Kaffeebohnen zurückließen, die der findige Georg Franz Kolschitzky in seine Obhut genommen und damit ein Kaffeehaus gegründet hätte. Und dabei würde die Jahreszahl doch fast genau passen… Noch heute lassen illustre Namen unsere Kaffeehäuser-liebenden Herzen höherschlagen, wie zum Beispiel , (obwohl letzteres nicht einmal mehr existiert, dafür aber in seiner Geltung als Treffpunkt für Intellektuelle, Künstler und Literaten eine seine Zeit überdauernde Bedeutung hat), oder aus dem 19. Jahrhundert, der altehrwürdige von 1786 (dessen »K« aus »k. u. k.« sich ausnahmsweise in Großbuchstaben schreibt), das erste Café an der Ringstraße, , oder das Künstlercafé von 1939.
Wenn wir noch etwas in der k. u. k. Monarchie von Österreich-Ungarn verweilen und die Donau stromabwärts bis Budapest reisen, tun sich vor unseren historisch neugierigen Caféaugen die Namen des , oder des auf, allesamt ebenfalls aus der gedeihenden zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im nördlichen Teil der Monarchie, im Königreich Böhmen und seiner Hauptstadt Prag, stoßen wir auf das , das und das als alteingesessene Einrichtungen, wenn auch etwas jünger vom Beginn des 20. Jahrhunderts stammend.
Im benachbarten Preußen finden sich erste Kaffeehausspuren im Jahr 1722 mit dem , bevor mit dem von 1825, dem (1877), dem (1893/98) und dem (1901/02) die Berliner Café-Granden die Bühne betraten. Das residierte in einem Eckgebäude Unter den Linden, Ecke Friedrichstraße, und erweiterte sich 1932 mit einer Filiale im bis dahin existierenden am Kurfürstendamm, nahe der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, wo es – nach Kriegszerstörungen und Wiederaufbau – 1951 neuerlich in Betrieb genommen wurde. An gleicher Stelle entstand 1958 ein Neubau mit der bis heute bestehenden Rotunde. Doch während das denkmalgeschützte Gebäude alle Veränderungen überdauerte, wenn auch zunehmend dem Verfall preisgegeben, erlebte das eine wechselvolle Geschichte und ist in seiner anfänglichen Form verschwunden.
Das , vis-à-vis vom logierend, galt als luxuriös, war feudal ausgestaltet und eingerichtet, bot legendäre 800 Tageszeitungen und war innovativ das erste mit elektrischem Licht ausgestattete Café, aber verschwand noch vor dem Ersten Weltkrieg, ehe das Gebäude dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer fiel. Das hatte einen Namensvetter in Frankfurt, das von 1884 bis zur Kriegszerstörung 1944 das erste Kaffeehaus am Platz war. In Berlin übernahm das die intellektuelle und künstlerische Kundschaft vom nach dessen Niedergang, geriet aber seinerseits in die Strudel der nationalsozialistischen Machtergreifung, das Gebäude wurde 1943 weitgehend zerstört und nach dem Krieg abgerissen.
Im Königreich Bayern flanierten und konferierten Hof, Honoratioren, Künstler und Bohemiens im von 1888, das noch heute, inzwischen umgebaut, als ehrwürdiges Kaffeehaus existiert. Das wurde ursprünglich in Dresden 1825 als Conditorei gegründet, nach der Bombenzerstörung im Februar 1945 aber in München in den 1950er Jahren neueröffnet. Andere Kaffeehausinstitutionen existieren heute zum Leidwesen von Café-Enthusiasten nicht mehr, so das von 1896 in der Maxvorstadt, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, oder die (1838) an der Residenz, deren Besitzer aus Altersgründen und in Ermangelung eines Nachfolgers 2013 schließen mussten.
Mehr Kontinuität ist den...




