Meyer | Mit dem Esel über den Berg | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 200 Seiten

Meyer Mit dem Esel über den Berg

Meine unglaubliche Reise mit einem vierbeinigen Freund durch Marokko
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-906287-61-4
Verlag: Cameo
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Meine unglaubliche Reise mit einem vierbeinigen Freund durch Marokko

E-Book, Deutsch, 200 Seiten

ISBN: 978-3-906287-61-4
Verlag: Cameo
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Lucas Meyer, Jahrgang 1991 war auf gutem Weg die Karriereleiter hochzuklettern. Er arbeitete bei einer Bank, studierte Wirtschaft und verdiente gutes Geld. Dann wurde es ihm zu viel, und er schmiss alles hin. Er ging nach Marokko und wanderte dort mit einem Esel einen Sommer lang durch das Gebirge. «Mit dem Esel über den Berg» ist eine Geschichte über einen Neuanfang in einem fernen Land, einer Reise durch eine andere Welt fernab der Zivilisation und einer innigen Freundschaft zwischen Mensch und Tier.

Lucas reiste mit seiner Eselin Lucy über 600 Kilometer durch das hohe Atlas Gebirge in Marokko. Er gewann Einblicke in das Leben der einheimischen Bevölkerung und deren Kultur. Er erkomm den höchsten Berg Nordafrikas, feierte das grosse muslimische Schafsfest und begegnete unzähligen Menschen und deren tiefgründigen Geschichten. In seinem Buch gibt er Einblicke in seine Erfahrungen, die er aus Marokko mitbrachte, die er nun immer wieder mit Gewohnheiten und Gedankenzügen unserer westlichen Gesellschaf vergleicht. Das Buch richtet sich auch an jene, die einen unerfüllten Lebenstraum haben, weil «die Zeit noch nicht reif ist» oder «noch Geld gespart werden muss». Die Geschichte von Lucy und Lucas inspiriert dazu, einen Neuanfang zu wagen und lädt zum Träumen ein.
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Die Wiedergeburt

Mit dem Bus fahre ich über die Alpen in Richtung Süden. Mitten in der Nacht komme ich in der italienischen Hafenstadt Genua an. Ich verbringe ein paar Stunden schlafend vor der Eingangstür des Hafenterminals. Als ich aufwache, legt das Fährschiff Splendid gerade an und ist nun bereit für die Reise quer übers Mittelmeer. Neben mir warten hunderte anderer Passagiere vor dem großen Schiff darauf, dass uns die Leute in den gelben Westen Eintritt gewähren. Zwei Tage und zwei Nächte werden wir alle zusammen auf dem Schiff verbringen.

Mein mir zugewiesener Platz ist ein großer Sessel in einem nur wenig gefüllten, mittelgroßen Saal, welcher sich im neunten Stock des Schiffes befindet. Der neunte Stock ist nicht das oberste Deck des Schiffes, aber für die Passagiere des Schiffes ist hier Schluss. Vergeblich schaue ich mich nach anderen Rucksacktouristen um. Ich treffe vorrangig junge Familien an und beobachte, dass deren Kinder meist italienisch und die Eltern arabisch miteinander reden. Massenweise Gepäck steht überall herum, im Schlafsaal wie auch in den Gängen. Neben Koffern und Taschen befinden sich darunter auch Fahrräder und Möbel, selbst fahrende Kinderautos kann ich ausmachen.

Ich nehme auf meinem Sessel Platz und schaue aus dem Fenster. Das Schiff nimmt Fahrt auf und schleicht sich langsam, aber mit donnerndem Getriebe aus der Bucht. Wir fahren in Richtung Westen, immer entlang der italienischen Küste, bevor wir später Frankreich erreichen. Ich beobachte die vorbeiziehende Silhouette und das stille Meer, welches durch die nicht vorhandenen Wellen eher an einen See denn an einen Ozean erinnert. Die untergehende Sonne verschwindet in den Wolken, knapp über dem Horizont.

Ich habe nun alle Zeit der Welt und kann entschleunigt ohne Flugzeug reisen. Insgesamt bin ich fünf Tage unterwegs, bis ich mein Reiseziel Marrakesch erreichen werde. Noch nie habe ich eine so weite Reise gemacht, ohne ein Flugzeug zu nutzen. Wäre ich geflogen, wäre ich innerhalb von nur dreieinhalb Stunden am Ziel gewesen. So erreiche ich Marokko in einem ganz eigenen Tempo.

Ich komme aus einem Land, in dem es gerade Winter ist und es seit Tagen regnet. Ein Land, in dem die Leute es gewohnt sind, dass die Eisenbahn auf die Minute pünktlich in den Bahnhof einfährt, ein Land, in dem jeder Einwohner eine obligatorische Krankenversicherung hat und wo sich die Mehrheit einen Flug leisten und Ferien an einem fernen Ort machen kann. Nur dreieinhalb Flugstunden entfernt von meinem Heimatland, der Schweiz, liegt ein anderes Land auf einem anderen Kontinent. Marokko: Ein Land, in dem man eine Sprache spricht, von der ich kein einziges Wort verstehen werde, ein Land, in dem die Frauen in den meisten Regionen nicht ohne Begleitung eines Mannes auf dem lokalen Markt einkaufen gehen dürfen. Ich reise in ein Land, in dem der Bus nur dann abfährt, wenn er bis zur Eingangstür gefüllt mit aneinandergepressten Passagieren ist. In diesem Moment kann ich mir nicht mehr vorstellen, wie ich in so einer kurzen Zeit in eine komplett andere Welt fliegen könnte.

Als Jugendlicher war das ganz anders. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der man mal kurz ans andere Ende der Welt fliegt, um dort eine Woche am Strand zu liegen und sich zu bräunen oder im Meer zu planschen. Als Sohn eines Piloten habe auch ich von günstigen Flugtickets Gebrauch gemacht und bin quer über unseren Erdball rumgedüst. Eine Tagesreise nach Amsterdam oder eine verlängertes Wochenende nach Shanghai? Das war auch mir nicht fremd. Über den CO2-Ausstoß eines Flugzeuges wusste zwar jeder Bescheid, jedoch waren die Eigeninteressen am Ende um einiges wichtiger als das Wohl unseres Planeten. Auch ich war davon nicht frei. Aber sind solche Reisen wirklich nötig? Kann unser Körper und unser Bewusstsein solch schnelle Reisen überhaupt verarbeiten?

Bewusst entschied ich mich bei meiner Fahrt nach Marokko daher gegen eine Flugreise. Auch spielte der Gedanke eine Rolle, dass eine Reise über Land oder Meer auch um einiges abenteuerlicher ausfallen würde. Man entdeckt fremde Orte und lernt viele neue Leute kennen. Nach all den letzten Monaten, die nicht einfach für mich waren, genieße ich die Zeit hier auf dem Schiff. Ich genieße das Nichtstun, ich genieße das Aus-dem-Fenster-Starren, und ich genieße es, dass ich nur wenig mit Menschen reden muss. Die Zeit gibt mir die Möglichkeit, mich mit meiner neuen Situation anzufreunden. Ich spüre die Veränderung, die in der Luft hängt. Die kühle, klare Schweizer Luft weicht der immer wärmer werdenden, schwülen mediterranen Meeresbrise.

Unser Schiff läuft in den Hafen von Tanger ein. In der quirligen Hafenstadt im Norden Marokkos vermischen sich zwei Welten. Europa trifft auf Afrika. Zu diesem Zeitpunkt ahne ich noch nicht, dass ich die nächsten Monate auf diesem Kontinent leben werde. Ich weiß noch nicht, dass mich dieses magische Marokko auf eine lange Reise mitnimmt, die mein Leben grundlegend verändern wird. Ich werde einen kleinen Teil dieses gigantischen Kontinentes bereisen und entdecken, auf dem vor mir liegenden Weg Kulturen kennen und die Menschen und Tiere, die darauf leben, lieben lernen. Meine Träume werden sich endlich verwirklichen können. Lang habe ich über die Zukunft nachgedacht und mir die Bilder in meinem Kopf ausgemalt. Lang habe ich auf diesen Moment gewartet. Und jetzt bin ich endlich da. Ich spüre nordafrikanischen Boden unter meinen Füßen, es ist Realität. Ich bin in meinen Träumen angekommen.

Es vermischen sich positive mit negativen Gefühlen. Innerlich schwanke ich zwischen Abenteuerlust und der Angst vor dem Ungewissen, als ich ganz alleine am Hafen von Tanger stehe. Ich habe all mein Hab und Gut bei mir, dafür bin ich frei von jeglichen Verpflichtungen. Nicht eine trage ich mit mir herum. Ich kann gehen, wohin ich will, wann immer ich will. Unzählige Möglichkeiten stehen mir offen. Mein Körper ist frei und kann machen, was er will. Jedoch sind meine Gedanken noch weit entfernt von Freiheit. Mit der neuen Situation sind sie noch nicht vertraut, und so kreisen sie umher und lassen mir keine Ruhe.

Ich blicke auf das Meer und mache das gegenüberliegende spanische Festland aus. Der Himmel ist so klar, dass man sogar die kleinen weißen Häuser erkennen kann, wie sie so typisch in der Region von Andalusien sind. Unzählige Schiffe fahren jeden Tag vom spanischen Tarifa ins marokkanische Tanger. Zwei Städte, die nur 15Kilometer voneinander entfernt liegen, aber unterschiedlicher nicht sein könnten.

In Tanger vermischen sich europäische Tagestouristen in Flipflops und kurzen Hosen mit traditionell gekleideten Einheimischen. Die Architektur ist eine Mischung zwischen spanischem und französischem Kolonialstil und traditionellem arabischen Handwerk. Die Restaurants und Cafés sind voll mit Menschen. Getrunken wird jedoch keine Cerveza oder Sangría, sondern Minztee und «Ness Ness», was so viel heißt wie halb, halb: ein Teil Kaffee und ein Teil Milch.

Die zwei ruhigen Tage auf dem Schiff weichen einer lauten, mit Menschenmassen und hupenden Autos gefüllten Stadt. Ich bleibe nicht lange hier und besteige rasch den nächsten Nachtzug in Richtung Marrakesch, meinem Reiseziel.

Obwohl ich die ganze Nacht im Zug durchgerüttelt werde, schlafe ich überraschend gut. Als die Sonne am Horizont aufgeht, wache ich erholt in meinem kleinen Zugabteil auf. Mit meinem Rucksack auf dem Rücken und der Gitarre in der Hand verlasse ich den Bahnhof und spaziere durch die engen Gassen von Marrakesch. Die Medina, so nennt man die alten Stadtteile in Marokko, ist geprägt von engen Gassen, kleinen Marktständen und Geräuschen von Menschen, die in allen möglichen Sprachen miteinander reden. Man hört aber auch Musik, man hört die Motorräder, welche sich mit rauchendem Auspuff durch die Menschenmengen durchschlängeln. Und man hört die Tiere: Seien es die Hühner, die wild umherlaufen, oder die Esel und Maultiere, die mit Baumaterialien vollgeladene Wagen ziehen.

Es sind aber nicht nur die Geräusche, die auf mich einprasseln, auch die Gerüche nehme ich sehr intensiv wahr. Den Gewürzhändler höre ich aufgeregt diskutieren, wie er gerade mit einer deutschen Touristin über den Preis feilscht. Es riecht hier nach Kurkuma, dort nach Kreuzkümmel und an anderer Stelle wieder nach einer schwarzen Olivenseife, wie man sie in Marokko im Hamam, dem Gemeinschaftsbad, benutzt. In der Luft hängt aber auch der Gestank von Abgasen, Abfall und von toten Tieren. Mit Befremden sehe ich, wie der Metzger voller Stolz seine geschlachteten und ungekühlten Hühner auf der Ladentheke präsentiert. Im hinteren Teil des Ladens findet man die noch lebenden Tiere, eingepfercht in kleinen Käfigen, in denen sie darauf warten, bis ein Kunde nach ihnen verlangt.

Von allen Seiten her werde ich angesprochen. Die Standverkäufer wollen mir ihre Produkte aufschwatzen. An jeder Ecke bieten sie mir Schmuck, Keramikware, Teppiche oder dann doch Haschisch an. Noch nie bin ich an einem Ort mit so vielen Eindrücken wie der Medina von Marrakesch gewesen. Inspiration, Tradition und Kreativität vermischen sich mit westlicher Technologie, Business und Tourismus.

Ich verbringe einige Wochen bei meinem Freund Hassan in dessen Riad Dar Bleu, einem traditionellen marokkanischen Haus, dessen Zimmer er an reisende Gäste vermietet. Dort kann ich günstig wohnen, dafür helfe ich ihm beim Betreuen seiner Gäste. Ich erledige für Hassan die Einkäufe und helfe beim Zubereiten des Frühstücks. Die leichte Arbeit macht mir Spaß, sie bringt mir ein wenig Struktur in den Tag. Die letzten Jahre habe ich immer mindestens fünf Tage die Woche und acht Stunden am Tag gearbeitet. Da mir Arbeit grundsätzlich viel Freude bereitet, kommt mir dieser...



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