E-Book, Deutsch, 887 Seiten
Meyer Rache
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7407-1576-2
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Abgerechnet wird zum Schluss
E-Book, Deutsch, 887 Seiten
ISBN: 978-3-7407-1576-2
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Meine Biographie, kurz und knapp: Michael Meyer, geboren 1963, geschieden, aber wieder mit einer ganz lieber Lebensgefährtin liiert. Ich habe eine (fast erwachsene) Tochter, die es nach ihrer Lehrzeit zu ihrem Freund in die USA zieht. Ich bin Dipl.-Betriebswirt, IT-Manager, ein wenig Baulöwe und lebe in Norddeutschland. Schreibe schon seit der Jugend Science Fiction- und Kriminalgeschichten. Meine Interessen liegen bei den Naturwissenschaften, speziell Astronomie und Vulkanologie. Aber auch an aktuellen politischen Themen bin ich stark interessiert. Was ich mir wünsche? Dass die Leser Spaß am Lesen meiner Bücher haben. Doch das wünscht sich ja jeder Autor oder?
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1 Wie alles begann ...
Der Vorfall, über den ich hier, als unabhängiger Beobachter, berichten werde, liegt schon ein Jahrzehnt zurück. Die Welt hatte sich vor Kurzem radikal geändert, denn die Twin Tower, das stolze Zeichen der größten Demokratie, waren vor mehreren Monaten in sich zusammengestürzt und hatte die USA in eine tiefe Krise gestürzt. Zur gleichen Zeit entstand am Potsdamer Platz, in der Mitte Berlins, eine kleine Anzahl von Wolkenkratzer. Einige berühmte Architekten durften sich hier austoben und über Geschmack lässt sich ja bekannterweise streiten. Meinen zumindest trifft das hypermoderne Ensemble leider nicht. Der nachfolgende Kriminalfall hat sich tatsächlich zugetragen, wobei ich natürlich den Protagonisten allesamt Pseudonyme verpasst habe. Damit erfüllte ich auch eine Forderung, die vorab geäußert worden ist und die letztlich die Voraussetzung war, den Roman in der vorliegenden Form überhaupt zu veröffentlichen.
*
Wie so vieles im Leben, begannen die folgenschweren Ereignisse mit einem simplen Zufall und sollten dann völlig außer Kontrolle geraten.
Es war April und das Wetter zeigte sich genauso, wie man es von diesem Monat so auch erwartete. »April, April, der weiß nicht, was er will. «
Gewaltige Wolkengebirge zogen in schneller Folge über die flache Ebene des Norddeutschen Tieflandes und brachten abwechselnd Regen-, Schnee -und Hagelschauer. Nur ganz selten schaute die Sonne schüchtern durch himmelblaue Wolkenlücken hervor. Aber sie hatte noch nicht die Kraft, den Boden und die Luft angenehm zu erwärmen. Schuld daran war auch der nordwestliche Wind, der in stürmischen Böen, die zurzeit kahlen Äste der Laubbäume wild durchschüttelte und die Regenschauer in Wogen über das Land peitschte. Es war also ein Wetter, bei dem man sich nicht sehr lange draußen aufhalten sollte, es sei denn, man ist ein Kind.
Genau jener Meinung vertraten auch Jan und Thomas, die gerade aus dem Unterholz auf das freie Feld hinaustraten. Dass sie Brüder waren, erkannte ein Ausstehender sofort. Sie trugen beide die gleiche dunkelblaue Regenjacke und hatten die Kapuzen, zum Schutz vor dem Wetter, tief ins Gesicht gezogen. Jan, der Größere und Ältere von ihnen schob in diesem Moment die Anorakkapuze herunter und ein kurzer blonder Haarschopf kam zum Vorschein. Thomas blickte etwas verwundert zum Bruder hoch. Er schien noch zu zögern, doch schließlich trafen die Sonnenstrahlen auch sein Antlitz und so folgte er rasch dem Beispiel und entledigte sich des Kopfschutzes.
Laut jauchzend und sich gegenseitig jagend, liefen dann die Geschwister über die weite, vor ihnen liegende, freie Fläche. Das gesamte Areal war vollständig mit Gräsern und bereits seit langem vertrocknetem Unkraut des letzten Jahres bedeckt. Aber dieses Ödland war nicht das, für das man es hielt. Ungefähr in der Mitte wurde es durch eine breite Betonstraße in zwei Hälften geteilt. Ohne anzuhalten, überquerten die beiden Jungs das graue Band, das sich von einem Horizont bis zum anderen zu erstrecken schien. Einige Minuten später hatten sie endlich das weitläufige Grasland durchquert und gelangten zu einem schmalen Waldstück. Aus diesem führten mehrere, von Unkraut und kleinen Bäumen überwucherte, Betonflächen hinaus. Ohne Zögern drangen die Brüder sofort in das dichte Unterholz, das sich unter den hohen Kiefer ausbreitete, ein. Bereits kurze Zeit darauf wurden sie fündig. Sie standen genau vor der künstlichen Anlage, die sie erst wenigen Tagen zuvor zufällig entdeckt hatten.
Direkt vor ihnen erhob sich ein, mit Gras bewachsener, Hügel. Langsam gingen sie um diesen herum, bis endlich ein Gewaltiges, grünschwarz gestrichenes Tor auftauchte, das die südliche Seite abschloss.
Vor Jahren war es höchstwahrscheinlich immer hermetisch abgeschlossen gewesen, aber nun stand ein Flügel offen und schaukelte im Wind ganz sacht hin und her.
Aus der dunklen Öffnung führte einer der breiten Betonstraßen heraus, die nur wenige hundert Meter weiter, in die ehemalige Start -und Landebahn einmündete. Diese hatten Jan und Thomas auf ihrem Weg hierher bereits überquert.
Auch jedem Uneingeweihten wurde spätestens jetzt klar, dass es sich hier um keinen Abenteuerspielplatz handelte. In Wirklichkeit war es ein Flugplatz eines sowjetischen Kampfbombergeschwaders, der hier stationiert worden war, um die Einflusssphäre der UdSSR an der Grenze zur NATO dauerhaft zu sichern und eine eindeutige Drohgebärde aufzubauen. Noch vor 10 Jahren hatten hier Kampfjets des Typs MIG 31 mit lautem Dröhnen abgehoben, um zu Übungseinsätzen zu fliegen. Aber dann kam alles ganz anders, denn die DDR und bald darauf die Sowjetunion gingen, innerhalb weniger Monate, sang -und klanglos unter. 1994 musste die ehemalige Sieger- und spätere Besatzungsmacht das endlich wiedervereinigte Deutschland, endgültig wie einen Verlierer verlassen. Doch immerhin wurde der Abschied mit einer milliardenschweren Zahlung durch die Bundesregierung versüßt. Bei ihrem Rückzug ließen die nun russischen Truppen ihre unzähligen militärischen Stützpunkte ungesichert und unbewacht zurück. Auch die Bundeswehr und ihre NATO-Partner konnten mit den verwaisten Anlagen nicht viel anfangen und überließen sie daher ihrem Schicksal. So holte sich die Natur das retour, was ihr einst schon einmal gehört hatte. Allmählich überwucherten Bäume und Sträucher, die in einen Dornröschenschlaf gefallenen Flugzeughangars und Militärbaracken. Sogar in den geteerten Fugen der Start- und Landebahnen sprossen zaghaft mehrere Gräser und Grasbüschel.
Aber diese, für Ältere wahrscheinlich spannende Geschichte des Landes und letztlich des Flugplatzes, interessierte die beiden Jungs im Moment überhaupt nicht. Schon vor einiger Zeit hatten sie den Hügel, der sich als getarnter Abstellplatz für Kampfflugzeuge entpuppte, durch das offene Tor betreten. Es war etwas unheimlich im Bunkerinneren und das unaufhörliche Hinuntertropfen von Wasser von der Betondecke, trug dazu bei, dass sie wiederholt ängstlich die Luft anhielten. Doch alle Angst war unbegründet. Denn keine Menschenseele befand sich in ihrer Nähe.
Am hinteren Ende des halbdunklen Hangars entdeckten sie schließlich zufällig eine stählerne Tür, die einen weiteren Raum dahinter abzusichern schien. Die Brüder hatten den Zugang bei ihren Streifzügen über den verlassenen Stützpunkt noch nicht gefunden. Das lag auch daran, dass in der Dunkelheit sich die Silhouette der Tür kaum von der Umgebung abhob.
Doch wie das nun mal so ist, verriegelte Eingänge wecken immer die Neugier von Kindern und genauso schien es in diesem Moment Jan und Thomas zu ergehen. Seit Minuten versuchten sie vergebens, die verschlossene Tür zu öffnen. Für die Jungs stand selbstverständlich fest, dass sie einen Schatz finden würden, den die Soldaten beim Verlassen der Anlage glücklicherweise vergessen hatten. Aber so stark sie auch an der Tür rüttelten und zerrten, sie bewegte sich keinen Millimeter und behielt ihr Geheimnis bis auf weiteres für sich.
Nach einer Weile gab der Ältere von ihnen schließlich auf. Der 11-jährige schüttelte energisch mit dem Kopf und rief wütend. „So wird das nichts, Thomas“, dann blickte er ernst auf den 3 Jahre jüngeren Bruder hinab und sagte sehr bestimmt. „Wir brauchen unbedingt ein Stück Eisen, das wir zwischen Türblatt und Rahmen stecken können.“
Der Angesprochene schaute ihn skeptisch an. „Und du meinst, damit brechen wir die Tür wirklich auf?“
Jan zuckte mit den Schultern. „Weiß ich nicht“, er kratzte sich an der Stirn, bevor er dem Jüngeren befahl. „Los, du suchst auf der linken Seite und ich schaue rechts nach! Wenn du irgendetwas findest, sagst du mir sofort Bescheid. Hast du mich verstanden?“
Sein Bruder nickte schweigend und begann augenblicklich mit der Erkundung.
Es dauerte nur einige Minuten, bis er aus einer dunklen Ecke, die leise Stimme von Thomas hörte. „Jan, ich habe etwas gefunden.“
Rasch, so schnell ihn die kleinen Beine trugen, lief er zu ihm hin. Der Jüngere von beiden hielt stolz eine runde Eisenstange in die Luft, die aus einem Gitter, das an der Wand lehnte, herausgebrochen worden war. Dann übergab er den Fund freudestrahlend dem Älteren.
Jan begutachtete ausgiebig das verrostete Metall. Aber er schien zufrieden zu sein, denn er nickte und meinte anerkennend zu Thomas. „Gut gemacht. Das könnte wirklich funktionieren! Wir werden es gleich einmal ausprobieren.“
Dann liefen die Beiden einer großen Pfütze in der Mitte des Hangars ausweichend, schnell zur verschlossenen Tür zurück. Dort angekommen, versuchten sie die Stange in einen kleinen Zwischenraum, der sich zwischen Türblatt und Einfassung befand, zu schieben. Als das tatsächlich gelang, zerrten sie das Metallstück gemeinsam hin und her.
Ihr Plan schien zu funktionieren, denn allmählich vergrößerte sich der Türspalt. Trotzdem dauerte es noch einige Zeit, bis das verrostete Schloss endlich mit einem dumpfen Ton nachgab und die Tür laut quietschend aufging. Jan und Thomas stießen, obwohl sie völlig außer Atem waren, einen Freudenschrei aus. Dann betraten sie vorsichtig den dunklen Raum. Feuchter Modergeruch schlug ihnen sofort entgegen und erschrocken liefen sie wieder ins Freie. Dort angekommen, sahen sich die Jungs ängstlich und ein wenig traurig an. An ihren Gesichtern konnte man sehen, dass der Traum der mutigen Entdecker, einen Schatz zu finden, ausgeträumt war. Es dauerte einige Augenblicke, da nahm Jan seinen ganzen Mut zusammen. Er kramte aus der Tasche des Anoraks eine kleine Taschenlampe hervor.
Thomas blickte den Bruder mit großen Augen an. „Willst du dort etwa noch einmal hinein. Das ist keine gute Idee“, er schaute ängstlich zur...




