Meyer | Renegades - Gefährlicher Freund | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 640 Seiten

Reihe: Renegades-Reihe

Meyer Renegades - Gefährlicher Freund

Roman
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-641-22851-4
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, Band 1, 640 Seiten

Reihe: Renegades-Reihe

ISBN: 978-3-641-22851-4
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sie sind eine Vereinigung speziell begabter Menschen. Nach einem Jahrzehnt der Gewalt und Anarchie haben sie in Gatlon City für Recht und Ordnung gesorgt: die Renegades. Seither gelten sie als Helden, zu denen alle aufsehen.

Alle außer den Anarchisten, die von den Renegades vertrieben wurden und die nun im Untergrund der Stadt auf Rache sinnen. Die 17-jährige Nova ist eine von ihnen. Sie hat ihre Familie auf schreckliche Weise verloren und allen Grund, die Renegades zu hassen. Aufgrund ihrer besonderen und geheimen Gabe soll sie sich bei den Renegades einschleichen – um sie dann von innen heraus zu zerstören. Alles verläuft nach Plan, bis sie sich ausgerechnet in den jungen Kommandanten Adrian verliebt – und er sich in sie. Eine Liebe, die nicht sein darf in Zeiten, wo sich Renegades und Anarchisten zum großen Kampf rüsten …

Marissa Meyer studierte Kreatives Schreiben und arbeitete als Lektorin in Seattle, bis sie ihren ersten Buchvertrag bekam. Mit den Luna-Chroniken gelang ihr auf Anhieb eine internationale Bestsellerserie, die in 27 Ländern verkauft wurde. Marissa Meyer lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern in Tacoma, Washington.

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PROLOG

Nova hatte in der Gasse hinter dem Wohnblock wochenlang die Spritzen eingesammelt. Da sie ihre Eltern kannte, wusste sie genau, dass man sie ihr abnehmen würde, sobald einer von ihnen es herausfand. Deshalb versteckte sie sie in einem alten Schuhkarton, zusammen mit den Schrauben, Kabelbindern, Kupferdrähten, Wattebäuschen und anderen Dingen, die sich bei ihren Erfindungen als nützlich erweisen könnten. Mit ihren inzwischen fast sieben Jahren hatte sie bereits erkannt, wie wichtig es war, stets findig und sparsam mit ihren Schätzen umzugehen. Schließlich konnte sie nicht einfach eine Liste machen und ihren Dad damit in den nächsten Laden schicken.

Die Spritzen konnte sie jedenfalls gut gebrauchen, das hatte sie von Anfang an gewusst.

Nun schob sie einen dünnen Plastikschlauch über das eine Ende der Spritze und hielt das lose Schlauchende in das Wasserglas, das sie zuvor im Badezimmer gefüllt hatte. Indem sie den Kolben hochzog, sog sie Wasser in den Schlauch. Hoch konzentriert griff sie nach einer zweiten Spritze, wobei ihre Zungenspitze durch die Zahnlücke lugte, die ihr erster Wackelzahn vor Kurzem hinterlassen hatte. Nachdem sie die zweite Spritze am anderen Ende des Schlauchs befestigt hatte, suchte sie in ihrem Werkzeugkasten nach einem Stück Draht, lang genug, um Spritzen und Schlauch an dem neu gebauten Zugsystem auf dem Dach ihres Puppenhauses zu fixieren.

Sie hatte einen ganzen Tag für diese Konstruktion gebraucht, aber nun war sie endlich bereit für einen ersten Test.

Nova stellte ein paar Puppenmöbel auf die Aufzugsplattform, griff nach der Spritze und drückte auf den Kolben. Das Wasser lief durch den Schlauch, schob den Kolben der zweiten Spritze in die Höhe und aktivierte das komplexe Rollensystem.

Der Aufzug glitt in die Höhe.

Grinsend ließ sich Nova auf die Fersen sinken. »Aufzug mit Hydraulikantrieb: erfolgreich installiert.«

Ein schriller Schrei aus dem Nebenraum beendete den Moment des Triumphs. Dann hörte sie die beruhigend säuselnde Stimme ihrer Mutter. Novas Blick wanderte zu ihrer geschlossenen Zimmertür. Evie war wieder krank. In letzter Zeit schien sie ständig Fieber zu haben, und die Medizin war schon seit ein paar Tagen aufgebraucht. Onkel Alec sollte neue mitbringen, aber das konnte noch Stunden dauern.

Als sie gehört hatte, wie ihr Vater Onkel Alec fragte, ob er nach Kinder-Ibuprofen gegen das Fieber der Kleinen Ausschau halten könnte, hatte sie kurz überlegt, ihn auch noch mal um die leckeren Fruchtgummis zu bitten, die er ihr zu ihrem letzten Geburtstag geschenkt hatte, oder vielleicht um ein Päckchen wiederaufladbarer Batterien.

Mit wiederaufladbaren Batterien könnte sie eine Menge anstellen.

Aber Papa musste wohl gemerkt haben, was sie vorhatte, denn sein Blick hatte dafür gesorgt, dass sie nichts sagte. Nova war sich nicht ganz sicher, was das zu bedeuten hatte. Onkel Alec war immer gut zu ihnen gewesen – er hatte ihnen von seinen wöchentlichen Raubzügen Essen und Kleidung mitgebracht, und manchmal sogar Spielzeug. Doch ihre Eltern fragten nur sehr ungern nach bestimmten Dingen, ganz egal, wie dringend sie gebraucht wurden. Wollten sie etwas Spezielles haben, gingen sie auf den Markt und boten etwas zum Tausch an, meistens etwas, das ihr Vater gemacht hatte.

Von seinem letzten Ausflug auf den Markt hatte ihr Vater eine Packung wiederverwendbarer Windeln für Evie mitgebracht, und einen fiesen Schnitt über dem Auge. Ihre Mom hatte ihn genäht. Fasziniert hatte Nova zugesehen und festgestellt, dass sie es genauso machte wie bei Dolly Bear, wenn sich eine Naht gelöst hatte.

Nova widmete sich wieder ihrem Hydrauliksystem. Der Aufzug hatte den ersten Stock des Puppenhauses nicht ganz erreicht. Wenn sie die Füllmenge der Spritze erhöhte oder an dem Hebesystem noch ein paar Veränderungen vornahm …

Das Weinen hinter der Tür hielt an. Nun kam noch das Quietschen der Bodendielen hinzu, während ihre Eltern abwechselnd versuchten, Evie zu beruhigen. Wieder und wieder wanderten sie in der Wohnung auf und ab.

Bald würden sich die Nachbarn beschweren.

Seufzend ließ Nova die Spritze sinken, erhob sich und ging hinüber.

Papa stand mit Evie im Arm im Wohnzimmer, ließ sie sanft auf und ab hüpfen und versuchte, ihr einen kalten Waschlappen auf die gerötete Stirn zu drücken. Das führte allerdings nur dazu, dass Evie noch lauter heulte und versuchte, den Lappen wegzuschieben. In der winzigen Küche war Novas Mom gerade dabei, sämtliche Schränke zu durchwühlen. Dabei murmelte sie etwas von einer letzten Flasche Apfelsaft, obwohl sie alle wussten, dass keiner mehr da war.

»Soll ich helfen?«, fragte Nova.

Papa drehte sich mit gequälter Miene zu ihr um. Evie schrie empört auf, als er zwei Sekunden lang vergaß, sie zu schaukeln.

»Es tut mir leid, Nova«, entschuldigte er sich, während er das Gehüpfe wiederaufnahm. »Es ist nicht fair, dich darum zu bitten … aber wenn sie nur ein oder zwei Stunden schlafen würde … die Ruhe würde ihr guttun, und bis dahin ist Alec bestimmt da.«

»Macht mir nichts aus.« Nova griff nach dem Baby. »Ist doch ganz leicht.«

Papa runzelte die Stirn. Manchmal hatte Nova das Gefühl, dass er ihre Kraft nicht mochte, obwohl sie keine Ahnung hatte, warum das so sein sollte. Immerhin hatte sie nie etwas anderes damit bewirkt, als ein bisschen Frieden in ihre Wohnung zu bringen.

Er ging in die Hocke und legte Evie in Novas Arme, sorgte dafür, dass sie ihre Schwester sicher hielt. Evie wurde langsam richtig schwer, kein Vergleich mehr zu dem winzigen Bündel, das sie noch vor knapp einem Jahr gewesen war. Jetzt hatte sie kräftige Beinchen und konnte schon wild mit den Ärmchen wedeln. Ihre Eltern behaupteten immer wieder, dass sie bestimmt bald anfangen würde zu laufen.

Nova setzte sich auf die Matratze in der Ecke und ließ die Finger sanft durch Evies weiche Locken gleiten. Inzwischen hatte Evie sich in einen richtigen Weinkrampf hineingesteigert, dicke Tränen liefen über ihre runden Wangen. Ihr Fieber war so hoch, dass sie wie ein kleiner Heizofen glühte.

Vorsichtig ließ sich Nova auf die zerwühlte Decke und die Kissen sinken und drückte ihren Daumen an die Wange ihrer Schwester, um eine der warmen Tränen aufzufangen. Dann ließ sie ihre Kraft aufsteigen, schickte einen kleinen, sanften Stoß durch ihre Hand.

Das Weinen verstummte.

Evies Lider begannen zu flattern, dann wurden sie immer schwerer. Ihr Mund verzog sich zu einem zittrigen O, und sie gähnte.

Und dann, einfach so, schlief sie ein.

Als Nova hochsah, bemerkte sie, wie ihr Vater erleichtert in sich zusammensackte. Mom erschien mit überrascht fragender Miene in der Tür, bis sie Nova mit dem Baby auf dem Schoß entdeckte.

»So finde ich es am schönsten«, flüsterte Nova. »Wenn sie so weich ist, so kuschelig und … still.«

Mom warf ihr einen zärtlichen Blick zu. »Danke, Nova. Vielleicht fühlt sie sich ja etwas besser, wenn sie aufwacht.«

»Und wir müssen nicht nach einer neuen Bleibe suchen«, murmelte Papa. »Charlie hat die Leute schon für weniger als ein schreiendes Baby vor die Tür gesetzt.«

Mom schüttelte den Kopf. »Er würde es nicht riskieren, sich den Zorn deines Bruders zuzuziehen.«

»Ich weiß nicht.« Papa wirkte beunruhigt. »Ich weiß wirklich nicht mehr, was die Leute heutzutage noch tun oder nicht tun würden … Außerdem … stehen wir jetzt schon viel zu tief in Alecs Schuld.«

Mom ging zurück in die Küche, um die Schachteln und Dosen in den Schrank zu räumen, die sie überall auf dem Linoleumboden verteilt hatte. Papa hingegen ließ sich auf den Stuhl fallen, der an ihrem einzigen Tisch stand. Nova sah, wie er sich einen Moment lang die Schläfen massierte, dann richtete er sich ruckartig auf und fing an, ein neues Projekt zu gestalten. Was genau es werden sollte, konnte Nova nicht sagen, aber sie liebte es, ihm bei der Arbeit zuzuschauen. Seine Kraft war viel spannender als ihre: Er konnte feine Energiefäden aus der Luft ziehen und sie wie ein zartes goldenes Netz verformen und zurechtbiegen.

Ein wundervoller Anblick. Vollkommen faszinierend, da die glühenden Stränge wie aus dem Nichts auftauchten, dann eine Weile leuchteten und leise summten, schließlich nachdunkelten und verstummten, während ihr Vater sie zu etwas Greifbarem aushärten ließ.

»Was machst du gerade, Papa?«

Obwohl er lächelte, schien sich seine Miene für einen Moment zu verfinstern, als er sich zu ihr umdrehte.

»Das weiß ich noch nicht genau.« Seine Finger glitten über das filigrane Metall. »Etwas … etwas, das hoffentlich einen kleinen Teil des Unrechts wiedergutmachen wird, das ich der Welt angetan habe.«

Sein Seufzen klang so bedrückt, dass Nova unwillkürlich die Stirn runzelte. Ihr war bewusst, dass ihre Eltern ihr bei dem Versuch, sie zu beschützen, gewisse Dinge vorenthielten, und das ärgerte sie. Manchmal belauschte sie ihre Gespräche, tief in der Nacht, wenn sie dachten, beide Kinder würden schlafen. Dann...


Lungstrass-Kapfer, Charlotte
Die Liebe zu Büchern und Sprache brachte Charlotte Lungstrass-Kapfer auf ziemlich direktem Weg zum Übersetzen, sodass sie heute ihre Tage (und manchmal auch Nächte) damit verbringt, Vertreter ihrer Lieblingsgenres Fantasy und Krimi in ein deutsches Gewand zu kleiden. Sie lebt mit Mann, Kind und diversen Haustieren in der Nähe von München. Einblick in ihre Arbeit gibt sie (wenn sie es nicht vergisst) auf Instagram: @clkpages.

Meyer, Marissa
Marissa Meyer studierte Kreatives Schreiben und arbeitete als Lektorin in Seattle, bis sie ihren ersten Buchvertrag bekam. Mit den Luna-Chroniken gelang ihr auf Anhieb eine internationale Bestsellerserie, die in 27 Ländern verkauft wurde. Marissa Meyer lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern in Tacoma, Washington.



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