Michael | Magnolia in Zürich | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 468 Seiten

Michael Magnolia in Zürich

Eine ungewöhnliche Reise durch unsere Geschichte
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7116-0658-7
Verlag: novum Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Eine ungewöhnliche Reise durch unsere Geschichte

E-Book, Deutsch, 468 Seiten

ISBN: 978-3-7116-0658-7
Verlag: novum Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Gegenfaktische Geschichte, einst als Zeitvertreib für Amateure abgetan, hat in letzter Zeit ernsthafte wissenschaftliche Aufmerksamkeit erlangt. Dieses Buch, von einer englischen Literaturagentin als 'herrlich verspielt und gelehrt' beschrieben, befasst sich mit den alternativen Ergebnissen von einem Dutzend der wichtigsten Schlachten in der westlichen Geschichte. Neben sorgfältig recherchierten Berichten beleuchten zeitgenössische Texte diese historischen Episoden, oft aus unerwarteten Blickwinkeln. Es lädt den Leser ein, die Erkenntnisse aus diesen sorgfältig konstruierten Gedankenexperimenten zu entdecken und zu bewerten. Die Mischung aus tiefgründigen historischen Analysen und amüsanten Erzählungen bietet ein intellektuelles Vergnügen, das andere Geschichtsbücher kaum bieten.

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Prolog


Magnolia In Zürich Tanzt Tango, Heute Mit Orchester. Kunstvoll, Graziös – Absolut Wunderbar!

Man mag die Begeisterung für Magnolias Performance verstehen – was hat sie aber in einem Geschichtsbuch verloren? Die Großbuchstaben sind ein Hinweis darauf, dass der Satz als Gedächtnisstütze gedacht ist. Ich habe ihn erfunden, um mich selbst an eine Liste historischer Orte zu erinnern, die ich meiner Tochter und meinem Enkel während einer kurzen Phase des Hausunterrichts in der Coronavirus-Sperre vermitteln wollte. Leider zeigten die Kinder kein Interesse am Stoff, demnach ich das Vorhaben schnell aufgab. Dafür kamen diskret Nachhilfelehrer zu uns, um die beiden mit konventionelleren Studien zu beschäftigen. Ob sie tatsächlich etwas gelernt haben, bleibt fraglich. Aber zurück zu unserer Magnolia: Jeder Buchstabe steht für eine entscheidende Schlacht in unserer Geschichte.

Das M‘ in ‚Magnolia‘ steht für die Schlacht von Marathon, in der die Athener und ihre Verbündeten 490 v. Chr. versuchten, die Invasion der weit überlegenen multiethnischen Streitmacht unter der Führung des persischen Königs Darius zu vereiteln.

Das ‚I‘ in ‚In‘ steht für die Schlacht von Issus, in der Alexander der Große 333 v. Chr.1 mit seinen griechischen Truppen in der nördlichen Levante gegen die persische Armee kämpfte.

1 „Drei drei drei, Issus Keilerei…“

Das ‚Z‘ in ‚Zürich‘ symbolisiert die Schlacht von Zama, die 202 v. Chr. stattfand, als der römische General Publius Cornelius Scipio im heutigen Tunesien auf den karthagischen General Hannibal traf.

Das T‘ in ‚Tanzt‘ steht für die Schlacht im Teutoburger Wald, die im Jahr 9 n. Chr. stattfand, als der römische Feldherr Publius Quinctilius Varus die germanischen Krieger tief in ihrem Heimatland provozierte.

Das zweite T‘ in ‚Tango‘ steht für die Schlacht von Tours und Poitiers im Jahr 732 n. Chr., einen entscheidenden Moment in der Geschichte, als die muslimische Armee aus dem bereits besetzten Iberien in Südfrankreich einmarschierte.

Das ‚H‘ in ‚Heute‘ steht für die Schlacht von Hastings im Jahr 1066, die Auseinandersetzung zwischen dem englischen Heer und den Truppen des normannischen Grafen Wilhelm in der Bemühung, sich den Spitznamen ‚der Eroberer‘ zu verdienen.

Das zweite ‚M‘ in ‚Mit‘ steht für die Schlacht von Manzikert im Jahr 1071, in der das byzantinische Heer den eindringenden seldschukischen Türken in Ostanatolien gegenüberstand.

Das ‚O‘ in ‚Orchester‘ steht für die Belagerung von Orléans im Jahr 1429, ein zentrales Ereignis im Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich.

Das ‚K‘ in ‚Kunstvoll‘ steht für die Belagerung von Konstantinopel durch die osmanischen Türken im Jahr 1453.

Das ‚G‘ in Graziös‘ bezieht sich auf die Belagerung von Granada, der letzten Hochburg der Muslime in al-Andalus, durch die Katholischen Könige Isabella und Ferdinand im Jahr 1492.

Das ‚A‘ in ‚Absolut‘ erinnert an die spanische Armada von 1588, die Philipp II. von Spanien gegen die Flotte von Königin Elisabeth I. im Ärmelkanal entsandte.

Das ‚W‘ in ‚Wunderbar‘ steht schließlich für die Schlacht von Waterloo im Jahr 1815, Napoleons letzte Schlacht gegen seine verbündeten europäischen Gegner.

Die Auswahl von zwölf Schlachten ist etwas willkürlich; ich hätte den Fußstapfen meines geschätzten Vorgängers Edward Shepherd Creasy folgen können, der fünfzehn Schlachten für sein Werk auswählte2. Alternativ hätte ich auch die anspruchsvolle Aufgabe übernehmen können, die hundert bedeutendsten Schlachten zu behandeln, was jedoch den Schreibprozess fast ins Unendliche verlängert hätte. Zudem ist meine Auswahl stark auf europäische Geschichte ausgerichtet – alle ausgewählten Schlachten lassen sich auf einer nur geringfügig erweiterten Karte Europas lokalisieren (siehe Karte in Abbildung I.1). Diese Entscheidung basiert auf zwei Überlegungen: Erstens hätte ich mich als Laie in der Geschichte anderer Kontinente auf weniger vertrautem Terrain bewegt, und zweitens gehe ich davon aus, dass viele Leser, die zu einem gewissen Maße europäischer Abstammung sind, ein größeres Interesse an ihrer eigenen Geschichte haben mögen.

2 ‚Die fünfzehn entscheidenden Schlachten der Welt: Von Marathon bis Waterloo‘. Für Quellen siehe Anhang.

Abbildung I.1: Karte mit der Lage der zwölf Schlachten
(© Adrian Michael, 2024)

Drei Jahre nach meiner gescheiterten Karriere als Geschichtslehrer erkundete ich zusammen mit meinen geschätzten Freunden Juan Luis und Maria Paloma die historischen Städte der spanischen Extremadura – eine nach der anderen, mit ihren Zeugnissen von Römern, Arabern und Christen. Bei ein paar Gläsern Verdejo erzählte ich ihnen eines Tages von Magnolia und ihren bewundernswerten Künsten und sie regten mich an, einen Vortrag oder vielleicht sogar ein Buch über dieses Thema zu schreiben. Hier ist es nun. Trotz des Eindrucks, den der Titel vermitteln mag, handelt es sich nicht um eine Abhandlung über Schlachten, ein Thema, das nur ein Nischenpublikum faszinieren könnte, das sich für militärische Manöver interessiert. Vielmehr soll es eine Erzählung über die dramatischen Wendungen sein, die unsere Geschichte durch die Konsequenzen dieser Schlachten genommen hat.

Ich erkenne an, dass bedeutende historische Ereignisse nicht auf Schlachten beschränkt sind. Denken wir nur an den Untergang des Weströmischen Reiches oder die Aufklärung in Europa mit ihren tiefgreifenden Auswirkungen. Dennoch tragen bestimmte Ereignisse oder Fortschritte oft den Stempel des Krieges, wie es zumindest teilweise bei der Gründung der Europäischen Union der Fall war, die vom Leitgedanken ‚Nie wieder!‘ geprägt war. Im Gegensatz dazu war nicht jedes Ereignis, über das ich hier berichte, für sich genommen von überragender Bedeutung. Wer hat wirklich darüber nachgedacht, ob, wann oder wie die letzte muslimische Hochburg in Andalusien den christlichen Eroberern unterlag? Dennoch habe ich dieses Ereignis gerade deshalb ausgewählt, weil es einen bedeutsamen, langanhaltenden historischen Prozess symbolisiert: die Reconquista.

Ich bewundere zwar diejenigen, die ihr Leben intensiv im Hier und Jetzt erleben, aber ich beneide sie nicht darum. Obwohl ich kein Historiker bin, durchdringt für mich die Vergangenheit alles und jeden, überall. In meiner Familie wurden gerne Erzählungen aus der Vergangenheit weitergegeben. Unsere Mutter erzählte uns von ihrem Onkel, der im 19. Jahrhundert in Afrika Großwild jagte – eine Tätigkeit, die damals noch als politisch korrekt galt. Ihr Vater verbrachte seine frühe Kindheit in einem Dorf der Ureinwohner auf der Teufelsinsel vor Französisch-Guayana. Meine Mutter transkribierte akribisch sein Tagebuch, das er in der heute obskuren deutschen Sütterlin-Schrift geschrieben hatte. Darin beschrieb er seine Reise durch den Suezkanal und Indien sowie sein späteres Leben in Tibet – all dies noch im 19. Jahrhundert. In den 1930er-Jahren begann sie selbst, Kisuaheli zu lernen, um vielleicht eine Farm in Afrika zu betreiben. Ihr Traum wurde jedoch durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen, in dem unser Vater sechs Jahre lang in der deutschen Wehrmacht diente. Sein eigener Vater, den wir nur von einem verblassten Foto in der Uniform der kaiserlichen deutschen Armee kannten, hatte im Ersten Weltkrieg gekämpft.

So wuchsen wir in einer geistigen Landschaft auf, die über unsere unmittelbare Umgebung in einer Schweizer Vorstadt hinausreichte. Heute lebe ich in Südamerika, einem Kontinent, der von Völkermord, Sklaverei und einer leider immer noch auf Ausbeutung basierenden Wirtschaft gezeichnet ist. Ich besitze einen Anteil an einem Kloster in Italien, das zu einer Ferienresidenz umgebaut wurde – ein Bauwerk, dessen Geschichte fast tausend Jahre zurückreicht (Abbildung I.2). Von dort aus überblicke ich den Ort am Trasimenischen See, an dem Hannibal den römischen Legionen eine entscheidende Niederlage beibrachte, nachdem er mit seinen Truppen und Elefanten von Spanien aus über die Alpen getreckt war.

Abbildung I.2: La Badia di Sant’Arcangelo, Umbrien, Italien.
Linolschnitt von Belkis Ramirez

Mit meiner Berufserfahrung in etwa sechzig Ländern, von denen sich fast alle in einem bewaffneten Konflikt oder regelrechten Krieg befanden, weiß ich, dass Kriege weit mehr bedeuten als bloße Schlachten. Oft kann man sogar jahrelang in einem vom Krieg zerrissenen Land leben, ohne jemals auch nur in ein Scharmützel verwickelt zu werden. Dennoch hatte ich zumindest einmal die seltene Gelegenheit, Zeuge eines solchen Zusammenstoßes aus erster Hand zu werden. Ich verbrachte mehrere Tage auf einem Hügel nördlich von Kabul, auf einem ausgebreiteten Teppich sitzend neben meinem Freund Abdul Malek, dem Leiter des medizinischen Dienstes...



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