Michaels | Hamilton's Heroes: Found | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 284 Seiten

Michaels Hamilton's Heroes: Found

Band 1
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96089-533-6
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Band 1

E-Book, Deutsch, 284 Seiten

ISBN: 978-3-96089-533-6
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Als ehemaliger Fallschirmjäger der USAF ist Jeremy O'Brien es gewohnt, Befehle zu befolgen, ohne Fragen zu stellen. Als Micah, sein Chef bei Hamilton Security, ihn bittet, einen besonderen Fall zu übernehmen, sagt er bereitwillig zu. Micahs Anweisungen sind einfach: Finde den Mann auf dem Bild und bring ihn zurück nach Chicago. Vor sieben Jahren verließ Zane Wilkinson entgegen der ärztlichen Anweisung das Krankenhaus, nur um einen letzten, verheerenden Schlag zu erleiden, der ihm keine andere Wahl ließ, als den einzigen Ort zu verlassen, den er sein Zuhause nannte. Mit gebrochenem Herzen zog Zane von Stadt zu Stadt und versuchte zu überleben, ohne jemanden zu nahe an sich heranzulassen. Bei einer zufälligen Begegnung kreuzt Jeremy den Weg eines Mannes, auf den Zanes Beschreibung passt. Sein Instinkt sagt ihm, dass er an etwas dran ist, aber Micah warnt ihn, dass er sich absolut sicher sein muss. Jeremy setzt einen Plan in Gang, der es ihm ermöglicht, dem Mann näher zu kommen, den er für Zane hält. Doch je näher er ihm kommt, desto mehr mag er den Mann und beginnt sich zu fragen, warum er geschickt wurde, um ihn zu finden. Wird Jeremy in der Lage sein, seinen Auftrag zu erfüllen, ohne sich zu sehr zu binden? Oder wird er erkennen, dass er auf seiner Suche nach Zane viel mehr gefunden hat, als er erwartet hat?

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Kapitel 1


JEREMY – Sieben Jahre später

Mit einem frustrierten Seufzer blinkte ich und warf einen kurzen Blick in den Rückspiegel, bevor ich auf die linke Spur wechselte. Mein Auto wurde immer langsamer, bevor ich schließlich die Ausfahrt nahm. Ich hatte gehofft, es bis nach Columbus zu schaffen, bevor es dunkel würde, aber meine Augen fingen langsam an zu brennen und mein Magen hatte schon vor fünfzig Kilometern gegrummelt. Also war es Zeit für einen Snack und einen Liter Kaffee, hatte ich beschlossen. Danach würde ich mich fühlen wie neu.

Ich bog an der Ausfahrt rechts ab und warf einen Blick auf die Anzeige mit den verschiedenen Restaurants, die in der Nähe waren. Leider schien es hier nur ein paar Fast Food Läden und eine Raststätte zu geben. Mal abgesehen von dem Sex Shop, der schon seit ein paar Kilometern mächtig beworben wurde.

Fast Food konnte ich nicht leiden, also stoppte ich mein Auto vor der Autobahnraststätte. Nachdem ich schon seit sechs Monaten unterwegs war, hatte ich mittlerweile mitbekommen, dass die meisten Raststätten sich zum Positiven verändert hatten. Statt vor Fett triefenden Gerichten, die einem mit Sicherheit Sodbrennen bescherten, gab es jetzt gesündere Optionen. Echte Hausmannskost für die ganzen LKW-Fahrer, die die meiste Zeit unterwegs und fernab von ihrer Familie verbrachten.

Schnell schnappte ich mir meine Ledertasche vom Beifahrersitz, sperrte den Jeep zu und betrat das Lokal. Erstmal suchte ich die Örtlichkeiten auf. Nachdem ich fertig war und meine Hände gewaschen hatte, spritzte ich mir ein bisschen kaltes Wasser ins Gesicht in der Hoffnung, dass es mich aufwecken würde. Ich griff nach einem Papierhandtuch und stutzte, als ich mich im Spiegel sah.

Meine Augen waren blutunterlaufen und darunter hatten sich tiefe Augenringe gebildet. Ich klammerte mich an die Seiten des Waschbeckens, als ich auf einmal anfing zu schwanken. Vielleicht sollte ich es für heute gut sein lassen, mir eine Schlafgelegenheit suchen und morgen weiterziehen. Wenn ich mich jetzt wieder hinters Steuer setzte, würde ich noch einen Unfall bauen oder im Krankenhaus landen und wäre niemandem mehr eine Hilfe.

Entschlossen warf ich das Tuch weg und betrat das Lokal wieder. Ein paar Minuten später führte eine Kellnerin mich zu einem Tisch und drückte mir eine Speisekarte in die Hand. Ich machte es mir bequem und studierte die Karte, bis die Frau mit einem Wasser zurückkam.

„Was kann ich dir bringen, Süßer?“, fragte sie, während sie einen Block und einen Stift aus der Tasche ihrer Schürze herauszog.

„Hallo, Ma’am. Ich hätte gerne das gegrillte Schweinekotelett mit Gemüse und Apfelmus, bitte.“ Als sie nach meiner Karte griff, hielt ich sie nochmal auf, bevor sie gehen konnte. „Eine Frage hätte ich noch, Ma’am. Gibt es hier in der Nähe ein Hotel?“ Sie sah mich an und ihre Augen weiteten sich, bevor sie ihren Blick langsam über mich schweifen ließ. Schließlich fuhr sie sich mit der Zunge einladend über die Unterlippe.

„Es gibt eins genau auf der anderen Seite der Autobahnabfahrt. Ich habe in einer Stunde Feierabend und könnte dir zeigen, wo es ist“, säuselte sie.

„Das ist sehr freundlich von Ihnen, Ma’am, aber ich denke, ich werde es finden. Ich brauche nur einen Ort, an dem ich mich kurz hinlegen kann, bevor ich weiterfahre“, erklärte ich ihr.

„Okay, aber wenn du es dir anders überlegst, mein Name ist Kim.“ Sie zwinkerte mir nochmal zu, drehte sich um und entfernte sich mit der Hüfte schwingend von meinem Tisch, bevor ich ihr sagen konnte, dass das nie passieren würde. Es war nicht das erste Mal, dass eine Frau mich angemacht hatte, aber mit Frauen konnte ich nichts anfangen. Ich bevorzugte meine Bettpartner ein bisschen maskuliner, am besten mit Drei-Tage-Bart, der gegen meinen eigenen kratzte.

Um von den Gedanken loszukommen, widmete ich meine Aufmerksamkeit meiner Tasche, aus der ich einen Manila-Umschlag zog. Während ich auf mein Abendessen wartete, wollte ich unbedingt noch einmal die Unterlagen durchgehen. Es war zwar nicht nötig, denn ich hatte die Papiere in den letzten Monaten so oft durchgelesen, dass ich sogar die kleinsten Details auswendig wusste. Es stand sowieso nicht viel drin. Irgendwas an dem Foto auf der ersten Seite ließ mich aber immer wieder zurückkehren.

Der Junge mit einem freundlichen Lächeln und dunkelblondem Haar auf dem Bild war vermutlich um die sechzehn Jahre alt, aber seine hellen, blauen Augen hatten den Blick von jemandem, der doppelt so alt war. Seine Augen schienen tief und wissend, als hätte er schon viel durchgemacht. Immer wieder sah ich mir das Bild an und fragte mich, was dieser Junge erlebt hatte, um diesen Gesichtsausdruck zu bekommen.

Langsam blätterte ich durch die restlichen Seiten, den Krankenhausbericht mit Operationsdetails und andere Informationen, die Micah mir gegeben hatte.

Zane Andrew Wilkinson: 25 Jahre alt – 1,77m (mit 18 Jahren) – blaue Augen, dunkelblonde Haare

Der Junge war mit achtzehn vor den Türen der Notaufnahme des Northwest Memorial Krankenhauses in Illinois gefunden worden. Kaum bei Bewusstsein und ganz offensichtlich das Opfer einer Gewaltattacke. Niemand hatte gesehen, wer ihn dort einfach abgelegt und sich selbst überlassen hatte.

Sie hatten ihn so schnell wie möglich operiert, um die Schwellung im Gehirn zu behandeln. Dann brachten sie ihn in die rekonstruktive Chirurgie, um die zersplitterten Knochen in seiner Wange und Nase wieder herzustellen. Eine dentale Operation war notwendig, um die Zähne auszutauschen, die er bei der Attacke verloren hatte. Die Röntgenbilder seines Körpers zeigten Hinweise auf verschiedene, längst verheilte Rippenbrüche, was die Ärzte als Zeichen langfristiger Misshandlung gedeutet hatten.

Zane hatte niemandem seinen wahren Namen verraten und sich einen Monat später selbst aus dem Krankenhaus entlassen, obwohl ihm davon abgeraten worden war.

Ich war von Anfang an von der Geschichte des jungen Mannes fasziniert gewesen und hatte den Fall sofort angenommen, als Micah mich gefragt hatte. Die Aufgabe war klar: Ich sollte Zane aufspüren und zurück nach Chicago bringen. Seine einzige Anforderung: keine Gewalt.

Diese Aussage allein hatte mir gezeigt, dass Zane nicht als gefährlich eingestuft wurde. Außerdem hatte mich das Gefühl beschlichen, dass dieser Fall ein persönliches Anliegen meines Chefs war. Meine Neugierde war definitiv geweckt, dennoch ging es mich nichts an, weshalb ich auch nicht nachfragte. Mein Job war es, Micahs Auftrag nachzugehen, auch wenn dieser langsam anfing, sich anzufühlen wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Ich hatte beim Krankenhaus angefangen. Die gesetzliche Schweigepflicht begrenzte leider deutlich, welche medizinischen Informationen ich von den Angestellten erhalten konnte. Eine Pflegerin, Stacey, hatte sich die Zeit genommen, mir zu sagen, was sie von Zane persönlich wusste. Sie war die Pflegerin, die sich am meisten um ihn gekümmert hatte und erzählte, dass er ein netter Junge war, aber traurig. Mit Tränen in den Augen meinte sie, er wäre auf mehr als nur einem Wege gebrochen gewesen.

Stacey hatte geschätzt, dass Zane im gleichen Alter wie ihr Bruder war. Daher wäre die sofortige Bindung zu ihm gekommen, glaubte sie. Sie hatte sich Sorgen gemacht, was mit Zane passieren würde, sobald er das Krankenhaus verließ, also hatten sie und ein paar andere Pflegefachkräfte Geld zusammengelegt und ihm genug gegeben, um weit wegzukommen.

Diese Informationen hatten mir weitergeholfen, meine Suche richtig zu starten. Während meiner Ausbildung bei der USAF hatte ich mich auf Rettungsfallschirmspringen spezialisiert. Dort hatte ich gelernt, dass häufig der einfachste Weg, jemanden zu finden, darin bestand, so zu denken wie diese Person.

Ich versetzte mich also gedanklich in einen verängstigten und verletzten Achtzehnjährigen mit wenig Geld und kam zu dem Schluss, dass er wohl am ehesten mit einem Bus die Stadt verlassen hatte. Das war die einfachste und billigste Möglichkeit, von hier wegzukommen, für die man keinen Ausweis brauchte.

An dem Busbahnhof erkannte niemand den Jungen auf dem Foto, das ich herumzeigte. Nicht dass ich erwartet hatte, dass sie es nach so vielen Jahren würden, aber die Befragungen hatten es mir ermöglicht, mich genauer umzusehen und auch die verschiedenen Zielorte auszukundschaften, für die man Fahrkarten kaufen konnte. Von dort aus besuchte ich jeden dieser Zielorte und befragte Passanten in den jeweiligen Hauptstraßen. Ein paar Leute meinten, der Junge käme ihnen bekannt vor. Einige von ihnen sagten sogar, er erinnere sie an einen Typen, der in ihrer Nähe gewohnt oder gearbeitet hatte, aber alle meine Gespräche endeten gleich: Er war weggezogen.

Es war ein langer und ermüdender Prozess. Kurz vor Weihnachten war ich mir sicher gewesen, auf der richtigen Spur zu sein. Leider entpuppte sich das Ganze doch als falsche Fährte und ich konnte Micahs Enttäuschung, als ich ihm davon berichtete, immer noch hören. Ich hatte mich schrecklich gefühlt.

Wie üblich verlor ich mich in den Informationen meiner Unterlagen und in den Augen, die mich von dem Foto aus anblickten. Ich wusste nicht, wie viel Zeit ich in dem Moment damit verbrachte, das Bild anzustarren, aber ich schaute erst auf, als ich Bewegung in meinem Augenwinkel wahrnahm. Kim hielt ein Tablett mit Essen knapp über ihrer Schulter und kam auf mich zu. Schnell packte ich die Unterlagen wieder ein und schob den Umschlag zurück in meine Tasche.

„Bitte schön, Süßer“, sagte sie, als sie das Essen vor mir abstellte. Beim Anblick des Gerichts lief mir das Wasser im Munde zusammen. „Kann ich noch etwas für dich...



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