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Milan Star Trek - Classic: Aus Okeanos' Tiefen
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11740-5
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 0 Seiten
ISBN: 978-3-641-11740-5
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Okeanos ist eine Wasserwelt am Rande der Galaxis, auf der terranische Mutanten nach den Eugenischen Kriegen Zuflucht gefunden haben. Doch die Susuru, die angeblichen Ureinwohner von Okeanos, wollen sie nicht dulden und fordern Hilfe von der Föderation an. Die Enterprise soll die Mutanten evakuieren. Moriah Wayne, Kommissarin für interspeziäre Angelegenheiten, überwacht die Aktion. Obwohl James Kirk und die attraktive Kommissarin sich auf dem Flug rasch näher kommen, ist der Captain von Waynes fanatischer Vorgehensweise wenig begeistert. Und als er entdecken muss, dass die Klingonen im Hintergrund die Fäden ziehen, entschließt er sich, die Befehle seiner Vorgesetzten zu ignorieren.
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Prolog
Aileea dinAthos blinzelte in geschmolzenes silbernes Sonnenlicht, als sie das Ranchhaus verließ, und stellte fest, dass ihr Vater, nur mit Khakishorts bekleidet, auf dem Achterdeck saß, einen Becher mit dampfendem schwarzen Chai in der Hand. Ein weißer Augenschirm schützte sein Gesicht vor dem grellen Licht der winzigen Eris, die im Osten, nicht weit über dem Ozean, der ihre Welt war, ein Loch in den blauweißen Himmel brannte.
Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, streckte die Arme hoch über den Kopf aus, legte die Finger um die Handgelenke und bog den Rücken durch. Sie trug nur einen weißen Tanga und einen Gürtel mit einem Waffenhalfter. Eris' Licht fiel wie ein Nadelregen auf ihre nackte braune Haut. Abgesehen von einem aufgeblähten grauen Rauchwurm, der sich über den südlichen Horizont ausbreitete, und einer schiefergrauen Wolkenbank im Nordosten war der Himmel klar. Das würde wahrscheinlich nicht über den Mittag hinaus anhalten, aber wie jede echte Vari verstand sie es, den Augenblick in vollen Zügen zu genießen.
Dann trat sie hinter ihren Vater, wobei sie nicht mehr Geräusche erzeugte als sonst auch, also praktisch keine, trotz des leichten Niederschlags von Vulkanasche, der das Deck bestäubte. »Du stehst spät auf«, sagte er jedoch, bevor sie den Rand seines Blickfelds erreichte. »In der Stadt nimmt der Körper schlechte Angewohnheiten an.«
Sie lachte und hockte sich auf die Lehne seines Stuhls. Ein leichter Wellengang spülte über die weißen Auftriebzylinder, die das Deck stützten. Der Schwimmkörper schaukelte sanft. Eine leichte Brise fuhr durch ihr kurzgeschnittenes Haar.
»Wenn das die schlimmste Unart ist, die ich mir in der Stadt angewöhnt habe«, sagte sie, »haben wir alle größeres Glück, als ich gedacht hatte.«
Aagard dinAthos hob zum Gruß den Becher, der aus weißem Porzellan bestand und am Rand abgesplittert war. So sehr sie sich auch darüber ärgerte, er weigerte sich, ihn wegzuwerfen. Er habe eine Geschichte, behauptete er.
»Es ist nie zu spät, nach Hause zu kommen. Das Leben auf einer Ranch ist hart, aber auch ehrlich und sauber.«
»Ich gehe auch einer ehrlichen Arbeit nach«, sagte sie. Sie erhob sich schnell und bedauerte sofort ihren scharfen Tonfall. Ihr Vater grinste sie nur durch seinen grauen Bart an und nickte.
Sie seufzte. Sie wusste, dass ihr Vater sie sowohl liebte als auch respektierte. Und sie war schon seit Jahren eine Vollerwachsene, seit ihrem vierten Geburtstag, unabhängig und selbstbewusst. Sie war jetzt siebeneinviertel, aber er hatte nie damit aufgehört, sie auf die Probe zu stellen.
Das war einer der Hauptgründe dafür, wieso sie niemals auf Dauer zu Hause bleiben konnte.
Als Mom noch lebte, war es etwas anderes. Aagard und Aileea dinAthos waren aus dem gleichen Holz geschnitzt. Sanabar – sanft, aber unverwüstlich, und weder ihrem Mann noch ihrer Tochter ähnlich – war die Notbremse gewesen, die verhindert hatte, dass sie die kritische Masse erreichten. Einer der plötzlich auftretenden schrecklichen Stürme, die den Planeten verwüsteten, hatte sie aus ihrem Leben gespült und eine Leere hinterlassen, die nicht gefüllt werden konnte.
Es gab viele Gründe, wieso sie die Welt Discord nannten – was unter anderem Streit, Dissonanz oder auch Missklang bedeuten konnte.
Aileea wanderte an der Reling entlang und schirmte die Augen ab, um zu der Rauchbank im Süden zu sehen. Nicht ganz so weit entfernt trieben zwei Hinds über einem Floß, ein jedes auf sechs roten Schwingen, und hielten nach den Lebensformen Ausschau, die in und auf dem verfilzten Seetang krochen.
»Ein neuer Vulkan?«, fragte sie. »Als ich Kind war, sind wir nie hier hinaus gezogen.«
Ihr Vater nickte. »Er steckt den Kopf gerade durch das Wasser raus«, sagte er. »Um nicht unter die Rauchwolke zu geraten, halte ich das Floß leicht unter Energie. Vielleicht muss ich noch etwas mehr Schub geben und ein Haar weiter nach Norden steuern« – er fuhr mit der Hand über den grauen Staubfilm auf der Stuhllehne –, »damit wir nicht mit Respiratoren rumlaufen müssen.«
Sie nickte. »Vielleicht zische ich mal rüber und sehe mir den Neuankömmling an.«
»Nimm lieber einen Scooter. Er ist ein ziemlich aktives kleines Kerlchen.« Wie als Bestätigung seiner Worte rollte vom Süden ein Grollen heran, fast so tief, dass man es schon als unterschwellig bezeichnen musste, und vibrierte in ihren Knochen und Zähnen.
Vor ihr wölbte sich die Oberfläche des Meeres von Discord nach oben und teilte sich dann mit einem stillen, beharrlichen Rauschen, keine zwanzig Meter vom Ranchgebäude entfernt. Wasser fiel in Kaskaden über den gesprenkelten dunkelblauen Rücken einer Garnele hinab. Der Waverider-Kamm war mit einem Laser einen Zentimeter tief und einen Meter breit in die Schale des Tiers gebrannt worden, die so dick wie die Panzerung eines Schlachtschiffs und auch fast so hart war. Wie die meisten einheimischen Lebensformen von Discord wandelten die riesigen Krustentiere die überreichlich in der Planetenhülle vorkommenden Metalle um und nutzten sie.
Wie immer betrachtete Aileea mit Ehrfurcht den Rücken des Tiers, der an der breitesten Stelle zehn Meter maß, wie die Oberfläche eines riesigen, sich drehenden Rads rollte und wieder unter der Wasseroberfläche verschwand. Das Haus erzitterte in der Dünung, die das vorbeiziehende Geschöpf erzeugte. Die fünfzig Meter lange Garnele war ein Meeresweidetier ohne jede Aggressionen, das sich auf seine Größe und die ausreichende Panzerung verließ, um selbst die gierigsten Raubtiere der Welt namens Discord abzuschrecken. Ein Ton, den die Ultraschallfokussierer des Hauses ununterbrochen abgaben und der für die Ohren Aileeas und ihres Vaters unhörbar war, verhinderte, dass die Tiere gefährlich nah kamen.
Die Brise blies den stinkenden Salzgeruch des Meerestieres zu ihr herüber, und noch etwas anderes, das gleichzeitig süß und scharf war. »Das ist die alte Lucy, nicht wahr?«
»Die Matriarchin persönlich.«
»Sie ist jetzt soweit. Wir können sie schaben.«
»In der Tat. Aber sie hat gerade erst gelaicht. Wollte sie nicht belästigen.«
Vor ihnen auf dem Wasser tanzten die kleinen Wellen weiß leuchtend wie Porzellan, das zerbrochen auf einem Tisch lag. Ein Scooter flog dicht über der Oberfläche und zog eine geschlängelte Gischtlinie über die Scherben: ein Rancharbeiter, der die Herde der riesigen Krustentiere im Auge behielt oder den Schwarm der Robot-›Hirten‹ inspizierte, die die riesigen Meerestiere unter Kontrolle hielten und führten. Die Gestalt hob einen Arm und winkte.
»Wer ist das?«, fragte Aileea und winkte ebenfalls. »Ich kann ihn nicht erkennen.«
»Gita, natürlich«, sagte ihr Vater schroff. »Das siehst du schon daran, wie unbesonnen sie rast.« Er warf seiner Tochter einen kritischen Blick zu. »Die Spielkameradin deiner Kindheit, und du erkennst nicht, wie sie fährt?«
Aileea merkte, dass sie die Lippen zu einem schmalen Strich zusammengedrückt hatte. Sie war sich nur allzu deutlich der Kluft bewusst, die nun zwischen ihr und der Frau klaffte, die praktisch wie eine Schwester für sie gewesen war. Nicht, dass sie mit Gita nicht zurechtkam. Es war nur so, dass sie … sich voneinander entfernt hatten, und nun verspürte sie eine schmerzende Leere in sich.
»Es ist schon lange her, dass ich sie fahren gesehen habe, Vater.«
»Du verlierst die Verbindung mit deiner Heimat, Mädchen.«
Sie funkelte ihn wütend an. Er betrachtete sie mit Augen, die so scharf und schwarz wie Obsidian waren. »Komm nach Hause, Aileea«, sagte er leise. »Du kennst die See so gut wie jede Vari – du bist ein Teil von ihr. Und du wirst dich ganz schnell wieder an das Leben auf einer Ranch gewöhnen.«
Er bedachte sie mit einem sardonischen Grinsen. »Und du musst dir auch keine Sorgen machen, dass dir hier langweilig wird. Wir erleben hier jede Menge.«
Eine Grimasse flackerte über ihr Gesicht wie eine Wolke, die über die Sonne glitt. »Ich habe schon alles erlebt, was ich je erleben will, Vater. Und noch einiges mehr.«
Sie ging über das langsam rollende Deck und schlang die Arme um den Oberkörper. »Kommen die Stelzengeher häufig?«
»Dieser Tage sogar sehr oft.«
Sie drehte sich um. »Aber ihr werdet mit ihnen fertig?«
Ihr wurde sofort klar, dass es sich um eine törichte Frage handelte. Offensichtlich. Sonst wären wir nicht hier.
»Einigermaßen«, sagte ihr Vater. »Aber allmählich wird es immer knapper …«
Ein schriller Pfeifton erklang. Er griff nach unten, hob einen Minicomputer hoch und betrachtete stirnrunzelnd den Bildschirm.
Aileea spürte, wie sich auf ihrem Rückgrat eine Gänsehaut bildete. »Die äußeren Hirten haben mit dem Sonar irgend etwas geortet.« Es war keine Frage.
Ihr Vater nickte und murmelte schnell Anweisungen in das Handgerät. Kabel aus einer leichten, aber überaus zugfesten Legierung rollten aus einem Gehäuse über dem Ranchgebäude und erlaubten dem Radarauge, das unter dem Fesselballon aus polymerisiertem Aluminium befestigt war, höher zu steigen und weiter über den Horizont hinauszuschauen.
»Wenn man vom Leviathan spricht«, fluchte Aagard dinAthos, als er sah, was das Auge ihm zeigte. »Wenn man vom Teufel im Meer spricht …«
»Geh nach unten«, sagte Aileea scharf. »Du kannst die Hirten vom Kommandozentrum aus steuern.«
»Ich kann sie auch von hier aus steuern, Tochter«, sagte er und erhob sich zu voller Größe, die für einen Mann aus ihrer Gens beeindruckend war. Er sprach ohne Erregung, aber nachdrücklich.
Ihr Blick löste sich von dem seinen. Zu...




