E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Julia
Milburne Nach Rom - der Liebe wegen
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-1307-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-1307-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kurz vor der geplanten Traumhochzeit in Rom lässt Emilio Andreoni seine Verlobte fallen. Schließlich hat er mit eigenen Augen gesehen, dass Gisele ihn betrügt! Erst als ihre Zwillingsschwester auftaucht, erkennt der Millionär: Die Trennung war ein großer Fehler ...
Eigentlich hätte Melanie Milburne ja für ein High-School-Examen lernen müssen, doch dann fiel ihr ihr erster Liebesroman in die Hände. Damals - sie war siebzehn - stand für sie fest: Sie würde weiterhin romantische Romane lesen - und einen Mann heiraten, der ebenso attraktiv war wie die Helden der Romances. Und tatsächlich: Sie liest nicht nur Liebesromane, sie schreibt sogar selbst welche. Und ihr ganz persönlicher Held? In den verliebte sie sich schon nach der zweiten Verabredung, und bereits sechs Wochen später war sie heimlich mit ihm verlobt. Damit ihr Mann sein Medizinstudium beenden konnte, zogen sie nach Schottland. Nach der Geburt ihres zweiten Sohnes wählten sie Tasmanien, diese wunderschöne Insel vor der Küste Australiens, als ihren Wohnsitz. Als ihre beiden Jungs eingeschult wurden, setzte sie ihr Pädagogik-Studium fort und machte ihren Universitätsabschluss. Zu einer ihrer letzten Prüfungen gehörte ein Vortrag über literarische Theorien mit Schwerpunkt auf dem Bereich Liebesromane. Gerade las sie in dem Klassenzimmer, das sie mit Herzen und Rosen dekoriert hatte, einen Absatz aus einem romantischen Roman vor, da flog die Tür auf, und sie traute ihren Augen nicht: Vor ihr stand ihr Mann, von dem ich annahm, dass er zu dieser Stunde im Arztkittel im OP stehen würde, im Smoking. Ihre Blicke trafen sich, dann kam er zu ihr, riss sie in seine Arme, küsste sie leidenschaftlich und verließ wortlos den Raum. Ihr Professor gab ihr eine gute Note, und ihre Mitstudentinnen sahen sie eifersüchtig an. Nun versteht jeder, dass es ihr Schicksal ist, Liebesromane zu schreiben. Doch sie hat noch eine zweite Leidenschaft: Sport. Und zwar sowohl Langstreckenlauf als auch Schwimmen. In dieser Disziplin hält sie sogar einige Rekorde, und das, obwohl sie erst als Erwachsene schwimmen gelernt hat. Ein Tipp von Melanie: Sie sehen also, ein Versuch lohnt sich. Auch wenn Sie glauben, etwas nicht zu können, versuchen Sie es einfach! Sagen Sie niemals: Das kann ich nicht. Sagen Sie: Ich kann es versuchen. Und nun wünsche ich Ihnen, dass Sie ebenso viel Spaß beim Lesen meiner Romane haben wie ich, wenn ich sie schreibe.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Emilio saß in einem Café nicht weit entfernt von seinem Büro in Rom, als er die Wahrheit herausfand. Der Druck auf seiner Brust raubte ihm die Luft. Er las den Artikel über die Zwillingsschwestern, die bei der Geburt getrennt worden waren. Es war Sensationsjournalismus par excellence: eine anrührende Story, wie die eineiigen Zwillinge sich durch Zufall wiederfanden, nachdem eine Verkäuferin in einem Kaufhaus in Sydney die beiden verwechselt hatte.
Die beiden verwechselt hatte …
Emilio lehnte sich in seinem Stuhl zurück und beobachtete das bunte Treiben der Stadt. Touristen und Berufstätige, Alte und Junge, Paare und Singles, jeder ging seinen Erledigungen nach, ohne etwas von Emilios Schock zu ahnen.
Das war nicht Gisele in dem Sex-Video im Internet gewesen!
Er war so felsenfest überzeugt gewesen, war so unnachgiebig geblieben. Er hatte ihre Unschuldsbeteuerungen nicht hören wollen. Sie hatte ihn angefleht, ihr zu glauben, doch nicht ein Wort von dem, was sie sagte, hatte er wahrhaben wollen.
Er hatte sich völlig verrannt.
Sie hatte geweint. Geschrien. Mit den Fäusten auf ihn eingetrommelt, während ihr Tränen über das Gesicht strömten. Und er hatte sich einfach umgedreht und war gegangen. Hatte den Kontakt zu ihr komplett abgebrochen und sich geschworen, nie wieder etwas mit ihr zu tun zu haben.
Er hatte sich so geirrt.
Der Skandal hätte seine Firma fast in den Ruin getrieben. Etliche Überstunden waren nötig gewesen, unzählige schlaflose Nächte, ständiges Reisen von Projekt zu Projekt, um wieder da anzukommen, wo er heute war. Jetzt waren die Schulden endlich abbezahlt und sein Ehrgeiz, die Millionen einzufahren, kannte keine Grenzen.
Und die ganze Zeit über hatte er Gisele dafür die Schuld gegeben. Sein Hass auf sie war wie eine eiternde Wunde gewesen, die nicht heilen wollte. Jedes Mal, wenn er an sie gedacht hatte, war die Wut in ihm übergeschäumt. An manchen Tagen war ihm der Zorn wie lodernde Flammen durch die Adern gefahren. Ein Fieber, das nicht zu kontrollieren war.
Das plötzliche Schuldbewusstsein sorgte dafür, dass ihm ein wenig schlecht wurde. Er rühmte sich, nie falsch zu urteilen. Er strebte nach Perfektion – auf jedem Gebiet seines Lebens. „Versagen“ gehörte nicht zu seinem Wortschatz.
Bei Gisele hatte er versagt.
Emilio holte sein Handy hervor. Giseles Nummer war noch eingespeichert – als Erinnerung, niemandem mehr zu trauen. Er hatte sich nie für den sentimentalen Typ gehalten, aber als er ihre Daten aufrief, verharrte sein Daumen zitternd über dem Knopf. Irgendwie schien es ihm nicht die richtige Art, sich telefonisch zu entschuldigen. Das sollte er persönlich machen, das war wohl das Mindeste. Er wollte diesen Fehler aus der Welt schaffen, einen Schlussstrich ziehen und sein Leben weiterleben.
Statt Gisele rief er seine Sekretärin an. „Carla, sagen Sie alle Termine für nächste Woche ab und buchen Sie mir den ersten Flug nach Sydney, den Sie bekommen können. Ich habe etwas Dringendes zu erledigen.“
Gisele zeigte der jungen Mutter gerade ein Taufkleidchen, als Emilio Andreoni ihre Baby-Boutique betrat.
Sie hatte sich immer wieder ausgemalt, wie die Situation ablaufen würde, nur für den Fall, dass er sich tatsächlich eines Tages zu einer Entschuldigung durchringen sollte. Sie hatte sich vorgestellt, dass sie ihn ansehen und nichts fühlen würde, nichts außer dem tief sitzenden Hass auf ihn, weil er ihr nicht vertraut und sie unbarmherzig abgewiesen hatte.
Doch ein Blick auf ihn, wie er dastand – so groß und völlig fehl am Platz –, und sie hatte das Gefühl, der Boden würde sich vor ihr auftun. Emotionen, die sie bisher eisern unter Kontrolle gehalten hatte, stiegen an die Oberfläche. Wie konnte es physische Schmerzen bereiten, jemandem von Angesicht zu Angesicht gegenüberzustehen? Wieso zog sich alles in ihr zusammen, als sie auf den Blick aus seinen schwarzen Augen traf?
Er war noch immer tief gebräunt. Es war die gleiche gerade römische Nase, die gleichen durchdringenden Augen, das gleiche markante Kinn, das allerdings im Moment aussah, als hätte es in den letzten sechsunddreißig Stunden keinen Rasierer mehr gesehen. Das leicht wellige Haar war etwas länger, als sie es in Erinnerung hatte, und die Augen, umrahmt von verboten dichten Wimpern, waren rot unterlaufen – zweifelsohne von einer durchgemachten Nacht mit irgendeinem seiner Betthäschen.
„Entschuldigen Sie mich bitte einen Moment“, sagte sie zu der jungen Mutter und ging zu ihm.
Er stand bei der Auslage mit den Frühchen-Sachen, eine Hand neben einem winzigen Jäckchen mit aufgestickten Rosenblüten. Seine Hand wirkte riesig im Vergleich zu der Weste, und Gisele musste unmittelbar daran denken, dass Lily bei der Geburt selbst dafür zu klein gewesen wäre.
Sie musste sich zusammennehmen. „Kann ich dir helfen?“
„Du weißt, warum ich hier bin, Gisele“, sagte er mit dieser tiefen dunklen Stimme, die sie so sehr vermisst hatte. Sie löste einen Schauer auf ihrer Haut aus wie eine Liebkosung.
Angestrengt kämpfte Gisele um Beherrschung. Sie wollte ihn nicht sehen lassen, dass er noch immer auf sie wirkte, selbst wenn es nur eine rein körperliche Reaktion war. Sie musste stark sein, würde ihm zeigen, dass sein Mangel an Vertrauen ihr Leben nicht zerstört hatte. Sie war unabhängig und selbstständig, er bedeutete ihr nichts mehr.
„Sicher.“ Ihre Lippen verzogen sich kurz, ohne einem Lächeln auch nur nahezukommen. „Unser ‚Zwei-zum-Preis-von-einem‘-Angebot. Du kannst zwischen Blau, Rosa und Gelb wählen. Die weißen Strampler sind leider schon alle weg.“
Sein Blick lag beharrlich auf ihrem Gesicht, dunkel und hypnotisierend wie früher. „Können wir irgendwo unter vier Augen reden?“
„Wie du siehst, habe ich Kundschaft.“ Sie deutete auf die junge Frau, die jetzt die Regale durchsah.
„Bist du in der Mittagspause frei?“
Gisele fragte sich, ob er in ihrem Gesicht nach Fehlern suchte. War ihm aufgefallen, dass ihr Teint lange nicht mehr so strahlte wie früher? Sah er die dunklen Augenringe, die sich von keinem Make-up abdecken ließen? Er hatte immer großen Wert auf Perfektion gelegt, nicht nur bei seiner Arbeit. Vermutlich entsprach sie heute nicht mehr seinem Standard, selbst wenn ihr Ruf wieder hergestellt war. „Ich besitze ein Geschäft“, erwiderte sie stolz. „Ich nehme mir keine Mittagspause.“
Kritisch sah er sich in der Baby-Boutique um, die sie wenige Wochen nach der Trennung, nur Tage vor dem abgesagten Hochzeitstermin, gekauft hatte. Das kleine Geschäft zu der erfolgreichen exklusiven Boutique aufzubauen war das Einzige, was ihr in den letzten beiden Jahren über den Kummer hinweggeholfen hatte.
Freunde und ihre Mutter hatten immer wieder zu bedenken gegeben, ob es nicht besser wäre, das Geschäft zu verkaufen, nachdem Lily nicht überlebt hatte. Doch für sie war dieser Laden eine Verbindung zu ihrer fragilen kleinen Tochter. Hier, umgeben von handgemachten Babydecken, gehäkelten Mützchen und kleinen Söckchen, fühlte sie sich Lily näher. Niemand wusste, wie schwer es ihr fiel, nicht in die Kinderwagen zu sehen, die durch die Ladentür kamen, und die rosigen kleinen Bündel zu streicheln, die dort sicher und wohlbehütet schliefen. Niemand ahnte, wie oft sie sich in den Nächten an die Decke klammerte, in die Lily für die wenigen Stunden ihres Lebens eingewickelt gewesen war.
Emilios Blick kehrte zu ihr zurück. „Dann treffen wir uns zum Dinner. Der Laden schließt doch um sechs, oder?“
Gisele sah der jungen Mutter nach, die den Laden verließ – vermutlich vertrieben durch Emilios düstere Anwesenheit. „Dinner ist ausgeschlossen. Ich habe andere Pläne.“
„Bist du mit jemandem zusammen?“
Glaubte er wirklich, nach dem, was er ihr angetan hatte, würde sie sich gleich in die nächste Beziehung stürzen? Manchmal fragte sie sich, ob sie sich überhaupt je wieder auf einen Mann einlassen würde.
Langsam bekam sie das Gefühl, dass er nicht nur gekommen war, um sich zu entschuldigen. Die Atmosphäre schien mit jedem Atemzug dichter zu werden. Verdammt, sie konnte sogar fühlen, wie ihr Körper auf seine Präsenz reagierte, genau wie damals. Alle ihre Sinne waren in Alarmbereitschaft, Erinnerungen stürzten auf sie ein – wie er ihr alles über die körperlichen Freuden beigebracht hatte. Wie er ihr gezeigt hatte, wie viel sie geben und nehmen konnte.
Sie hob das Kinn. „Ich wüsste nicht, was dich das angeht.“
Ein Muskel zuckte in seiner Wange. „Ich weiß, wie schwer es für dich ist, Gisele. Für mich auch.“
Sie bedachte ihn mit einem vernichtenden Blick. „Du meinst, du hättest nie damit gerechnet, dass du dich mal entschuldigen müsstest?“
Seine Miene verschloss sich sofort. „Ich bin nicht stolz darauf, wie ich die Sache beendet habe. Aber an meiner Stelle hättest du genauso reagiert.“
„Falsch. Ich hätte nach einer anderen Erklärung gesucht, als das Video im Internet auftauchte.“
„Herrgott, Gisele, meinst du, das hätte ich nicht getan? Du sagtest, du seist ein Einzelkind. Selbst du wusstest nicht, dass du eine Zwillingsschwester hast. Ich habe mir das Video angesehen und sah dich, das gleiche silberblonde Haar, die gleichen blaugrauen Augen, sogar die gleiche Gestik. Was hätte ich denn glauben sollen?“
„Du hättest mir glauben sollen“, gab sie...




