Miles | No Sweeter Summer | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 252 Seiten

Reihe: LYX.digital

Miles No Sweeter Summer


1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7363-0860-2
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 252 Seiten

Reihe: LYX.digital

ISBN: 978-3-7363-0860-2
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sie ist die Eine, die er nie vergessen konnte. Er ist derjenige, der ihr Herz gestohlen hat
Die Werbetexterin Lila Harris weiß aus leidvoller Erfahrung, wie es ist, sich in den falschen Mann zu verlieben. Diesen Fehler will sie nie wieder begehen! Als jedoch Sam Crawford, der attraktive und erfolgreiche Chef einer großen Werbeagentur - und ganz nebenbei ihr Ex - erneut in ihr Leben tritt und ihr ein verlockendes Angebot macht, weiß sie nicht, was sie tun soll: mit ihm zusammenarbeiten und das Eiscafé ihres Großvaters retten oder ihr Herz davor beschützen, erneut gebrochen zu werden?

'Olivia Miles ist eine Expertin, wenn es darum geht, einen süßen, romantischen Plot und liebenswerte Charaktere zu kreieren.' ROMANTIC TIMES

Auftaktband der SWEET-Reihe



Olivia Miles gewann 2011 den Harlequin HAPPY HOLIDAYS CONTEST. Seitdem schickt sie ihre Protagonistinnen mit Vorliebe aus der Großstadt in idyllische Einöden. Denn obwohl die Autorin schon immer in großen Metropolen lebte und arbeitete, weiß sie den Kleinstadt-Charme zu schätzen.
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1


Lila Harris warf einen letzten Blick auf die altehrwürdige Kuckucksuhr an der Wand und wartete, dass das kleine Holztürchen sich öffnen und der geschnitzte blaue Hüttensänger hervorschnellen würde. Unter höchster Anspannung tickten die Sekunden dahin, bis …

Lila zuckte zusammen, wie immer, wenn die Uhr zu schlagen begann, und lachte leise auf. Sie atmete einmal tief durch, stand vom Stuhl auf und strich sich den Rock glatt. Die Umhängetasche auf ihrem Schreibtisch war fertig gepackt, die Nägel waren frisch lackiert, die Schuhe neu.

Als sie hinausging, hob ihre Assistentin aufmunternd den Daumen in die Höhe, und Lila lächelte zum Dank nervös, stieß die Eingangstür auf und eilte mit locker das Geländer streifenden Fingern das Treppenhaus hinunter. Unten angekommen, hielt sie gleich Ausschau nach einem Taxi. Die Sonne brannte auf den Asphalt und versprach einen weiteren warmen Tag. Lila hob schützend die Hand vors Gesicht und spähte die Straße hinunter.

»Hey, Lila!«, rief Jim Watson, dessen Anwaltskanzlei im zweiten Stock des Sandsteingebäudes in Lincoln Park lag, direkt über ihrem Büro. Er kam auf sie zu und lächelte. »Fühlt sich langsam richtig nach Sommer an, was?«

»Ja, endlich«, stimmte sie ihm zu und hob rasch die Hand, um einen nach Fahrgästen Ausschau haltenden Taxifahrer heranzuwinken. Die Dachanzeige leuchtete auf, und kurz beschleunigte sich ihr Puls. »Dir einen guten Appetit!«

Jim hob zum Gruß die Papiertüte mit seinem Mittagessen in die Höhe und stieg die Stufen zum Haupteingang hinauf. »Dir auch!«

Im Taxi war es heiß und stickig, aber wenn Lila die Augen schloss, konnte sie sich beinahe einbilden, sie säße am Strand, mit Sand zwischen den Zehen und Wind im Haar. Am Wochenende hatte sie eine Verabredung mit dem Michigansee. Aber heute … Ihr Magen zog sich angstvoll zusammen. Heute hatte sie eine Mission.

Das Taxi glitt durch Lincoln Park und folgte verschlafenen Wohnstraßen, in denen Mütter Kinderwagen vor sich herschoben und Nachbarn auf der Türschwelle ein Schwätzchen hielten, während ihre Kleinen tropfendes Eis am Stiel schleckten oder mit Kreide den Bürgersteig vollmalten. Schließlich bog der Wagen auf den Lake Shore Drive ein und beschleunigte. Lila versuchte, sich auf die Gebäude ringsum zu konzentrieren, auf die hübsche Architektur, die sie stets aufs Neue gern betrachtete, den Blick auf den See und dann auf den Fluss. Schließlich kam das Taxi sanft zum Stehen, und Lila reichte dem Fahrer einen Zwanziger, ohne das Wechselgeld zu verlangen, obwohl es ein großzügiges Trinkgeld war und sie derzeit jeden Dollar gut gebrauchen konnte. Doch wenn sie jetzt zögerte, würde sie am Ende noch die Nerven verlieren – in diesem Fall war Selbstbewusstsein alles.

Lila stieg aus dem Taxi in den Sonnenschein, verspürte einen stechenden Schmerz und biss sich auf die Unterlippe: An ihrer linken Ferse bildete sich gerade eine dicke Blase. Sie schlängelte sich auf dem Bürgersteig durch die Menschenmassen bis zum Restaurant. Dessen Eingangstüren waren riesig; dunkel und unheilverkündend und eindeutig zu mysteriös. Was mochte dahinterliegen? Wartete man bereits auf sie?

Vielleicht schon. Das wäre nicht das Schlechteste, sagte sie sich und straffte die Schultern. Dann hatte sie eben weiche Knie und einen derart verknoteten Magen, dass sie kaum atmen konnte – das würden die anderen gar nicht bemerken. Was sie dagegen sehr wohl bemerken würden: ob sie gut auf das Treffen vorbereitet war oder nicht. Und wie begierig sie war – nein, nicht begierig, dachte sie schnell, als eine vertraute Übelkeit sie überfiel. Sie wollte definitiv nicht begierig wirken, selbst wenn sie es war.

Im Grunde benahm sie sich einfach albern. Sie hatte schon Dutzende Meetings dieser Art gemeistert. Was war schon dabei, dass Reed Sugar … Wieder dieses Ziehen in der Magengrube. Wem wollte sie hier eigentlich etwas vormachen? Ein Treffen mit einer landesweit führenden Haushaltsmarke war definitiv eine große Sache.

Der Türgriff fühlte sich warm an, und sie wusste, dass sie viel zu lange zögerte. Ein Mann mittleren Alters tauchte hinter ihr auf und runzelte ungeduldig die Stirn. Er starrte sie an, als wäre sie halb verrückt, und Lila seufzte kurz auf. Also, los jetzt.

»Kann ich Ihnen helfen?« Eine lächelnde Empfangsdame stellte sich ihr in den Weg, als sie das schwach beleuchtete Restaurant betrat.

»Ich bin mit Jeremy Reed verabredet«, erklärte Lila und suchte den Eingangsbereich nach ihrem alten Klassenkameraden aus der Highschool ab. Mit diesem Kontakt hatte sie bereits halb gewonnen; der Rest lag an ihr.

Die Frau ging die Reservierungen durch. »Sie sind die Erste. Möchten Sie an der Bar warten?«

Lila nickte, durchquerte den Raum und hockte sich auf die Kante eines freien Stuhls, bereit, jeden Augenblick wieder aufzuspringen. Sie legte die Hände flach auf die Knie, spürte die glitschige Schweißschicht auf ihrer Haut und drückte die Finger fest gegen die Schenkel, bis ihre Nerven sich ein wenig beruhigt hatten.

Möglichst ohne dabei wie eine Stalkerin oder begierig oder so ähnlich zu wirken, richtete sie ihre Aufmerksamkeit ganz auf den Empfangstisch, wo die zuständige Dame gerade über irgendetwas kicherte, was ein anderer Gast zu ihr gesagt hatte. Lila beugte sich ein Stück vor, froh über diese Ablenkung und den Vorwand, ihre Umgebung kurz auszublenden und diese nervenzerfetzende Aufregung zu unterdrücken, die von Sekunde zu Sekunde wuchs.

Der Mann trug einen dunklen, gut geschnittenen Anzug, und die Ärmel seines strahlend weißen Hemdes wurden von zwei auf Hochglanz polierten Manschettenknöpfen zusammengehalten. Die Empfangsdame griff nach dem Telefonhörer während sie irgendetwas erwiderte, und der Mann lachte. Es war ein tiefes, warmes Lachen, satt und ungekünstelt. Und merkwürdig vertraut.

Lila spürte einen Anflug von Panik, und ein beunruhigender Gedanke machte sich in ihr breit. Das konnte nicht sein. Nicht er. Okay, der Mann hatte braune Haare und in etwa die passende Größe, und sein Lachen kam ihr wirklich furchtbar bekannt vor, aber er war schließlich nicht der Erste, der über die Jahre diese höchst unliebsame Erinnerung in ihr wachrief. Sicher würde er sich jede Sekunde umdrehen und ihr vor Augen führen, wie albern das alles war. Wahrscheinlich hatte er das Gesicht voller Sommersprossen und braune Augen und – oh nein.

Ihr Magen krampfte sich zusammen, und das Herz schlug ihr bis zum Hals. Lila senkte langsam den Blick und bemühte sich, eine unbeteiligte Miene aufzusetzen, als hätte sie ihn gar nicht gesehen. Sie wandte sich ein wenig zur Seite, den Rücken zur Bar.

Du lieber Himmel. Es war Sam.

***

Er hätte sie überall wiedererkannt.

Sam Crawford umfasste den Griff seiner Aktentasche etwas fester und starrte Lilas Hinterkopf an, während er sich fragte, was zum Teufel er jetzt tun und was er zu ihr sagen sollte. Ob er überhaupt etwas sagen sollte. Er wusste, dass sie zurück in ihre Heimatstadt gezogen war, nachdem sie New York verlassen hatte, aber er hätte niemals damit gerechnet, ihr einfach so über den Weg zu laufen. Seit ihrer letzten, schmerzlichen Auseinandersetzung vor vielen Jahren war er bereits mehrere Male in Chicago gewesen, und immer hatte er die Augen offen gehalten und auf eine Zufallsbegegnung gehofft, einen Vorwand für ein Gespräch, einen zwanglosen Anlass, um den Kontakt wieder aufzunehmen, ohne dabei die unschöne Vergangenheit erneut ans Licht zu zerren.

Ausgerechnet heute. Das Timing hätte kaum schlechter sein können.

Er wandte sich wieder der Empfangsdame zu und rang sich ein Lächeln ab. »Ich habe da vorn zufällig eine Freundin entdeckt. Wenn Sie mir bitte einfach kurz Bescheid geben, sobald meine Geschäftspartner eintreffen? Da wäre ich Ihnen dankbar.«

Freundin war wirklich zu viel gesagt. Es war Jahre her, dass er Lila zum letzten Mal gesprochen hatte, und ihr Abschied war alles andere als freundschaftlich ausgefallen. Mit entschlossenen Schritten ging Sam zur Bar hinüber und bestellte einen Whiskey, während er Lila aus dem Augenwinkel aufmerksam beobachtete. Sie hatte ihn noch nicht bemerkt, oder falls doch, überspielte sie es verdammt gut. Und diese Vorstellung störte ihn. Mehr, als er sich eingestehen wollte.

Sie war noch immer schön, stellte er fest, und die Beobachtung löste sowohl Freude als auch Ärger in ihm aus. Wenn überhaupt, hatte sie sich in den letzten Jahren zu ihrem Vorteil verändert und von einem naiven, leicht überforderten Mädchen in eine anmutige junge Frau verwandelt. Ihr ovales Gesicht wirkte blass, aber selbstbewusst. Das kastanienbraune Haar trug sie zurückgebunden, sodass man den langen, grazilen Hals sah. Aufgrund ihrer Kleidung konnte Sam bloß raten, dass sie auf einen Kollegen oder eine andere geschäftliche Verabredung wartete, und kurz verspürte er Erleichterung, dass sie wohl nicht auf einem Date war.

Als ob das irgendeinen Unterschied machte.

Er nahm einen tiefen Schluck von seinem Drink und betrachtete sie weiter über den Rand des Glases hinweg. Die Bar füllte sich rasch mit den üblichen Mittagsgästen, und seine eigenen Geschäftspartner würden jeden Augenblick auftauchen. Er musste sich entscheiden, schließlich konnte er nicht ewig hier herumstehen und grübeln. Er könnte zu ihr hinübergehen und Hallo sagen, oder er könnte die Vergangenheit auf sich beruhen lassen.

Lila wandte leicht den Kopf, gerade weit genug, dass er zu einer schnellen Entscheidung gezwungen war,...



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