E-Book, Deutsch, 128 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
Miller Alle Männer wollen Mandy
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-95576-453-1
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 128 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
ISBN: 978-3-95576-453-1
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Sofort fühlen sich Mandy und John zueinander hingezogen, als sie bei einer Gruppentherapiesitzung, die im Anschluss an die Buchsignierung eines bekannten Psychiaters stattfindet, ihre Gefühle beschreiben. Johns Blicke scheinen Mandy direkt unter die Haut zu gehen, und schon allein seine dunkle Stimme löst ein Prickeln der Erregung in ihr aus. Nach dem Abschiedskuss vor ihrer Haustür weiß Mandy, dass John ihr Geliebter werden muss. Doch wie soll sie das ihrem Exfreund beibringen, der sich wieder intensiv um sie bemüht ...
Nach ihren ersten Erfolgen als Schriftstellerin unternahm Linda Lael Miller längere Reisen nach Russland, Hongkong und Israel und lebte einige Zeit in London und Italien. Inzwischen ist sie in ihre Heimat zurückgekehrt - in den weiten 'Wilden Westen', an den bevorzugten Schauplatz ihrer Romane.
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2. KAPITEL
Es war zehn Minuten nach sechs, als Mandy vor dem Haus, in dem sie wohnte, aus dem Bus stieg. Sie öffnete die Haustür, nahm die Post aus dem Briefkasten, lief die Treppe hinauf und schloss ihre Wohnungstür auf. Bald würde John sie abholen, und sie hatte noch tausend Dinge zu erledigen.
Da er gesagt hatte, es wäre ein ganz zwangloses Dinner, nahm sie eine blaue Bluse und einen engen dunklen Rock aus dem Schrank, duschte kurz und zog sich an. Genauso rasch frischte sie ihr Make-up auf und bürstete ihr Haar, bis es wie Seide glänzte.
Währenddessen stand Gershwin auf dem Toilettendeckel und beklagte sich miauend über die Behandlung von Hauskatzen im heutigen Amerika. Mandy hatte ihn gerade gefüttert, als es an der Tür klingelte.
Ihr Herz fing hastig an zu klopfen, und sie fragte sich, warum sie nur so aufgeregt war. John Richards war schließlich auch nur ein Mann. Und was bedeutete es schon, dass er so erfolgreich war. In ihrem Job begegnete sie einer Menge Männer wie ihm.
Mandy öffnete die Tür und spürte ein plötzliches Glücksgefühl, als sie die Bewunderung in seinen Augen las.
»Hallo«, sagte John. Er trug Jeans und ein helles Hemd, darüber eine braune Lederjacke. »Sie sehen fantastisch aus.«
»Danke«, sagte sie und trat zurück, um ihn einzulassen.
Gershwin strich um Johns Beine und gab mit einem Miau seine Zustimmung zu erkennen. John lachte und bückte sich, um den Kater hochzunehmen. »Schau sich einer diesen Kerl an. Er wirkt nicht gerade abgemagert.«
Mandy lachte ebenfalls. »Ich habe ihn im Verdacht, wilde Partys zu geben und sich Pizzas bringen zu lassen, wenn ich nicht da bin.«
Nachdem John den Kater hinter den Ohren gekrault hatte, setzte er ihn mit einem Lächeln wieder auf den Boden, aber sein Blick wurde ernst, als er Mandy ansah.
Ihre Brüste fühlten sich schwer an bei dem Ausdruck in seinen Augen, und die Brustspitzen wurden hart unter dem dünnen Stoff der Bluse. »Ich glaube, wir sollten los«, sagte Mandy, aber das klang nicht besonders überzeugend.
»In Ordnung«, stimmte John zu. Seine Stimme hatte die gleiche Wirkung auf sie wie schon am Telefon. Ihre Knie wurden weich, und sie war so atemlos, als wäre sie zehn Minuten hinter dem Bus hergerannt.
Mandy nahm ihren blauen Stoffmantel von dem Garderobenständer, und John half ihr hinein. Seine Fingerspitzen berührten ihren Nacken, als er ihr Haar über den Kragen legte, und Mandy hoffte inständig, dass er nicht merkte, wie sie unter seiner Berührung zitterte.
Sein Auto, ein glänzender schwarzer Porsche – bei seinem Anblick war Mandy sicher, dass John keine Kinder hatte –, war am Straßenrand geparkt. John öffnete die Beifahrertür, ließ Mandy einsteigen und ging dann um den Wagen herum.
Etwas später waren sie auf dem Weg zum See. Erst als John die Scheibenwischer anschaltete, bemerkte Mandy, dass es regnete.
»Leben Sie schon lange in Seattle?«, brach sie das Schweigen.
»Jetzt lebe ich auf Vashon – ich war mein ganzes Leben immer in der Nähe«, antwortete er. »Und wie ist es bei Ihnen?«
»Seattle ist meine Heimatstadt.«
»Wollten Sie irgendwann mal woanders leben?«
Sie lächelte. »Natürlich. In Paris, London, Rom. Aber nachdem ich mit dem College fertig war, bekam ich den Job im Evergreen, und so bin ich hier geblieben.«
»Sie kennen doch den Spruch: ‚Das Leben passiert draußen.‘ Ich hätte gern in der Wall Street gearbeitet.«
»Tut es Ihnen leid, dass Sie hier sind?«
Mandy hatte ein überzeugtes Nein erwartet. Stattdessen erwiderte John leise mit ernstem Blick: »Manchmal ja. Vieles wäre ganz anders gekommen, wenn ich nach New York gegangen wäre.«
Aus irgendeinem Grund schaute sie plötzlich auf die helle Stelle an seinem Ringfinger. Obwohl die Fenster geschlossen waren und die Heizung lief, fröstelte Mandy. Sie schwieg, bis sie den See erreichten, wo die Lichter der Hausboote, wie Perlen zu einer Kette aufgereiht, sich im Wasser spiegelten.
»Das sieht wie ein Riesenweihnachtsbaum unter Wasser aus«, stellte sie fest.
John überraschte sie mit diesem schnellen, unwiderstehlichen Lächeln.
»Sie haben eine poetische Art, Dinge auszudrücken, Mandy Scott.«
Sie erwiderte sein Lächeln. »Leben Ihre Freunde gern auf einem Hausboot?«
»Ich glaube schon. Aber im Frühjahr wollen sie umziehen. Sie bekommen ein Baby.«
Mandy unterdrückte ein kleines Seufzen. Ob sie wohl selbst jemals ein Kind haben würde? Mittlerweile war sie achtundzwanzig, und die Zeit rannte davon.
Als John das Auto auf einem Parkplatz nahe beim Kai abstellte, setzte sich Mandy gerade hin. Ihr war bewusst geworden, dass sie auf seine letzte Bemerkung nicht geantwortet hatte. »Es tut mir leid, ich … wie schön für die beiden, dass sie ein Baby bekommen.«
Völlig überraschend legte er seine Hand auf ihre. »Habe ich etwas Falsches gesagt?«, fragte er so sanft, dass ihr fast die Tränen in die Augen traten.
Sie schüttelte den Kopf. »Natürlich nicht. Gehen wir aufs Boot. Ich freue mich darauf, Ihre Freunde kennenzulernen.«
David und Claudia Chamberlin waren ein attraktives Paar in den Dreißigern. Sie arbeiteten beide als Architekten, und gerahmte Zeichnungen und Fotos von ihren Entwürfen schmückten die Wände des kleinen, aber elegant eingerichteten Hausboots.
Mandy dachte an ihre eigene bescheidene Wohnung, in der Gershwin das einzig Besondere war, und war sicher, dass John sie bestimmt langweilig fand.
Trotzdem schien Claudia sich wirklich für sie zu interessieren, und ihre Begrüßung war herzlich. »Es tut gut, John wieder unter Menschen zu sehen«, vertraute sie Mandy flüsternd an, als sie allein mit ihr neben dem Tisch stand, auf dem ein kleines kaltes Büffet aufgebaut war.
Mandy ging nicht gleich auf Claudias Bemerkung ein, sondern sie sah zu John hinüber, der nicht weit entfernt mit David sprach. »Ich glaube, es ist ganz schön schwer für ihn«, sagte sie dann und gab damit vor, mehr zu wissen, als in Wirklichkeit der Fall war.
»Entsetzlich schwer.« Claudia zog sie noch ein wenig weiter von den Männern weg. »Wir dachten, er käme nie über Beckys Tod hinweg.«
Später, nachdem Mandy die anderen Gäste kennengelernt hatte, legte John ihr sanft ihren Mantel über die Schultern. »Möchten Sie ein paar Minuten mit mir an Deck gehen?«, fragte er ruhig. »Ich brauche ein bisschen frische Luft.«
Wieder spürte Mandy dieses prickelnde Gefühl tief in sich aufsteigen. »Gern«, sagte sie nach einem schnellen Blick auf die regennassen Fenster.
»Vor einer Weile hat es aufgehört zu regnen«, versicherte John mit einem kleinen Lächeln. Dass er offensichtlich ihre Gedanken lesen konnte, verwirrte sie.
Sie verließen die Kabine durch eine Seitentür, und weil das Deck glitschig war, legte John Mandy einen Arm um die Hüfte. Sie wäre nicht ausgerutscht, aber es war ein wunderbares Gefühl, dass er sich um sie sorgte.
Die Lichter des Hafens glitzerten auf dem dunklen See. John betrachtete sie eine Weile und fragte dann: »Und, wie gefallen Ihnen Claudia und David?«
Mandy lächelte. »Sie sind sehr interessant. Bestimmt wissen Sie, dass die beiden in Indien geheiratet haben, wo sie mit dem Peacecorps waren?«
John stütze einen Ellenbogen auf die Reling und nickte. »David und Claudia sind absolut unkonventionell, einer der Gründe, warum ich sie so mag.«
Mandy war ein wenig deprimiert, versuchte aber, sich nichts anmerken zu lassen. Mit ihrem Durchschnittsjob, ihrer Katze und der kleinen Wohnung musste sie ihm im Vergleich zu den Chamberlins doch ziemlich spießig vorkommen. Vielleicht war es dieses seltsame Gefühl von Enttäuschung, das ihr den Mut gab zu fragen: »Und Ihre Frau? War sie auch unkonventionell?«
Er wandte sich ab und starrte auf das Wasser. Einen langen Moment war sie sicher, dass er nicht antworten wollte, doch schließlich sagte er leise: »Sie war Meeresbiologin, aber sie arbeitete nicht mehr, als die Kinder da waren.«
Zum ersten Mal hatte er Kinder erwähnt, dabei war Mandy überzeugt gewesen, er hätte keine. »Kinder?«, fragte sie mit sehr dünner, unsicherer Stimme.
John sah sie auf eine Weise an, als müsste er sich verteidigen. »Zwei – Jessica ist fünf und Lisa vier.«
Mandy spürte eine eigentümliche Freude, als wäre sie auf einen unerwarteten Schatz gestoßen. Sie lächelte kurz. »Ich dachte, nun, als Sie mit dem Porsche kamen …«
Er gab ihr Lächeln seltsam melancholisch zurück. »Jessie und Lisa leben bei meiner Schwester drüben in Port Townsend.«
Mandy sah ihn erstaunt an. »Sie leben bei Ihrer Schwester? Das verstehe ich nicht.«
John seufzte. »Becky starb zwei Wochen nach dem Unfall, und ich war fast drei Wochen im Krankenhaus. Karen – meine Schwester – und ihr Mann Paul nahmen die Kinder zu sich. Als es mir allmählich besser ging, waren die vier eine richtige Familie geworden. Ich konnte sie einfach nicht auseinanderreißen.«
Das Gefühl von Trauer war so stark, dass Mandy nach der Reling griff, um Halt zu finden.
John spürte ihre Reaktion genau und berührte leicht ihre Nasenspitze. »Sie sehen müde aus. Sollen wir aufbrechen?«
Sie nickte, den Tränen zu nahe, um sprechen zu können. Mandy hatte die Freuden und Sorgen anderer Menschen schon immer so empfunden, als wären es ihre eigenen, und ihr Herz war schwer, wenn sie daran dachte, was John...




