E-Book, Deutsch, Band 1, 319 Seiten
Reihe: Frankfurt Love Storys
Miller Bildband ins Glück
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7396-1756-5
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Frankfurt Love Storys - Part 1
E-Book, Deutsch, Band 1, 319 Seiten
Reihe: Frankfurt Love Storys
ISBN: 978-3-7396-1756-5
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
'Silja!', rief er mir hinterher. Kurz zögerte ich, drehte mich aber dann doch noch einmal zu ihm um. 'Ich date nicht. Nicht mehr.' Er sah fast traurig aus, als er dies sagte. Dann fügte er noch hinzu: 'Aber würde ich es tun, wären Sie meine erste Wahl.' Silja ist eine vielversprechende Fotografin am Beginn ihrer Karriere. Männer sind für sie ein netter Zeitvertreib, werden dann aber schnell lästig. Der Erste, für den sie tatsächliches Interesse entwickelt, ist Alex. Er ist der neueste Zugang im Fußballteam, Model ... und leider Beziehungsphobiker. Eine Geschichte voller Intrigen, Verrat und Liebe.
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Kapitel 2
Am nächsten Morgen war ich bereits um 8.15 Uhr am Gebäude von SkyLinePics angekommen. Vor lauter Angst zu spät zu kommen war ich viel zu früh losgefahren. SLP hatte die komplette oberste Etage in der „Welle“ gemietet – einem schicken Gebäudekomplex im noblen Frankfurter Westend. Diese Tatsache trug nicht unbedingt dazu bei, mir die Nervosität zu nehmen. Die halbe Nacht hatte ich wach gelegen und an meiner Idee für das Shooting gefeilt. Als ich endlich damit zufrieden war, quälte mich die Frage, was ich überhaupt anziehen sollte? Eher schick? Leger? Lässig? Cool? Oder doch lieber die seriöse Geschäftsfrau in Kostüm und High Heels? Schließlich entschied ich mich für die hippe Variante mit hellblauen Röhren-Jeans, beigem Shirt, Beanie und Ankle Boots. Zufrieden betrachtete ich mich nun auf dem Weg nach oben in den Scheiben des gläsernen Fahrstuhls. Der Schlafmangel war mir trotzdem anzusehen. Alles Make-up der Welt konnte die Ringe unter meinen Augen nicht kaschieren. Verdammt … Egal, da musst du jetzt durch! Als die Fahrstuhltüren aufgingen, straffte ich die Schultern und durchquerte mit forschen Schritten die längliche Empfangshalle, um mich am Tresen anzumelden. „Silja Bredenstein, guten Morgen. Ich habe einen Termin mit Herrn Santale.“ Die Dame hinter dem Tresen nahm die Brille ab und verdrehte ihre großen rehbraunen Augen mit den Worten: „Mist, er hatte schon wieder recht …“ „Äh … Ich verstehe nicht ganz …“ Lächelnd stand sie vom Stuhl auf und kam um den Tresen herum auf mich zu, um mir die Hand zu schütteln. „Bitte entschuldigen Sie meine Manieren, ich verliere nur so ungern eine Wette. Ich bin Alexandra, die Assistentin von Diego. Aber nennen Sie mich ruhig Sandra, das tun alle und die Abkürzung ist mir sowieso viel lieber. Diego ist noch nicht da, er hat mir aber gesagt, dass ich Ihnen schon alles zeigen soll. Möchten Sie etwas trinken, bevor wir starten?“ „Ein Kaffee wäre super“, entgegnete ich dankbar. „Mit Milch und Zucker?“ „Nur Milch, Danke.“ „Okay, ich bin sofort wieder da. Setzen Sie sich ruhig so lange und machen Sie es sich gemütlich.“ Sie hatte diese Art aufrichtig und herzlich zu lächeln, die mich sofort für sie einnahm. Und offenbar nahm sie kein Blatt vor den Mund, was ich umso mehr schätzte. Irgendwie schaffte sie es dadurch tatsächlich, dass ich etwas ruhiger wurde und mich einfach nur auf den heißen Kaffee freute. Während ich das Getränk genoss, plauderte ich ganz ungezwungen mit Sandra, als ob wir uns schon Ewigkeiten kennen würden. Mein Handy hatte ich dabei die ganze Zeit in der Hand. Ich hoffte sehr, dass es ihr nicht auffallen würde. Und tatsächlich schien es heutzutage so normal zu sein, dass sie sich nicht eine Sekunde darüber wunderte. Perfekt! Eine Viertelstunde später war mein Koffeeinspiegel wieder hergestellt und wir machten uns auf den Weg ins Studio. Sie stellte mir die Models, die Visagistin und den Foto-Assistenten vor, erklärte mir das Equipment und ließ mir dann kurz Zeit, mich damit vertraut zu machen und die Models einzuweisen. „Diego wird in einer halben Stunde hier sein. Brauchen Sie noch irgendetwas von mir?“ „Nein, vielen Dank. Sie haben mir schon sehr geholfen.“ „Ich drücke Ihnen die Daumen!“ Augenzwinkernd verschwand sie aus der Tür und mit ihr auch meine mühsam aufgebaute Selbstsicherheit. Zwölf Augenpaare ruhten auf mir und warteten gespannt auf Anweisungen. Ich hatte zwar schon Erfahrung damit, ein Team zu führen, aber das war eine völlig neue Situation. Mein charmantestes Lächeln aufsetzend, rief ich alle zusammen, um meine Ansprache zu halten. Meine größte Sorge war, wie sie auf meinen ungewöhnlichen Vorschlag reagieren würden. „Was ich von euch möchte, ist nicht das, was ihr gewöhnlich macht“, begann ich und erntete schon dafür von fast jedem entgeisterte Blicke. Dann erläuterte ich meinen Plan. Ich wollte mit ungewöhnlichen Mitteln Großartiges erreichen, das noch dazu nicht gestellt wirkte. Eine Mammutaufgabe, aber durchaus zu bewältigen, wenn jeder mitzog. „Da sind Sie ja. Bitte entschuldigen Sie die Verspätung. Zur Messezeit ist der Verkehr noch um einiges übler als sonst.“ Ein leicht untersetzter, braun gebrannter Mann Mitte 40 eilte durch den Raum auf mich zu und streckte mir die Hand entgegen. Durch sein volles dunkles Haar und seinen Bart zogen sich leichte graue Strähnen. Um die Augen hatte er Lachfältchen, die ihn auf den ersten Blick sympathisch machten. Allein an seiner Stimme hatte ich ihn bereits wiedererkannt. Diese Stimme hatte mich gerade zusammenzucken lassen, als ich mit überkreuzten Beinen auf dem Boden saß und konzentriert in den Laptop auf meinem Schoß starrte. Ich entknotete meine Beine, stand vorsichtig auf, ging ihm entgegen und schüttelte seine Hand. „Hallo Herr Santale. Freut mich, Sie persönlich kennenzulernen.“ Erst lächelte er noch weiter freundlich, runzelte dann aber irritiert die Stirn, als er sich im Raum umblickte: „Wieso sind Sie alleine? Wo sind meine Angestellten?“ Sobald sich seine Tonlage änderte, wandelte sich seine Ausstrahlung komplett. Nun war es seine bedingungslose Autorität, die mich immer kleiner werden ließ. Gütiger Gott, den Mann würde ich nicht wütend erleben wollen … „Ich habe sie weggeschickt.“ Ich versuchte so viel selbstsichere Gelassenheit wie möglich in meine Stimme zu legen. In meinem Magen breitete sich wie immer ein ungutes Gefühl aus, als ich sah, wie seine Augenbrauen in die Höhe schossen: „Sie haben was??“ „Ich habe alle Schüsse, die ich brauchte, und habe sie dann nach Hause geschickt, um in Ruhe die Bildstrecke zu bearbeiten.“ Sein Kiefer klappte nach unten. Keine Sekunde ließ er mich aus den Augen, während er mich mit einer herrischen Geste aufforderte, ihm den Laptop zu reichen. Meine Hände zitterten merklich, als ich ihm den Rechner in die Hand drückte. Jetzt gilt es. Alles oder nichts … Je länger er sich durch die Bilder klickte, umso mehr Überraschung zeigte sich auf seinem Gesicht. Und ich meinte sogar ein kleines bisschen Zufriedenheit darin wahrzunehmen. Nervös trat ich von einem Fuß auf den anderen und musste mich dazu zwingen, nicht auf den Fingernägeln herumzukauen. Dann blickte er endlich auf, musterte mich noch eine Weile und nickte dann ganz sachte mit dem Kopf. „Auf den Bildern ist keines meiner teuer bezahlten Models zu sehen. Warum?“ Im Geiste ging ich noch einmal die Bilder durch. Aus meiner langjährigen Erfahrung bei dem Modemagazin meines Vaters wusste ich, dass diese Branche sehr viel aus Oberflächlichkeit bestand. Oftmals kannten sich Fotograf, Model und Assistenten vorher nicht und hatten auch keine große Lust darauf, sich näher kennenzulernen. Das war aber nicht meine Art zu arbeiten. Ich wollte Ausdruck in meine Bilder bringen. Das nämlich schaffte kein Bildbearbeitungsprogramm der Welt. Nach meiner Ansprache hatte ich allen die Aufgabe gestellt, sich einfach nur zu unterhalten und mir am Ende einen kurzen Einblick in das Gespräch zu geben. Wie erhofft wurde dabei sehr viel gelacht, aber auch diskutiert und gegrübelt. Ich war unglaublich froh, dass sie mir so eine Bandbreite an Emotionen lieferten. Es hätte ja auch genauso gut nach hinten losgehen können. Möglichst unauffällig ging ich im Raum umher, immer mit vermeintlichem Blick auf mein Handy, um im richtigen Moment abdrücken zu können. Selbstverständlich war mein Handy keine Profikamera, aber nur so wirkten die Bilder nicht gestellt. Und das war genau das, was ich erreichen wollte. „Weil die Menschen hinter den Bildern erst die Bilder ausmachen“, antwortete ich Diego. „Was wären die Models ohne Visagisten? Ohne Assistenten, die die richtige Ausleuchtung übernehmen. Ohne so nette Menschen wie Sandra, die überhaupt erst die richtige Arbeitsatmosphäre schaffen, damit andere ihr Bestes geben können. All diese Menschen haben einen unwahrscheinlich großen Anteil am Gesamtergebnis – dem Bild. Da ist es nur richtig, dass sich auch einmal jemand um sie kümmert und sie wertzuschätzen weiß. Die ganze Zeit bin ich ihnen mit meinem Handy gefolgt und habe sie fotografiert, ohne dass sie es mitbekommen haben.“ Jetzt drohte sein Kiefer endgültig auszurenken: „Sie haben DIESE Bilder mit Ihrem Handy gemacht??“ „Ich weiß, dass es eine gewagte Idee war, aber ich musste es einfach versuchen. Und wenn man die richtigen Menschen um sich hat, dann ergibt sich der Rest von selbst.“ Nach außen hin zuckte ich lässig mit den Schultern, aber in meinem Inneren tanzten meine Eingeweide Samba. Erleichtert registrierte ich, dass sich sein linker Mundwinkel leicht nach oben hob, als er antwortete: „Also, ich muss schon sagen … Ich bin angemessen...




