Miller / Ravensburger Verlag GmbH By Your Side
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-473-47997-9
Verlag: Ravensburger Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, 448 Seiten
ISBN: 978-3-473-47997-9
Verlag: Ravensburger Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
I want to taste the rain on your lips. I want to face the storm by your side. Für einen winzigen Moment hat Amelia beim Autofahren nicht achtgegeben - und nun liegt ihre beste Freundin Carrie im Koma. Amelia versinkt in Trauer und Schuldgefühlen, bis sie einen Entschluss fasst: Sie wird an Carries Stelle eine Trekking-Tour über die schottische Isle of Skye antreten - und das, obwohl sie Sport auf den Tod nicht ausstehen kann. Gleich zu Beginn des Trekking-Trips gerät Amelia mit dem schlecht gelaunten, aber unverkennbar sexy Tour-Guide Rory aneinander. Und doch ist da sofort etwas zwischen ihnen. Langsam lernt Amelia die Schönheit in der rauen Natur zu erkennen, genau wie hinter Rorys undurchdringliche Fassade zu blicken. Doch beide haben mit den Dämonen ihrer Vergangenheit zu kämpfen und Angst, ihr Herz erneut zu verlieren. *** Eine Leseprobe aus BY YOUR SIDE ***Der Regen wurde immer stärker. Er nahm mir die Sicht und ich strauchelte. Gerade noch konnte ich die Hände ausstrecken, um den Sturz abzufangen. Doch ein Arm legte sich um meine Taille, und im nächsten Moment pressten sich meine Hände gegen Rorys harte Brust. Die starken Beine fest in den Boden gestemmt, schaffte er es mit Leichtigkeit, uns beide vor dem Hinfallen zu bewahren.Rory blickte auf mich herunter und ein seltsamer Ausdruck trat auf sein Gesicht. 'Alles okay?''Ich ...' Solange diese Augen auf mich gerichtet waren, konnte ich keinen klaren Gedanken mehr fassen. Sein Herz schlug einmal, zweimal, dreimal gegen meine Handfläche und eine leichte Röte trat auf seine Wangen. Als hätte er erst jetzt bemerkt, wie nahe wir uns waren.
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KAPITEL ZWEI
AMELIA
Das »Begrüßungsessen« fand in einem Pub statt, der nur einen kurzen Fußmarsch vom B & B entfernt war. In der Mitte des Pubs war ein langer Tisch für uns gedeckt, und ich setzte mich neben Lucy, wie sich die Frau aus Florida vorstellte.
»Wie fühlst du dich, Liebes? Du siehst schon viel erholter aus als vorhin.«
Ich lächelte. »Die Wirkung von einer heißen Dusche und etwas Make-up ist nicht zu unterschätzen.«
»Oh, auf keinen Fall.«
Langsam füllte sich der Tisch auch mit dem Rest unserer Gruppe. Hinzu kamen noch zwei Frauen, die nicht mit uns im Van gefahren waren, sowie Tommy, Rory und eine weitere Frau. Alle drei trugen Poloshirts mit dem Logo von »Scotland By Foot«, einer Figur mit einem Trekkingstock.
Rory hatte sich seiner Cap und seiner Sonnenbrille entledigt, sodass ich ihn endlich richtig sehen konnte. Die Beleuchtung im Pub war zwar eher dürftig, aber durch die Vorhänge drang genug Sonnenlicht, um zu erkennen, dass seine welligen Haare eine hübsche dunkelrote Farbe besaßen und dass er helle Augen hatte – von meinem Platz aus konnte ich die Farbe allerdings nicht genau erkennen. Außerdem war er jünger, als ich gedacht hatte, wahrscheinlich nicht viel älter als ich.
Anders als Tommy, dessen permanenter Gesichtsausdruck offenbar ein freundliches Grinsen war, hatte ich Rory noch kein einziges Mal lächeln sehen, nicht mal ein kleines bisschen. Trotz seines Verhaltens war er echt heiß, und ich konnte nicht anders, als mir vorzustellen, wie er wohl aussah, wenn er tatsächlich mal lächelte.
Nachdem wir alle bestellt hatten, stand die Frau von Scotland By Foot, kurz SBF, auf. Sie war um die dreißig, schlank, hübsch und hatte einen blonden Pferdeschwanz.
»Hallo, alle zusammen. Ich bin Scarlet. Ich hatte mit allen ja schon per E-Mail Kontakt, aber ich freue mich sehr, euch jetzt auch persönlich auf Skye begrüßen zu dürfen. Wie ihr sicher schon bemerkt habt, besitzt diese Insel eine ausgesprochen vielfältige Landschaft. Von Bergen über tiefe Schluchten bis hin zu Lochs und dem Meer haben wir hier alles«, sagte Scarlet und sah in die Runde. »Aber ich muss euch warnen, das wird keine einfache Woche werden. Trotzdem kann ich euch versprechen, dass es eine unglaubliche Erfahrung sein wird, diese Landschaft zu Fuß zu erleben. Rory Sutherland und Tommy MacDonald sind eure Guides. Beide sind geprüfte Bergführer, geschult in Erster Hilfe, und sie verfügen über umfangreiche Erfahrung als Wanderführer in ganz Schottland. Ihr seid also in guten Händen.«
In dem Moment kam die Kellnerin mit unseren Getränken. Scarlet wartete ab, bis alle versorgt waren, dann hob sie ihr Glas zu einem Toast. »Auf den Beginn eurer Wanderung. Slàinte mhath!«
Danach stellten wir uns reihum vor. Die Neuzugänge waren zwei Schwestern Mitte zwanzig aus Edinburgh, die an diesem Morgen mit dem Auto angereist waren. Ich war froh, dass die beiden in meinem Alter waren, obwohl es mir einen Stich versetzte, sie zu beobachten. Ihre ständigen Berührungen – eine Hand auf dem Arm der anderen, wenn sie sich etwas erzählten; ein spielerischer Schubs mit der Schulter, wenn die eine die andere aufzog – erinnerten mich so sehr an die Art, wie Carrie und ich miteinander umgingen, dass ich sie noch mehr vermisste als sonst.
Alle erzählten von den vielen Wandertouren, die sie schon unternommen hatten. Um nicht aufzufallen, murmelte ich etwas über die Tagestouren, die ich mit Carrie bei uns zu Hause gemacht hatte – als ich ungefähr fünfzehn war, was ich natürlich nicht dazusagte –, aber ich konnte die Wahrheit nicht länger leugnen.
Das hier war eindeutig eine Nummer zu groß für mich.
Die Gruppe schien nett zu sein, und das Essen war lustig. Aber schon nach kurzer Zeit spürte ich, wie mein Körper schlappmachte.
»Man merkt, dass ihr alle müde seid, deswegen machen wir für heute Schluss«, sagte Scarlet. »Morgen früh treffen wir uns um 8 Uhr 45 vor dem Laden gegenüber von eurem B & B, damit ihr euch für morgen und übermorgen etwas zu essen besorgen könnt. Außerdem solltet ihr mindestens zwei bis drei Liter Wasser dabeihaben und auch ein paar Tüten für euren Müll.«
Wir bezahlten unsere Rechnung und traten dann aus dem Pub hinaus in den frühen Abend. Es war Mai, und obwohl es schon nach neun war, schien die Sonne immer noch. Die Straße, die wir entlangschlenderten, befand sich oben auf einem Hügel, von dem aus man einen guten Blick auf die farbenfrohen Gebäude unten am Hafen hatte.
»Ich werde noch ein bisschen am Wasser spazieren gehen«, sagte ich zu Pat, der Frau aus London, die mit ihrer Freundin Linda unterwegs war, während ihre Männer in St. Andrews Golf spielten. »Wir sehen uns dann morgen früh.«
»Und du findest auch bestimmt zum B & B zurück?«
Sie klang wie eine britische Ausgabe meiner Mutter, was mir ein Lächeln entlockte. »Ja. Kein Problem.«
»Na, dann. Gute Nacht.«
»Nacht.«
Ich machte noch ein paar Schnappschüsse vom Hafenviertel, bevor ich der abschüssigen Straße folgte und mich gegen das Geländer lehnte. Kleinere Boote und Dingis waren daran vertäut, und mehrere Segelboote lagen ruhig vor Anker.
Ich warf einen Blick auf die Uhr. Zu Hause war es kurz nach drei nachmittags. Entschlossen wählte ich die Nummer.
»Amelia? Wo bist du?«
»Hey, Helen«, begrüßte ich Carries Mutter. »Ich bin auf Skye. Wir haben gerade zu Abend gegessen, und morgen brechen wir zu unserer Trekkingtour auf. Wie geht es ihr?«
»Unverändert.«
Ich unterdrückte ein Seufzen.
»Aber das heißt auch, dass es ihr nicht schlechter geht«, fügte sie mit gespielter Heiterkeit hinzu.
Seit drei Wochen hieß es jeden Tag dasselbe – Zustand unverändert. Und jeden Tag machte mich diese krampfhafte Fröhlichkeit in Helens Stimme ein bisschen mehr fertig. Sie hatte zwar recht – unverändert bedeutete, dass es Carrie nicht schlechter ging. Aber würde sie jemals wieder gesund werden?
»Wir müssen einfach weiter positiv denken«, sagte ich, wohl wissend, dass ich meinen eigenen Rat beherzigen sollte. »Kann ich ihr kurz Hallo sagen?«
Ich lieferte Carrie eine schnelle Zusammenfassung der atemberaubenden Landschaft auf der Fahrt nach Skye und beschrieb die Gruppe, wobei ich mir Mühe gab, so fröhlich wie möglich zu klingen.
Nachdem ich mich von Carrie verabschiedet hatte, blickte ich auf den Hafen und wünschte, die heitere Ruhe der Szene vor mir würde in meine Seele einsickern und etwas von dem Schmerz lindern, der dort schon so lange wütete.
Unter mir schlenderten Molly und Megan, die zwei Schwestern aus Edinburgh, eingehakt am Ufer entlang und lachten über irgendetwas. Eine war blond, die andere dunkelhaarig, genau wie Carrie und ich. Und wie sie so im Gleichschritt nebeneinander herliefen, wie ihre langen Pferdeschwänze bei jeder Bewegung hin- und herschwangen … Ihre Art zu lachen, so hemmungslos, dass sie sich aneinander festhalten mussten, um nicht hinzufallen … Das hätten Carrie und ich sein können.
Tränen stiegen mir in die Augen, und eine Welle von Schmerz schlug so heftig über mir zusammen, dass ich mich an das Geländer klammern musste. Würden Carrie und ich jemals wieder so zusammen lachen? Ja, das würden wir. Ich musste daran glauben. Alles andere war inakzeptabel.
»Du solltest ins Bett...




