Miller | Symphonia Culinaria | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Miller Symphonia Culinaria

Ein Koch zum Verlieben
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7438-0035-9
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Ein Koch zum Verlieben

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

ISBN: 978-3-7438-0035-9
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Eine Straßenmusikerin, die nach den Sternen strebt. Ein Fernsehkoch auf dem Tiefpunkt seiner Karriere. Nika steht kurz vor der Erfüllung ihres großen Traums. Schon einmal hatte sie sich diesen verbaut, als sie blind vor Liebe den Versprechungen ihres Freundes folgte. Nun ist für sie die Zeit gekommen, endlich mit der Vergangenheit abzuschließen. Benedikt Krohs, ehemals gefeierter Sternekoch, muss nach einem Entzug wieder ganz von vorne anfangen. Seine ruppige Art ist ihm dabei leider keine Hilfe. Unverhofft erhält er ein verlockendes Angebot, das ihn auf eine abenteuerliche Reise quer durch Deutschland führt und sein Leben verändern könnte. Aber ist er dazu auch bereit? Zwei Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Beide verfolgen ihre Träume und müssen sich am Ende fragen, ob sie nicht den falschen Werten hinterherjagen. Das Schicksal hält nämlich so manche Überraschung für sie bereit.

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Kapitel 2
  Nika   »Nika, Schatz. Du musst aufstehen!« Die Stimme meiner Mutter riss mich aus meinen Träumen. Ich öffnete die Augen und musste meine Gedanken sortieren. Ist heute nicht Samstag?, schoss es mir in den Kopf. Direkt danach fiel mir ein, dass ich ja schon länger keine Schülerin mehr war, sondern eine dreiundzwanzigjährige Erwachsene, die samstags arbeiten musste. »Verdammt!«, fluchte ich und schlug die Decke zurück. Seit meinem Vorspielen und den allgemeinen Prüfungen waren mehrere Wochen vergangen, und noch immer hatte ich nichts von der Hochschule gehört. Diese Ungewissheit trübte meine Laune extrem. Die Aussicht, jetzt in Arbeitsklamotten schlüpfen zu müssen, anstatt mit meiner Gitarre durch die Gegend zu ziehen, trug ihr Übriges dazu bei. Vielleicht hatte ich ja Glück und es war nicht viel los. Das war der einzige Gedanke, der mich ein wenig tröstete. »Niikaa«, flötete meine Mutter wieder. »Jaahhaa«, gab ich ebenso flötend zurück. »Ich bin waahaach.« »Okaayy.« Ich musste lachen. Mum wollte früher Opernsängerin werden und hatte bis heute nicht akzeptiert, dass sie vollkommen unbegabt war. So trällerte und flötete sie bei jeder Gelegenheit vor sich hin und trieb dabei meinen Vater und mich in den Wahnsinn. Je mehr wir uns aufregten, umso schiefer sang sie. Im Laufe der Zeit hatten wir gelernt, einfach nichts mehr zu sagen und still zu leiden.   Frisch geduscht saß ich kurz darauf am Frühstückstisch. Am Wochenende gemeinsam zu frühstücken war ein Ritual, dass sich unabgesprochen in unseren Alltag integriert hatte, seitdem Paps nicht mehr auftreten konnte. Heute war kein guter Tag. Ich konnte sehen, wie er unter Schmerzen litt, während er versuchte, sein Brötchen aufzuschneiden. Niemals würde er um Hilfe bitten. Mum löste die Situation geschickt, indem sie den Korb mit den Brötchen vom Tisch nahm, zur Spüle trug und dabei sagte: »Entschuldigt bitte, dass ich kein Brötchenmesser auf den Tisch getan habe. Ich schneide sie schnell auf.« Paps lächelte sie aufrichtig dankbar an. Ich liebte und bewunderte meine Eltern für ihre Beziehung. Nach all den Jahren teilten sie noch immer alles miteinander. Freude und Trauer, Glück und Leid. Einmal hatte ich meine Mutter gefragt, warum sie meinen Vater liebte. Ihre Antwort war: »Er kann das, was ich nicht kann. Und umgekehrt genauso.« Vielleicht hätte ich damals auch jemanden als Partner auswählen sollen, der mich ergänzte. David war das genaue Gegenteil gewesen. Ich wollte ihn glücklich sehen, er wollte um jeden Preis besser sein als ich.   Gestärkt und gut gelaunt verließ ich wenig später das Haus. Als mir der Bus vor der Nase wegfuhr, fragte ich mich wie jedes Mal, warum ich noch immer keinen Führerschein gemacht hatte. Weil der Verkehr in München eine einzige Katastrophe ist und es sich irgendwie bisher einfach nicht ergeben hat, rief ich mir die Antwort ins Gedächtnis. Alles Grummeln half ja doch nichts, also begab ich mich zur nächsten U-Bahn-Station. Auf dem Weg dorthin überlegte ich mir eine Ausrede für meine Chefin, da ich bei meinem Glück bestimmt zu spät kommen würde. Man kannte ja die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Bahn … Wie durch ein Wunder schaffte ich es doch noch, pünktlich am Marienplatz anzukommen. Von dort war es nur noch ein kurzes Stück zu meiner Arbeit. Vor der Tür tauschte ich meine Turnschuhe gegen weiße Gesundheitslatschen, strich mein blaues Kleid und die Schürze mit den Rüschen zurecht und betrat den Delikatessenladen. Als meine Eltern mich vor fünf Jahren zum ersten Mal zum Essen hierhin ausführten, war ich geblendet von den vielen goldenen Auslagen, die mit allem gefüllt waren, was das Herz begehrte. Feinste handgefertigte Pralinen, eine eigene Lachsmanufaktur, aromatische Käsesorten von Kühen, die auf naturbelassenen Alpenwiesen grasten, über einhundert verschiedene Kaffee- und Teesorten, Weine, Spirituosen, Schinken, Wurst, Marmelade, Essige und Öle. Gerade hatte ich dafür leider keinen Blick. Ich eilte in die Geschenkabteilung, in der ich heute eingesetzt war. Katja, eine meiner Lieblingskolleginnen und ein Urgestein in dem Laden, sah mich tadelnd an: »Hast du ein Glück, dass die Chefin heute Urlaub hat.« »Ich bin doch noch pünktlich«, sagte ich und riskierte einen unauffälligen Blick auf die Standuhr, die Kaiser Franz gehört hatte. Sagte die Chefin zumindest … Sie zeigte neun Uhr fünfundzwanzig an. »Na ja, so halbwegs zumindest.« »Diese Tür öffnet sich seit achtzehnhundertsiebz’g pünktlich um neundreiz’g! Daran werden auch Sie nichts ändern, Fräulein Goldbach!«, imitierte Katja beängstigend gut die Stimme meiner Chefin. Dann prusteten wir beide vor Lachen los. Seit meiner Schulzeit war ich zwar reifer geworden, hatte aber noch immer den Hang zu rebellieren. Dass ich grundsätzlich auf den letzten Drücker zur Arbeit erschien, war schon symptomatisch. Ich wollte hier nicht arbeiten! Doch ich musste, weil es angeblich gut für mich war, einem bodenständigen Job nachzugehen. Davon war zumindest mein Vater überzeugt. Da ich ihm einiges schuldig war, versuchte ich zu tun, was er mir sagte. Was nicht hieß, dass es mir gefiel. »Und?«, fragte Katja. Ich wusste genau, was sie wissen wollte, und schüttelte den Kopf. »Zurzeit fühle ich mich wie Harry Potter, der auf den Brief aus Hogwarts wartet. Seit der Aufnahmeprüfung kann ich an nichts anderes mehr denken, als in Karlsruhe Musik zu studieren.« »Du bist so gut, die können gar nicht anders, als dich aufzunehmen!«, sprach sie mir Mut zu. Die Glocke ertönte und schon betrat der erste Gast des Tages den Laden. Genauer gesagt war es eine Horde Japaner (oder Chinesen … wer wusste das schon so genau … auf jeden Fall Asiaten), die aufgeregt und mit viel »Oh« und »Ah« Fotos schossen und im Anschluss unsere Geschenkeecke stürmten. Meine Hoffnung auf einen ruhigen Tag zerplatzte wie eine Seifenblase.   In der Mittagspause flüchtete ich auf den Marienplatz. Dass ich noch immer meine Arbeitskleidung trug, war mir egal. Viel wichtiger war, dass ich Amok laufen würde, wenn ich noch einmal sagen musste: »Soll ich den Preis dranlassen?« Oder: »Wollen Sie eine Tüte?« Oder: »Keine Sorge, ich kehre das schnell auf.« Ich musste raus! Untertauchen in der anonymen Masse der Einkaufswütigen, die sich die Kaufingerstraße entlangschlängelten. Wieso nur hatte ich meine Gitarre nicht mitgenommen? Ich ließ das Karlstor hinter mir und war an meinem Ziel angelangt. Wie eine Süchtige folgte ich dem Klang der Straßenmusiker, die am Stachus zu finden waren. Einige kannte ich noch von früher. Ich stellte mich zu den Zuschauern und versank in der Musik. Da war sie endlich, die innere Ruhe, die ich so dringend brauchte. »Hey, Nika. Moagst mitmach’n?«, fragte mich der Gitarrist, den ich zwar schon einmal gesehen hatte, dessen Name mir aber partout nicht einfallen wollte, und hielt mir sein Instrument entgegen. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Nach einer kurzen Beratung entschieden wir uns für »Mr. Jones« von den Counting Crows. Der Gitarrist übernahm den Gesangspart und ich spielte seine Gitarre. Zunächst fühlte sie sich fremd an. Normalerweise würde kein Musiker leichtfertig sein Instrument aus der Hand geben, doch ich hatte lernen müssen, dass man auf der Straße alles teilte. Damals ... zu einer Zeit, die mir nun vorkam wie ein anderes Leben. Nach ein paar Akkorden war ich in meinem Element. Wir rockten gemeinsam den Platz. Die Menge um uns herum wurde immer größer und die Schale der Musiker im gleichen Maße voller. So spielten wir Stück um Stück, bis es für mich Zeit wurde, zurückzukehren. Katja würde mich nicht verpetzen, aber ich wollte ihr gegenüber nicht so unfair sein und sie im vollen Haus länger als nötig alleinlassen. Schweren Herzens gab ich die Gitarre zurück und verabschiedete mich. »Du bist immer willkommen«, sagte der, dessen Name mir noch immer nicht einfallen wollte. »Und grüß David von mir!« Ich zuckte leicht zusammen. Mehr als ein kurzes Heben meiner Mundwinkel brachte ich als Antwort nicht zustande, bevor ich fluchtartig den Rückweg antrat. Dabei dachte ich an die erste Begegnung mit meiner großen Liebe zurück ...       Sechs Jahre zuvor   Schon wieder eine neue Schule. Eigentlich hätte es mir nichts mehr ausmachen dürfen, doch es war jedes Mal wieder ein Spießrutenlauf. Zumindest die ersten Wochen. Wie es wohl hier ablaufen würde? Die Schule in Kiel war nicht sehr angesehen, aber wir hatten keine andere Wahl gehabt. Meine Anmeldung musste sehr schnell geschehen, da es meinem Vater immer schlechter ging. Ein Konzert hatte er schon absagen müssen, weil er kurz vorher einen Gichtanfall bekommen hatte. Ich rechnete fest damit, dass wir in Kürze erneut...



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