Milne | Bloß ein Traum vom Glück? | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: CORA Verlag

Milne Bloß ein Traum vom Glück?


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7515-0970-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: CORA Verlag

ISBN: 978-3-7515-0970-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Auf der Flucht vor den Paparazzi versteckt sich die reiche Erbin Jodi auf der exotischen Insel Jalpura. Als sie dort dem charmanten Carlos begegnet, fühlt sie sich sofort zu ihm hingezogen. Bei einem romantischen Picknick am Strand lässt sie sich zu leidenschaftlichen Küssen verführen, genießt eine zärtliche Liebesnacht in seinen Armen. Doch schon am nächsten Morgen scheint Jodis unverhoffter Traum vom Glück jäh vorbei. Denn Carlos macht ihr ein Geständnis, das alle Hoffnungen auf eine gemeinsame Zukunft zerstört ...



Nina Milne hat schon immer davon geträumt, für Harlequin zu schreiben - seit sie als Kind Bibliothekarin spielte mit den Stapeln von Harlequin-Liebesromanen, die ihrer Mutter gehörten. Auf dem Weg zu diesem Traumziel erlangte Nina einen Abschluss im Studium der englischen Sprache und Literatur, einen Helden ganz für sich allein, drei wunderbare Kinder und - irgendwie - eine Qualifikation als Buchhalterin. Sie lebt in Brighton, und ihr Haus quillt über vor Stapeln mit Büchern - ihre ganz eigene, echte Bibliothek.

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1. KAPITEL

Jodi Petrovelli stand am Fenster der Jugendherberge und sah hinaus auf die Gärten, in denen Tempelbäume und Palmen im Überfluss wuchsen. Das Kreischen der Vögel vermischte sich mit dem Lärm der geschäftigen Straßen Indiens, auf denen Verkäufer lauthals ihre stark gewürzten Speisen anboten, die Jodi in den Wochen, seit sie auf Jalpura war, lieben gelernt hatte.

Einen Moment dachte sie an die Wendungen des Schicksals, durch die sie auf dieser saftgrünen indischen Insel gelandet war, die von Königshaus und Parlament regiert wurde. Aus einer Laune heraus hatte sie beschlossen hierherzukommen, nachdem ihr Bruder ihr erzählt hatte, wie schön die Insel sei. Luca besaß eine bekannte Schokoladenmanufaktur und hatte kürzlich eine Kakaobohne entdeckt, die auf Jalpura wuchs. Also hatte Jodi, die auf Reisen gewesen war, entschieden, dass Jalpura einen Besuch wert war.

Wie aufs Stichwort meldete ihr Handy den Eingang einer Nachricht von Luca.

Wollte nur fragen, wie es geht. Ich hoffe, es ist alles in Ordnung und mit dem neuen Job läuft es gut.

Luca

Nun meldete sich ihr schlechtes Gewissen ebenso laut wie ihr Handy gerade. Immerhin war sie davongelaufen, sodass sich ihr Bruder dem Desaster nach dem Tod ihres Vaters allein hatte stellen müssen. Nicht dass sie James Casseveti wirklich als ihren Vater betrachtet hätte. Er war gegangen, als Luca fünf und sie noch nicht einmal geboren gewesen war.

In ihr stieg die vertraute Trostlosigkeit auf, die tief in ihr verankert war. Immer war da die Angst, dass sie, Jodi, ihn vertrieben hatte. Denn wäre Therese nicht mit ihr schwanger gewesen, wäre James vielleicht bei Frau und Sohn geblieben, statt sich aus dem Staub zu machen.

Jodi befürchtete, dass sie der Auslöser gewesen war, der ihn dazu gebracht hatte, die Familie zu verlassen, um nie wieder zurückzukommen – nicht mal für einen einzigen Besuch, sodass Jodi ihren Vater nie kennengelernt hatte. Nie hatte sie ihren Namen aus seinem Mund gehört, nie seine Hand gehalten oder auf seinen Schultern gesessen.

Sein Pech, sagte sie sich immer wieder, auch wenn sie wusste, dass es nicht so war. Schließlich hatte James danach ein glanzvolles, erfolgreiches Leben geführt. Er hatte die Frau geheiratet, wegen der er seine Familie verlassen hatte, die reiche Aristokratin Lady Karen Hales. Er hatte ihr Geld und ihre Verbindungen genutzt, ein global erfolgreiches Unternehmen für Süßspeisen mit dem Namen „Dolci“ aufgebaut und ein erfülltes, glückliches Leben in Reichtum geführt. Mit seiner neuen Familie, mit seiner neuen Frau Karen und seiner Tochter.

Ava Casseveti – allein der Name genügte, um die vertraute Wut und Eifersucht in ihr aufsteigen zu lassen.

Stopp. Jodi wusste, wie dumm und destruktiv es war, sich mit der Halbschwester zu vergleichen, die sie nie kennengelernt hatte. Es war nicht Avas Schuld, dass sie der Augapfel ihres Vaters gewesen war, seine wahre Tochter, das war Jodi ebenfalls bewusst.

Doch auch dieses Wissen vermochte nicht, den Schmerz zu lindern. Ein Schmerz, der noch stärker wurde, als sie ein Bild von Ava vor ihrem geistigen Auge sah. Ihre Halbschwester war der Inbegriff von Schönheit: groß, mit endlos langen Beinen, weizenblonden Haaren und klassischen Gesichtszügen, die durch die bernsteinfarbenen Augen noch faszinierender wirkten. Es war das Aussehen eines Supermodels, zu dem Ava auch tatsächlich geworden war.

Jodi hingegen war klein, mit unmöglich zu zähmenden schwarzen, fast krausen Locken, ohne jegliches Attribut eines Models. Sie hatte eine Stupsnase, und ihre dunklen Augen waren eher schlammfarben, als dass sie einem Halbedelstein ähnelten.

Ava war jedoch nicht nur mit Schönheit gesegnet, sie hatte auch Köpfchen und war geschäftlich sehr ambitioniert. Ihre Modelkarriere hatte sie abgebrochen, um in das Familienunternehmen einzusteigen und ihren Platz als Erbin von „Dolci“ einzunehmen.

Jodi dachte an ihre eigene, nicht gerade glanzvolle Karriere. Sie war von einem Job zum anderen gewechselt: Kellnerin, persönliche Assistentin, Hundeausführerin … James Casseveti hatte sich definitiv für die richtige Tochter entschieden, die er anerkannt und geliebt hatte.

Jodi schloss die Augen und vergrub die Fingernägel in den Handflächen, wie sie es immer tat, wenn ihr Ava in den Sinn kam. Ein Verhalten, das aus ihrer Kindheit resultierte, als ihre Halbschwester Gegenstand ihrer Träume gewesen war. Aus ihrer Jugendzeit, als Ava sie zu verspotten und allein deshalb zu existieren schien, um Jodis Unzulänglichkeiten aufzuzeigen.

Blende sie aus.

Die Cassevetis bedeuteten ihr nichts. Jodis einziger Wunsch war es, sie aus ihrem Leben zu streichen – nur dass sie das jetzt nicht länger konnte, denn auf dem Sterbebett hatte James Casseveti sie alle überrascht, indem er jedem seiner Kinder ein Drittel von „Dolci“ vermacht hatte: Luca, Jodi und Ava.

Bei dieser Neuigkeit waren so unterschiedliche Gefühle auf Jodi eingestürmt, dass sie noch Monate später völlig durcheinander war. Da war Wut darüber, dass James Casseveti geglaubt hatte, er könne sich so von ihr loskaufen. Zorn, weil er ihr nicht einmal einen Brief oder sonst irgendetwas Persönliches hinterlassen hatte. Panik, weil sie jetzt nicht mehr so tun konnte, als würde Ava nicht existieren. Noch mehr Wut, weil James Casseveti sich in ihr Leben eingemischt hatte. Und dann noch so viele andere Gefühle, weil er nicht mehr da war und sie keine Möglichkeit mehr hatte, ihn kennenzulernen, seine Stimme zu hören.

Am Ende hatte Jodi sich für die beste Option entschieden, die ihr zur Verfügung stand: Sie war davongelaufen. Natürlich hatte sie zuerst mit Luca gesprochen und ihn um seinen Segen gebeten. Ihr großer Bruder hatte sie verstanden, ihr gesagt, dass es in Ordnung sei, und versprochen, dass er sich um alles kümmern würde.

Und so war sie geflohen, nach Thailand und Indien, hatte sich von all den erstaunlichen Erlebnissen ihrer Reise ablenken lassen. Sie wusste, dass Luca mehr als fähig war, sich der heftigen Kritik und der Öffentlichkeit zu stellen – er war widerstandsfähig, und ihm war es lieber, den Problemen alleine zu begegnen, ohne dass er sich auch noch Sorgen um seine kleine Schwester machen musste.

Ohne sie konnte Luca sich auf das konzentrieren, was er am besten konnte: harte geschäftliche Entscheidungen treffen. Denn Luca war wie Ava: ehrgeizig, ambitioniert und erfolgreich.

Ein giftiger Gedanke begann sich in ihrem Inneren auszubreiten – die Angst, dass Luca und Ava sich verbünden würden, weil sie sich ähnlich waren …

Genug! Luca liebte sie, und sie liebte ihn. Nichts könnte sie auseinanderreißen, denn sie waren zusammen aufgewachsen. Luca würde alles für sie tun.

Davon abgesehen würde Jodi bald nach Hause zurückkehren, denn sie wusste, dass sie nicht für immer davonlaufen konnte. Nur noch ein paar Wochen …

Doch jetzt war es Zeit für die Arbeit. Jodi warf einen Blick in den Spiegel, wie jeden Tag, bevor sie arbeiten ging. Mithilfe dieses Rituals erinnerte sie sich daran, dass sie hier auf Jalpura als Gemma Lewes bekannt war, nicht als Jodi Petrovelli. Der falsche Name war eine List gewesen, um sicherzustellen, dass die Reporter sie nicht aufspüren konnten, nachdem das Interesse an dem „Dolci“-Erbe – den Geschichten von Eindringlingen, Leichen im Keller, verlassenen Familien und der schönen Erbin Ava Casseveti – immer größeres Interesse gefunden hatte.

Jodi schloss die Augen. Schon bald würde sie nach Hause zurückkehren und sich alldem stellen. Bald … aber noch nicht jetzt. Für den Moment würde sie es noch genießen, Gemma Lewes zu sein, derzeitige Assistentin von Prinzessin Alisha am Königshof von Jalpura. Jodi half mit, das königliche Filmfestival zu organisieren.

Sie wandte sich von ihrem Spiegelbild ab, nahm ihre Tasche und verließ die Herberge, die nur ein paar Minuten Fußweg vom Königspalast entfernt lag.

Prinz Carlos von Talonos betrachtete den Palast von Jalpura. Er konnte es immer noch nicht glauben, dass er hier war, für seine erste königliche Mission seit zehn Jahren. Denn so lange war es inzwischen her, dass er sich vom Königshof abgewandt hatte, vom Status des ältesten Sohnes, der doch nie Erbe sein würde.

Das königliche Gesetz von Talonos schrieb vor, dass ein unehelich geborenes Kind, das bei der Hochzeit der Eltern älter als sechs Monate war, nicht Thronerbe sein konnte. Und sein Vater hatte Catalina Drakos – eine Bürgerliche, die in der Küche des Palastes gearbeitet hatte – geheiratet, als Carlos sechs Monate und drei Tage alt gewesen war. Erst viele Jahre später hatte Carlos verstanden, warum.

Als Kind hatte er seinen Vater nur als kühl und distanziert erlebt, während seine Mutter ihren kleinen Sohn geliebt hatte. Nie hatte er an ihrer Liebe gezweifelt, auch wenn er den Kummer dahinter gespürt hatte, der so heftig gewesen war, dass es ihm Angst eingejagt hatte.

„Mach dir keine Sorgen, mein Kleiner. Papa ärgert sich nur ein bisschen über Mama. Er wird sich schon wieder beruhigen, denn wir lieben uns.“

„Mach dir keine Sorgen, Carlos. Papa wird es schon richtig machen. Du wirst König sein. Denn Papa liebt mich. Er liebt mich. Und ich liebe dich.“

Und dann war sie gestorben, als Carlos sechs Jahre alt gewesen war.

Auch jetzt noch erfasste ihn das gleiche Entsetzen wie damals.

Er war wieder sechs Jahre alt und lief ins Schlafzimmer seiner Mutter. Er hatte ein Bild...



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