E-Book, Deutsch, Band 252024, 144 Seiten
Reihe: Julia
Milne Mit dir im Land der aufgehenden Sonne
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7515-2518-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 252024, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-2518-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Unverhofftes Wiedersehen im Winterwunderland: Auf einer Skipiste im fernen Japan stößt Anwältin Thea ausgerechnet mit ihrem Jugendfreund, dem Tech-Milliardär Zayne Wood, zusammen. Bittersüße Erinnerungen an ihren einzigen Kuss durchfluten sie, sofort fühlt sie sich wieder zu Zayne hingezogen. Kann das Fest der Liebe, das sie wegen eines Schneesturms überraschend in einer romantischen Berghütte verbringen müssen, sie wieder zusammenbringen - diesmal für immer? Oder sind ihre Wünsche an die Zukunft einfach zu verschieden?
Nina Milne hat schon immer davon geträumt, für Harlequin zu schreiben - seit sie als Kind Bibliothekarin spielte mit den Stapeln von Harlequin-Liebesromanen, die ihrer Mutter gehörten. Auf dem Weg zu diesem Traumziel erlangte Nina einen Abschluss im Studium der englischen Sprache und Literatur, einen Helden ganz für sich allein, drei wunderbare Kinder und - irgendwie - eine Qualifikation als Buchhalterin. Sie lebt in Brighton, und ihr Haus quillt über vor Stapeln mit Büchern - ihre ganz eigene, echte Bibliothek.
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PROLOG
Thea warf einen Blick auf ihre Uhr und beschleunigte ihre Schritte.
Sie wollte nicht zu spät kommen. Vor allem, weil ihre Familie nach dem Grund fragen würde und sie ihnen auf keinen Fall gestehen wollte, dass sie an einem Sonntagmorgen im Büro gewesen war … wieder mal!
Sie kannte ihre Mutter, ihren Vater und ihre beiden Schwestern. Sienna, die älter war als sie, und Eliza, das Nesthäkchen. Und alle machten sich Sorgen, weil sie in ihren Augen viel zu hart arbeitete.
Warum konnte niemand akzeptieren, dass sie so hart arbeiten wollte? Oder besser musste, weil die Aussicht auf eine Partnerschaft verlockend nah war. Entschlossen biss sie die Zähne zusammen. Sie würde ihr Ziel erreichen und, sobald sie Partnerin war, die nächste Sprosse erklimmen und die nächste und immer höher auf der persönlich gesteckten Erfolgsleiter klettern.
Sie näherte sich dem Pub mit Themseblick in Chiswick, ihrem traditionellen Ort für Familientreffen, wo sie zum Sonntags-Lunch verabredet waren. Normalerweise trafen sie sich dort nur zu besonderen Anlässen, doch heute Morgen hatte ihre Mutter überraschend angerufen und ein spontanes Essen vorgeschlagen.
Beim Eintritt verspürte Thea ein willkommenes Gefühl von Vertrautheit.
Traditionen waren den Kendalls wichtig. Sie schweißten zusammen, und Thea fragte sich, ob es noch zu früh war, das Thema Weihnachten anzusprechen. Nicht, dass eine besondere Planung nötig gewesen wäre. Das gemeinsame Weihnachtsfest war die am höchsten geschätzte Kendall-Tradition überhaupt.
Sie erspähte ihre Familie und winkte allen mit breitem Lächeln zu.
„Einen guten Morgen im Büro gehabt?“, begrüßte Eliza sie mit süffisantem Lächeln.
„Kein Kommentar“, gab Thea im selben Ton zurück, warf allen eine Kusshand zu und setzte sich.
„Schön, dass du jetzt hier bist, dann lasst uns gleich bestellen“, schlug ihre Mutter vor, was Thea mit einem überraschten Blick quittierte.
Normalerweise war Lila Kendall froh, sich mit ihrer Familie auszutauschen, was die Auswahl an Speisen und Getränken betraf. Selbst beim Mittagessen am Sonntag diskutierten sie normalerweise darüber, welchen Braten sie nehmen sollten, ob auch mal ein vegetarisches Gericht infrage käme und ein Glas Wein oder ein Erfrischungsgetränk besser dazu wäre.
Das alles war heute offenkundig kein Thema.
In Rekordzeit saß die Familie vor dem bestellten Essen, und Thea konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass ihre Mutter allen neugierigen und fragenden Blicken auswich, außer dass sie ab und zu ihren ungewöhnlich stillen Gatten ansah.
Thea gönnte sich noch einen Soßennachschlag und beschloss spontan, ein fröhliches Gesprächsthema anzuschneiden. „Alles ausgesprochen lecker. Das lässt mich unwillkürlich an unser Weihnachtsessen denken, auch wenn erst Oktober ist.“ Sie seufzte voller Sehnsucht bei den Gedanken an den traditionellen Festtags-Truthahn mit allen Beilagen, die man sich nur wünschen konnte, und daran, wie sie nach dem üppigen Festmahl in ihren Weihnachtspyjamas auf den Sofas lümmelten und sich gemeinsam Weihnachtsfilme ansahen.
„Eigentlich …“ Ihre Mutter verstummte, und Thea konnte sich eines Gefühls drohenden Unheils nicht erwehren. „Wir möchten euch etwas sagen“, fuhr Lila fort und schaute hilfesuchend ihren Mann an, der beharrlich schwieg. „Wir wollen dieses Weihnachten etwas anderes unternehmen.“
Am Tisch herrschte verwirrtes Schweigen, bis Eliza zusammenfasste, was sie alle dachten. „W… was soll das heißen?“
„Wie deine Mutter bereits sagte, haben wir beschlossen, in diesem Jahr zu Weihnachten etwas zu verändern“, antwortete jetzt ihr Vater. „Wir werden eine einmonatige Kreuzfahrt machen.“ Seine Frau und er tauschten ein kleines Lächeln, das ihre Erleichterung darüber ausdrückte, ihr Geheimnis endlich preisgegeben zu haben.
Thea kämpfte noch damit, die Bedeutung der absurden Ankündigung zu begreifen, und verspürte zugleich den kindlichen Drang, sich die Ohren zuzuhalten. Um sie herum herrschte Grabesstille. Ihre Schwestern waren offenkundig ebenso schockiert wie sie.
Es war Sienna, die ihren Stuhl abrupt nach hinten schob, fast so, als ob sie vom Tatort fliehen wollte. „Ich hätte wissen müssen, dass hinter diesem spontanen Mittagessen ein Hintergedanke steckt!“
Thea konnte sich nicht vorstellen, wie irgendjemand das hätte vorhersagen können, und schnaubte leise.
Ihre Mutter holte tief Luft. „Dieses Jahr ist unser vierzigster Hochzeitstag.“ Ihre Stimme klang beinahe flehend. „Wir wollten einfach mal etwas nur für uns tun … ich meine, ihr seid längst erwachsen, euch geht es allen gut, und ihr habt euren eigenen Freundeskreis. Ich dachte, ihr seid vielleicht sogar froh, Weihnachten einmal anders gestalten zu können.“
Thea hatte null Ahnung, warum ihre Mutter so etwas denken sollte. Es ging um Weihnachten! Sie las ein ähnliches Gefühl von Unglauben und Verwirrung in den Gesichtern ihrer Schwestern. Weihnachten bedeutete für sie drei, nach Hause zu kommen. Ihr Zusammensein bot ihnen Trost, Gewissheit und Glück … das mussten ihre Eltern doch wissen.
„Als Nächstes versuchen sie wahrscheinlich, uns schonend beizubringen, dass sie ihr Haus verkauft haben“, prophezeite sie düster. Sie wusste, dass das ebenso albern wie unfair war, konnte aber nichts dagegen tun. Sie fühlte sich einfach betrogen. Sie liebte die traditionelle Kendall-Weihnacht und hatte geglaubt, ihren Eltern ginge es ebenso.
Ihr Vater wechselte einen Blick mit seiner Frau. „Warum sollten wir so was tun?“
Sienna beugte sich vor. „Nun, warum solltet ihr das tun?“
Es war eine Frage, die Theas Empörung widerspiegelte, sie aber unverhofft seltsam anrührte und innehalten ließ. Ihre Eltern waren die tollsten Menschen, die sie kannte, besonders ihre Mutter, für die ihre Familie immer an erster Stelle stand.
Als bei Eliza im Alter von sechs Jahren akute myeloische Leukämie diagnostiziert wurde, hatte diese schockierende Diagnose massive Auswirkungen auf sie alle gehabt. Thea konnte bis heute die Angst und den Schrecken spüren, denen sich ihr elfjähriges Ich damals ausgeliefert gefühlt hatte.
Doch es war in erster Linie ihre Mutter, deren Leben sich von dem Moment an dramatisch verändert hatte. Sie gab, ohne zu zögern, ihre Karrierepläne und sämtliche Ambitionen auf und war fortan rund um die Uhr für ihre jüngste Tochter da.
Obwohl bei Eliza nach Jahren eine Remission eintrat, kehrte die Leukämie im Teenageralter zurück, und selbst dazwischen traten immer wieder unterschiedliche Krankheitssymptome auf. Doch dank ihrer Eltern waren die Kendalls trotz allem eine glückliche, fest miteinander verbundene Familie, die an einem Strang zog. Und sie liebten es, Zeit miteinander zu verbringen, besonders zu Weihnachten.
Erneut verspürte Thea tiefe Bewunderung für ihre Mutter. Und zugleich, wie immer, auch das Gefühl ihrer eigenen Unzulänglichkeit, da sie wusste, dass sie niemals so sein könnte: aufopferungsvoll und stark wie ein Fels, ohne auch nur eine Spur Groll zu zeigen.
Allein deshalb wollte sie selbst nie das Risiko der Mutterschaft eingehen.
Einen Moment lang erfasste sie eine tiefe Traurigkeit, obwohl Thea wusste, dass ihre Entscheidung richtig war. Man konnte nicht alles haben. Davon abgesehen war ihre Karriere auch zu wichtig, zumal sie bereits so viel in sie investiert hatte.
Aber ihre Mutter war nicht wie sie und wusste sehr wohl, wie besonders Weihnachten für ihre drei Töchter war. Und trotzdem …
Thea blinzelte, als ihr bewusst wurde, dass sie vor lauter Selbstmitleid einen Teil des Gesprächs verpasst hatte. Offensichtlich ging es gerade darum, wie erleichtert ihre Mutter über Elizas vollständige Genesung war und es kaum fassen konnte, dass sie sich diesbezüglich endlich entspannen durfte.
„Glaub es nur“, sagte Eliza gerade liebevoll. „Euer Traumschiff-Törn wird bestimmt fantastisch. Mir geht es gut, und ich … wir alle freuen uns für Dad und dich.“
„Wirklich?“ Lila schaute fragend in die Runde.
Thea hörte die Mischung aus Unglauben und Hoffnung, und schließlich fiel auch bei ihr der Groschen. Ihre Eltern waren endlich frei von Ängsten und Sorgen und wollten allein zu zweit vierzig Jahre Ehe feiern.
Sie nickte und wusste, dass auch ihre Schwestern verstanden hatten, als Sienna sagte: „Natürlich müsst ihr euch das gönnen.“
Eliza zählte sogar noch etliche Gründe auf, warum diese Kreuzfahrt eine fantastische Idee sei, und wandte sich dann Thea mit einem Blick zu, dessen Botschaft nicht zu verkennen war.
„Ihr müsst unbedingt diesen Trip unternehmen“, sagte sie darum bestimmt und zwang sich zu einem Lächeln.
„Okay, damit wäre das geklärt“, entschied Eliza ungewohnt energisch. „Sienna, Thea … los, lasst uns eine Runde Getränke zum Anstoßen holen.“
Sobald sie außer Sichtweite ihrer Eltern waren, lotste Eliza sie zu einem freien Tisch und befahl ihnen, sich zu setzen. Beim Gedanken, wie sich ihre kleine Schwester momentan fühlen musste, quoll Theas Herz vor Liebe und Sorge fast über.
„Geht es dir wirklich gut?“, fragte sie.
Nahezu gleichzeitig...




