E-Book, Deutsch, Band 182021, 144 Seiten
Reihe: Julia
Milne Nur diese eine Nacht mit dir?
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7337-1899-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 182021, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7337-1899-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Spontan lässt Fotografin Emily sich von dem faszinierenden Geschäftsmann Luca Petrovelli auf die exotische Insel Jalpura einladen. Natürlich nur, um dort für ihn zu arbeiten, denn Luca bezahlt das Fotoshooting für sein Unternehmen ungewohnt großzügig. Doch so schnell wie dem Zauber der Insel verfällt Emily auch Lucas Charme. Obwohl sie den Männern abgeschworen hat, kann sie seinen hungrigen Küssen nicht widerstehen. Kaum beginnt sie ihm jedoch ihr Herz anzuvertrauen, muss sie fürchten, dass er sie aus purer Berechnung verführt hat ...
Nina Milne hat schon immer davon geträumt, für Harlequin zu schreiben - seit sie als Kind Bibliothekarin spielte mit den Stapeln von Harlequin-Liebesromanen, die ihrer Mutter gehörten. Auf dem Weg zu diesem Traumziel erlangte Nina einen Abschluss im Studium der englischen Sprache und Literatur, einen Helden ganz für sich allein, drei wunderbare Kinder und - irgendwie - eine Qualifikation als Buchhalterin. Sie lebt in Brighton, und ihr Haus quillt über vor Stapeln mit Büchern - ihre ganz eigene, echte Bibliothek.
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1. KAPITEL
Luca Petrovelli befestigte seinen Manschettenknopf. Das schlichte Design – eine Fassung, die eine Kakaobohne umschloss – weckte ein vertrautes Gefühl des Stolzes. Das Logo repräsentierte sein Unternehmen „Palazzo di Cioccolato“, eine exklusive Schokoladenmanufaktur, deren Produkte Luca eines Tages auf den Weltmarkt bringen wollte.
Doch seinen Ambitionen war ein schwerer Dämpfer verpasst worden, als sein Vater gestorben war: der Mann, der ihn im Stich gelassen hatte, als Luca erst fünf Jahre alt gewesen war. James Casseveti hatte seine schwangere Frau und seinen fünfjährigen Sohn verlassen, um eine andere Frau zu heiraten, eine englische Aristokratin mit Geld und Verbindungen. Er hatte den Reichtum und die Kontakte genutzt, um ein eigenes, weltweit erfolgreiches Unternehmen für Süßspeisen aufzubauen.
Und während der junge Luca hatte zusehen müssen, welche Erfolge sein Vater erzielte, hatte er sich geschworen, ihn zu übertrumpfen. Eines Tages hatte er James Casseveti zeigen wollen, dass er ihm überlegen war. Er war so nahe dran gewesen, hatte vorgehabt, ein neues Produkt auf den Markt zu bringen und in London ein Vorzeigegeschäft zu etablieren, das er mit handverlesenen Gästen und einer prunkvollen Party eröffnen wollte. Luca hatte versucht, sich das Gesicht seines Vaters vorzustellen, den Ausdruck von Überraschung, Schock, Bedauern, Stolz …
Nein! Luca wollte den Stolz seines Vaters nicht, dazu hatte dieser Mann kein Recht.
Aber all das war nun hinfällig. James Casseveti war vor acht Monaten gestorben und hatte Luca die Chance auf Rache und Gerechtigkeit genommen – und die Möglichkeit, ihm die Fragen zu stellen, die ihm seit seiner Kindheit auf der Seele brannten.
Wie konntest du mich verlassen?
Warum wolltest du mich nicht sehen?
Was habe ich falsch gemacht?
Natürlich hätte er diese Fragen nicht gestellt. Er kannte die Antworten sowieso, weil ihm die Zusammenhänge irgendwann klar geworden waren. Irgendetwas musste grundlegend falsch an Luca sein, denn welches Elternteil würde ein Kind verlassen, das es aufrichtig liebte, würde nie wieder zurückkommen, nie anrufen oder eine Postkarte schicken?
Er wusste, was seine Mutter sagen würde, denn sie hatte es ihm schon einmal erklärt – dass es nichts mit Luca zu tun hatte, sondern dass etwas mit James Casseveti nicht stimmte. Er dachte an die wütende Miene von Therese Petrovelli, als sie ihm das gesagt hatte. Luca hatte versucht, ihr zu glauben, und sich eingeredet, dass sie recht hatte. Doch tief in seinem Inneren war er sicher gewesen, dass es seine Schuld war. Eine Gewissheit, die er verdrängt hatte. Stattdessen war er fest entschlossen gewesen, seinem Vater zu zeigen, dass er auch ohne ihn überlebt hatte und dass etwas aus ihm geworden war.
Aber all das konnte jetzt nicht mehr stattfinden. Seit James’ Tod fand Luca sich in einem Zustand wieder, den er nicht kannte. Gefühle, die er nicht wollte, drängten an die Oberfläche. Gefühle, die er immer zurückgehalten hatte, weil er nicht gewollt hatte, dass sein Vater Genugtuung darüber verspürte, dass Luca Trauer, Wut oder Schmerz empfand. Also hatte er diese Emotionen unterdrückt und sich stattdessen auf seinen Wunsch nach Rache konzentriert.
Ein sehnliches Verlangen, das vereitelt worden war. Und die größte Ironie bestand darin, dass James kurz vor seinem Tod das getan hatte, was er im Leben versäumt hatte: Er hatte die Hand nach seiner ersten Familie ausgestreckt, hatte Luca und seiner Schwester Jodi je ein Drittel von „Dolci“ überlassen. Das verbleibende Drittel war an seine Tochter aus zweiter Ehe, Ava Casseveti, gegangen.
Luca hatte seine Halbschwester noch nie getroffen, auch wenn er ihr glanzvolles Leben in der Klatschpresse verfolgt hatte. Das Leben einer Millionenerbin, die zugleich Supermodel und Geschäftsfrau war.
Dann war Ava vor einem Monat unangekündigt bei seiner Geschäftszentrale aufgetaucht und hatte ein Treffen erzwungen. Überrascht, aber auch verstimmt hatte er gemerkt, dass sich sofort ein Gefühl der Verbundenheit eingestellt hatte – und Bewunderung dafür, dass sie sich trotz gegenteiliger Anweisung mit dem „Feind“ in Verbindung gesetzt hatte. Doch trotz der positiven Erfahrung hielt Luca an seiner Skepsis fest. Sein Instinkt sagte ihm zwar, dass Ava in Ordnung war, aber seine Erfahrung riet ihm, niemals blind zu vertrauen. Schließlich war Ava James Cassevetis Tochter.
Dennoch befand er sich jetzt hier in dem Hotelzimmer eines exklusiven Londoner Hotels, um an Avas Verlobungsparty teilzunehmen. Seine Schwester würde bald schon Liam Rourke heiraten.
Als er die Einladung angenommen hatte, hatte Luca sich eingeredet, es sei eine geschäftliche Entscheidung. „Dolci“ war seit dem Tod des Gründers und der Unsicherheit durch dessen Testament in Schieflage geraten. Es würde die Wogen glätten, wenn sie Einigkeit zeigten. Und auch wenn es ihm egal war, ob „Dolci“ unterging, war es ihm nicht gleich, dass viele Menschen damit ihr Einkommen verlieren würden.
Es gab allerdings noch einen anderen Grund, warum er hier war: seine Neugier auf seine Halbschwester. Auf das Mädchen, dem an seiner Stelle die Zuneigung seines Vaters zuteilgeworden war. Auf das Kind, das James nicht verlassen hatte. Auf das Kind, das weder Armut noch die Rüpel auf dem Schulhof hatte ertragen müssen, denen es Spaß gemacht hatte, gegen einen Mitschüler zu sticheln, der von seinem Vater im Stich gelassen worden war. Selbst jetzt noch ballte er die Hände zu Fäusten, wenn er an den scharfen Geschmack der Angst dachte und an das Gefühl der Selbstverachtung, weil er zu schwach gewesen war, um sich zu wehren. Er hatte gewusst, dass die Rüpel recht hatten: Sein Vater hatte ihn tatsächlich im Stich gelassen.
Der Vater, den Luca angebetet, zu dem er aufgesehen hatte … den er geliebt und nie mehr wiedergesehen hatte. Ava hingegen hatte James siebenundzwanzig Jahre gehabt. Ihr ganzes Leben lang war sie geliebt worden und gewollt gewesen. Sein angeborenes Gerechtigkeitsgefühl sagte ihm, dass es nicht ihre Schuld war, und doch fragte er sich, was Ava hatte, was er nicht besaß.
Wie aufs Stichwort klopfte es an der Tür seines Hotelzimmers.
„Herein“, rief er, auch wenn er wusste, wer draußen stand.
Die Tür ging auf, und Ava trat ein. Ihr Blick wirkte freundlich, aber zurückhaltend. Zweifellos war sie gekommen, um sicherzugehen, dass er herunterkommen würde, um an der Party teilzunehmen, die bald beginnen würde.
Seit ihrem ersten Treffen hatten sie per E-Mail Kontakt gehalten, und in dieser Zeit hatte sich Luca sehr bemüht, jedes Gefühl verwandtschaftlicher Verbundenheit kleinzuhalten. Sie mochten zwar den gleichen Vater haben, aber deshalb waren sie noch lange keine Familie im eigentlichen Sinne. Lucas Familie waren seine Mutter und seine Schwester, und für die beiden würde er alles tun. Ava war nur dem Namen nach seine Familie.
„Hallo.“ Sie hatten gleichzeitig gesprochen und lächelten nun beide verlegen.
Als Ava einen Schritt auf ihn zumachte, verspürte er wieder eine Vertrautheit, die keinen Sinn ergab.
„Ich wollte mal nachsehen, ob du …“
„Ob ich da bin?“, fragte er, halb im Ernst. „Ich habe dir doch gesagt, dass ich kommen werde. Und ich breche mein Wort nicht.“
„Eigentlich wollte ich sagen, ob du okay bist. Deshalb bin ich gekommen. Ich weiß, dass du nicht hier sein willst. Deshalb wollte ich mich bei dir bedanken, denn es ist meine Verlobungsparty, und ich möchte, dass mein Bruder dabei ist.“
Der Blick, mit dem sie ihn bedachte, wirkte mehr als nur ein wenig herausfordernd, und gegen seinen Willen musste er sie für ihre Haltung bewundern. Er wusste, dass es Mut brauchte, um das zuzugeben, und dass sie das Verhalten ihres Vaters ebenfalls tief bedauerte. Was er nicht wusste, war, was er dazu sagen sollte.
Ava musste seinen Gefühlsaufruhr bemerkt haben, da er sie mit einem finsteren Blick angestarrt hatte, den er nun durch ein starres Lächeln zu ersetzen versuchte.
Vielleicht wurde sie dadurch ermutigt, denn sie atmete tief durch und fuhr dann fort: „Ich wünschte, Jodi könnte auch hier sein. Hast du etwas von ihr gehört?“
„Nein“, sagte er knapp, von Sorge um seine Schwester erfüllt, wie immer.
Nach James’ Tod hatte Jodi ihren Job hingeworfen und war auf Reisen gegangen. Zunächst war sie noch mit Luca in Verbindung geblieben und hatte ihn über ihre Erkundungstouren durch Thailand und Indien auf dem Laufenden gehalten. Aufgeregt hatte sie ihm von ihrem Besuch auf der indischen Insel Jalpura berichtet, der Heimat der Kakaoplantage, mit der „Palazzo di Cioccolato“ vor einiger Zeit einen Vertrag abgeschlossen hatte und die Bohnen für ein neues Produkt liefern würde. Während ihres Aufenthalts dort hatte sie beim königlichen Filmfestival mitgemacht.
Doch ihre Nachrichten, die sie ihm schickte, waren im Laufe der Zeit kürzer geworden und in immer größeren Abständen gekommen; außerdem hatten sie anders geklungen. Vor zwei Monaten hatte sie schließlich erklärt, ein wenig Abstand zu brauchen und sich bald wieder melden zu wollen. Was immer das heißen sollte. Sie hatte ihm das Versprechen abgenommen, sie nicht zu suchen, irgendetwas „Dramatisches“ zu tun oder den überfürsorglichen Beschützer zu spielen.
Ava trat ein kleines Stück näher. „Ich weiß, dass du dir Sorgen machst, aber Jodi hat dir doch gesagt, dass es ihr gut geht. Nach allem, was passiert ist, ist es verständlich, dass sie Abstand braucht.“
...



