E-Book, Deutsch, Band 242020, 144 Seiten
Reihe: Julia
Milne Schneeküsse für die Winterbraut
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7337-1457-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 242020, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7337-1457-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Hell leuchtet der Mond, die kalte Luft verspricht Schnee: Der Ausritt mit dem mysteriösen Fremden ist für Gabriella ein Abschied von ihrem alten Leben. Unerwartet ist sie Kronprinzessin von Casavalle geworden, morgen wird sie den Dezemberball mit Cesar Asturias, berühmt-berüchtigter Playboy-Prinz des Nachbarlandes, eröffnen. Wie gern wäre sie stattdessen frei. Dann würde sie jetzt einfach ihren hochgewachsenen Begleiter küssen. Aber eine Kronprinzessin küsst keinen Fremden vor Palaststallungen! Es sei denn, es ist ein Prinz undercover ...
Nina Milne hat schon immer davon geträumt, für Harlequin zu schreiben - seit sie als Kind Bibliothekarin spielte mit den Stapeln von Harlequin-Liebesromanen, die ihrer Mutter gehörten. Auf dem Weg zu diesem Traumziel erlangte Nina einen Abschluss im Studium der englischen Sprache und Literatur, einen Helden ganz für sich allein, drei wunderbare Kinder und - irgendwie - eine Qualifikation als Buchhalterin. Sie lebt in Brighton, und ihr Haus quillt über vor Stapeln mit Büchern - ihre ganz eigene, echte Bibliothek.
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
Royal Palace, Aguilarez, November …
Seine königliche Hoheit Prinz Cesar Asturias aus Aguilarez blickte vom Helikopter auf die vertrauten Bäume, Felsen und Klippen hinunter, während der Pilot den Hubschrauberlandeplatz ansteuerte, der oberhalb des festungsartigen Palastes lag. Hier war er aufgewachsen. In einem Palast, den er in den letzten drei Jahren nur selten besucht hatte.
Außer, wenn er von höchster Stelle herzitiert wurde – wie jetzt.
Diesmal zu einem Familiengipfel. Vermutlich, um angesichts des Skandals, der das Königshaus bis in die Grundfesten erschüttert hatte, eine Strategie zu entwickeln, die den Schaden begrenzte oder im besten Fall abwandte. Zumal der Skandal auch das benachbarte Königshaus Valenti in Casavalle betraf.
Zwei Königreiche, die sich dieselbe Insel teilten – und damit auch eine Geschichte voller Fehden und Kriege. Ein unerbittlicher Schlagabtausch von Invasionsversuchen hatte beide Länder so geschwächt, dass die Regenten schließlich einen fragilen Frieden ausgehandelt hatten, der über zwei Jahrhunderte hielt. Und von dem beide Länder profitierten.
Ein bedrohter Frieden. Und das allein wegen Cesars Schwester Meribel.
Was hatte sie sich nur dabei gedacht? Wie alle fünf königlichen Geschwister wusste Meribel von Kindesbeinen an, dass Aguilarez immer an erster Stelle stand und damit auch Ehre, Verantwortungs- und Pflichtgefühl, während Emotionen nicht besonders hoch gehandelt wurden – sprich: gar keine Rolle spielten.
Daher war ihm Meribels Verhalten unbegreiflich. Nur wenige Tage vor ihrer Vermählung mit Kronprinz Luca Valenti ließ sie die Hochzeit platzen. Aber damit nicht genug: Sie war schwanger mit dem Kind eines anderen Mannes. Sie und Luca waren einander schon als Kinder versprochen worden, um eine Allianz zwischen beiden Königreichen zu schließen, die nun hinfällig war.
Diesem Skandal folgte ein zweiter auf dem Fuße, als sich herausstellte, dass der Kronprinz von Casavalle gar keiner war. Wie es aussah, würde an seiner Stelle Gabriella Ross den Thron besteigen. Gabriella war Lucas bisher verschollene ältere Schwester aus der ersten Ehe seines verstorbenen Vaters und in Kanada ohne Kenntnis ihres Erbes oder ihres königlichen Blutes aufgewachsen.
Das Ganze war ein heilloses Chaos. So wunderte es niemanden, dass in Casavalle und Aguilarez große Aufregung und Unsicherheit herrschten und beide Seiten schwere Vorwürfe wegen Betrugs und Gegenbetrugs gegen das Nachbarreich erhoben.
Daher auch der Befehl an Cesar, sich im elterlichen Palast einzufinden.
Obwohl es eigentlich eher eine Bitte gewesen war und er die Notwendigkeit eines Treffens absolut einsah, stieß ihm die knappe Aufforderung ohne ein Anzeichen familiärer Zuneigung unangenehm auf. Aber so war der Umgangston im Königshaus von jeher gewesen, und so würde es wohl auch für immer bleiben.
Egal. Jetzt war er hier und wappnete sich innerlich für die Tortur, die ihm unweigerlich bevorstand, während er gleichzeitig tief die frische, schneegeschwängerte Bergluft einatmete. Ungeachtet aller familiärer Differenzen war dies seine Heimat, die er liebte.
Nur Minuten später betrat Cesar den Thronsaal, wo ihn seine Eltern mit ernsten Mienen erwarteten. Auf einem Podest im Hintergrund stand der imposante, mit Juwelen verzierte Thron, eine Kriegsbeute aus ferner Vergangenheit. Die Wände ringsum zierten riesige Ölgemälde, die vergangene Schlachten heroisierten, und über dem massiven Marmorkamin prunkte ein stolzes Paar gekreuzter Schwerter.
„Das wurde auch höchste Zeit, Cesar“, empfing ihn sein Vater, König Jorge. „In wenigen Stunden werden wir in Casavalle erwartet und haben bis dahin noch eine Menge zu besprechen.“
Während er sich zuerst vor seinem Vater und dann vor seiner Mutter verneigte, wechselte Cesar geschmeidig in den Diplomatenmodus, eine Rolle, auf die er von Kindesbeinen an getrimmt worden war. „Verzeih, Vater.“
Auf keinen Fall durfte er Gründe für eine Verspätung oder ein Versäumnis angeben, da dies nur als Ausrede gewertet würde.
„Zuerst müssen wir über Lady Amelia sprechen“, übernahm seine Mutter das Gespräch.
„Müssen wir?“ Cesar konnte sich nicht vorstellen, wozu das dienen sollte.
Lady Amelia Scott-Browne war seine derzeitige Liebschaft. Wie lange noch, stand allerdings in den Sternen. Einer Ehe war er bisher aus Überzeugung erfolgreich ausgewichen, da er nicht unter dem Druck stand, Thronerben liefern zu müssen. Seine beiden Brüder waren zum Altar marschiert und hatten inzwischen die erforderlichen Erben gezeugt.
„Ja, Cesar, das ist sogar eminent wichtig. Du musst diese … Liaison beenden.“
Seine Mutter machte keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegenüber Lady Amelia.
„Und warum, wenn ich fragen darf?“ Bisher hatten sich seine Eltern nie in seine amourösen Verbindungen eingemischt, sondern so getan, als existierten sie nicht.
Sein Vater beugte sich vor. „Weil wir einen Plan haben.“
Cesar verspürte ein übles Kribbeln im Nacken. „Was für einen Plan?“
„Der beste Schachzug, ein Bündnis zu schließen und der Welt zu zeigen, dass Aguilarez und Casavalle immer noch Verbündete sind, ist eine Ehe. Also wirst du die neue Kronprinzessin von Casavalle heiraten, Gabriella Ross.“
Königspalast von Casavalle, Dezember…
Gabi fand einfach keinen Schlaf.
Zweitausendsiebenhundertfünf Schafe hatte sie bereits gezählt. Sie hatte es mit Yoga-Tiefenatmung versucht und sich erfolglos vorgehalten, dass es geradezu eine Sünde war, umgeben von all dem Komfort, der einer Königin nun einmal zustand, nicht wie ein Baby zu schlummern. In ihrem Kopf schwirrten einfach zu viele wirre Gedanken herum.
Aber wie sollte sie auch mit der surrealen Vision zurechtkommen, demnächst auf einem Thron sitzen und regieren zu müssen?
Einunddreißigeinhalb Jahre ihres Lebens hatte sie geglaubt, ein gewöhnlicher Mensch zu sein. Gabriella war von einer ältlichen Tante und deren Mann in einer kleinen Stadt in den kanadischen Bergen großgezogen worden, hatte nach deren Tod ihre Buchhandlung geerbt und sie in einen florierenden Laden verwandelt, was ihr viel Freude bereitet hatte.
Und jetzt saß sie in diesem Palast fest.
Nur, weil sie vor acht Monaten zwei Briefe von ihrer Mutter gefunden hatte, die gestorben war, als Gabriella drei gewesen war. Ein Brief war an König Vincenzo von Casavalle gerichtet, der andere an sie. Beide Briefe enthüllten ihre wahre Identität: König Vincenzo Valenti war ihr Vater. Ein Vater, den sie nie kennenlernen würde, der nichts von ihrer Existenz gewusst hatte.
Was für eine Ironie! Von allen Wunschträumen, die Gabi in ihrer kindlichen Sehnsucht durchgespielt hatte, war der unwahrscheinlichste Realität geworden.
Ich bin eine Prinzessin. Eine echte!
Mit einem unwilligen Seufzer gab sie den Versuch auf, doch noch einzuschlafen. Sie stopfte sich eines der weichen Daunenkissen in den Rücken und schaute sich in ihrem prächtigen Schlafgemach um, das in Rot- und Goldtönen gehalten war.
In einer Ecke stand ein Weihnachtsbaum, bestückt mit funkelnden Lichtern und wunderschön bemalten Glaskugeln. Plötzlich befiel sie Heimweh nach ihrem winzigen Schlafzimmer in Crystal Lake. Ein kuscheliger Raum mit schlichten Kiefernmöbeln und dem Poster eines Hockeyspielers, für den sie als Teenager geschwärmt hatte, das immer noch in den Tiefen ihres Kleiderschrankes existierte.
Stopp! rief sie sich energisch zur Ordnung.
Es gab so viel, wofür sie dankbar sein musste. Nach dem Tod ihrer Tante und ihres Onkels war sie ganz ohne Familie gewesen, und jetzt hatte sie zwei Brüder, zu denen sie vom ersten Moment an eine Verbindung gespürt hatte.
Als zusätzlichen Bonus hatte sich Luca, der ältere der beiden, in ihre beste Freundin Imogen verliebt. Ihr zweiter Bruder Antonio würde bald Tia heiraten, die Gabi bereits liebte wie eine Schwester. Außerdem hatte Königin Maria, die Mutter der beiden Prinzen, sie voller Wärme und Herzlichkeit aufgenommen, wie eigentlich alle hier.
Trotzdem lastete ein erdrückendes Schuldgefühl auf ihr.
Luca war in dem Glauben erzogen worden, der nächste Thronerbe von Casavalle zu sein, und musste diesen Platz jetzt für sie räumen. Die Auswirkungen dieses drastischen Einschnitts auf die gesamte königliche Familie ängstigten sie ebenso wie das Gefühl, der verantwortungsvollen Position nicht gewachsen zu sein.
Sie wusste ja nicht einmal, wie sich eine Königin zu benehmen hatte. Und das wenige Stunden vor ihrem Präsentationsball, auf dem sie am heutigen Abend der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollte!
Kein Wunder, dass sie nicht schlafen konnte!
Zum Wohle von Casavalle und Aguilarez musste Gabi die Menschen für sich und ihre Sache gewinnen, um die Nachwirkungen der Skandale einzudämmen, die das Land in Unruhe versetzt hatten. Das hieß aber gleichzeitig, unter den Augen all dieser Würdenträger zu agieren und hinzunehmen, dass jede Äußerung von ihr im In- und Ausland beobachtet und hinterfragt wurde. Nicht zu vergessen, dass sie sich außerdem der königlichen Familie von Aguilarez stellen musste, einschließlich des berühmt-berüchtigten Prinzen Cesar, der nicht gerade erfreut gewesen sein sollte, von seinen Aufgaben als Botschafter abberufen zu werden, um auf ihrem Ball zu erscheinen.
Gabi seufzte schwer. Für beide Königshäuser wäre es sicher einfacher gewesen, wenn sie nie die Wahrheit über...




