Moninger | The First to Fall | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten

Reihe: Red Summer

Moninger The First to Fall

Red Summer | Der Auftakt der New-Adult-Suspense-Reihe von #1-SPIEGEL-Bestsellerautorin Kristina Moninger
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98978-033-0
Verlag: Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Red Summer | Der Auftakt der New-Adult-Suspense-Reihe von #1-SPIEGEL-Bestsellerautorin Kristina Moninger

E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten

Reihe: Red Summer

ISBN: 978-3-98978-033-0
Verlag: Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Manchmal fügen dir gerade die, die du am meisten liebst, den tiefsten Schmerz zu. Jakobs Träume zerplatzen, als es bei einer Bergtour mit Freunden zu einem tragischen Vorfall kommt. Von der Polizei verdächtigt, darf er das Land nicht verlassen. Zugleich ist er gezwungen, das Alpenchalet seiner Mutter vor dem Ruin zu bewahren. Besessen widmet er sich dieser Aufgabe, bis Aurora mit ihrem Van auftaucht und Nachforschungen zum Tod ihrer Schwester anstellt. Ohne zu ahnen, welches erschütternde Geheimnis zwischen ihnen steht, fühlen sie sich magnetisch voneinander angezogen. Doch Jakob kämpft verbissen gegen die Gefühle an, denn er glaubt, ihre Liebe nicht zu verdienen. Nicht nach dem, was er getan hat ... Der Auftakt der berührenden New-Adult-Suspense-Serie von #1-SPIEGEL-Bestsellerautorin Kristina Moninger »Fesselnd, authentisch, romantisch. Kristina Moninger schreibt wahrhaftig meisterhaft.« SPIEGEL-Bestsellerautorin Kathinka Engel

Kristina Moninger wurde 1985 in Würzburg geboren und hat ihre Kindheit in einem kleinen Dorf auf dem Land verbracht, in dem sie auch heute noch mit ihrem Mann und ihren Zwillingen lebt. Sie hat bereits mehrere gefühlvolle Romane veröffentlicht und ist #1-Spiegel-Bestseller-Autorin. Findet man sie nicht am Schreibtisch, dann sehr wahrscheinlich mit der Nase in einem Buch oder mit Familie und Hund in der Natur.
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1


Aurora


Drei Monate vor dem Fall

, haben sie gesagt. Bis Wien hat es schon mal gereicht. Jetzt fehlt mir nur noch ein Parkplatz, was sich als schwieriger herausstellt, als ich gedacht hätte. Dreimal habe ich den Block, in dem meine Schwester wohnt, jetzt schon umrundet. Nichts, keine einzige kleine Lücke weit und breit.

, hat mein Kumpel Chris gesagt.

Und ich hätte darauf hören sollen, dann wüsste ich, ob mein Weltreisemobil unter der Tiefgaragenbarke mit der Aufschrift durchpasst oder eben nicht. So scheidet alles, was meinen Camper unter die Erde führt, aus. Verdammt. Also dann doch noch eine Runde um den Block … oder … nein, da, hinter einem schwarzen Kastenwagen mit italienischem Kennzeichen, ist doch noch was frei. Ich versuche, mich an die Rückwärts-seitwärts-Einpark-Anweisungen meines Fahrlehrers zu erinnern, schlage ein, kurble, checke die Spiegel, korrigiere, und dann stehe ich. Krumm, aber ich stehe.

Ein klein wenig stolz auf mein Werk, schlüpfe ich in meine leichte Daunenjacke, steige aus und renne direkt einem Typen in die Arme. Oder besser gesagt, seinem Umzugskarton. »Ups, sorry.«

»Pass doch auf«, kommt es brummig zurück.

Ich sehe nur nackte Arme und dann die kleine Kiste, die oben auf dem Karton gefährlich wackelt. Ehe ich meine Finger um die Kiste schließen kann, ist sie schon auf die Straße gekippt, und das unschöne Geräusch lässt keine positive Interpretation zu.

Ich bücke mich gleichzeitig mit dem Typen, der seinen Karton abstellt und einen leisen Fluch von sich gibt. Aber ich bin schneller als er, begutachte die Kiste und fische eine weiße Tasse heraus, die einen mehr als merkwürdigen Henkel hat. Er erinnert mich an die bunten Griffe in der Boulderhalle, in die ich Em manchmal begleitet habe. Ein feiner, aber deutlicher Riss zieht sich vom Rand der Tasse über den Schriftzug hinunter bis zum Boden.

»Sorry«, nuschle ich zum zweiten Mal. »Das tut mir echt leid.«

Er sagt nichts, sondern greift in die Kiste, und ich packe alarmiert mit der freien Hand die seine.

Er zuckt zurück, ich zucke zurück.

»Pass auf, sonst schneidest du dich!«, warne ich ihn und schiebe schnell noch ein drittes »Sorry« hinterher. Für die zerbrochene Tasse und die übergriffige Berührung.

Er hebt den Kopf ein wenig, und das erste Mal sehen wir uns direkt an. Blaue Augen hat er, wie ein Gletscher. Sie sind genauso eisig wie der Zug um seinen Mund. Unfreundliche Menschen verursachen bei mir eine Gänsehaut. Es ist ein natürlicher Abwehrmechanismus. Früher dachte ich, das ginge allen anderen auch so. Bis Em mich ausgelacht und mir erklärt hat, dass Gänsehaut absolut nichts mit Abneigung gegen Unfreundlichkeit zu tun hat. Höchstens mit Ekel. Aber Ekel ist es nicht. Wirklich nicht, dazu muss man ihn sich nur anschauen. Er sieht gut aus. Wenn man auf durch und durch athletische Typen steht, die so tun, als wäre ihnen ihr Aussehen egal, aber ihre Muskeln vermutlich jeden Abend vor dem Spiegel zucken lassen. Typen, die bei zehn Grad Außentemperatur Muskelshirts aus schweißabweisendem Trikotstoff tragen, auf dem auch noch fett die Namen irgendwelcher Sponsoren prangen. Und … ich fasse es nicht, die olympischen Ringe. Klar, warum nicht gleich die Weltherrschaft.

Er sagt noch immer nichts. Stattdessen macht er eine alberne Bewegung, als müsste er mich um Erlaubnis fragen, erneut in die Kiste greifen zu dürfen. Ich presse die Lippen aufeinander und weiche ein klein wenig zurück, das Opfer unseres Zusammenstoßes noch immer in der Hand. Er zieht eine Tasse nach der anderen heraus – ziemlich gewöhnliche Ikea-Modelle, die den Sturz überlebt haben – und legt sie nach der Inspektion wieder zurück. Nur die mit dem seltsamen Griff ist kaputt. Er nimmt, nein, er sie mir ruckartig aus der Hand. Und in dem Moment geht sie endgültig zu Bruch. Wie eine Felsspalte klaffen die beiden Hälften auseinander, die er mit gerunzelter Stirn mustert.

»Vielleicht solltest du dir Blechtassen kaufen?«, schlage ich vor und schiebe ein Lachen hinterher, das viel zu hoch gerät. Fehlt nur noch der Schluckauf.

»So weit kommt es noch«, sagt er. Als wären bruchsichere Tassen in der Küche ein Indikator dafür, die Kontrolle über sein Leben verloren zu haben.

»Ich ersetze dir die natürlich«, biete ich an.

»Nicht nötig«, brummt er. »Die ist von meiner Ex-Freundin.« Er hat eine sehr tiefe, aber melodiöse Stimme, so Marke Dokumentarfilmkommentator. Nur eben in unfreundlich. Lieblos stopft er die Tassenhälften zurück in die kleine Holzkiste, richtet sich auf und fährt sich durch die dunklen Haare. Der Wirbel an seiner Stirn bleibt davon genauso unbeeindruckt wie ich.

»Kann ich dich dann auf einen Kaffee einladen, als Entschädigung?«

Ich bin nicht so wirklich gut im Flirten. Zu wenig subtil, viel zu direkt. Jetzt aber würde ich gern flirten können. Er mustert mich kurz, und seine Miene wird ein, vielleicht sogar zwei Grad wärmer.

»Danke, aber ich trinke keinen Kaffee aus Blechtassen.«

Okay, der war nicht schlecht.

»Ganz schön zerbrechliche Laune, was?«, scherze ich, aber da hat er sich längst gebückt, die Kiste wieder auf dem Karton platziert und mir den Rücken zugedreht.

Em kann mir erzählen, was sie will. Unfreundliche Menschen Gänsehautgaranten. Ganz gleich, wie sie aussehen. Ich zwinge mich, ihm nicht nachzuschauen, und ein viertes »Sorry« schlucke ich runter. Stattdessen sehe ich mich kurz auf der Straße um, versuche, mich zu orientieren. Dann ziehe ich das Handy aus der Tasche und tippe meiner älteren Schwester eine Nachricht.

Bin jetzt da, zeigst du mir den Wandschrank?

Em wohnt, seit sie vor ein paar Wochen nach Wien gezogen ist, in einem winzigen WG-Zimmer, das ihren Aussagen und den Fotos nach halb so groß ist wie Harry Potters Domizil unter der Treppe. Laut Mietvertrag sind es großzügige 8,98 Quadratmeter, die Schräge mit eingerechnet.

Schau mal hoch, vierter Stock, das gelbe Haus.

Ich folge ihrer Anweisung und entdecke sie wild winkend auf einem Miniaturbalkon.

»Em«, brülle ich und hüpfe wie ein kleiner Flummi auf und ab.

Wir sitzen in einem Wiener Café mit dunklen Möbeln und riesigen Spiegeln an den Wänden. Es ist herrlich und gleichzeitig irgendwie beängstigend.

Em lacht. »Sachertorte und ein Verlängerter, Aurora. Das ist also deine Henkersmahlzeit, bevor es losgeht.«

»Fühlt sich alles ein bisschen so an, als würden wir Erwachsensein spielen«, sage ich. »Also bist erwachsen, spiele«, korrigiere ich schnell.

Em trägt eine Cat-Eye-Brille mit pastellfarbigem Rahmen, obwohl sie im Gegensatz zu mir gute Augen hat. Ich kneife lieber die Augen zusammen oder blinzle, als mich um Kontaktlinsen oder eine Brille zu kümmern. Ihr Pony sitzt ordentlich und glätteisenglatt auf ihrer Stirn, und kein einziges Haar ihres dunkelbraunen Longbobs steht ab. Ich zupfe an dem Crunchy an meinem Hinterkopf herum, mal wieder Opfer des Em-Effekts.

»Das täuscht«, sagt sie. »Oder glaubst du, ich hätte wirklich eine Ahnung vom Leben? Ich bin nur nicht so mutig wie du.«

»Vielleicht bist du auch einfach schlauer.«

»Hast du Angst, weil es jetzt losgeht?«

»Ein bisschen«, gebe ich zu. »Und du wirst mir fehlen.«

Ich strecke die Füße unter dem Tisch, bis sie Ems berühren, wie früher, als wir Kinder waren.

Em hasst das, aber jetzt lacht sie. »Ich könnte dir einen Platz unter meinem Bett anbieten, Untermieterin in Harry Potters Wandschrank. Du könntest irgendwas … studieren.«

»Safe, könnte ich«, erwidere ich grinsend, stütze die Ellbogen auf den Tisch und bette das Kinn auf meine gefalteten Hände. »Aber ich will nicht. Du kannst deinen Anteil von Omas Erbe gern in einen Bausparvertrag investieren, ich investiere in Zeit. Das ist die Währung der Zukunft.«

Em zieht die Augenbraue übertrieben Richtung Stirn und spitzt die Lippen wie unsere Mutter. »Die ADAC-Mitgliedschaft hast du aber abgeschlossen, oder?«, fragt sie und imitiert dabei auch Mamas Stimme.

»Klar«, behaupte ich, kann aber nicht beschwören, wirklich daran gedacht zu haben. »Weißt du, was Mama zum Abschied gesagt hat?«

Em zuckt mit den Achseln, hebt ihre Kaffeetasse mit dem sehr gewöhnlichen Henkel an und führt sie zum Mund.

»Pass bloß auf an der Côte d’Azur, die Franzosen klauen dir das Auto unterm Hintern weg.«

»Und was hast du geantwortet?«, will Em wissen. Die Tasse schwebt vor ihrem Mund, und der Anblick des Porzellans lenkt mich für einen Moment...



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