E-Book, Deutsch
Monkberg Die Rückkehr nach Eldridge Hall
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96817-315-3
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch
ISBN: 978-3-96817-315-3
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
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Zwischen den Schatten der Vergangenheit und dem Glanz der Gegenwart ...
Die romantische Familiensaga für Fans von Lucinda Riley
Julia McLean ist nach mehr als einem Jahrzehnt Karriere in der internationalen Hotellerie zurück in Schottland. Sie träumt von der Eröffnung eines eigenen kleinen Hotels. Als sie eines Tages überraschend den Landsitz Eldridge Hall von ihrem Großvater Dr. Kenneth McLean erbt, scheint die Erfüllung ihres Traums in greifbare Nähe zu rücken. Doch dann taucht völlig unerwartet der nette und attraktive Sean Drumont auf - ihr angeblicher Halbbruder und Miterbe, der mit Haus und Grund ganz andere Pläne hat. Auf der Suche nach Antworten stößt Julia auf mehr als ein Geheimnis in ihrer Familiengeschichte und ihre Zukunft wird immer ungewisser ...
Erste Leserstimmen
'berührender Liebesroman vor der traumhaften Kulisse Schottlands'
'Die Verstrickungen und Geheimnisse innerhalb der Familie sind absolut spannend und fesselnd!'
'Es war mir eine große Freude Julia nach Eldridge Hall zu begleiten.'
'dramatisch, bewegend und toll geschrieben'
'Wer auf Familiengeheimnisse steht, ist hier bestens aufgehoben!'
Angelika Monkberg wurde 1955 in Münchberg geboren. Sie lebt mit ihrem Mann und gefühlt zwanzigtausend Büchern in der Nähe von Bayreuth. In ihrer Freizeit arbeitet sie gern im Garten und versucht sich in freundlicher Koexistenz mit dessen eigentlichen Besitzern - Vögeln, Mäusen und Insekten. Oft zeichnet sie auch oder malt. Die Nächte gehören dem Schreiben und dem Lesen. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf dem Phantastischen, aber damit endet es bei Weitem nicht.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Julia: Anfang Oktober 2019
… ich wusste nicht, was Cat Stevens vor Augen hatte – aber als ich meine aufschlug, blinzelte ich in die grün leuchtende Digitalanzeige des Radioweckers. Sechs Uhr dreißig, draußen war es noch stockfinster, und der Moderator musste natürlich sofort in den Song hineinquatschen ? wer ihn alles gecovert habe, dass es eigentlich ein irisches Weihnachtslied sei und der neue Text von einer zu ihrer Zeit bekannten englischen Dichterin stammte. Ich vergaß den Namen sofort wieder und bei den ersten Tönen von hieb ich dann entnervt auf den Off-Knopf. Der Hit der Goombay Dance Band war fast so alt wie ich. Ich wurde am Sankt Andreastag neununddreißig, doch wenn überhaupt, gefiel mir Pink Floyd weit besser. Es gab ein Foto im Album meiner Großmutter, das mich mit vier Jahren vor einer schrecklichen Tapete mit froschgrünem Rautenmuster zeigte, laut . Behauptete wenigstens die Bildunterschrift. Aber ich verband die Top Ten der Achtziger und Neunziger tatsächlich bis heute mit der Küche meiner Großmutter. Bei ihr lief auch jetzt, in ihrem Zimmer in der Seniorenresidenz, noch ständig das Radio, und in meiner Kindheit wäre ohne gar nichts gegangen.
Gleichgültig, ob wir gemeinsam gekocht, im Garten Kräuter, Gemüse und Blumen geholt hatten oder ob sie mich und ein komplettes kalt-warmes Büffet für eine Hochzeitsfeier oder einen runden Geburtstag in ihren Pick-up gepackt hatte und mit mir zu einem Kunden gefahren war – immer hatte sie sofort ihren Lieblingssender eingeschaltet. Sie erkannte auch heute, nach zwei Worten, sämtliche Sprecher an der Stimme, wusste ihre Namen und lauschte mit Begeisterung ihren Kommentaren. Ich selbst mochte nach der ständigen Musikberieselung in Hotelfluren und Lifts eher Stille.
Oder ich bildete mir das wenigstens ein, während ich mich schniefend aus dem Bett hievte. Weichspüler-Pop linderte nachweislich Aggressionen. Man fragte sich, warum diese Art Musik dann nicht auch in den Küchen von Profis zum Einsatz kam. Ich konnte nicht behaupten, dass mir das Macho-Gehabe einiger Alphatiere, die ich im Lauf der Jahre kennengelernt hatte, oder das schlechte Arbeitsklima in meinem neuen Job als Ernährungsberaterin in New Haven, Schottland, gerade fehlten.
Draußen glühte der Morgen hinter den noch nachtschwarzen Bergen der Range herauf. Es war herbstlich kühl, die Außenthermometer behauptete fünf Grad über null, dafür herrschte ausnahmsweise kein Nebel. Meine Kollegen hatten mich bemitleidet, als ich ihnen vor sechs Monaten erzählt hatte, dass ich zurückgehen wollte. Schottland, das hieße doch ständig schlechtes Wetter und damit Trübsinn. Das konnte ich nicht bestätigen, mir setzte mehr die Muße zu. Ich war es auch nach einem halben Jahr noch nicht gewöhnt, dass ich nun in Ruhe dem brennenden Saum der Sonne dabei zuzusehen konnte, wie er sich langsam aus der Nacht über der Range hinter New Haven erhob. In meinem letzten Job in New York hätte ich um diese Zeit in einer der Suiten gestanden, mit einem Namensschild an der Jacke eines dunkelblauen Hosenanzugs.
Mir reichte heute fürs Erste Tee. Viel Tee! Ich putzte mir die Nase, tappte in die Küchenzeile und füllte den Wasserkocher. Es war schon die zweite Erkältung dieses Jahres, wahrscheinlich wollte jetzt alles aus mir heraus, das ich jahrelang mit Tabletten und Willenskraft unterdrückt hatte. Krank zu sein, das hatte ich mir in keinem meiner Jobs leisten können. Wie hatte einer meiner Ausbilder an der Schweizer Hotelfachschule noch so schön gesagt?
Ich ging ins Bad. Gott, ich sah wirklich ziemlich fertig aus. Kein Wunder, dass mich meine neue Chefin gestern, mit dem strengen Befehl zum Arzt zu gehen, nach Hause geschickt hatte.
„Schon dich ein paar Tage, um Himmels willen! Nicht dass daraus noch eine Lungenentzündung wird!“
Ein Schelm, wer Schlechtes bei dem Rat dachte, ich wurde pro Beratungsgespräch und abgeschlossenem Kochkurs bezahlt. Aber die Gute hatte recht, leichenblass, mit dunklen Ringen unter den Augen, überzeugte ich niemanden von gesunder Ernährung.
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Neunzig Prozent der Teilnehmer befolgten meine Vorschläge natürlich Tiefkühlpizza in den Backofen zu schieben oder gleich irgendwo ein Take-out mitzunehmen, ging leichter. Kochen verlangte wie jedes Handwerk vor allem zwei Dinge: Übung und Disziplin. Weshalb ich die einmal eingestellte Weckzeit gestern auch ohne Not beibehalten hatte. Außerdem wäre ich ohnehin hochgeschreckt. Mit Herzklopfen und dem deutlichen Gefühl, irgendwo zu spät zu kommen. Jahrelange Selbstprogrammierung löste sich nicht innerhalb von ein paar Monaten in Wohlgefallen auf.
Ich verließ das Bad mit den rotbraunen Kacheln, die in den Siebzigern bestimmt der letzte Schrei gewesen waren, und zog mich an. Die Ausstattung war nicht mein Geschmack ? im Schlaf- wie im Wohnzimmer nachgemachtes Chippendale vor unsäglichen Tapeten, in einem Raum braune, im anderen grüne Bambuszweige. Gleich würde Tarzan um die Ecke springen, aber ich hatte schon schlimmer gewohnt. Das möblierte Appartement war sowieso nur eine Übergangslösung. Ich konnte mir noch nicht vorstellen, mich irgendwo wirklich niederzulassen. Ich hatte lediglich den Dauerstress satt.
In meiner Branche war es ab einem bestimmten Level ziemlich egal, ob man in der Küche arbeitete, im Housekeeping, an der Rezeption oder als Butler. Nahezu jedes Hotel war knapp an Personal und das bedeutete für die, die einen Job hatten, Wechsel durch alle Posten und wenigstens phasenweise sieben Tage die Woche Dienst, oft mit sechzehn, manchmal sogar achtzehn Stunden Schicht am Stück. Hatte man frei, lag man nur noch irgendwo platt herum.
Mercer und Val, meine beiden letzten Assistenten, hatten behauptet, das mache nur eine Verrückte wie ich so lange mit. Aber sie hatten das in keiner Weise böse gemeint. Wir träumten alle den Traum vom eigenen Hotel, dem eigenen Restaurant. Ich wusste nur nach einem ausgedehnten Ausflug ins Controlling, dass es besser einer blieb.
Draußen hellte sich langsam der Himmel auf. Eine Schar Möwen zog kreischend landeinwärts. Wenn das Wetter hielt, wollte ich später einen Spaziergang zum Hafen machen. In meiner Kindheit hatten dort noch große Trawler ihren Fang angelandet. Schon nicht mehr für die örtliche Fischfabrik, die war schon vor dem Krieg geschlossen worden, und jetzt fuhren überhaupt nur noch einige hartnäckige alte Männer mit ihren Kuttern hinaus.
Ich schaltete den brodelnden Wasserkocher aus und brühte schwarzen Tee auf. Salbei oder Thymian wäre in meinem Zustand sicher vernünftiger gewesen, aber ich war morgens ohne meinen geliebten Broken Orange Pekoe zu nichts fähig. Ich trank ihn immer Englisch, mit Vollmilch und einem Teelöffel Zucker pro Tasse. Auch wenn ich mit Begeisterung Vollwertkost kochte, vegetarisch und vegan, und nicht nur, um meinen Klienten zu beweisen, dass auch noch etwas anderes als Fastfood schmeckte: Man musste es nicht übertreiben. Alles mit Maß und Ziel. Deshalb hatte ich nach meiner Rückkehr auch sofort diesen Job als Ernährungsberaterin angenommen. Finanziell war es ein Abstieg. Ich wusste allein in Schottland aktuell von mindestens vier High-End-Hotels, die händeringend Personal suchten. Jeder einzelne Personalchef in Edinburgh oder Aberdeen hätte mich mit meinen Referenzen ohne mit der Wimper zu zucken eingestellt. Aber ich ließ mich nicht noch einmal vom Stress auffressen. Damit war ich durch.
Ich trug das Teetablett zur Couch und machte es mir unter der Wohndecke der Vermieterin gemütlich, die Gott sei Dank nur auf einer Seite mit einem Leopardenmuster bedruckt war (ich Jane). Ich drehte es nach innen und spielte auf meinen nun dunkelbraun eingewickelten Knien mit dem Tablet .
Wenn ich ein eigenes Bio-Hotel eröffnen wollte, wer würde mich dann mit regionalen Lebensmitteln beliefern? Welcher Landwirt baute im Umkreis von fünfzig bis maximal hundert Kilometern Kräuter, Gemüse oder Obst an, wer war bio-zertifiziert? Ich hatte nicht wirklich vor, mich selbstständig zu machen, dazu wusste ich zu genau, wie schnell sich Fixkosten zu einem Albtraum entwickelten, sobald die Kunden ausblieben, aus welchen Gründen auch immer. Dass selbst renommierte Häuser in manchen Jahren knapp am Bankrott vorbeischrammten. Die Spitzengastronomie ließ sich ohne weiteres mit einem der großen Fußballclubs vergleichen: Manchester United konnte ohne eine stetige und vor allem verlässliche Geld-Pipeline durch einen Sponsor nicht mehr existieren.
Gut, ich besaß ein finanzielles Polster, das ich in die sprichwörtliche Waagschale werfen konnte, wenn ich mich doch in dieses Abenteuer stürzte. Aber dann nur als Einzelkämpferin. Personalkosten fraßen einen auf.
Ich schenkte mir Tee nach. Draußen durchkreuzten jetzt breite himbeer- und erdbeerrosa Kondensstreifen das immer heller werdende Blau. Der Himmel war wolkenlos, hoch und klar. Über New Haven kreuzten die Routen nach Dublin, Edinburgh und London. Mich überfiel bei dem Anblick Fernweh. Hier steppte nicht gerade der Bär,...




