Monkberg | DRACHE UND PHÖNIX - Band 1: Goldene Federn | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 1, 172 Seiten

Reihe: Drache und Phönix

Monkberg DRACHE UND PHÖNIX - Band 1: Goldene Federn


1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-95520-392-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 172 Seiten

Reihe: Drache und Phönix

ISBN: 978-3-95520-392-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine große Liebe. Eine gefährliche Reise. Das Abenteuer beginnt. Venedig im 18. Jahrhundert. Jan Stolnik führt ein rastloses Leben. Niemand ahnt, welches Geheimnis er hütet: Jan ist ein Drache, gefangen im Körper eines Menschen - dazu verdammt, ewig zu leben, ohne jemals seine Flügel entfalten zu können. Der Besuch der Lagunenstadt soll ihn für einige Zeit von seinem Schicksal ablenken. In den engen Gassen und prachtvollen Palazzi hört er immer wieder einen Namen: La Fiametta. Schon nach ihrer ersten Begegnung weiß Jan, dass die Sängerin mit der verführerischen Stimme und dem kapriziösen Wesen keine gewöhnliche Sterbliche ist. Er verliebt sich unsterblich in das schillernde Geschöpf - und erkennt rasch, dass Gefühle zum Fluch werden können ... Der erste Band der historischen Fantasy-Saga, die Jahrhunderte überspannt und an die schönsten Orte der Welt entführt: spannend, berührend, faszinierend. Jetzt als eBook: 'DRACHE UND PHÖNIX: Goldene Federn' von Angelika Monkberg. dotbooks - der eBook-Verlag. JETZT BILLIGER KAUFEN - überall, wo es gute eBooks gibt!

Angelika Monkberg, geboren 1955, lebt in Franken. Wenn Sie nicht in ihrem Garten arbeitet, zeichnet oder malt sie - und widmet sich dem Schreiben von Kurzgeschichten und Romanen. Bei dotbooks erschien bereits Angelika Monkbergs Roman TORNADO sowie das Fantasy-Epos DRACHE UND PHÖNIX, den es unter diesem Titel als Sammelband gibt sowie in den folgenden Einzelbänden: Erster Roman: Goldene Federn Zweiter Roman: Goldene Kuppeln Dritter Roman: Goldene Spuren Vierter Roman: Goldene Asche Fünfter Roman: Goldene Jagd Sechster Roman: Goldene Lichter Siebter Roman: Goldene Ewigkeit Mehr Informationen über Angelika Monkberg im Internet: Die Website der Autorin: www.angelikamonkberg.de Die Autorin auf Instagram/Threads: https://www.instagram.com/angelika.monkberg/ Die Autorin bei Facebook: www.facebook.com/1AngelikaMonkberg
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Kapitel 2


Venedig; Dienstag,  18. Januar 1774; am Tag von Sankt Prisca, Faustina und Liberata; nach Einbruch der Dunkelheit – und schon wieder auf dem Wasser

Das einzig Ärgerliche, wirklich Ärgerliche an der Stadt war, dass man für so gut wie alle Wege ein Boot brauchte. Der Palazzo Balbi besaß zwar wie die meisten Häuser auf seiner Rückseite einen Ausgang, der auf eine Gasse hinausführte. Doch Jans Wege hatten ihn bei früheren Besuchen in Venedig seltsamerweise nie in den Sestiere Polo geführt, und er war etwas unsicher, wie es hinter dem Quartier weiterging, das er dieses Mal für sich und seinen Prinzen gewählt hatte. Er fragte den Majordomo.

„Genau genommen gehört der Palazzo Balbi noch zu Dorsoduro, Messer.” Der alte Mann, der Jans Domänennamen Burgk nicht aussprechen konnte, verbeugte sich. „Wenngleich unser Haus natürlich ganz an der Grenze steht. Wie Ihr vielleicht wisst, fließt an unserer Ostmauer der Rio de la Frescada, der den Sestiere Dorsoduro von Polo trennt. Wenn Ihr dies wünscht, könnt Ihr aber den Rialto von hier auch durch die Gassen erreichen. Es gilt nur den Rio San Tomá, dann den Rio di San Polo, den Madoneta und den di Meloni zu queren. In einer Sänfte vielleicht?”

Bei Jans Länge? Er schüttelte den Kopf.

„Sehr wohl, Messer.” Der Majordomo verneigte sich erneut. „Doch verzeiht, Messer, bei allem Respekt, es wäre Euch vielleicht doch angenehmer, den Traghetto am Rio San Tomá zu nehmen und Euch über den Canal Grande nach dem Sestiere Marco übersetzen zu lassen.”

Jan unterdrückte ein Seufzen. Natürlich, er hätte daran denken sollen. Nur Gesinde und einfache Reisende gingen in Venedig zu Fuß. Für den angeblichen Grafen von Weesenstein kam das keinesfalls in Frage. Es war undenkbar. Im Grunde durfte es sich nicht einmal Jan Stolnik von Burgk erlauben, der Reisemarschall und Freund des besagten Grafen. Und schon gar nicht, wenn er seinen inkognito reisenden Prinzen zu einem Fest begleitete.

Also verließen sie das Haus der Familie Balbi am ersten Knick des Canal Grande aufs höflichste vom Majordomo verabschiedet und den Sitten der Vornehmen gemäß: durch das Hauptportal und mit dem Boot.

Das Wasser stand wie immer im Winter hoch, doch es schwappte Gott sei Dank wenigstens nicht bis in die Häuser hinein. Sie mussten sogar noch die Unbequemlichkeit auf sich nehmen, aus dem Wassergeschoss des Palazzo zwei Stufen bis zum Bootsanleger der Familie Balbi hinabzugehen.

„Haltung, Jan, Contenance!”, mahnte Anton, derzeit Graf Weesenstein, lachend, als das Einsteigen trotz aller Bemühungen des Gondoliere, das Boot ruhig zu halten, nicht ohne Schaukeln vor sich gehen wollte. Aber auch Jan sah mit heimlichem Vergnügen, dass sein junger Herr verdächtig eilig unter dem Verdeck, der Falze, Platz nahm. Antons frisch rasiertes Kinn und sein Mund – das Einzige, das Maske und Hut von seinem Gesicht preisgaben – wirkten im Schein der Fackeln ziemlich blass.

„Ihr werdet doch nicht unwohl sein, Euer Gnaden?”

Jan bekam für diese Äußerung mit dem Taschentuch eins übergezogen. „Quark! Und wenn, dann nur wegen der unendlichen Konversation, die uns auf dem Ball bevorsteht. Und nun schweige still! Sonst bin ich schon vorher stockheiser.”

Der Prinz gab dem Gondoliere ein Zeichen, und sie legten ab. Jan hätte festen Boden unter den Füßen natürlich vorgezogen, doch das dunkle, kabbelige Wasser machte ihm nicht wirklich etwas aus. Außerdem ruderten die Gondoliere flott durch den regen Verkehr auf dem Canal Grande. Inkognito oder nicht, der Rat der Zehn von Venedig, der natürlich Antons wahre Identität kannte, hatte es sich nicht nehmen lassen, dem jungem Herrn für seine Fahrten in der Stadt Trompeter auf einem vorausfahrenden Boot zu bewilligen. Deren Fanfarenstöße zeigten allen anderen Wasserfahrzeugen an, dass dem Konvoi Prinz Antons von Sachsen die Bahn freizugeben sei. Was meist ohne viel Geschrei der Schiffer vonstattenging.

Jan betrachtete derweil die Fassaden rechts und links. Der Nebel hing zwischen den Häusern nicht ganz so dicht wie über dem freien Wasser der Lagune, außerdem erhellten überall Lichter die Nacht. Fackeln brannten im Bug der Boote, und vor den Stadtpalästen beider Ufer standen Kandelaber. Allerdings waren nur die vor den Häusern der Reichen mit echten Kerzen bestückt, bei den meisten Palazzi brannten Öllampen. Ihr Rauch überlagerte in der feuchtkalten Luft fast gänzlich den Geruch des Brackwassers, das sacht gegen die Marmormauern der Häuser schwappte.

Jans Magen knurrte leise. Der Majordomo hatte nach ihrer Ankunft im Palazzo Balbi einen leichten Willkommensimbiss kredenzt. Palmkohl und Knollenfenchel mit Olivenöl beträufelt, gebratene Sardinen und Würste, weißes Brot und einige Dörrfeigen. Das Abendessen selbst wurde, wie an allen Höfen Europas jetzt die Mode, erst nach dem Ball serviert, also vermutlich weit nach Mitternacht. Zumindest dem Prinzen. Jan hatte im Lauf vieler Reisen die betrübliche Erfahrung gemacht, dass durchaus nicht alle Gastgeber den Reisemarschall eines inkognito reisenden Prinzen an ihren Tisch luden. Er kannte längst keine Skrupel mehr, sich das Wohlwollen des Gesindes fremder Fürsten durch einige Zechinen aus seiner eigenen Schatulle zu sichern.

Darüber hinaus speiste er schon aus Vorsicht gerne in Küchen. Er hielt die Gefahr, dass man seinen jungen Herrn vergiften wollte, zwar für gering, aber es konnte dennoch nie schaden, wenn er dem Koch bei der Zubereitung der Gerichte für Prinz Antons Tafel auf die Finger sah.

Er verlagerte vorsichtig sein Gewicht. Die Sitzbank der Gondel besaß keine Lehne, doch sein Buckel erlaubte ihm ohnehin keine Stütze, wie er auch in einem Bett nie anders als auf der Seite lag. Aber er schlief ohnehin kaum je, außer nach großer Erschöpfung. Jan verbrachte die Nachtstunden in der Regel lesend und schreibend oder auch mit der Reparatur eines Uhrwerks. Prinz Anton liebte Automaten und Spieldosen, durch das häufige Aufziehen nutzten sich die Zahnräder aber leider schnell ab, und Ersatz war auf Reisen nur selten zu bekommen.

Jan war deshalb inzwischen dazu übergegangen, notfalls selbst die nötigen Teile zu schmieden und zu feilen. Darüber hinaus ging er zwischen Mitternacht und Morgen auch gerne einfach an die frische Luft. Er wanderte nachts oft durch stille Straßen. Man lernte eine Stadt auf diese Weise manchmal besser kennen als bei Tag.

„Betrachtest du den Besuch hier als Zeitverschwendung? Nachdem du schon so oft hier warst?”, fragte auf einmal der Prinz.

„Nein, Euer Gnaden.”

Jan genoss vielmehr wie bei jedem seiner Besuche die Eindrücke des nächtlichen Venedig. Zum Beispiel war es trotz des geschäftigen Treibens auf dem Canal Grande viel stiller als in den Städten auf dem Festland. Natürlich gab es auch hier in den Gassen Verkehr, doch Venedig war die Hauptstadt der Lastenträger. Wo andernorts zu jeder Tages- und Nachtzeit Karren rumpelten, Hufgetrappel ertönte und Esel schrien, plätscherten hier nur sacht die Wellen.

Außerdem sang alle Welt.

Jan liebte Musik beinahe so sehr wie sein junger Herr, und die Gondolieri der kleinen Flotte des Prinzen hatten eine Barcarole angestimmt. Nicht alle Männer trafen den Ton genau, aber ihr Lied klang im Ganzen doch harmonisch. Dazu wehten von einem Palazzo Takte eines Violinkonzerts in die Nacht, und horch: Irgendwo sang hoch und süß eine Nachtigall.

Jan drehte den Kopf. Es erstaunte ihn, dass der Vogel schon jetzt von seiner Reise nach Afrika zurückgekehrt war. Kristallklare Töne schwebten vom Palazzo Tiepolo her über den Canal und webten einen ganz eigenen Zauber in die kalte Nacht. Es war auf einmal nicht mehr Januar. Jan fühlte sich wie weit im Süden, auf einer Insel der Seligen, wo die Luft warm war und der Sommer unendlich. Er atmete tief ein, sein ganzer Rücken kribbelte, und er spürte einen seltsamen Drang, seine Schultern zu recken. Alles hinter sich zu lassen, sich hoch in die Lüfte zu erheben, furchtlos.

Aber seine Flügel trugen ihn nicht, und die Sängerin – unmöglich ein Vogel, vielmehr eine Primadonna Assoluta der Venezianischen Oper – beendete ihr Lied schließlich doch, mit einer von Trillern und Prallern durchsetzten, betörend kunstvollen Koloratur. Nur für Jan, der viel bessere Ohren als alle Menschen seiner Umgebung besaß, folgte leise eine allerletzte, noch süßere. Sie stieg in schier unglaubliche Höhen, weit über das dreigestrichene Si hinaus, bis in das Zwitschern der Fledermäuse, die freilich auch in Venedig noch kopfüber in dunklen Nischen hingen und Winterschlaf hielten; es war immer noch Januar. Die überirdische Stimme der Sängerin verhauchte schließlich als Sphärenklang über dem Canal. Ein Lustschauer durchrieselte Jan.

Als er aus seiner Verzückung erwachte, war es rings um ihn totenstill. Die Trompeter hatten ihre Instrumente abgesetzt, die Gondoliere ruderten nicht mehr. Aus dem Palazzo, den sie gerade passiert hatten, ertönte Applaus.

„Hast du das gehört?”, fragte der Prinz aufgeräumt. „Welche Fülle, welche Kraft! Das muss ein Kastrat sein. Keine Frau besitzt einen derart langen Atem. Finde heraus, wem der Sänger gehört. Wenn er ein Sklave ist, kaufe ich ihn für meinen Bruder und Herrn, Kurfürst Friedrich August. Wir müssen diese Stimme für die Oper in Dresden gewinnen.”

„Sehr wohl, mein Prinz.”

Niemand bemerkte Jans Fauxpas mit der Anrede. Plötzlich erwachten die Gondolieri, die Trompeter, die Ehrenwachen im dritten Boot. Scherze gingen zwischen den Männern...



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