E-Book, Deutsch, Band 2, 173 Seiten
Reihe: Drache und Phönix
Monkberg DRACHE UND PHÖNIX - Band 2: Goldene Kuppeln
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-95520-457-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2, 173 Seiten
Reihe: Drache und Phönix
ISBN: 978-3-95520-457-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Angelika Monkberg, geboren 1955, lebt in Franken. Wenn Sie nicht in ihrem Garten arbeitet, zeichnet oder malt sie - und widmet sich dem Schreiben von Kurzgeschichten und Romanen. Bei dotbooks erschien bereits Angelika Monkbergs Roman TORNADO sowie das Fantasy-Epos DRACHE UND PHÖNIX, den es unter diesem Titel als Sammelband gibt sowie in den folgenden Einzelbänden: Erster Roman: Goldene Federn Zweiter Roman: Goldene Kuppeln Dritter Roman: Goldene Spuren Vierter Roman: Goldene Asche Fünfter Roman: Goldene Jagd Sechster Roman: Goldene Lichter Siebter Roman: Goldene Ewigkeit Mehr Informationen über Angelika Monkberg im Internet: Die Website der Autorin: www.angelikamonkberg.de Die Autorin auf Instagram/Threads: https://www.instagram.com/angelika.monkberg/ Die Autorin bei Facebook: www.facebook.com/1AngelikaMonkberg
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Kapitel 1
Schloss Burgk bei Freital in Sachsen; Mittwoch, 24. Juni 1781; am Tag von Sankt Johannes dem Täufer, Theodulf von Lobbes und Wilhelm von Vercelli; Regen
Das Gesinde hatte wie üblich im Hof einen Reisighaufen für ein Johannisfeuer aufgeschichtet, aber Jan glaubte nicht, dass es sich später überhaupt entzünden ließ. Dafür war alles viel zu nass. Er steckte den Schlüssel in die Spieluhr und zog das Werk auf. Eine leise Melodie erklang, der feuervergoldete Vogel auf dem Deckel begann mit den juwelenbesetzten Flügeln zu schlagen, doch die leise zirpende Melodie ertrank fast im Trommeln des Regens, der auf das Oberlicht der Werkstatt klatschte. Draußen ging ein Wolkenbruch nieder.
Es war heute schon der vierte oder fünfte, aber wenigstens gab es Unterbrechungen zwischen ihnen. Auch dieser Sommer verdiente seinen Namen wieder nicht. Selbst wenn der Himmel seine Schleusen ausnahmsweise geschlossen hielt, blieben die Tage trüb und kalt, die Felder waren aufgeweicht und alle Wege schlüpfrig.
Nicht einmal ein ausgebildeter Schnellläufer schaffte es zurzeit noch an einem Tag nach Dresden und zurück, und Jan hatte Nanni solche halsbrecherischen Fahrten verboten. Barberinas Ehemann soff, und er prügelte auch gerne einmal auf ein Gespann ein, wenn die Pferde, die in dieser Beziehung viel mehr Verstand zeigten, nicht wollten wie er. Bevor Nanni noch einmal ein Fuhrwerk umwarf, zahlte Jan lieber Futter, Stellplatz und Bett im Gasthof, obwohl er genau wusste, dass Bodenschatz seinen Diener mühelos für eine Nacht in der Residenz unterbringen konnte. Wo der Tropf sicher wieder eine junge Magd beschlief und das Geld für den Gasthof in die eigene Tasche steckte, zwei Fliegen mit einer Klappe.
Jan legte den Schlüssel der Spieluhr beiseite.
Barberinas launischer und unzuverlässiger Ehemann hatte bisher neben seinem ehelichen Sohn zwei Bankerte gezeugt und sich jedes Mal geweigert, für die Folgen aufzukommen, so dass schließlich er die Kinder bei guten Pflegeeltern untergebracht und Bodenschatz angewiesen hatte, die Mägde in der Residenz vor seinem Diener zu warnen. Trotzdem waren Weibergeschichten noch das kleinste Übel des ganzen Problems, das Nanni hieß. Jan bedauerte inzwischen heftig, dass sie ihn damals nicht einfach in Venedig zurückgelassen hatten.
Sein Blick schweifte zum Kachelofen. Der Anblick der Glut hinter den Ritzen der Ofenklappe erinnerte ihn an La Fiametta. Wenn es stimmte, was Pater Giuliano damals behauptet hatte, war er unsterblich. Er konnte es nicht ganz glauben, obwohl er bald sechzig wurde und noch immer jung aussah. Doch er hatte die Frau verloren, mit der er vielleicht wirklich für immer hätte leben können, und nun verstrich ein Jahr nach dem anderen ohne sie. Manchmal fühlte er sich wie ein alter Mann.
Er tippte die goldene Nachtigall der Spieluhr an, der künstliche Vogel wippte noch einmal, die Walze im Inneren spielte ein letztes Plim. Aber es half keine Kunst, die goldenen Federspiegel, die La Fiametta auf Schultern und Kreuzbein getragen hatte, waren dahin. Dahin wie ihre göttliche Stimme, ihre Gier nach Liebe und Geld. Sie war beim Brand des Teatro San Benedetto ums Leben gekommen, freiwillig ins Feuer gegangen, und er verstand noch immer nicht, warum.
Er lebte, musste weiterleben, obwohl ihm damals in der Brandnacht ein Priester den Schädel eingeschlagen hatte, um ihn daran zu hindern, zurück ins Teatro San Benedetto zu laufen, vielleicht auch, um ihm zu beweisen, dass selbst tödliche Verletzungen bei ihm heilten.
Barberina hatte ihn damals gepflegt. Sie wenigstens war ihm geblieben. Sie hielt den Vertrag treu ein, den Prinz Anton 1774 mit ihr abgeschlossen hatte. Ihr Dienst für ihn gegen ein Landgut auf der Terra ferma für ihre Familie. Doch er war allmählich versucht, Bodenschatz zuzustimmen, der immer wieder sagte, er halte es doch von Weisheit getragen, dass die meisten Gesindeordnungen Dienstboten das Heiraten rundheraus verboten. Barberina hätte ohne Nanni zweifellos besser gelebt. Und Jan mit ihr.
Natürlich hätten sie nach Meinung der heiligen Mutter Kirche in Sünde gelebt, doch Jan kannte genug Herren von Stand, sogar Geistliche, die ein ähnliches Arrangement mit ihrer Haushälterin getroffen hatten. Ein Mann brauchte nun einmal ab und zu eine Frau in seinem Bett. Lust war dem Menschen von Gott gegeben wie Hunger und Durst und das Bedürfnis nach Schlaf.
Gut, Letzteres fehlte ihm, genau wie die Fähigkeit zur Heuchelei. Barberina wusste, dass er mit ihr nur ein Zweckbündnis geschlossen hatte. Aber er hatte sie aufrichtig gern und hätte von ihr niemals verlangt, dass sie tagsüber vor ihm kuschte und nachts heimlich in sein Schlafzimmer schlich, wie das andere Herren hielten. Das Gesinde wusste sowieso Bescheid, Dienstboten sahen in einem Haushalt immer alles. Sie putzten und heizten sein Schlafzimmer, sie leerten ihm den Nachttopf, und sie hätten ihn auch gewaschen und angekleidet, wenn er es zugelassen hätte. Aber er wollte nicht, dass irgendjemand sah, was ihm wirklich im Rücken wuchs, auch nicht Barberina, obwohl er ihr absolut vertraute.
Und er sah nicht ein, warum er ihr, die fast die gesamte Last und Verantwortung seines Haushalts trug, das Leben durch Verstellung noch schwerer machen sollte. Und zum Teufel mit Nanni, der die Vorteile, die er von dem Handel hatte, auch nach Jahren noch nicht begriff. Er klingelte.
Die Spieluhr war fertig, sie konnte verpackt und Bodenschatz übergeben werden, den er morgen oder übermorgen mit Nanni aus Dresden zurückerwartete. Es war mit Prinz Anton verabredet, dass der Kammerdiener Jans kostbare Spielzeuge in seiner abgeschabten Tasche nach Dresden transportierte, um damit Räuber zu täuschen, die in diesen schlechten Zeiten sogar auf der belebten Landstraße zur Residenz manchmal den Reisenden auflauerten.
Nanni konnte man solche Aufträge nicht anvertrauen. Der brachte es fertig und vergaß Briefe oder gar eine Spieluhr unterwegs in irgendeinem Wirtshaus. Wenn er sie nicht sogar auspackte und herumzeigte und dann im Suff versetzte. Sie hatten schon einmal Bodenschatz ausschicken müssen, um in allen Schenken zwischen Freital und Dresden nach dem verlorenen Gegenstand zu fahnden – ein Dienst, den der Kammerdiener zu Recht für eine Zumutung gehalten hatte und freiwillig sicher nicht noch einmal versehen würde.
Es klopfte.
„Herein.”
Die Magd von heute war eine neue, erst seit Ostern im Haus. Sie knickste und grüßte und trug gleichzeitig schwer an einer vollen Kohlenschütte. Jan stand auf und half.
„Guten Tag, Euer Gnaden.” Sie knickste noch einmal. „Frau Barberina lässt ausrichten, das Bad sei in ungefähr einer halben Stunde bereit.”
„Danke, Kind.”
Die Neue war hübsch. Sie konnte gar nicht glauben, dass er das Feuer im Ofen seiner Werkstatt wirklich selbst schürte, obwohl sie ihm mit eigenen Augen dabei zusah. Wäre sie nicht schon davon so erschrocken, er hätte sie vielleicht zum Spaß noch geküsst. Er löste den Riegel der Ofentür und schüttete Kohlen ins Feuerloch, dass die Funken stoben.
„Danke, das war alles, Kind. Bitte geh. Ich möchte allein sein.”
Das wenigstens verstand sie. „Sehr wohl, Euer Gnaden.”
Sie knickste schon wieder und entfloh. In der Aufregung, gerade dem buckligen Grafen höchstpersönlich begegnet und nicht von ihm gefressen worden zu sein, warf sie heftig die Tür der Werkstatt hinter sich zu. Er schmunzelte.
Die Kohle roch nach Schwefel. Für ein Schmiedefeuer hätte er sie zuerst in der Esse neben der eigentlichen Glut anheizen und dabei immer wieder mit Wasser befeuchten müssen, bis sich der unerwünschte Bestandteil verflüchtigt hätte. Aber er brauchte sie heute wirklich nur als Nachschub für den Kachelofen. Eine Schande, dass man mitten im Sommer heizen musste, doch die klamme Feuchtigkeit setzte sich sonst in den Mauern fest.
Er schloss das Schürloch und fuhr leicht mit der Hand über das brennend heiße Metall. Mehr als das durfte er sich heute leider nicht gönnen. Er liebte es, sich die Finger zu verbrennen, doch er hatte es mit der Lust am Schmerz in letzter Zeit ein wenig übertrieben. Seine Fingerkuppen verloren die Feinfühligkeit und verhornten, wenn er zu ausgiebig mit dem Feuer spielte.
Arme Barberina. Aber es war ohnehin die Frage, ob sie noch Lust auf ein Bad mit ihm hatte. Sie stand kurz vor der Niederkunft, zum zweiten Mal von Nanni schwanger, der weiß Gott kein liebender Ehemann war oder wenigstens ein guter Vater. Aber er bestand wieder auf seinen Rechten, seit Barberina den kleinen Nanni nicht mehr stillte, der im Spätherbst 1774 auf die Welt gekommen war und seinem Erzeuger wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sah. Aber der Junge war seit dem Winter im Seminar zu Dresden bei den Jesuiten. Der große Nanni hatte mit dem Kleinen Pläne, sein Sohn sollte mindestens Priester werden, wenn nicht Kardinal.
Leider erschöpfte sich die Liebe zu seinen Kindern darin. Bei Barberinas zweiten, dem Ungeborenen, glaubte Nanni nicht, dass er wieder der Vater war. Dabei hätte sie dafür die Hand ins Feuer legen können. Sie war eine weiße Hexe, sie wusste, von wem sie empfangen hatte und wann. Sie hätte Nanni die Stunde und die Minute angeben können. Abgesehen davon, hatte Jan noch nie einer Frau ein Kind gemacht. Er nahm an, er konnte es nicht, weil er als Sohn eines Drachen nur zur Hälfte menschlich war.
So oder so würde er aber dafür sorgen, dass Barberina die nächste Zeit von Nanni nicht mehr belästigt wurde. Mindestens, bis sie das Wochenbett verlassen hatte. Er wollte nicht, dass ihr Ehemann sie weiter plagte, denn sie...




