E-Book, Deutsch, Band 6, 218 Seiten
Reihe: Drache und Phönix
Monkberg DRACHE UND PHÖNIX - Band 6: Goldene Lichter
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-95520-704-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 6, 218 Seiten
Reihe: Drache und Phönix
ISBN: 978-3-95520-704-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Angelika Monkberg, geboren 1955, lebt in Franken. Wenn Sie nicht in ihrem Garten arbeitet, zeichnet oder malt sie - und widmet sich dem Schreiben von Kurzgeschichten und Romanen. Bei dotbooks erschien bereits Angelika Monkbergs Roman TORNADO sowie das Fantasy-Epos DRACHE UND PHÖNIX, den es unter diesem Titel als Sammelband gibt sowie in den folgenden Einzelbänden: Erster Roman: Goldene Federn Zweiter Roman: Goldene Kuppeln Dritter Roman: Goldene Spuren Vierter Roman: Goldene Asche Fünfter Roman: Goldene Jagd Sechster Roman: Goldene Lichter Siebter Roman: Goldene Ewigkeit Mehr Informationen über Angelika Monkberg im Internet: Die Website der Autorin: www.angelikamonkberg.de Die Autorin auf Instagram/Threads: https://www.instagram.com/angelika.monkberg/ Die Autorin bei Facebook: www.facebook.com/1AngelikaMonkberg
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Kapitel 1
Auf dem Rollfeld des Flughafens Paris-Orly, an Bord einer Douglas DC-4a der United Airlines mit Ziel New York; Mittwoch, der 20. Juli 1949; 8:15 Uhr MEZ, wolkenlos, schon sehr warm.
Jan zweifelte immer noch, ob es eine gute Idee gewesen war, sich in ein Flugzeug zu setzen. Aber die Reise dauerte nicht so lange wie mit dem Schiff, und im Übrigen ließen ihm seine neuen Arbeitgeber kaum die Wahl. Sie wollten ihn am liebsten schon vorgestern, und von Cherbourg oder Le Havre aus hätte er mindestens acht Tage gebraucht, während er mit der DC-4a bereits an diesem Abend in New York ankommen würde. Durch die Zeitverschiebung wäre das natürlich der Nachmittag: Sie flogen nach Osten und holten unterwegs mehrere Stunden auf.
Aber der Abgrund, der währenddessen unter ihm liegen würde, gefiel ihm immer noch nicht. Er verstaute seine langen Beine in dem schmalen Fußraum vor sich.
Gut, er beklagte sich nicht, die CIA zahlte das Ticket, und er saß hier halbwegs komfortabel. United Airlines baute nur zweiundfünfzig Sitzplätze in eine Douglas DC-4a, während andere Fluggesellschaften achtzig Passagiere darin verstauten. Er fragte sich wirklich, wie. Obwohl sie ja alle schon wieder verwöhnt waren, denn der Vorgängertyp dieses Flugzeugs hatte der Army während des Zweiten Weltkriegs als Truppentransporter gedient, und damals war es an Bord sicher noch beengter zugegangen.
Er stellte sich das schrecklich vor, eingepfercht mit Dutzenden von Männern, und vielleicht noch ein Nachtflug, so dass man überhaupt nicht wusste, wo man landete. In dieser Hinsicht hatte er es heute besser, sein Flug ging tagsüber, und es blieb auch hell, einen ganzen, sehr langen Nachmittag lang. Er würde genau sehen, wo er ankam. Außerdem bekam er sogar eine Verschnaufpause. Die DC-4a musste in Gander, Neufundland, aufgetankt werden, denn ein Flug mit der neuen Constellation von Lockheed, die durch ihre Tragflächentanks über sagenhafte 6400 Kilometer Reichweite verfügte und nonstop in die USA flog, war der CIA doch zu teuer gewesen. Für Jan Stolnik, staatenlos, designierter Dämonenjäger, Sohn eines Drachen, tat es auch ein normaler Flug.
Er warf an seinem linken Sitznachbarn vorbei einen Blick durch das Bullauge auf die Tragfläche der DC-4a. Die Maschine verfügte über vier Propellertriebwerke, deren Flügel sich inzwischen so schnell drehten, dass selbst er sie nur noch als undeutliche graue Scheibe wahrnahm. Die Motoren dröhnten laut, er sah, wie das Terminal zurückfiel, und dann fuhren sie plötzlich neben einer Wiese auf einer grauen Betonpiste. Stöße wie in einem schlecht gefederten Eisenbahnwaggon verrieten, dass sie sich auf die eigentliche Startbahn zubewegten.
„Schließen Sie bitte die Sicherheitsgurte, und stellen Sie das Rauchen ein.“ Eine Stewardess im adretten dunklen Kostüm mit Schiffchen im Blondhaar ging durch die Sitzreihen und vergewisserte sich, dass jedermann an Bord ihren Anweisungen folgte. „Sie bitte auch, Sir“, sagte sie zu Jans Nachbar.
Der Mann drückte seine Zigarette mit einem Augenrollen aus und reichte Jan gleichzeitig seine Visitenkarte. „Frank D. Kapitzky, Tibouchina Cosmetics. Unser Markenzeichen ist die blaue Prinzessinnenblume. Ich habe in Grasse Parfüm für die Firma eingekauft. Also, wenn die Frau Gemahlin einen Duft möchte, den ihre Freundinnen noch nicht kennen – Sie wissen jetzt, an wen Sie sich wenden müssen.“ Und was treibt dich hierher, Sportsfreund?
Jan beantwortete die unausgesprochene Frage und stellte sich ebenfalls vor: „Jan Stolnik, Zivilangestellter der US Army.“
„So? Dann sind wir ja fast Kollegen“, sagte der Priester, der, getrennt durch den Mittelgang, rechts von ihm saß. „O’Shaughnessy. Ich war in der Normandie dabei. Omaha Beach.“
„Ich war in Caen.“
„Da war es auch heftig. Danken wir dem Herrgott, dass es vorbei ist.“
„Amen“, sagte Kapitzky.
Nahezu alle Reisenden an Bord waren Geschäftsleute, nur weiter vorn saß eine einzelne ältere Dame und zwei Reihen weiter hinten ein Ehepaar, das seine Tochter in einem Pariser Institut für junge Damen abgeliefert hatte. Nancy sollte Französisch lernen, wie sie der Stewardess anvertrauten. „Damit sie später mal einen Akademiker als Schwiegersohn bringt.“
O’Shaughnessy verzog die Lippen zu einem amüsierten Schmunzeln. Der Pater besaß weit mehr Gottvertrauen als seinerzeit Prinz Antons Beichtvater Wilfert, Jan sah bei ihm keinen Rosenkranz, und er schickte auch nur ein stummes Gebet zum Himmel. Gib, dass diese Reise gut verläuft, o Herr. Aber Dein Wille geschehe! Amen. Und als die Stewardess auf dem Rückweg zum Cockpit zwischen ihnen durchging, starrte er ihr mit unverhohlenem Wohlgefallen auf den Hintern.
Jan lächelte. Er staunte, wie sicher sie ihren Platz in der Bordpantry erreichte, denn die DC-4a raste nun mit aufbrüllenden Motoren die Startbahn entlang, die Geschwindigkeit presste seine Stummelflügel unangenehm in den Sitz, und auf einmal hob es ihn und die ganze Kabine in die Schräglage und stetig höher. Das Flugzeug war in der Luft, das Rattern der Reifen verwandelte sich in ein Sausen und Pfeifen, und die DC-4a stieg unaufhaltsam. Plötzlich lag Paris wie auf einer Landkarte unter ihm, doch mit lebhafteren Farben, grün, ziegelrot und dunstgrau, viele winzige Häuser, durchzogen vom Silberband der Seine. Der Anblick kam so überraschend, dass er die Höhe zuerst gar nicht empfand. Dafür dröhnten die Propellertriebwerke jetzt überlaut, Druck legte sich auf seine Ohren, und er schluckte mehrmals, bis das unangenehme Gefühl nachließ. Sein Sitznachbar Kapitzky kaute Kaugummi. „Auch einen? Das hilft.“
„Sobald wir unsere Reiseflughöhe von rund viertausend Metern erreicht haben, dürfen Sie sich abschnallen.“ Die blonde Stewardess kehrte lächelnd zurück. Leichte Stöße schüttelten die Maschine. „Das sind nur Turbulenzen, Sir. Winde.“
Sie hätte die Höhe nicht erwähnen sollen. Er wandte die Augen vom Bullauge ab.
Kapitzky grinste ihn an. „Ist großartig, die Aussicht nach unten, was?“ Er nahm den Kaugummi aus dem Mund und zündete sich eine neue Zigarette an. „Die neue Constellation soll angeblich sogar noch höher aufsteigen können, ihre Passagierkabine ist druckdicht. Mir macht das hier aber nichts aus. Ist doch ’ne feine Sache, die Luft soll hier zwar dünn sein wie auf dem Matterhorn, aber dafür brauchen wir keine Bergtour zu machen, wir kriegen die gesunde Höhenluft umsonst. Waren Sie mal in der Schweiz?“
„Nein.“ Zumindest nicht, um das Matterhorn zu besteigen, niemand hätte damals im Traum daran gedacht. Wenn er einen seiner Prinzen-Halbbrüder auf der Grand Tour begleitet hatte, hatten sie immer Städte und dem Kurhaus Sachsen in Freundschaft verbundene Fürstenhöfe besucht, und die Wege über die Alpenpässe waren jedes Mal mit Gefahren verbunden gewesen, von denen Räuber noch die geringsten waren, aber das gehörte nicht hierher und hätte Kapitzky höchstens verwirrt. Jan sah, dass die Stewardess der älteren Dame drei Reihen vor ihm eine Sauerstoffmaske zeigte. „Wirklich, Madam, Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen. Es ist völlig sicher.“
Kapitzky dauerte das zu lange. Er hob den Arm und schnippte mit den Fingern. „Miss? Wie wäre es mit Martinis für uns zwei Hübschen?“
„Kommt sofort, Sir.“ Ihr Blick streifte Jan. Sein Gesicht gefiel ihr und der militärisch kurze Haarschnitt erst recht. Aber sie war mit ihren knapp vierundzwanzig Jahren schon ein alter Hase in ihrem Metier und sah ihm an, wie unwohl er sich fühlte.
Er zwang sich zu einem Lächeln. Nein, sie brauchte keine Angst zu haben, dass er sich übergab. Das Rütteln und die Stöße des Flugs störten ihn nicht weiter, da hatte er während seines langen Lebens in Kutschen und auf See viel Schlimmeres erlebt. Ihm war nur leider sehr bewusst, dass die Maschine frei in der Luft schwebte. Ringsum war nichts, es gab noch nicht einmal Wolken. Die Hitzewelle hatte den Himmel über halb Europa wie blank geputzt, Jan schätzte, dass das Thermometer heute Mittag in Paris wieder auf über dreißig Grad klettern würde.
Kapitzky dachte offenbar das Gleiche. „Wenigstens schwitzt man hier nicht.“ Er lockerte seine Krawatte und lächelte die Stewardess an. „Hör mal, Mädchen, verwendet ihr hier an Bord Gin oder Wodka für den Martini?“
„Gin, natürlich, Sir. United Airlines serviert keine kommunistischen Getränke.“
„Das ist gut. Aber tu bloß keine Olive hinein! Und schwenk die Wermutflasche höchstens kurz am Gin vorbei. Ein anständiger Drink muss steif sein. Wie ich.“ Er nahm das volle Glas in die Linke und machte Anstalten, nach ihrer Rechten zu greifen. Jan war nicht überrascht, dass sie Hand und Flasche sofort zurückzog. „Haben Sie sonst noch einen Wunsch, Sir?“
„Ja, dass du heute Abend mit mir ausgehst, Süße. Wie heißt du eigentlich?“
„Carol. Aber ich fürchte, Sir, das geht nicht. Wir starten um zweiundzwanzig Uhr.“
„Na, vielleicht hat ja eine deiner Kolleginnen Zeit. Du bist sicher so nett und reichst meine Adresse weiter. Ich steige in New York immer im Plaza ab.“ Kapitzky – Bungalow in Boston, Massachusetts, verheiratet, vier Kinder – leerte sein Glas in einem Zug und beugte sich an Jan vorbei, um der Stewardess seine Visitenkarte zuzustecken. Sie ließ sie routiniert in ihrem Blusenausschnitt verschwinden....




