E-Book, Deutsch, Band 7, 242 Seiten
Reihe: Drache und Phönix
Monkberg DRACHE UND PHÖNIX - Band 7: Goldene Ewigkeit
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-95824-020-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 7, 242 Seiten
Reihe: Drache und Phönix
ISBN: 978-3-95824-020-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Angelika Monkberg, geboren 1955, lebt in Franken. Wenn Sie nicht in ihrem Garten arbeitet, zeichnet oder malt sie - und widmet sich dem Schreiben von Kurzgeschichten und Romanen. Bei dotbooks erschien bereits Angelika Monkbergs Roman TORNADO sowie das Fantasy-Epos DRACHE UND PHÖNIX, den es unter diesem Titel als Sammelband gibt sowie in den folgenden Einzelbänden: Erster Roman: Goldene Federn Zweiter Roman: Goldene Kuppeln Dritter Roman: Goldene Spuren Vierter Roman: Goldene Asche Fünfter Roman: Goldene Jagd Sechster Roman: Goldene Lichter Siebter Roman: Goldene Ewigkeit Mehr Informationen über Angelika Monkberg im Internet: Die Website der Autorin: www.angelikamonkberg.de Die Autorin auf Instagram/Threads: https://www.instagram.com/angelika.monkberg/ Die Autorin bei Facebook: www.facebook.com/1AngelikaMonkberg
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Kapitel 1
Rom, Via Merulana 259; Sonntag, der 4. Juli 1965, 15 Uhr, drückende Hitze.
Der Fahrer hielt am Straßenrand, stieg aus, eilte um die Kühlerhaube und riss für Schödel die rechte hintere Tür des Mercedes auf. Dabei zog er die Mütze und bot dem Monsignore die Hand, um ihm notfalls beim Aussteigen behilflich zu sein. Wie Jan diese Aufgabe bewältigte, blieb ihm selbst überlassen, doch bis sich Schödel aus der Limousine gewuchtet hatte – aus eigener Kraft, so viel musste man ihm zugestehen –, kam auch schon die Signora aus dem Haus geeilt. Sie knickste und küsste dem Monsignore die Hand. „Gelobt sei Jesus Christus.“
„In Ewigkeit Amen, meine Tochter.“ Schödel schlug mit großer Würde das Kreuz über dem schneeweißen Scheitel der kleinen, verhutzelten Gestalt. Dem Aussehen nach hätte sie leicht seine Urgroßmutter sein können, und eigentlich hätte er sich vor ihr verneigen müssen. Doch dies war Italien, Rom, und hier inszenierte sich der Monsignore anders als in Las Vegas, wo er in einer Bar geplaudert und gelacht hatte. Schödel trug heute Soutane und benahm sich, als sei diese Wohnungsbesichtigung ein Staatsbesuch. „Signora Ruscello, dies ist Signor Stolnik. Jan – Graziella Ruscello.“
„Angenehm. Folgen Sie mir bitte, Signori.“ Die Signora winkte sie mit der Geste einer Königin ins Haus, und vielleicht war sie das auch. Eine Art Schleier lag über ihr, diese Augentäuschung war aber so dicht gewebt, dass Jan sie nicht durchdringen konnte, ohne seine eigenen Schutzschilde in eine Waffe zu verwandeln, einen Stoßkeil. Doch wozu? Er war ziemlich sicher, dass Graziella Ruscellos Abwehr nicht ihm galt. Wahrscheinlich schirmte sie sich nur gegen die allgegenwärtige Macht der Kirche in der Heiligen Stadt ab, was Schödel im Übrigen nicht bemerkte. Der Monsignore war als Magier nur ein kleines Licht, gerade talentiert genug, den Drachen in Jan zu erkennen, stolz darauf, dass er für seinen Orden mit ihm verhandeln durfte, und gerade ganz darauf konzentriert, ihm die Wohnung im Haus der Signora schmackhaft zu machen.
„Sie werden sehen, es wird Ihnen gefallen, wenn Sie wieder Ihr eigener Herr sind.“ Der Monsignore gab sich alle Mühe, Jan den Eindruck zu vermitteln, dass die Idee eines Umzugs von ihm stammte, aber in Wahrheit befolgte Schödel einen direkten Befehl seines Großmeisters Deodatus Neville. Der hatte wahrscheinlich Dankbarkeit, wenn nicht gar Unterwerfung von Jan erwartet, doch der sah nicht ein, warum er das dreifache Gelübde des Gehorsams, der Armut und der Keuschheit ablegen und als Laienbruder in den dritten Orden der Dominikaner eintreten sollte. Damit sein Vermögen doch noch der Kirche in den Schoß fiel? Das konnten Neville und die Vatikanbank vergessen.
Natürlich hatte er damit gerechnet, dass Schödels Vorgesetzter die mündlichen Vereinbarungen, die er in Las Vegas mit ihm getroffen hatte, nicht bis ins Detail einhielt. Schließlich ging es hier um eine Geheimorganisation innerhalb des Ordens der Dominikaner und der Inquisition, auch wenn die sich heute anders nannte. Kardinal Ottaviani, der Präfekt der Glaubenskongregation, der von Nevilles Vorstoß wahrscheinlich nur in sehr groben Zügen wusste, bezeichnete sich als einen demütigen Wächter der Reinheit des Glaubens, und Häretiker wurden heute auch nur noch exkommuniziert, nicht mehr verbrannt. Aber die Mühlen der Kirche mahlten genauso langsam wie seit ehedem, und Jan hing es zum Hals heraus, ständig vertröstet zu werden. Er wusste zum Unglück aller Beteiligten genau, welche unumstößlichen Beweise der Orden vom Sonnenkreuz zusammengetragen hatte, dass er wirklich der Jan Stolnik war, dessen Vermögen die Vatikanbank 1897 in Rom einbehalten hatte. Wenn ihn die Kirche (oder Neville) als Mitstreiter im Kampf gegen das Böse haben wollte, musste sie ihm auch zurückgeben, was ihm von Rechts wegen gehörte. Auf jeden Fall hatte er sich jetzt einen Anwalt genommen, und dass ihn der Großmeister quasi zur Vergeltung aus dem Gästehaus des Ordens vom Sonnenkreuz ausquartierte, passte ihm in Wirklichkeit ganz gut. Aus der Via Merulana konnte er sich viel einfacher davonstehlen, um die Post für seine Identität als John Long abzuholen. Er traute seinen neuen Verbündeten genauso wenig wie die ihm. Dass ihm ausgerechnet die katholische Kirche helfen wollte, war im Grunde ein ziemlich grausamer Witz. Aber er besaß jetzt Rückendeckung. Die CIA wollte einen Spion im Vatikan, und damit er handlungsfähig wurde, hatte ihm Washington gegeben, was sie ihm all die Jahre in den Staaten verweigert hatten: einen Reisepass. Jan Stolnik, der an Monsignore Schödels Seite italienischen Boden betreten hatte, war staatenlos und besaß nur eine zeitlich begrenzte Aufenthaltserlaubnis, John Long, Bürger der USA, hingegen konnte kommen und gehen, wie er wollte – wenn er es nicht überreizte.
„Kommen Sie, Signori, folgen Sie mir!“ Die kleine Alte flitzte die Treppenstufen zum Piano nobile des Hauses in einem Tempo nach oben, das er kaum einer Zwanzigjährigen zugetraut hätte. Ihre weiten Hosenbeine flatterten. Sie trug eine Art Matrosenanzug, dessen Säume merkwürdigerweise nass waren, und den dicksten Haarknoten, den er je gesehen hatte, faktisch einen Doppelknoten: Der eine saß am Hinterkopf und der zweite tief im Nacken, beide waren mit Haarpfeilen aus roter Koralle gesichert und seiner Meinung nach mit dicken Rosshaarpolstern verstärkt. Wenn das echt gewesen wäre, hätte ihr das Haar mindestens bis in die Kniekehlen reichen müssen. Doch er schob den Gedanken beiseite und genoss erst einmal die Kühle im Treppenhaus. Die Nachmittagshitze hatte sogar die kurze Fahrt im bequemen Mercedes zur Tortur gemacht. Dass Santa Maria Maggiore und San Giovanni in Laterano jetzt Straßenschluchten verbanden, tat der Luft auf diesen Hügeln Roms gar nicht gut. Jan bedauerte, dass die Weingärten und Landgüter, die sich einst hier erstreckt hatten, mit Häusern bebaut worden waren. Er konnte sich nicht erinnern, dass er in früheren Sommern hier derart geschwitzt hätte. Auch Schödel wischte sich mit einem Taschentuch Stirn und Nacken, während die kleine Alte „Bitte, Signori“ zwitscherte und rechts von ihnen eine geschnitzte Wohnungstür aufstieß. „Sehen Sie sich in aller Ruhe um, Sie kommen gewiss ohne mich zurecht?“
„Ja, sicher. Danke.“
Im Salon und dem Speisezimmer, den beiden Räumen, die zur Straße gingen, waren die Fensterläden geschlossen, das hielt die Temperatur im Vergleich zu der Bullenhitze draußen in Grenzen. Jan legte den Kopf in den Nacken und betrachtete im Dämmerlicht die Stuckdecke des Salons. Drittes Rokoko. Delphine und allerhand anderes Meeresgetier tummelten sich in allen vier Ecken des Plafonds. Salon und Speisezimmer verband eine Durchgangstür, und eine weitere führte in ein Eckzimmer.
„Wollen Sie nicht doch bei mir einziehen, Schödel? Platz wäre hier genug.“
„Danke, ich komme in einer Pension in der Nähe sicher gut zurecht.“ Der Mund des Monsignore verzog sich zu einem schmerzlichen Lächeln. Deodatus Neville hatte ihn nicht nur dazu verdonnert, Jan zum Umzug in diese Wohnung zu drängen, nein, Schödel sollte sich auch selbst in der Nachbarschaft einmieten, quasi in Klausur, und über das wahre Ausmaß seiner Zuneigung zu einem gewissen jungen Doktor der Theologie und Jurisprudenz nachdenken. Dabei war zwischen dem Monsignore und Rodrigo Guzman Talavera außer Gesprächen und gemeinsamen Schachpartien bisher absolut nichts geschehen. Jan hegte sowieso den Verdacht, dass Schödel zu viele Skrupel besaß, um sich dem jungen Theologen je zu erklären.
„Nun, was denken Sie?“, fragte der Monsignore. „Die Wohnung liegt ruhig und doch zentral, die nächste Bushaltestelle ist ganz in der Nähe. Oder Sie nehmen ein Taxi, wenn Sie in den Vatikan gerufen werden.“
„Sehr liebenswürdig, Schödel, aber ich laufe gern zu Fuß. Von hier bis zum Petersdom sind es kaum vierzig Minuten, und wir wollen doch die Finanzen des Ordens vom Sonnenkreuz nicht noch mehr strapazieren.“ Diese Antwort war boshaft. Vermutlich war Schödel auch deshalb bei Neville in Ungnade gefallen, weil Jan auf einem Vertrag bestanden hatte, der die Blauen Adepten verpflichtete, seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Den in solchen Fällen allgemein üblichen Zusatz – bis er dazu selbst in der Lage war – hatte der Notar des Ordens zum Schaden der Brüder leider vergessen. „Ich werde dem Orden vom Sonnenkreuz natürlich alle Ausgaben zurückerstatten, sobald ich kann“, sagte er deshalb freundlicher. „Versichern Sie das bitte Ihren Brüdern.“
„Schon gut.“ Schödel seufzte. Dass er ihm auf Befehl seines Großmeisters gerade diese Wohnung vorschlagen musste, verursachte dem armen Monsignore auch noch aus einem anderen Grund Kopfschmerzen. Ganz in der Nähe lag Santa Prassede, die Kirche, in der Rodrigo Guzman Talavera jeden Morgen die Messe las, und Schödel wusste nicht, wie er diesem Fallstrick entgehen sollte. Rodrigo fernbleiben und damit quasi eingestehen, dass mich seine Nähe in Versuchung führt? Oder im Gegenteil täglich mit ihm die Messe feiern und damit Neville davon überzeugen, dass ich ein reines Gewissen habe? Tatsächlich fühlte Schödel nur Freude, wenn er an Talavera dachte. Wenn ihn Gott mit einem fein geformten Antlitz geschaffen hat, darf ich ihn doch wohl mit Gefallen betrachten? Allein seine edlen Hände …
Jan wusste, dass sich der Monsignore etwas vormachte, wenn er glaubte, dass er nur eine Art väterliche Liebe für den hochbegabten jungen Doktor...




