Montgomery | Emily auf der High-School | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 306 Seiten

Reihe: Emily

Montgomery Emily auf der High-School


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7320-0907-7
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 306 Seiten

Reihe: Emily

ISBN: 978-3-7320-0907-7
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Was Emily nicht zu träumen gewagt hat, wird Wirklichkeit: Sie darf nach Shrewsbury gehen und die High-School besuchen. Allerdings muss sie dafür zwei große Opfer bringen. Zum einen gilt es, New Moon zu verlassen und bei der ungeliebten Tante Ruth zu leben. Zum anderen soll sie auf das Schreiben von ausgedachten Geschichten verzichten. Doch Emily ist schließlich eine stolze, durchsetzungsfähige Murray. Und so verliert sie ihr Ziel, eine große Schriftstellerin zu werden, in diesen drei turbulenten Schuljahren keinen Moment aus den Augen. Die Klassiker-Reihe von Lucy Maud Montgomery als eBook! Nach 'Anne auf Green Gables' erzählte die weltweit bekannte Autorin die Geschichte vom Waisenkind Emily und ihrem Traum, eine große Schriftstellerin zu werden. Nostalgie-Spaß für Jugendliche und Erwachsene!

Lucy Maud Montgomery wurde 1874 in New London, Kanada geboren. Schon früh entdeckte sie ihre Liebe zur Literatur. Nachdem sie zahlreiche Bücher verschlungen hatte, begann sie selbst zu schreiben. Sie veröffentlichte 23 Romane, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Die Heldinnen ihrer Bücher sind starke, unabhängige Mädchen, die ihre Wünsche und Träume durchsetzen - so wie sie. Besonders bekannt und beliebt sind ihre Reihen um Anne auf Green Gables und Emily auf der Moon Farm. Die Autorin verstarb 1942 in Toronto.
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Geheime Gedanken


Vor langer Zeit, als die Welt noch nicht kopfstand, saß Emily Byrd Starr an einem stürmischen Februarabend allein in ihrem Zimmer auf New Moon, der alten Farm in Blair Water. Sie war in diesem Augenblick so glücklich, wie ein Mensch überhaupt nur sein kann. Weil es so bitter kalt war, hatte Tante Elizabeth ihr ausnahmsweise erlaubt, in ihrem eigenen kleinen Kamin Feuer zu machen. Es brannte hell und freundlich und verbreitete einen rotgoldenen Schein über das kleine, sauber aufgeräumte Zimmer mit seinen altmodischen Möbeln und seinen tiefliegenden Fenstern. An den blauweißen Fensterrahmen und den mit Eisblumen bedeckten Scheiben blieben die Schneeflocken wie kleine Kränze haften. Das Flackern des Feuers verlieh dem Spiegel an der Wand etwas Geheimnisvolles und Faszinierendes; im Spiegel war Emily zu sehen, wie sie auf dem Polsterschemel vor dem Kamin saß und im Schein der beiden großen weißen Kerzen–die einzige Beleuchtung, die auf New Moon erlaubt war – in ein nagelneues, schwarz glänzendes „Jimmy-Buch“ schrieb, das Cousin Jimmy ihr eben erst geschenkt hatte. Emily hatte sich sehr darüber gefreut, denn das Buch, das sie letzten Herbst von ihm bekommen hatte, war längst voll; seit mehr als einer Woche schon hatte sie es vor Schreibwut kaum aushalten können.

Emilys Tagebuch war ein ganz wichtiger Bestandteil ihres jungen, bewegten Lebens. Es war an die Stelle jener „Briefe“ getreten, die sie als Kind ihrem verstorbenen Vater geschrieben und in denen sie sich ihre Sorgen und Nöte „von der Seele“ geschrieben hatte. Sorgen und Nöte hat man schließlich auch noch im blühenden Alter von beinahe vierzehn Jahren, besonders wenn man unter dem zwar gutgemeinten, aber strengen Regiment einer Tante namens Elizabeth Murray zu leiden hat. Manchmal hatte Emily das Gefühl, aus der Haut fahren zu müssen, wenn sie nicht auf der Stelle an ein neues Tagebuch herankam. Das dicke schwarze „Jimmy-Buch“ war für sie wie ein richtiger Freund, dem sie alles anvertrauen konnte, was sie unbedingt loswerden wollte und was ihr für menschliche Ohren zu heikel erschien. Nun war es auf New Moon nicht gerade ein leichtes, an ein unbeschriebenes Heft oder Buch heranzukommen, und wenn Cousin Jimmy nicht gewesen wäre, hätte es wohl nie ein Tagebuch für Emily gegeben. Von Tante Elizabeth brauchte sie sich keines zu erhoffen – die fand ohnehin, daß Emily viel zuviel Zeit mit „diesem Geschreibsel“ vergeudete –, und Tante Laura wagte nicht, Tante Elizabeth in dieser Angelegenheit zu widersprechen – wo sie doch selbst der Meinung war, Emily sollte sich lieber mit etwas Sinnvollerem beschäftigen. Tante Laura war die Seele von einem Menschen, aber gewisse Dinge wollten selbst ihr nicht einleuchten.

Cousin Jimmy hingegen ließ sich von Tante Elizabeth kein bißchen einschüchtern, und wenn ihm einfiel, daß es vielleicht mal wieder Zeit sei für ein neues „unbeschriebenes Buch“, dann „zauberte“ er augenblicklich eins herbei, da konnte Tante Elizabeth ihm noch so böse Blicke zuwerfen. An diesem Tag war er trotz des herannahenden Sturms eigens nach Shrewsbury gefahren, um so ein Buch zu besorgen. Nun saß Emily also glücklich und zufrieden vor ihrem kleinen, gemütlichen Kaminfeuer, während draußen der Wind heulend und kreischend durch die großen alten Bäume fuhr. Der Sturm wirbelte den Schnee zu riesigen, geisterhaften Girlanden auf und blies sie über Cousin Jimmys berühmten Garten; er ließ die Sonnenuhr unter einer Schneewehe verschwinden und erschreckte mit seinem unheimlichen Pfeifen die Drei Prinzessinnen – so nannte Emily die drei großen Pyramidenpappeln in einer Ecke des Gartens.

„Ich mag es, wenn es nachts draußen stürmt und ich nicht hinausmuß“, schrieb Emily. „Cousin Jimmy und ich hatten einen herrlichen Abend; wir haben Pläne für unseren Garten geschmiedet und Samen und Pflanzen aus dem Katalog ausgesucht. Hinter dem Sommerhaus, da, wo das Schneegestöber am stärksten ist, da wollen wir ein Beet mit rosaroten Astern anlegen, und hinter den Goldblumen, die jetzt tief unter dem Schnee schlafen, wollen wir ein paar von diesen herrlich blühenden Mandelbäumen anpflanzen. Es macht mir riesigen Spaß, mir auszumalen, wie schön der Sommer sein wird, während es um mich herum stürmt und schneit. Es kommt mir dann vor, als ob ich einen Sieg erringe über etwas, was viel, viel größer ist als ich; ich kann immerhin denken, aber der Sturm nicht – er wütet bloß blindlings drauflos. Ich lache ihn aus, während ich es mir vor meinem kleinen Feuer gemütlich mache. Aber erlauben kann ich mir das nur, weil vor über hundert Jahren Ururgroßvater Murray dieses Haus mit seinen dicken Mauern erbaut hat. Ob wohl in weiteren hundert Jahren auch jemand einen Sieg erringt, bloß weil ich etwas Besonderes hinterlassen oder getan habe? Was für eine aufregende Vorstellung!

Jetzt habe ich schon wieder schräg geschrieben! Mr. Carpenter sieht das gar nicht gem. Das ist eine Besessenheit aus der frühviktorianischen Zeit, sagt er, und ich muß mir das unbedingt abgewöhnen. Ich habe im Wörterbuch nachgeschlagen, was eine Besessenheit ist, und mir fest vorgenommen, davon loszukommen, denn was da steht, hört sich gar nicht erfreulich an, wenn auch nicht ganz so schlimm wie Wahnsinn. Da, schon wieder!

Eine ganze Stunde lang habe ich im Lexikon gelesen – bis Tante Elizabeth Verdacht geschöpft hat und meinte, ob es nicht viel sinnvoller sei, wenn ich an meinen Strümpfen weiterstricke. Was eigentlich schlimm daran sein soll, sich in ein Lexikon zu vertiefen, wußte sie wohl selbst nicht; aber bloß, weil sie nie auf die Idee kommt hineinzusehen, muß es gleich etwas Schlimmes sein. Dabei liebe ich es, im Lexikon zu lesen. (Das mußte ich jetzt einfach schräg schreiben, Mr. Carpenter! Sonst käme doch meine Leidenschaft überhaupt nicht zum Ausdruck!) Worte sind doch wirklich etwas unglaublich Faszinierendes! Schon bei ihrem Klang – schauerlich – überkommt mich der Blitz! Oje, schon wieder! Aber den Blitz muß ich unbedingt schräg schreiben! Schließlich ist er etwas ganz Besonderes – er ist das Aufregendste und Herrlichste in meinem ganzen Leben! Wenn er kommt, dann ist es, als wenn vor meinen Augen plötzlich eine Tür aufspringt und mir einen ganz kurzen Blick in den – ja, in den Himmel gewährt. (Und schon wieder diese Schrägschrift! Jetzt weiß ich, warum Mr. Carpenter immer mit mir schimpft! Ich muß mir das einfach abgewöhnen!)

Hochtrabende Worte klingen eigentlich nie schön – diskriminieren‘ zum Beispiel oder ‚international‘ oder ‚verfassungswidrig‘. Sie erinnern mich an diese furchtbar protzigen Dahlien und Chrysanthemen, die Cousin Jimmy mir letzten Herbst auf der Gartenschau in Charlottetown gezeigt hat. Manche Leute fanden sie hinreißend, aber wir konnten gar nichts Schönes an ihnen finden. Cousin Jimmys gelbe Zwergchrysanthemen, die mit dem Tannenwäldchen im Hintergrund wie entzückende kleine Sterne leuchten, sind viel, viel schöner. Aber ich komme vom Thema ab – auch so eine schlechte Angewohnheit von mir, wie Mr. Carpenter behauptet. Er sagt, ich muß unbedingt (diesmal ist er schuld an der Schrägschrift, weil er es so betont hat) lernen, mich zu konzentrieren – wieder so ein hochtrabendes Wort, und noch dazu besonders häßlich.

Auf jeden Fall hat es mir großen Spaß gemacht, das Lexikon zu studieren – kein Vergleich zu diesen dummen Strümpfen, die ich stricken soll. Wenn ich wenigstens ein Paar Seidenstrümpfe haben dürfte – nur ein einziges Paar! Ilse hat sogar drei Paar. Sie bekommt von ihrem Vater alles, was sie will, seitdem er sie ins Herz geschlossen hat. Aber Tante Elizabeth behauptet, Seidenstrümpfe seien unanständig. Ich möchte nur wissen, warum – Seidenkleider sind es doch auch nicht.

Nächsten Herbst schickt Dr. Burnley Ilse auf die High-School nach Shrewsbury und später dann nach Montreal, wo sie zur Vortragskünstlerin ausgebildet wird. Ich beneide sie darum. Ich würde so gern auch nach Shrewsbury gehen, aber ich fürchte, das erlaubt Tante Elizabeth mir nie. Sie meint, sie könne mich nicht aus den Augen lassen, wo doch meine Mutter damals mit ihrem Geliebten durchgebrannt ist. Aber darum braucht sie sich bei mir wirklich keine Sorgen zu machen. Ich habe nämlich beschlossen, niemals zu heiraten. Ich werde vielmehr mit meiner Kunst den Bund fürs Leben eingehen.

Teddy würde im Herbst auch gern nach Shrewsbury gehen, aber seine Mutter erlaubt es nicht. Nicht, weil er womöglich durchbrennt, sondern weil sie ihn so sehr liebt, daß sie sich nicht von ihm trennen kann. Teddy möchte Maler werden, und Mr. Carpenter sagt, er sei ein Genie und sollte seine Chance bekommen, aber niemand traut sich, mit Mrs. Kent darüber zu sprechen. Mrs. Kent ist ziemlich klein – bestimmt nicht größer als ich – und ein ruhiger, scheuer Mensch; und doch hat jeder Angst vor ihr. Sogar ich habe schreckliche Angst vor ihr. Daß sie mich nicht mag, habe ich von Anfang an gewußt – seit damals, als Ilse und ich Tansy Patch zum erstenmal aufsuchten, um mit Teddy zu spielen. Aber inzwischen haßt sie mich richtig – ich weiß es ganz genau –, und das nur, weil Teddy mich mag. Sie kann es nicht ertragen, wenn er außer ihr noch jemand anderen oder auch etwas anderes mag. Sie ist sogar eifersüchtig auf seine Bilder. Deshalb wird er wohl kaum nach Shrewsbury gehen dürfen. Perry dagegen geht hin. Er hat nicht einen Pfennig Geld, aber er will für sein Studium arbeiten. Deshalb geht er auch nicht auf die Queen’s Academy, weil er meint, in Shrewsbury gäbe es eher Arbeit und außerdem preiswertere Zimmer.

‚Tante Tom, dieses alte Biest, hat zwar ein bißchen Geld‘, hat er zu mir gesagt,...



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