Montgomery | Emily auf der Moon-Farm | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 303 Seiten

Reihe: Emily

Montgomery Emily auf der Moon-Farm


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7320-0909-1
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 303 Seiten

Reihe: Emily

ISBN: 978-3-7320-0909-1
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Klassiker-Reihe von Lucy Maud Montgomery als eBook! Nach 'Anne auf Green Gables' erzählte die weltweit bekannte Autorin die Geschichte vom Waisenkind Emily und ihrem Traum, eine große Schriftstellerin zu werden. Nostalgie-Spaß für Jugendliche und Erwachsene! Ausgerechnet die herrische alte Tante Elizabeth soll das Waisenkind Emily aufnehmen. Auf New Moon, Emilys neuer Heimat, macht ihr nicht nur die strenge Tante das Leben schwer. Aber das kleine Mädchen mit dem ungebrochenen Stolz lässt sich nicht unterkriegen, besonders nicht, wenn es um seine große Leidenschaft geht: Emily will Schriftstellerin werden ...

Lucy Maud Montgomery wurde 1874 in New London, Kanada geboren. Schon früh entdeckte sie ihre Liebe zur Literatur. Nachdem sie zahlreiche Bücher verschlungen hatte, begann sie selbst zu schreiben. Sie veröffentlichte 23 Romane, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Die Heldinnen ihrer Bücher sind starke, unabhängige Mädchen, die ihre Wünsche und Träume durchsetzen - so wie sie. Besonders bekannt und beliebt sind ihre Reihen um Anne auf Green Gables und Emily auf der Moon Farm. Die Autorin verstarb 1942 in Toronto.
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Das Haus im Tal


Das Haus in dem kleinen grünen Tal lag „eine Meile weit draußen“ – so hieß es jedenfalls bei den Leuten von Maywood. Eigentlich sah es gar nicht aus wie ein richtiges Haus, sondern eher wie ein großer brauner Pilz, der dort aus der Erde gewachsen zu sein schien. Zu dem Haus führte ein langer, grasbewachsener Pfad, fast versteckt unter den jungen Birken, die ihn umsäumten. Weit und breit war kein anderes Haus zu sehen, obwohl das Dorf gleich jenseits des Hügels lag. Ellen Greene sagte deshalb immer, das sei der einsamste Ort auf der Welt, und wenn sie nicht solches Mitleid hätte mit dem armen Kind, dann würde sie es hier keinen Tag länger aushalten.

Emily ahnte nicht, daß sie bemitleidet wurde, und sie wußte auch nicht, was Einsamkeit bedeutete. Sie hatte doch ihren Vater und Mike und Saucy Sal. Und da gab es die Windsbraut und ihre Freunde, die Bäume: „Adam-und-Eva“, die „Hahnenkiefer“ und all die freundlichen Birken.

Und dann kam ab und zu „der Blitz“. Emily wußte nie genau im voraus, wann er kam, doch gerade das war das Spannende daran.

Eines Abends stahl sich Emily davon, um einen Spaziergang zu machen. Dieser Spaziergang sollte ihr in ewiger Erinnerung bleiben – nicht, weil er so schön unheimlich war – auch nicht, weil nach Wochen plötzlich „der Blitz“ kam – sondern weil sich von diesem Abend an alles änderte.

Es war ein trüber, kalter Tag Anfang Mai. Den ganzen Morgen sah es schon nach Regen aus. Ihr Vater lag von morgens bis abends auf dem Wohnzimmersofa. Er hustete heftig und sprach nicht viel mit Emily, was gar nicht seine Art war. Er hielt nur die Hände im Nacken verschränkt und starrte mit seinen großen dunkelblauen Augen geistesabwesend zu den Wolken hinauf, die zwischen den beiden großen Fichten im Vorgarten vorüberzogen. Emily nannte sie „Adam- und-Eva“, weil der kleine Apfelbaum zwischen ihnen sie an den Baum der Erkenntnis erinnerte, den sie auf einem altmodischen Bild in Ellen Greene’s Buch gesehen hatte. Dieser Baum der Erkenntnis sah haargenau so aus wie der kleine Apfelbaum, und links und rechts davon standen Adam und Eva genauso steif und unbeweglich wie die beiden Fichten.

Emily fragte sich, woran ihr Vater wohl denken mochte, aber sie belästigte ihn nie mit Fragen, wenn sein Husten so schlimm war wie heute. Sie hätte sich nur gern mit jemandem unterhalten. Die Haushälterin Ellen Greene sagte an diesem Tag auch kein Wort. Sie nörgelte nur herum, und Emily wußte dann schon, daß sie sich über irgend etwas ärgerte. Am Abend zuvor war sie auch schon so mürrisch gewesen, nachdem der Doktor ihr in der Küche im Flüsterton etwas anvertraut hatte, und auch danach noch, als sie Emily vor dem Zubettgehen ein Brot mit Rübensirup brachte. Emily konnte Brot mit Rübensirup nicht ausstehen, aber sie aß es tapfer auf, um Ellen nicht zu kränken. Es kam selten vor, daß Ellen ihr erlaubte, vor dem Schlafengehen noch etwas zu essen, und wenn, dann hatte das seinen Grund.

Emily hatte gehofft, Ellens schlechte Laune würde sich wie üblich bis zum nächsten Morgen legen, aber da irrte sie sich. Es war nichts mit ihr anzufangen. Was nicht hieß, daß sonst viel mit ihr anzufangen gewesen wäre. Als Douglas Starr sich einmal furchtbar über sie geärgert hatte, sagte er zu Emily, Ellen Greene sei ein „fetter alter Faulpelz“. Seither dachte Emily jedesmal, wenn sie Ellen sah, daß diese Beschreibung wirklich den Nagel auf den Kopf traf.

Emily machte es sich also an diesem Tag in dem gemütlichen alten Schaukelstuhl bequem und las den ganzen Nachmittag. Die Pilgerfahrt war ein Buch, das ihr besonders gut gefiel. Wie oft schon hatte sie Christian und Christiana auf ihren Wegen begleitet, wobei sie Christianas Abenteuer nicht halb so aufregend fand wie Christians, der sich ganz allein und unerschrocken in das dunkle Tal wagte und mit Apollyon kämpfte. Was waren schon Dunkelheit und Schreckgespenster, wenn man in Begleitung war. Aber es ganz allein damit aufzunehmen war mutig! Emily hatte richtig rote Backen vor Aufregung.

Als Ellen schließlich zum Essen rief, sagte Douglas Starr zu seiner Tochter, sie solle ruhig ohne ihn gehen. „Ich möchte heute abend nichts essen“, erklärte er, „ich will nur hier liegen und mich ausruhen. Und wenn du fertig bist, dann werden wir plaudern, mein Elfchen.“

Er sah sie mit seinem wunderbaren, liebevollen Lächeln an, das Emily so sehr an ihm mochte. Sie ging in die Küche und aß fröhlich ihr Abendbrot, obwohl es überhaupt nicht schmeckte. Das Brot war schwammig, das Ei halb roh, aber immerhin durften zu ihrer Verwunderung ihre Katzen Saucy Sal und Mike dabeisitzen; Ellen brummte nur, als Emily ihnen kleine Butterbrotstückchen zusteckte.

Aber es sah so niedlich aus, wenn Mike Männchen machte und die Stückchen mit den Tatzen auffing, während Saucy Sal Emily am Fuß stupste, weil es ihr zu lange dauerte, bis sie an der Reihe war. Emily mochte beide Katzen, doch an Mike hing sie besonders. Mike war ein hübscher, dunkelgrauer Kater mit gelben Augen wie eine Eule, und er fühlte sich weich und flauschig an. Sal hingegen war mager; man konnte ihr noch soviel zu fressen geben, sie wurde einfach nicht dicker. Weil sie so dünn war, kam Emily auch nie auf die Idee, sie in den Arm zu nehmen oder zu streicheln. Dafür war Saucy Sal eine ungewöhnlich schöne Katze. Sie hatte ein grauweißes, auffallend glänzendes Fell und ein längliches, ausdrucksvolles Gesicht, sehr lange Ohren und tiefgrüne Augen. Sie war besonders angriffslustig; fremde Katzen wurden sofort in die Flucht geschlagen. Der kleine Teufel ging sogar auf Hunde los und verjagte sie.

Emily liebte ihre Katzen sehr. Eine Lehrerin hatte sie ihr geschenkt, als sie noch ganz klein waren, und Emily war heute noch stolz darauf, daß sie sie ganz allein aufgezogen hatte. Sie machte sich allerdings große Sorgen, weil Saucy Sal einfach keine Jungen bekommen wollte.

„Woran das wohl liegen mag“, sagte sie zu Ellen Greene. „Die meisten Katzen bekommen mehr Junge als ihnen guttut.“

Als Emily nach dem Essen wieder ins Zimmer kam, war ihr Vater eingeschlafen. Sie war froh darüber, denn er hatte die letzten beiden Nächte kaum ein Auge zugetan, auf der anderen Seite war sie aber auch ein wenig enttäuscht, weil sie nun doch nicht miteinander reden konnten. Dabei machte es immer solchen Spaß, mit Vater zu plaudern. Nun ja, dann würde sie eben einen Spaziergang machen – einen schönen Spaziergang ganz allein durch den grauen Frühlingsabend. So lange war sie nicht mehr draußen gewesen.

„Setz deine Kapuze auf und komm sofort zurück, wenn es anfängt zu regnen“, befahl Ellen streng. „Du weißt, du darfst nicht so leichtsinnig sein wie andere Kinder.“

„Wieso nicht?“ fragte Emily empört. Wieso sollte sie sich nicht auch einmal einen Schnupfen holen dürfen? Das war doch wirklich nicht einzusehen.

Aber Ellen brummte nur vor sich hin. „Du fetter alter Faulpelz“, murmelte Emily leise und eilte wütend nach oben, um ihren Regenumhang zu holen. Dabei lief sie so gerne ohne Mütze draußen herum. Sie stülpte die Kapuze über ihren langen schwarzen Zopf und lächelte dabei vertraulich in ihren kleinen grünen Spiegel. Dabei zog sie ihre Mundwinkel ganz langsam nach oben, bis sich ein zauberhaftes Lächeln über ihr Gesicht breitete – das Lächeln ihrer verstorbenen Mutter. Dieses Lächeln war es, das Douglas Starr zuerst an Juliet Murray aufgefallen war und das ihn seitdem immer wieder fasziniert hatte. Dieser Zug schien aber auch das einzige zu sein, worin Emily ihrer Mutter ähnelte. Alles andere, so dachte er oft, hatte sie von den Starrs – die großen, grauen Augen, die langen Wimpern, die dunklen Augenbrauen und die hohe, ja zu hohe weiße Stirn – das zarte blasse Gesicht und den feinen Mund, die kleinen, spitzen Ohren, die sie aussehen ließen, als ob sie zur Familie der Elfen gehörte.

„Ich werde einen Spaziergang mit der Windsbraut machen, meine Liebe“, sagte Emily jetzt zu ihrem Spiegelbild. „Schade, daß du nicht mitkommen kannst. Du kommst wohl nie aus diesem Zimmer heraus. Die Windsbraut wird mich über die Felder begleiten. Sie sieht wie ein großer Nebelschleier aus, und sie trägt ein dünnes graues Seidenkleid, das sie umweht. Sie hat durchsichtige Flügel wie eine Fledermaus, und ihre Augen leuchten wie Sterne durch ihr langes, offenes Haar hindurch. Sie kann fliegen, aber heute abend wird sie mit mir über die Felder laufen. Wir sind gute Freunde, die Windsbraut und ich. Ich war sechs, als ich ihr das erste Mal begegnet bin. Wir sind also schon ganz alte Freunde, wenn auch nicht so alte wie du und ich, kleine Emily-im-Spiegel. Wir beide sind immer schon Freunde gewesen, nicht wahr?“ Emily warf der Emily-im-Spiegel eine Kußhand zu und ging.

Draußen wartete schon die Windsbraut. Sie fegte durch die Grashalme, die aus dem Beet unter dem Wohnzimmerfenster herausragten; sie schüttelte die Äste von „Adam-und-Eva“, flüsterte im grünen Astgewirr der Birken und neckte die „Hahnenkiefer“ hinter dem Haus. Die Kiefer sah wirklich wie ein riesiger, lächerlicher Hahn aus, mit großen, buschigen Schwanzfedern und stolz zurückgeworfenem Kopf.

Emily war schon so lange nicht mehr draußen gewesen, daß sie ganz aus dem Häuschen war vor Freude. Im Winter hatte es so heftige Stürme und soviel Schnee gegeben, daß sie nicht hinaus durfte; im April war es zu regnerisch und windig gewesen; kein Wunder, daß sie sich an diesem Maiabend vorkam wie eine Gefangene, die in die Freiheit entlassen wurde. Wohin sollte sie nun gehen? Den Bach hinunter oder über die Felder zum Fichtengehölz? Emily entschied sich für das zweite.

Sie liebte das...



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