E-Book, Deutsch, Band 73, 202 Seiten
Reihe: Dorian Hunter
Montillon / Corvo Dorian Hunter 73 - In den Abgrund
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95572-073-5
Verlag: Zaubermond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 73, 202 Seiten
Reihe: Dorian Hunter
ISBN: 978-3-95572-073-5
Verlag: Zaubermond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der Kampf um das Herz des Hexers Edwin Jong spitzt sich zu. Dorian Hunter konnte es in seinen Besitz bringen. Doch kann er es auch vernichten, ohne dabei gleichzeitig eine Unschuldige zu töten? Oder muss er denselben Weg einschlagen, den er bereits einmal als der Sklavenjunge Eno beschritten hat? Der 73. Band der legendären Serie um den 'Dämonenkiller' Dorian Hunter. - 'Okkultismus, Historie und B-Movie-Charme - ?Dorian Hunter? und sein Spin-Off ?Das Haus Zamis? vermischen all das so schamlos ambitioniert wie kein anderer Vertreter deutschsprachiger pulp fiction.' Kai Meyer enthält die Romane: 266: 'Die Saat des Monsters' 267: 'In den Abgrund'
Autoren/Hrsg.
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1.
Es brannte überall.
Zum Glück nur im übertragenen Sinn, aber das hob Dorian Hunters Laune nicht. Im Gegenteil, der Dämonenkiller war mies gelaunt, und er hatte jedes Recht dazu. Zum ersten Mal seit der Flucht aus dem »Seven Deadly Sins« fand er endlich einen Moment Ruhe. Seine Gedanken drehten sich wie in einem Karussell oder einem Teufelskreis gefangen immer tiefer in äußerst frustgeladene Gefilde hinein.
Wenn ihm irgendjemand mit einem klugen Spruch im Stil von »Es wird wieder besser« oder »Die Zeit heilt alle Wunden« gekommen wäre, hätte er ihm mit großer Freude und einem gezielten Faustschlag herzlich gern die Nase zerschmettert. Fast wünschte er sich, es käme jemand und würde versuchen ihn aufzumuntern.
Aber es kam keiner.
Jasmijn Vollenhoven und Hendrick van der Kroos hielten sich ebenso fern von ihm wie Thomas Becker, sein alter Freund, der den Posten des Großmeisters der Magischen Bruderschaft innehatte, in deren Tempel sie sich gemeinsam geflüchtet hatten. Sie alle hielten sich irgendwo in dem großen Zentralraum auf, aber keiner kam ihm nah genug, um mit ihm zu sprechen.
Ihm stand der Sinn sowieso nicht nach einer Unterhaltung.
Sie waren zum Tempel der Bruderschaft gekommen, um dort Schutz zu finden. Hunter hatte schon zuvor versucht, mit seinem alten Freund Thomas Becker Kontakt aufzunehmen, doch seine Feinde hatten es auf magischem Weg unterbunden.
Dorian befürchtete, dass der Tempel keine besonders gute Zuflucht bot. Allerdings gab es nirgends noch einen perfekt geschützten Ort. Der Dämonenkiller roch es geradezu: Der nächste dämonische Ansturm stand kurz bevor. Der Hexer Edwin Jong gönnte Hunter keine Ruhe, und Jasmijn würde er sowieso nicht ungeschoren lassen … denn die junge Frau trug das Herz des Dämons in ihrer Brust und bildete damit seinen wunden Punkt.
Dorian konnte das Herz jederzeit zerstören – ein einfacher Schuss, ein schnell geführter Messerstich – und Jong würde vergehen. Dummerweise allerdings Jasmijn Vollenhoven gleich mit ihm.
Hunter fragte sich jedoch, ob es nicht Zeit war, dieses Opfer zu bringen. Aber genau betrachtet wäre das gezielter Mord an Jasmijn. Dennoch … wie gern würde Hunter Jong sterben sehen, diesen verdammten Hund, der ihm stärker zusetzte und ihm mehr qualvolle Schicksalsschläge zugefügt hatte als nahezu jeder andere Dämon vorher. Der Hexer hatte fast alle Verbündete und Freunde des Dämonenkillers aus dem Verkehr gezogen.
Trevor Sullivan war tot.
Unga lag im Koma.
Jeff Parkers Konten waren eingefroren, Jeff selbst hatte gewaltigen Ärger mit sämtlichen Behörden, was nichts anderes hieß, als dass Dorian die finanzielle Unterstützung unter dem Arsch weggezogen worden war.
Das Schicksal vieler anderer Verbündeten war ungewiss, Hunter hatte sie nicht erreichen können. Keine schlechte Bilanz für Edwin Jong, und wahrscheinlich war die Liste der Katastrophen in Wahrheit sogar um einiges länger. Jong hatte gut vorgesorgt …
Dass Coco Zamis zur neuen Schiedsrichterin der Schwarzen Familie berufen worden war und diesen Ruf zu Dorians Verzweiflung auch noch angenommen hatte, setzte allem die Krone auf. Ganz zu schweigen davon, dass die ehemalige Hexe den Hermaphroditen Phillip mit sich genommen hatte.
Dorian war systematisch isoliert worden, Stück für Stück, bis er allein und verlassen dastand. Wie früher, dachte er grimmig. Man konnte mit Fug und Recht sagen, dass der Dämonenkiller ein in die Enge getriebenes Tier war, das um sein Leben kämpfte. Und diesen Kampf schon fast verloren hatte.
Aber er war keine Beute. Er war der Jäger!
Oder zumindest wäre er es gern.
Die Realität sah anders aus. Das gejagte Beutetier, einst der gefürchtete Dorian Hunter, war mit Jasmijn Vollenhoven und dem Arzt Hendrick van der Kroos zum Tempel der Magischen Bruderschaft in Frankfurt am Main geflohen.
Und mit … ihr. Salamanda Setis begleitete sie ebenfalls.
Wenigstens dort bei der Bruderschaft gab es noch jemanden, der ihn unterstützte: Thomas Becker. Nur dass Thomas seit der Ankunft in heiße Diskussionen mit seinem Stellvertreter für Deutschland, Hermann Falk, vertieft war.
Wahrscheinlich darüber, wie sie mit den unverhofft aufgetauchten Gästen umgehen sollten. Dabei ahnte Thomas nicht, mit wem er es bei der Person Salamanda Setis zu tun hatte.
Eine Vampirin, ja … aber sie stand auf Dorians Seite! Und sie verfügte über einige magische Kraft, wie sich spätestens bewiesen hatte, als sie den weißmagischen Schutzschirm um den Tempel einfach so überwunden hatte. Sie verstand es ausgezeichnet, sich zu maskieren, ihre dämonische Herkunft zu kaschieren … so gut, dass nicht einmal die magischen Schutzmechanismen der Bruderschaft angeschlagen hatten.
Dorian wusste es, und er wusste noch mehr, aber …
… aber er wollte nicht darüber nachdenken. Nicht jetzt! Salamanda Setis saß etwa ein Dutzend Schritte entfernt auf dem Boden, unscheinbar mit dem Rücken gegen die Wand gelehnt, in dem kreisrunden, zehn Meter durchmessenden Raum des Tempels Hunter genau gegenüber. Ob ihr der Schutzbann wohl zu schaffen machte? Kostete es sie Mühe, sich in diesem weißmagischen Raum aufzuhalten? Oder bemerkte sie es gar nicht? Diese Vampirin gab ihm durchaus Rätsel auf. Ihre Geheimnisse waren noch lange nicht gelöst.
Sie war womöglich Schlimmeres als eine Vampirin, dass sie es perfekt verstand, sich hinter der Maske einer menschlichen Frau zu verbergen. So gut, dass sie sogar die Dämonen abwehrenden Mechanismen des Tempels hatte durchqueren können, als gäbe es keinen dämonischen Kern in ihr.
Für Thomas und die anderen Mitglieder der Magischen Bruderschaft hingegen musste Salamanda genauso eine flüchtende Sterbliche sein wie Jasmijn und der schwule Arzt van der Kroos. Oder wussten sie etwas über Salamanda? Hatten sie sie durchschaut?
Er riss sich gewaltsam aus den Gedanken, die sich wieder und wieder im Kreis drehten. Dorian fühlte sich schuldig und war nahe dran, eine Art Verfolgungswahn zu entwickeln, weil er mit Salamanda …
… ja, weil er mit ihr paktierte. Aber sie stand auf seiner Seite!
Doch, das tat sie.
Und schon wieder traten seine Überlegungen die Fahrt im verhängnisvollen Karussell an.
Dorian hob den Blick und starrte die kuppelartig gewölbte Decke an, als könne er in ihr die Zukunft sehen. Die in der komplizierten Deckenzeichnung abgebildeten zwölf Zeichen des Tierkreises sollten wohl den magischen Himmel versinnbildlichen. Magie war ohnehin allgegenwärtig hier im Tempel – sei es im gläsernen Altar oder in den mystischen Symbolen des Teppiches, der …
»Dorian.« Das war Thomas Becker.
Der Dämonenkiller hob den Blick. Er hatte den Freund nicht einmal kommen hören. Seine Aufmerksamkeitsspanne ließ nach. Konzentrier dich! Sei vorsichtig! »Seid ihr euch einig geworden?«, fragte Hunter, aggressiver als er es eigentlich wollte. »Darüber, wie ihr mit uns verfahren sollt?«
»Da gab es von der ersten Sekunde an keinerlei Zweifel«, versicherte Becker. »Wir werden euch bei uns aufnehmen und euch helfen. So gut es geht. Uns ist so einiges möglich, wie du ja weißt.« Der Großmeister lachte. »Deshalb bist du wohl zu uns gekommen, richtig?«
Dorian fischte eine Players aus dem zerknüllten Päckchen in seiner Jackentasche. Er ließ das Feuerzeug schnippen und nahm einen tiefen Zug. »Und das heißt konkret?«
Thomas Becker schaute nicht gerade sonderlich begeistert auf die Zigarette.
»Was ist?«, schnauzte der Dämonenkiller, ehe der Großmeister etwas sagen konnte. »Rauchen verboten im Allerheiligsten?«
»Ich weiß, dass du am Ende bist«, sagte Becker gelassen. »Aber wenn ich dir einen guten Rat geben darf, mein alter Freund …« Er atmete tief ein, zischte die nächsten Worte wie eine angreifende Schlange: »Reiß dich zusammen, Dorian!«
»Ich …«
»Nein, jetzt hörst du mir zu! Trevor ist tot. Dafür habe ich ein ganz klares Wort: Scheiße! Es tut mir in der Seele weh. Aber nun sieh zu, dass du überlebst, Dorian. Coco braucht dich.«
»Sie scheint sich als Schiedsrichterin ganz wohl zu fühlen«, ätzte der Dämonenkiller. »Es ist nicht gerade so, dass sie darauf wartet, dass ich zu ihr komme und sie aus ihrem Elend erlöse.«
»Was immer da vor sich geht, sie …«
»Sie ist freiwillig gegangen!«
»Wir sollten zusehen, dass wir das alles wieder in Ordnung bringen.« Becker machte eine umfassende Handbewegung. »Alles, verstehst du?«
Der Dämonenkiller nickte. Und nahm einen weiteren Zug aus der Players. Thomas hatte ihn an einer wunden Stelle gepackt. Er fühlte sich verletzlich, und das gefiel ihm gar nicht. Es passte nicht zu ihm. »Glaubst du, wir schaffen es?«, fragte er.
»Noch ist es nicht vorbei«, sagte Becker. »Du bist noch nicht am Ende, Dorian.«
Jong auch nicht, dachte der Dämonenkiller. Aber das soll sich ändern.
Sie waren unterwegs, um sich sein Herz zurückzuholen, und um Dorian Hunter gefangen zu nehmen.
Der Zustand war nicht haltbar!
Nach allem, was der Hexer Edwin Jong wusste, konnte er jederzeit tot umfallen, falls der Dämonenkiller aus einer Laune heraus oder nach reiflicher Überlegung beschloss, dass es an der Zeit war, Jongs Herz zu zerstören. Es schlug in Jasmijn Vollenhovens Brust …
… aber wer wusste, wie lange noch.
Der Hexer wagte es nicht, die Hilfe seiner Brüder oder anderer Verbündeter in Anspruch...




