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E-Book, Deutsch, Band 3246, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Montillon Perry Rhodan 3246: Die Piraten von Kondor
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-8453-6246-5
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Fragmente"
E-Book, Deutsch, Band 3246, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-6246-5
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Das Ende des 21. Jahrhunderts Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist angebrochen. Mehr als dreieinhalbtausend Jahre von unserer Zeit entfernt lebt die Menschheit in Frieden. Perry Rhodan, der als erster Mensch von der Erde auf Außerirdische gestoßen ist, nähert sich endlich seinem großen Ziel: der alte Traum von Freundschaft und Frieden zwischen den Völkern der Milchstraße und der umliegenden Galaxien. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmung ein, man arbeitet intensiv und gleichberechtigt zusammen. Bei ihrem Weg zu den Sternen hat ein geheimnisvolles Wesen die Menschen begleitet und unterstützt: Es trägt den Namen ES, man bezeichnet es als eine Superintelligenz, und es lebt seit vielen Millionen Jahren zwischen Zeit und Raum. Rhodan sieht ES als einen Mentor der Menschheit. Doch ES weilt nicht mehr in der Galaxis. Das Geisteswesen scheint in Fragmente zersplittert zu sein, die sich in verborgenen Fragmentrefugien ballen. Eines dieser Refugien befindet sich in der Kondor-Galaxis, von den Einheimischen Spaphu genannt. Als Rhodan eintrifft, scheint es aber, als hätte eine bislang unbekannte Macht das Refugium bereits gefunden. Auf seiner Suche gerät Rhodan unter DIE PIRATEN VON KONDOR ...
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Dient mir,
und ihr werdet irgendwann erkennen,
dass ich stets euch gedient habe.
– Pnerten Andhini,
als er die Macht errang –
1.
Schlossbesichtigung
Perry Rhodan analysierte Tozzcords Verhalten genau. Er suchte nach einer Schwäche seines Gegners, nach einem Fehler, um ihn gegen den Piraten zu verwenden.
Momentan sah es aus, als hätte der Anführer des Piratentrupps gewonnen, weil er mit seinen Leuten Rhodan und all die anderen Passagiere der gekaperten Hyperflussgondel überwältigt und in sein Schiff gebracht hatte. Aber es war noch lange nicht vorbei. Im Gegenteil: Wenn es nach Perry Rhodan ging, begann das Spiel gerade erst.
Fast hundert Gefangene unterschiedlichster Völker drängten sich in der Enge des Hangars; am exotischsten von ihnen sah hierbei das Lletha-Pflanzenwesen aus, das die Gondel gesteuert hatte.
Der Terraner stand inmitten der Menge neben seinen beiden Begleitern – dem Hyperphysiker Antanas Lato und ihrem neuen Verbündeten Poquandar. Er wurde auf einen Tumult aufmerksam, erkannte hastige Bewegungen im Augenwinkel. Einer der anderen festgesetzten Passagiere, Rhodan kannte seinen Namen nicht, warf sich herum und rannte weg.
Allerdings gab es keinen Ort, an den der Humanoide hätte fliehen können. Nicht an Bord des Piratenschiffes SHAMMADIN. Es gab keine Zuflucht, keine Sicherheit, weder in dieser Hangarhalle noch sonst wo in erreichbarer Nähe.
Dicht vor einem wuchtigen Aggregateblock, hinter dem er sich offenbar hatte verbergen wollen, packte ihn einer der Piraten, ein Humanoider mit einem grobschlächtigen Körperbau. Rhodan hörte ein Krachen, das das allgegenwärtige Summen der Maschinen übertönte. Ein Knochen brach. Der verhinderte Flüchtling schrie auf. Sein Gesicht wurde schlagartig bleich.
Der Pirat stieß den Mann, der sich den zitternden linken Arm schützend an den Oberkörper hielt, zurück zu den anderen Gefangenen. Einige wichen ängstlich zur Seite.
Perry Rhodan bemerkte, dass der Verletzte hinzufallen drohte, eilte rasch dorthin und stützte ihn. »Es kommt alles wieder in Ordnung«, flüsterte er ihm zu, in dieser Lage ein leeres Versprechen.
Der Verletzte nahm die Worte trotzdem dankbar auf, mit einem Blick aus gläsern verschwommenen Augen. Rhodans Einschätzung nach stand er unter einem Schock.
Tozzcord kam mit langsamen Schritten zu ihnen. Er versprühte trotz der fremdartigen Mimik seines wolfsähnlichen Kopfes deutlich spürbar ein Übermaß an Selbstbewusstsein. Oder Überheblichkeit.
Der Tashzure hatte vier im Quadrat angeordnete Beine und zwei Arme, und er war merklich größer und ungeschlachter als seine Artgenossen, die Rhodan zuvor getroffen hatte. Auf der Schulter saß ein kleines Tier, ocker-rot gefleckt. Es erinnerte entfernt an einen faustgroßen Frosch, allerdings mit weit ausladenden Heuschreckenbeinen. Es hielt das Maul halb offen, die rote Zungenspitze bewegte sich unruhig. Dass es alles andere als harmlos war, hatte es vor Kurzem demonstriert, als es einen Pertsuma binnen Sekunden getötet hatte. Unter den Gefangenen befanden sich etliche weitere aus diesem humanoiden Volk. Die goldfarbenen Schuppen auf ihren kahlen Schädeln glänzten, teils verdeckt durch die für sie typischen Holzhüte. Sie wichen vor Tozzcord zurück, hielten möglichst großen Abstand.
»Ich möchte an deine Vernunft appellieren«, sagte Tozzcord zu dem Mann mit dem gebrochenen Arm. Und, daran konnte kaum ein Zweifel bestehen, auch zu allen anderen Gefangenen. »Sag, wohin hättest du fliehen wollen? Dies ist mein Schiff.« Er hob einen Arm, winkte ab und zeigte ein zähnefletschendes Grinsen. »Nun ja, unseres. Das der Hyperflusspiraten. Im Auftrag unseres Obersten Pnerten Andhini unterwegs. Er persönlich hat mich für diese Mission auserwählt und autorisiert. Glaubst du ernsthaft, ich hätte nicht an alles gedacht, um sie erfolgreich zu beenden? Du wolltest blindlings fliehen, aber ich verrate dir etwas: Es gibt kein Entkommen in der SHAMMADIN.«
Perry Rhodan stützte weiterhin den Verletzten. Seine Miene blieb ausdruckslos. Sollte Tozzcord an seiner Überheblichkeit doch ersticken. Er hatte keineswegs an alles gedacht, zum Beispiel keine Mutantin einkalkuliert, die sich dank ihrer Gabe in eine Hyperraumsenke zurückzuziehen vermochte. Shema Ghessow jedenfalls hatte sich dem Zugriff der Piraten zunächst entzogen. Wie es ihr ging, was sie plante, wusste Rhodan nicht, denn sie konnten keinen Kontakt halten. Ob sie diese Szene beobachtete oder bereits im Schiff unterwegs war?
Rhodan ließ sich seine Fragen nicht anmerken. Und Tozzcord gefiel sich in seiner Rede so gut, dass er ohnehin nichts bemerkt hätte. Der Tashzure gab einen lang gezogenen, zischenden Laut von sich, wohl ein Lachen. »Und ein Entkommen aus diesem Schiff ist sowieso unmöglich. Also, sei nicht dumm. Versuch es nicht noch einmal. Das nächste Mal wären meine Leute nicht so freundlich zu dir.«
»Freundlich?«, rief jemand aus der Menge; eine Frauenstimme. »Sieh ihn dir an! Er kollabiert gleich. Sein Arm ist ...«
»Es gibt an Bord dieses Schiffes einige Schleusen«, fiel Tozzcord ihr ins Wort. »Und diese haben es an sich, ins All zu führen. Sehr gut geeignet, um Personen auch ohne Schutzanzug hindurchgehen zu lassen. Ein gnädiger Tod, übrigens. Ein paar Schritte, und man verliert den Boden unter den Füßen und auch alles andere. Es geht sehr schnell dort draußen. Eigentlich wünschenswert, wenn man bedenkt, was einem sonst alles zustoßen könnte.«
Wieder dieses Winken. »Aber reden wir nicht mehr darüber. Ihr seid meine ... Gäste. Es liegt an euch, wie ihr behandelt werdet. Ihr seid nahezu hundert Personen. Es kostet einige Mühe, euch zu versorgen. Wir können uns während unserer kurzen Reise zum Basar der Spezimen mehr oder weniger anstrengen.«
»Dieser Mann braucht medizinische Hilfe«, sagte Rhodan, der sich die Frage verkniff, was es mit diesem Basar auf sich hatte.
»So?«, fragte Tozzcord. Der Blick seiner Wolfsaugen suchte für eine Sekunde den Sprecher, der die Unverschämtheit besessen hatte, sich ungefragt zu Wort zu melden. Damit schien für ihn das Thema erledigt zu sein. »Nun, folgt mir. Für die Dauer eurer Reise warten Ge...«
»Er braucht medizinische Hilfe«, wiederholte Rhodan ungerührt. Er ließ sich von Tozzcords herablassender Selbstgefälligkeit nicht einschüchtern.
Irgendwer ganz nah atmete scharf ein. Ärger lag deutlich spürbar in der Luft. Rhodan fragte sich, ob Tozzcord erneut sein Tier losschicken würde – diesmal mit ihm als Ziel. Und ob der Zellaktivator das Gift des froschartigen Wesens neutralisieren würde.
»Wenn er Hilfe benötigt«, dröhnte eine dumpfe Stimme, »soll er sie auch erhalten!« Der Sprecher kam aus der Richtung eines Schotts, das bis vor wenigen Augenblicken geschlossen gewesen war. Aus dem Korridor dahinter fiel grelles, gelbliches Licht; die Wände dort waren mit Holz getäfelt. »Sobald wir unser Ziel erreicht haben. Die Insel im Hyperfluss wartet auf uns.«
Tozzcord drehte sich zu dem Neuankömmling um. »Kommandant Aycca«, sagte er. »Welche Ehre, dich persönlich begrüßen zu dürfen.«
Aycca war vage humanoid, mit im Dreieck angeordneten, stämmigen und kurzen Beinen. Nur etwa so groß wie ein etwa zehnjähriges Menschenkind, wies er einen beachtlichen Schulterumfang auf – seine Gestalt war breiter als hoch. Die beiden Arme verlängerten sich, klappten sich auf, während Rhodan hinsah. Aycca stützte sich mit den verhornten Ellenbogen ab. Grüne Augen schienen in einem haarlosen Schädel fast zu leuchten.
Rhodan hatte seit seiner Ankunft in Spaphu von solchen Wesen mehrmals gehört, auch einige Holodarstellungen gesehen, aber bislang nie einen Angehörigen dieses weithin gefürchteten Volkes getroffen. Kommandant Aycca war ein Baccune.
Die Piraten rundum nahmen Haltung an.
»Also«, sagte Aycca. »Ich hatte Besseres zu tun, als mit meinem Schiff in diesen Einsatz zu gehen. Es ist mir lästig. Ihr seid mir lästig. Darum empfehle ich euch, und zwar dringend, dass ihr mir keinen Ärger bereitet. Gibt es Fragen?«
Poquandar spannte sich an, stützte sich auf seinen Truimou wie auf einen Spazierstock. Perry Rhodan suchte den Blick seines Begleiters, schüttelte kaum merklich den Kopf. Zu seiner Erleichterung schwieg der Onquore daraufhin – es war besser, nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Die Gesamtsituation und das Auftreten des Kommandanten hatten die übrigen Gefangenen ausreichend eingeschüchtert, sodass sich niemand zu Wort meldete. Aycca zog daraufhin ab, aber Rhodan war überzeugt davon, ihn nicht zum letzten Mal gesehen zu haben.
»Hervorragend«, sagte Tozzcord. »Glaubt mir, es warten zwar Gefängniszellen auf euch, aber es gäbe hässlichere und unkomfortablere Orte, an denen ihr die Reisezeit verbringen könntet.«
*
Tozzcord führte die Gefangenen durch das Schiff. Sie folgten ihm, bewacht von etlichen Hyperflusspiraten und vor allem kleinen, aber äußerst wehrhaft wirkenden Kampfrobotern.
Illustration: Swen Papenbrock
Die Maschinen glichen etwa anderthalb Meter hohen Kegelstümpfen ohne erkennbare Kopf- oder Steuersektion. Vier biegsame Tentakelarme hingen an den Seiten hinab; bei jeweils einem glomm die Spitze Unheil verkündend. Kein Zweifel, dass sie binnen einer Sekunde waffentechnisch aktiv werden könnten.
Mit jedem Schritt und jeder Bewegung stellte Tozzcord überdeutlich klar, wie sehr er die Situation genoss. Er gebärdete sich, als wäre er nicht nur der Anführer des...




