Moody | Die Farbe der Hoffnung | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 497 Seiten

Moody Die Farbe der Hoffnung

Roman
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96148-886-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 497 Seiten

ISBN: 978-3-96148-886-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein einziger Moment, so lang wie die Ewigkeit: der berührende Schicksalsroman »Die Farbe der Hoffnung« von Susan Moody jetzt als eBook bei dotbooks. Die Connelys scheinen das Glück gepachtet zu haben, von außen wirken sie wie die perfekte Familie - aber hinter der Fassade sieht es ganz anders aus: Ruth und Paul können kaum mehr mit ihrer Tochter Josie reden, ohne dass ein erbitterter Streit ausbricht, worunter auch der kleine Bruder Will leidet. Und dann schlägt an einem schönen Sommertag das Schicksal unerbittlich zu: Bei einem Segelausflug ertrinkt Josie. Von einem Moment auf den anderen ist nichts mehr wie es war ... Die Eltern wissen nicht, wie sie den Schmerz ertragen können und verlieren sich im Streit - dabei braucht Will sie jetzt am allermeisten. In dieser dunklen Stunde erkennen die Connelys, dass nur die Hoffnung ihnen Kraft schenken kann - und dass man diese in den unwahrscheinlichsten Momenten findet ... Jetzt als eBook kaufen und genießen: der bewegende Schicksalsroman »Die Farbe der Hoffnung« von Susan Moody. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Die britische Schriftstellerin Susan Moody wurde 1940 in Oxford geboren und verbrachte viele Jahre ihres Lebens in Frankreich und den USA. Ihr Werk wurde weltweit in mehreren Sprachen verlegt. Susan Moody, die Stiefmutter der dänischen Kronprinzessin Mary, lebt heute mit ihrem Mann wieder in England. Susan Moody veröffentlichte bei dotbooks ihre beiden Romane »Die Farbe der Hoffnung« und »Das Leuchten eines Augenblicks«.
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Kapitel 1


Ihr Leben lang hatte sich Ruth Connelly vor dem Tod durch Ertrinken gefürchtet.

Zum ersten Mal hatte sie diese Angst als Kind verspürt, an einem Nachmittag am Meer, die Füße vom Schaum umspült, eine plötzliche Todesahnung, die kalt und scharf wie die Klinge eines Messers durch sie hindurchgefahren war. Sie umklammerte die Hände ihrer Eltern, während das Wasser vor und zurück schwappte, bedrohlich und böse, tückisch glitzernd in der Sonne, wie mit diamantenen Fingern lockend.

Sie wollte weglaufen, sich in Sicherheit bringen, aber ihre Eltern zogen sie vorwärts. Nur noch ein paar Schritte, du brauchst keine Angst zu haben, es tut nicht weh. Ruth riss an ihren Händen, doch sie hielten sie fest und gingen immer weiter. Das ist das Meer, das Meer, sagten sie mit heller, fröhlicher Stimme. Komm, Schatz, das Meer. Kieselsteine rollten unter ihren Füßen weg. Glitschig. Kalt. Der Boden gab nach. Sie stolperte und fiel. Mommy! Daddy! Sie standen über ihr und lachten. Als sie wieder aufstehen wollte, wurde sie von einer Welle umgerissen, so grün wie Glas. Daddy! Sie schrie noch einmal seinen Namen, da hatte die See sie schon fast ertränkt. Würgend und nach Luft schnappend suchte sie im grünen Wasser Halt, doch es schlüpfte ihr durch die Finger. Sie erinnerte sich bis heute daran und wie ihr das Salz in den Augen und in der Kehle gebrannt hatte. Sie würde nie vergessen, wie absolut ihre Panik gewesen war. Mit einem Schlag war sie ein ganzes Stück erwachsener geworden, denn mit einem Mal erfüllte sie ein Wissen, für das sie eigentlich noch viel zu jung war.

Tod. Auslöschung. Ein großes Nichts.

Du warst nur eine Sekunde unter Wasser, tröstete sie ihr Vater, groß und jovial, als er sie schwungvoll hochhob und auf den Arm nahm. Ist ja wieder gut, Spatz. Es war doch nur eine Sekunde.

Eine Sekunde, die ein Leben lang andauern sollte.

Ihr ganzes Leben lang hatte sie sich vor dem Tod durch Ertrinken gefürchtet. Ihr ganzes Leben lang hatte sie geglaubt, dieser Tod würde ihr eigener sein.

Von Caleb’s Point, wo sich das Grundstück als flache Landspitze ins Meer schob, blickte sie auf die Stelle hinunter, wo sich damals die Szene abgespielt hatte, die sie bis heute nicht vergessen konnte. Hinter den abgebrochenen Felsblöcken lag der schmale Streifen Strand, kein Sand, sondern im Laufe der Jahrhunderte auf Erbsengröße abgeschliffene Kieselsteinchen. Ein Strand, mehr nicht. Nichts, wovor man sich fürchten müsste. Aber sie hatte noch immer Angst vor dem Meer, auch so viele Jahre danach. Instinktiv spürte sie, dass es sie vernichten würde, wenn es könnte. Trotzdem liebte sie diesen Ort. Es war so friedlich hier, mit dem Plätschern der Wellen, der honigfarbenen Luft und dem wogenden Gras, in dem die Blüten von Habichtskraut und Gänseblümchen leuchteten. Wie oft war sie in ihrer Kindheit und Jugend hier gewesen. Und sie kam noch immer, als Erwachsene, als Mutter und Ehefrau.

Unterhalb von Caleb’s Point war das Wasser mit den Bojen der Hummerfangkörbe gesprenkelt. Auf beiden Seiten erstreckten sich bewaldete Landzungen bis zum Horizont, die Bäume reichten bis zum Uferstreifen hinunter, der mit Felsen übersät war, unter der Wucht der Winterfluten zerschmettert und zernarbt. Hier und da wurde das Grün des Waldes durch die Schieferdächer der Ferienhäuser aufgelockert. Weiter draußen, in der offenen Fahrrinne, ragte wie ein Schildkrötenpanzer Bertlemy’s Isle aus dem Wasser, ein graues, kahles Inselchen, auf dessen höchster Stelle ein paar Fichten wuchsen. Morgen wollten sie zu viert hinübersegeln, um dort Wills Geburtstag zu feiern. Sie runzelte die Stirn. Einen Grund zum Feiern hatten sie wahrlich bitter nötig.

Der Wind drückte das trockene Gras auf der Landspitze nieder. Die Blätter des Habichtskrauts zerkratzten ihr die Oberschenkel, als sie sich auf die Erde setzte. Hinter ihr erhob sich ein Granitblock mit einer vom Regen ausgewaschenen Vertiefung in der Mitte, wo Rentierflechten und Torfmoos, Bärentrauben, Astern und blaue Schwertlilien Wurzeln geschlagen hatten. Ruth lehnte sich dagegen, schloss die Augen und drehte ihr Gesicht in die Sonne. Lächelnd dachte sie daran, dass Josie als kleines Mädchen geglaubt hatte, der Fels sei ein Elfengarten. Sie seufzte. Es war so friedlich hier oben. Kein Streit. Keine Zankereien. Keine Spannung. Ameisen krabbelten über ihre Füße. Vielleicht sollte sie sich von einem Schreiner aus dem Ort eine Bank bauen lassen, dann hätte sie es noch bequemer. Jedes Mal wenn sie aus der Stadt ans Meer fuhren, überlegte sie, ob sie nicht vorschlagen sollte, für immer herzuziehen. Schließlich hatte Paul ganz in der Nähe die Teilzeitstelle als Gastdozent in Bowdoin, und es wäre sicher einfacher für ihn, das Buch, an dem er arbeitete, hier zu Ende zu schreiben als in der Wohnung in Boston, so geräumig sie auch war. Die Kinder wären von ihrer Idee natürlich begeistert gewesen. Was sie zögern ließ, waren ihre eigenen Bedürfnisse. Sicher würde sie in einer Anwaltskanzlei in Portland oder Bar Harbor eine Stelle finden können, aber sie hatte viel zu lange und viel zu hart gearbeitet, um noch einmal auf der untersten Sprosse der Karriereleiter anzufangen.

Sie starrte auf die walförmigen Buckel des Mount Desert Island, die sich am Horizont abzeichneten. Auf dem Wasser leuchteten weiß die dreieckigen Segel der Boote, die aus dem kleinen Yachtclub in Hartsfield kamen und auf das offene Meer zuhielten. Eines davon gehörte den Kindern, auch wenn sie es aus dieser Entfernung unmöglich erkennen konnte. Aber vielleicht sahen die Kinder sie. Hoch oben auf ihrer Landspitze kam sie sich fast wie eine junge Seemannswitwe vor, die die tosende See nach ihrem ertrunkenen, nie wiederkehrenden Liebsten absuchte. Sie winkte, obwohl ihr nicht danach zumute war. Es konnte nicht schaden. Und sie lächelte.

Ein Stück hinter ihr, etwas weiter die Böschung hinauf, begann der Nadelwald. Fichten, Pech- und Weymouthskiefern, Balsam- und Schierlingstannen. In der heißen, harzgetränkten Luft erinnerte sie sich daran, wie unkompliziert die Sommertage gewesen waren, als sie nur Mutter und nicht auch Anwältin war. Picknicks unter den Bäumen, Versteck spielen im Wald, schwimmen im Teich. All die unschuldigen Beschäftigungen, mit denen sie sich als Kind an diesem lieben, vertrauten Ort mit ihren Eltern selbst die Zeit vertrieben hatte.

Wo waren diese Tage nur geblieben, die Geborgenheit, die Unbeschwertheit? Die Zeit war wie im Flug vergangen und hatte die hellen Stimmen ihrer Kinder, ihre bedingungslose Liebe und ihr grenzenloses Vertrauen mitgenommen. Wie oft hatten sie hier gepicknickt, wie viel Spaß hatten sie miteinander gehabt. Sie erinnerte sich gut daran. Die weichen Nadeln der Bäume unter den Füßen. Der Geschmack von Krebsfleischfrikadellen und frisch gebackenem Vollkornbrot, Schokoladenkeksen und Karottensticks. Damals war sie glücklich gewesen. Und sie hatte ihr Glück bewusst ausgekostet. Die Kinder waren ihre ganze Welt. Will mit den Sommersprossen auf der Nase und der wilden Tolle über der Stirn, Josie mit ihren Zöpfen und dem lachenden Gesicht, so hübsch anzusehen in ihren löchrigen Shorts und dem Ringelhemd. Manchmal war ihre Liebe so stark, dass sie sie plötzlich an sich drückte und murmelte: »Ich hab euch lieb. Ich hab euch so lieb.« Dabei atmete sie den nussigen Duft ihrer Haare, während sie kreischten und zappelten und sagten, dass sie sie auch lieb hätten, sie würden sie immer lieb haben, sie sei ihre Mommy, sie solle nicht so fest drücken, sie tue ihnen weh.

Will hatte sich seitdem nicht sehr verändert, aber Josie war in letzter Zeit sehr verschlossen und unzugänglich. Ruth wusste, dass man daran nichts ändern konnte. Als Mutter musste sie sich damit abfinden, dass ihre Tochter allmählich erwachsen wurde. Trotzdem konnte sie Josies Feindseligkeit schlecht ertragen.

Sie stand auf und klopfte ihre Shorts ab. Höchste Zeit, in die reale Welt zurückzukehren. Sie nahm den Weg durch den Wald, vorbei an dem Stein, von dem Josie einmal heruntergefallen war, als sie Räuberhauptmann gespielt hatte. Die Platzwunde über der Augenbraue, die sie dabei davontrug, hatte mit sechs Stichen genäht werden müssen. Sie balancierte über den Baumstamm, der wie eine Brücke über einer leichten Senke lag. Der Baum war eines Winters umgestürzt, als sie selbst noch ein Kind gewesen war, und als sie Jahre später zugesehen hatte, wie ihre eigenen Kinder ängstlich kreischend darüber hinwegbalancierten, musste sie immer daran denken, wie riesig er ihr damals vorgekommen war, wie tief der Abgrund, über den er sich spannte. Der Weg schlängelte sich durch Moos und Farn, Blaubeeren und wilden Ingwer, hinaus in die Sonne, wieder hinein in den Schatten und über am Boden liegende Birkenschösslinge hinweg. Auf halber Strecke den Berg hinunter gabelte sich der Pfad; die eine Abzweigung führte tiefer in den Wald hinein, die andere fiel steil zum Haus hinab, führte am Preiselbeersumpf und am Süßwasserteich vorbei und endete schließlich an der hinteren Veranda.

Ihre Eltern hatten das Haus und das weitläufige Grundstück als Hochzeitsgeschenk auf sie überschreiben lassen. Sie wollten ihren Ruhestand genießen und waren, um den Wintern in Neuengland zu entfliehen, ins sonnige Florida übergesiedelt. Es gab kaum eine Stelle, die keine kostbaren Erinnerungen barg, an ihre eigene Kindheit, an die ihrer Kinder und an die anderen Menschen, die hier im Lauf der Jahre gewohnt hatten und deren Geschichten wie Legenden von Generation zu Generation weitergegeben wurden.

»War das nicht da drüben, wo der Wind Großmutter auf der Hochzeit den Hut vom Kopf in den Teich geweht hat, Mommy?«

»Da hinten ist Ururgroßmutter im Sumpf stecken geblieben.«

»Und da vorn ist Großonkel Reuben vom...



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