E-Book, Deutsch, Band 220, 320 Seiten
Reihe: Historical Gold
Moore Ein Kuss für die Ewigkeit
1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-86295-148-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 220, 320 Seiten
Reihe: Historical Gold
ISBN: 978-3-86295-148-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Herzklopfen und sinnliches Prickeln: Seit der faszinierende Finn sie aus den Händen eines gefährlichen Schurken befreit hat, spürt Lady Elizabeth d'Averette ungeahnt süße Gefühle. War ihr Schwur, sich niemals zu verlieben, womöglich zu voreilig? Aber schnell muss sie erkennen: Finn und ihr ist keine gemeinsame Zukunft beschert, denn als Sohn einer Hure ist er ein Ausgestoßener. Nur für kurze Zeit dürfen sie sich als Eheleute ausgeben, um auf Castle de Werre eine Verschwörung gegen den König aufzudecken. Doch als Finn sie im Burghof zu einem leidenschaftlichen Kuss in seine Arme zieht, wünscht Lizette sich, dass dieser Moment ewig währt ...
Margaret Moore ist ein echtes Multitalent. Sie versuchte sich u.a. als Synchronschwimmerin, als Bogenschützin und lernte fechten und tanzen, bevor sie schließlich zum Schreiben kam. Seitdem hat sie zahlreiche Auszeichnungen für ihre gefühlvollen historischen Romane erhalten, die überwiegend im Mittelalter spielen und in viele Sprachen übersetzt wurden. Sie lebt mit ihrem Mann, mit dem sie seit über 20 Jahren verheiratet ist, ihrer Familie und zwei Katzen in Toronto, Kanada.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
In den Midlands, 1204
„Ich glaube, ich wäre verrückt geworden, wenn ich noch einen Augenblick länger in diesem Wagen hätte sitzen müssen“, erklärte Lady Elizabeth d’Averette, während sie ihre Röcke anhob, um mit raschen Schritten den Weg zum mit Moos überwachsenen Flussufer zurückzulegen.
„Meint Ihr nicht, wir sollten besser bei den Männern bleiben?“, fragte ihre Dienerin Keldra und schaute besorgt zu der Eskorte aus Soldaten in Kettenhemden. Die Männer waren ganz in der Nähe von ihren Pferden abgestiegen, und so wie es ihnen zu eigen war, scherzten und fluchten sie untereinander, während sie ihre Tiere zum Wasser führten oder vom saftigen Gras fressen ließen.
Einige von ihnen holten Brotstücke aus ihren Satteltaschen oder tranken einen Schluck Ale. Lediglich der Anführer der Gruppe, Iain Mac Kendren, tat nichts dergleichen, sondern stand einer Statue gleich da. Die Tatsache, dass er den Kopf mal hierhin, mal dorthin drehte, war der einzige Hinweis darauf, dass er lebte und wachsam seine Umgebung beobachtete.
„Gestern Abend hörte ich den Gastwirt von einem Dieb erzählen, der hier in der Gegend Reisenden auflauert“, fuhr Keldra verängstigt fort. „Ein riesiger Kerl, brutal und Furcht einflößend!“
Lizette, wie Elizabeth von ihren Schwestern in Averette genannt wurde, reagierte mit einem mitfühlenden Lächeln. Keldra war erst fünfzehn und nicht ans Reisen gewöhnt.
Kein Wunder, dass jede Geschichte über einen Dieb ihr Angst einjagte, ganz gleich, wie unsinnig oder übertrieben die auch sein mochte. „Ein Schankmädchen beschrieb ihn als einen sehr gut aussehenden Dieb“, erwiderte sie. „Sie sagte auch, dass er eine Frau nicht ausraubt, wenn die ihm einen Kuss gibt. Für mich klingt das nach einer Begebenheit aus dem Lied eines Minnesängers. Doch dieser Dieb kann noch so fürchterlich sein, wir haben fünfzig Mann, die uns bewachen, Iain Mac Kendren nicht zu vergessen. Ich würde also sagen, wir sind hier wohlbehütet.“
„Das will ich hoffen“, flüsterte Keldra, als sorgte sie sich, der Dieb könnte sie belauschen.
Froh darüber, nicht länger in dem beengenden, stickigen Wagen sitzen zu müssen, nahm Lizette ihr silbernes Diadem und den seidenen Schleier ab, dann kauerte sie sich am Flussufer hin. „Solange er mir einen Kuss raubt, aber weder meine Kleider noch meinen Schmuck, könnte mir das Ganze vielleicht sogar gefallen.“
„Oh, Mylady, das würde es ganz sicher nicht!“, rief Keldra entrüstet aus, was nur deutlich machte, wie wenig sie in Wahrheit über ihre Herrin wusste.
Lizette schöpfte mit den Händen ein wenig kaltes Wasser aus dem Fluss und trank einen Schluck davon, ehe sie antwortete. „Wärst du nicht bereit, einen gut aussehenden Schurken zu küssen?“
„Nicht, wenn er ein Gesetzloser ist!“
„Also ich würde ja eher einen gut aussehenden Gesetzlosen küssen als irgendeinen Höfling, der vielleicht noch glaubt, ich wollte ihn heiraten“, betonte Lizette, während sie sich aufrichtete.
Grundsätzlich genoss sie die Gesellschaft von Männern, und sie mochte das lockere Hin und Her beim Schäkern. Sie beneidete sie um deren zwanglose Kameradschaften, aber vor allem beneidete sie die Männer um ihre Freiheit.
Die Ehe war dagegen ein ganz anderes Thema.
Für die meisten Frauen bedeutete diese Bindung eine Form von Sicherheit, doch nachdem sie die Ehe ihrer Eltern miterlebt hatte, teilte Lizette diese Einstellung nicht.
„Ich besitze keinen Schmuck, Mylady“, stellte Keldra klar und bückte sich ebenfalls, um aus dem Fluss zu trinken. „Er könnte mich dazu zwingen, dass ich ihn küsse!“
„Gegen den eigenen Willen geküsst zu werden, ist allerdings tatsächlich unangenehm“, musste Lizette aus eigener Erfahrung zugeben. Mehr als einmal waren übereifrige Heiratskandidaten auf der Suche nach einer wohlhabenden Braut nach Averette gekommen und hatten versucht, die jüngste und mutmaßlich unschuldigste Tochter des Lords zu verführen. „Natürlich möchte ich eigentlich keinem Dieb begegnen“,fügte sie an und lauschte dem Gesang der Vögel, als gäbe es für sie auf der Welt keinen Grund zur Sorge. „Das wäre zweifellos beängstigend.“
So wie der Zwischenfall, als ein betrunkener Adliger sie in der Kapelle in Averette in eine Ecke drängte und sie erst in Ruhe ließ, nachdem sie ihm endlich versprochen hatte, sich später an einem abgeschiedeneren Ort mit ihm zu treffen. An ihrer Stelle war aber ihre ältere Schwester Adelaide zu dieser Verabredung gegangen. Was sich dort abgespielt hatte, wusste Lizette bis heute nicht so genau. Auf jeden Fall war Lord Smurton zusammen mit seinem Gefolge am nächsten Tag bei Sonnenaufgang aufgebrochen, ohne sich auch nur von seinem Gastgeber zu verabschieden.
„Oh, Mylady!“
Keldras plötzlicher Aufschrei ließ Lizette aufblicken, und dann sah sie, wie ihre Dienerin auf die Flussmitte zeigte – wo soeben Lizettes neuer Schleier davontrieb. Fluchend raffte sie ihre Röcke zusammen und eilte am rutschigen Uferstreifen entlang. Sie wagte nicht, allzu schnell zu laufen, da die Steine zu nass und zu glatt waren, dennoch musste sie ihren Schleier zurückbekommen. Zweifellos würde Iain sagen, dass sie es gar nicht anders verdiente, wenn sie so unaufmerksam war, und dann würde er sie für den Rest der Reise nicht mehr aus den Augen lassen.
Während sie einerseits auf den Schleier achtete und andererseits nach einem Stock oder Zweig Ausschau hielt, mit dem sie ihn an Land ziehen konnte, tauchte plötzlich am gegenüberliegenden Ufer wie aus dem Nichts ein Mann auf.
„Fürchtet Euch nicht, Mylady!“, rief der Fremde ihr zu, als sie erschrocken stehen blieb. Er nahm seinen Gürtel ab und legte ihn mitsamt dem Schwert auf einen Felsblock. „Ich will Euch nichts tun.“
Wenn er sein Schwert ablegte und allein war, wollte er ihr wahrscheinlich wirklich kein Leid zufügen. Bemerkenswerter aber war noch, dass er gebildet und damit nach etwas Besserem klang – zumindest nach einem Ritter, wenn nicht gar nach einem Lord.
Wer immer er sein mochte, er trug nur einen einfachen ledernen Waffenrock ohne ein Hemd darunter, dazu eine schwarze Hose und schlichte Stiefel. Wie er dastand, vor sich den Fluss und hinter sich den Wald, da kam er ihr wie eine Art Waldgott vor. Aber das mochte ihr auch nur wegen seiner schlichten Kleidung und seiner wallenden dunklen Haare so erscheinen.
Er watete durch das tiefe Flussbett, und als er ihren Schleier erreicht hatte, beugte er sich vor und holte ihn so lässig aus dem Wasser, wie es ein anderer tun mochte, der auf einer Wiese ein Gänseblümchen pflückte. Dann richtete er sich auf und hielt das nasse rechteckige Stück Stoff wie ein Sieger seine Beute in die Höhe.
„Gestattet mir, dass ich mich Euch vorstelle“, sagte er und trat näher. Bei jedem seiner Schritte spritzte das Wasser in die Höhe. Seine tiefe, melodische Stimme gab ihr zusätzlich das Gefühl, keinen raubeinigen Schurken vor sich zu haben. „Ich bin Sir Oliver de Leslille aus Irland.“
Sir Oliver – also tatsächlich ein Ritter. Und Irland erklärte, warum er sich ein wenig so anhörte, als würde er nicht bloß reden, sondern singen.
Ihr fiel auch seine hohe Stirn auf, die von beachtlicher Intelligenz zeugte, seine exquisite, gerade Nase und ein Kinn, das so aussah, wie das Kinn eines Mannes aussehen sollte. Ein verlockendes Lächeln umspielte seine vollen Lippen.
Etwas tief in ihrem Inneren regte sich, als hätte ein leichtes Beben den Boden unter ihren Füßen erzittern lassen. Oder als hätte sich etwas in der Luft verändert.
Oder als sei etwas in ihr aus dem Schlaf geweckt worden.
„Ich war mit Freunden auf der Jagd, aber wir wurden unterwegs getrennt“, erklärte Sir Oliver, als er das Ufer erreichte und sich zu ihr stellte. Ihr Schleier war durchnässt, aber ihr entging auch nicht, wie die nasse Wollhose des Mannes knapp seine muskulösen Oberschenkel umspannte.
„Da ich großen Durst hatte“, fügte er hinzu, „machte ich hier Rast, und dann hörte ich auf einmal Euren … Euren wütenden Ausruf. Sehr blumig, muss ich sagen.“
Liebe Muttergottes, er hatte sie fluchen gehört. Normalerweise war sie nicht so leicht in Verlegenheit zu bringen, aber in diesem Moment war das der Fall. So sehr, dass sie sich fast wünschte, der Fluss würde sie erfassen und mitreißen.
Sie neigte auch nicht zum Erröten, doch jetzt spürte sie, wie die Hitze ihr in die Wangen stieg. Gleichzeitig wusste sie, dass sie irgendetwas erwidern, sich zumindest bei ihm bedanken sollte. Dummerweise wollte ihr kein Ton über die Lippen kommen, was auch nicht ihrer üblichen Art entsprach. Stattdessen merkte sie auf einmal, dass sie wie gebannt die braunen Augen dieses Mannes anstarrte, der für sie durch den eiskalten Fluss gewatet war, als würde er so etwas jeden Tag machen.
„Ihr müsst durchgefroren sein!“
„Mir war schon viele Male kälter als jetzt gerade, Mylady“, wehrte er ab und reichte ihr den triefnassen Schleier. „Wenn man einer so reizenden Dame zu Diensten sein kann, ist das einen leichten Schauer allemal wert.“
„Ich … vielen Dank, Sir“, stammelte sie.
Was war denn nur los mit ihr? Sie hatte sich noch nie so unbeholfen benommen. Bedauerlicherweise war sie nicht in der Lage, einen vernünftigen Satz auszusprechen oder einen klaren Gedanken zu fassen – bis auf den einen Gedanken, der sich darum drehte, dass sie niemals zuvor einem so atemberaubend gut aussehenden Mann begegnet war. „Ich bin Euch sehr dankbar“,...




