Moore | Ein skandalöser Kuss | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 0548, 256 Seiten

Reihe: Historical MyLady

Moore Ein skandalöser Kuss


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95446-666-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 0548, 256 Seiten

Reihe: Historical MyLady

ISBN: 978-3-95446-666-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein lautes Krachen, ein heftiges Schleudern - und plötzlich findet Nell sich in einer höchst unziemlichen Position wieder: Sie liegt auf dem Gentleman, mit dem sie die Kutsche nach Bath geteilt hat. Ist der Schreck über den Unfall der Grund für den atemberaubenden Kuss, den der attraktive Mitreisende ihr stiehlt? Ein Kuss, der Nells Leben gründlich auf den Kopf stellt. Denn Viscount Bromwell hält sie für die adlige Lady Eleanor: Unter diesem falschen Namen ist Nell auf der Flucht! Nie darf er erfahren, wer sie wirklich ist - egal, wie viele Küsse er ihr noch raubt ...



Margaret Moore ist ein echtes Multitalent. Sie versuchte sich u.a. als Synchronschwimmerin, als Bogenschützin und lernte fechten und tanzen, bevor sie schließlich zum Schreiben kam. Seitdem hat sie zahlreiche Auszeichnungen für ihre gefühlvollen historischen Romane erhalten, die überwiegend im Mittelalter spielen und in viele Sprachen übersetzt wurden. Sie lebt mit ihrem Mann, mit dem sie seit über 20 Jahren verheiratet ist, ihrer Familie und zwei Katzen in Toronto, Kanada.

Moore Ein skandalöser Kuss jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1. KAPITEL

Wie lange träume ich schon davon, diese faszinierenden Geschöpfe in ihrer natürlichen Umgebung zu erforschen; zu beobachten, wie sie ihre Netze spinnen und ihr Überleben sichern und sie dabei genauso wenig zu stören wie irgendein x-beliebiges Exemplar einer der vielen anderen Tiergattungen, die ihre Welt bevölkern.

– aus Das Spinnennetz von Lord Bromwell

England 1820

Dieser Mann gehörte eindeutig nicht hierher. Dessen war Nell Springley sich sicher, nachdem sie den einzigen anderen Fahrgast in der Postkutsche nach Bath zum wiederholten Male gemustert hatte. Als sie in London zugestiegen war, hatte er geschlafen, und obwohl das Gefährt die ganze Zeit rumpelte und gefährlich hin und her schwankte, schlief er immer noch, die Arme vor der Brust verschränkt und den modischen Kastorhut so tief in die Stirn gezogen, dass die Krempe seine Augen verdeckte.

Ohne Zweifel war er begütert, dem eleganten indigoblauen Gehrock aus feinem Wollstoff und den gut sitzenden ockerfarbenen Pantalons nach zu urteilen. Der aufwendig geschlungene Knoten seines blendend weißen Krawattentuchs verriet die Hand eines kunstfertigen Kammerdieners. Nell musterte die perfekt passenden Ziegenlederhandschuhe, die schlanke Finger modellierten, und dann die Reitstiefel, die so blank poliert waren, dass sich ihre Röcke darin spiegelten.

Ein Mann, der sich solche Garderobe leisten konnte, pflegte in seiner eigenen Kutsche zu reisen.

Vielleicht war er ein Spieler, der sein Vermögen durchgebracht hatte. Wenn er zu der Sorte gehörte, die Freiluftboxkämpfe bevorzugte, würde das die Sonnenbräune in seinem Gesicht erklären, von dem sie allerdings nur die untere Partie sehen konnte.

Oder er war ein ehemaliger, aus dem Dienst Seiner Majestät ausgeschiedener Marineoffizier. Sie konnte sich seine hochgewachsene Gestalt gut in der Uniform mit den Goldtressen auf den Schultern vorstellen. Auf dem Achterdeck stehend und Kommandos rufend, musste er einen umwerfenden Anblick geboten haben.

Genauso gut konnte er jemand sein, der ein nächtliches Zechgelage hinter sich hatte, bei dem sein gesamtes Geld für Brandy und Cognac draufgegangen war, und der nun seinen Rausch ausschlief. In dem Fall hoffte sie, dass er nicht wach wurde, ehe sie Bath erreichten. Sie verspürte nicht den Wunsch, sich mit einem Trunkenbold zu unterhalten. Auch nicht mit sonst jemandem.

Sie fuhren über eine besonders halsbrecherische Furche der Straße, und die Kutsche machte einen Satz, der das Gepäck im Stauraum durcheinanderrüttelte. Der Begleitreiter fluchte, und Nell hielt sich an der Sitzkante fest. Ihr Schutenhut war ihr in die Stirn gerutscht, sodass sie nichts mehr sehen konnte.

„Etwas ruckartig, in der Tat.“

Welch tiefe, freundliche Stimme! Nell rückte vorsichtig ihren Hut zurecht, hob den Blick und schnappte unwillkürlich nach Luft. Ihr Mitreisender war ohne Zweifel der attraktivste Mann, den sie je gesehen hatte.

Er hatte sich den Kastorhut aus der Stirn geschoben, sodass sie seine graublauen Augen sehen konnte, aus denen er sie liebenswürdig anblickte. Sein Gesicht war kantig, seine Nase schmal und gerade, und die kleinen Fältchen um seine Augen ließen vermuten, dass er trotz seiner jungen Jahre mehr Welterfahrung hatte als sie.

Nun ja, mehr Welterfahrung als sie hatten die meisten Menschen.

Mit einem Mal wurde ihr bewusst, dass sie ihr Gegenüber anstarrte. Die Wangen gerötet, als habe man sie beim Lauschen ertappt, senkte sie den Blick und verschränkte die Hände auf dem Schoß.

Aus dem Augenwinkel nahm sie dabei ein krabbelndes Etwas auf dem sandfarbenen, doppelt rot gestreiften Sitzbezug neben sich wahr.

Eine Spinne! Eine widerliche, fette braune Spinne, die sich in ihre Richtung bewegte.

Mit einem unterdrückten Aufschrei schoss Nell hoch, verlor das Gleichgewicht – und plumpste ihrem Mitreisenden auf den Schoß, nicht ohne ihm dabei den Hut vom Kopf zu stoßen.

„Keine Angst!“ Seine vornehme Aussprache war nur ein weiterer Beweis dafür, dass er zur feinen Gesellschaft gehörte.

Nell errötete wenn möglich noch tiefer und rutschte hastig auf den Platz neben ihm. „Ich … ich bitte vielmals um Verzeihung“, stammelte sie in dem Gefühl, hoffnungslos töricht zu erscheinen, stellte jedoch gleichzeitig fest, dass die verirrte dunkle Locke in seiner Stirn ihn sehr jungenhaft und alles andere als einschüchternd aussehen ließ.

„Kein Grund, Angst zu haben“, betonte ihr Reisegefährte noch einmal. „Es ist nur eine Tegenaria parietina. Ganz harmlos, wirklich.“

Vor lauter Verlegenheit über ihre kindische Reaktion wusste Nell nicht, was sie sagen sollte. Also glättete sie stattdessen ihre Röcke und warf einen Blick auf die Bank gegenüber, die sie so überstürzt verlassen hatte.

Die Spinne war verschwunden.

„Wo ist sie?“, rief sie alarmiert und richtete sich ungeachtet des Schwankens der Chaise halb von ihrem Sitz auf. „Wo ist die Spinne?“

Der junge Mann hielt ihr den Kastorhut hin. „Da drin.“

Er bewahrte sie in seinem Hut auf?

Als Nell ihn ansah, lächelte er entschuldigend. „Ich interessiere mich sehr für Spinnen.“

Gut aussehend hin, weltmännisch her – er schien ziemlich exzentrisch zu sein. Vielleicht sogar geistig verwirrt.

„Halten Sie sie von mir fern.“ Nell rückte so weit fort von ihm und seinem Hut wie nur möglich. „Ich finde Spinnen eklig.“

Der junge Gentleman stieß einen Seufzer aus, beinahe so, als wäre ihre Abneigung nicht normal, sondern ein ernst zu nehmender Charakterfehler. „Wie schade.“

In Anbetracht der Dinge, die sie sich in den letzten Tagen hatte zuschulden kommen lassen, erschien es Nell eher lächerlich, der Aversion gegen Spinnen geziehen zu werden.

„Die meisten Spinnen tun einem nichts.“ Mit dem Blick, den der junge Mann der Kreatur in seinen Hut schenkte, bedachte man normalerweise ein gehätscheltes Schoßhündchen. „Ich bin mir durchaus darüber im Klaren, dass sie nicht so schön sind wie manch anderes Insekt – Schmetterlinge zum Beispiel –, aber auf ihre Art sind sie genauso nützlich wie Bienen.“

Lächelnd blickte er sie an, und Nell wurde schlagartig klar, dass er ein Mann war, dem die Frauen zu Füßen lagen. „Gleichgültig, was Sie von meinen Spinnen halten – darf ich mich vorstellen? Ich …“

Mit einem ohrenbetäubenden Krachen schnellte die Kutsche hoch, beinahe so, als wäre sie ein lebendes Wesen, dann prallte sie donnernd wieder auf dem Boden auf, und Nell wurde von ihrem Sitz geschleudert. Ihr Mitreisender fing sie auf und hielt sie fest, während der Kutscher vergeblich versuchte, die panisch wiehernden Pferde unter Kontrolle zu bringen, und die Chaise sich seitwärts neigte.

Mit einem dumpfen Krachen stürzte das Gefährt schließlich um, und Nell fand sich, alle viere von sich gestreckt und zwischen den Sitzbänken eingeklemmt, auf ihrem Mitreisenden liegend wieder.

„Alles in Ordnung mit Ihnen?“ Er musterte sie auf eine Weise, die ihr das Blut schneller durch die Adern trieb, als selbst das Umstürzen der Kutsche es vermocht hatte.

Sie empfand keine Schmerzen, spürte nur die intensive Nähe seines Körpers unter ihrem und die Berührung seiner Arme, die er schützend um sie geschlungen hatte. „Ich denke ja. Und Sie?“

„Es scheint, als wäre ich unverletzt. Aber ich vermute, wir haben einen Radbruch. Oder die Achse ist hinüber.“

„Ja, sicher. Natürlich“, murmelte sie. Sein Brustkorb unter ihr hob und senkte sich unter Atemzügen, die so rasch und abgehackt gingen wie ihr Herzschlag. Obwohl doch die unmittelbare Gefahr vorüber war.

„Am besten, ich sehe mir erst einmal an, was passiert ist.“

Sie nickte.

„Am besten sofort.“ Sein Blick verfing sich mit ihrem, und sein schönes, sonnengebräuntes Gesicht war auf einmal viel zu nah.

„Sofort, ja“, bestätigte sie und befahl sich erfolglos, von ihm herunterzurutschen.

„Vielleicht kann ich helfen.“

Sie schluckte. „Ja. Sicher.“

„Ich frage mich …?“

„Was denn?“

„Ob ich nicht ein Experiment wagen sollte.“

„Ein Experiment?“ Es fiel ihr schwer, seinen Gedankengängen zu folgen, und was er mit dem Experiment meinte, begriff sie schon gar nicht.

Ohne Vorwarnung, ohne auch nur ihren Namen zu kennen, geschweige denn ihr vorgestellt worden zu sein, wie es sich gehörte, hob der junge Mann den Kopf …

… und küsste sie.

Die Berührung seiner Lippen auf ihren fühlte sich so leicht an wie Schmetterlingsflügel, so köstlich und unwiderstehlich wie süße warme Brötchen und heißer Tee an einem kalten Tag – und erregender als alles, was sie kannte. Ganz anders jedenfalls als der unwillkommene Kuss vor ein paar Tagen, mit dem der eingebildete, herrische Lord Sturmpole ihr Leben zerstört hatte.

Dieser Kuss dagegen war gefühlvoll, zärtlich, aufregend … sinnlich. Genau wie der Mann, dessen Lippen sie auf ihren spürte.

Und der sie urplötzlich von sich schob, nach Luft ringend wie ein Ertrinkender, und hastig von ihr fortrutschte, bis er mit dem Rücken gegen den nunmehr in der Senkrechten befindlichen Kutschenboden stieß.

„Um Himmels willen, verzeihen Sie!“, brachte er entsetzt hervor. „Ich weiß nicht, was über mich gekommen ist.“

Nell rutschte ebenfalls rückwärts und...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.