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E-Book

E-Book, Deutsch, 188 Seiten

Moore Shift Work

Night Shift 1
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-96089-578-7
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Night Shift 1

E-Book, Deutsch, 188 Seiten

ISBN: 978-3-96089-578-7
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Man könnte meinen, dass die Werwölfe das Schlimmste an der Arbeit in der Night Shift seien, aber da irrt man sich. Alles, was Officer Kit Marlow will, ist eine Tasse Kaffee und etwas Ruhe vor seiner nächsten Schicht. Stattdessen findet er einen nackten Mann im Aufzug und ein totes Mädchen in der Leichenhalle, dessen Identität nicht geklärt ist. Er muss sich um beides kümmern, bevor er endlich in sein Bett kann. Oder in das von irgendjemand anderem. Obwohl die Chancen dafür nicht sehr gut stehen. Widerwillig tut sich Marlow mit dem bissigen Sicherheitsberater Cade Deacon zusammen, der zuletzt nackt im Aufzug gesehen wurde, und erforscht das Leben des toten Mädchens. Gemeinsam decken sie einen neuen Tatort auf, der den Geruch alter Korruption verströmt. Eine Korruption, die Marlow vor fünf Jahren fast das Leben gekostet und seine Karriere beendet hätte. Herauszufinden, wer das Mädchen getötet hat, könnte nur der Anfang dieser Untersuchung sein. Oh, und es ist die zweite Nacht des Vollmonds. Das bedeutet, dass 80 % der Stadt, einschließlich Cade, sich mitten im Fall in Werwölfe verwandeln werden. 'Shift Work' ist das erste Buch der Serie 'Night Shift'.

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Kapitel 1


„Halten Sie die Tür auf!“, schrie jemand.

Marlow kannte die Stimme – aus dem Fernsehen, aus Podcasts und von sarkastischen Schmähschriften gegen eine angeblich inkompetente Polizei. Es war eine Stimme, an die man sich erinnerte. Er überlegte, für eine Sekunde so zu tun, als wäre er taub. Es war der Morgen nach dem letzten Mond und er konnte das nicht gebrauchen, aber seine gute Seite gewann die Oberhand. Das Leben war hart, und es war dämlich, eine Chance auf gutes Karma verstreichen zu lassen. Er bemühte sich, Mantel, Schlüssel und Kaffee nicht fallenzulassen, während er versuchte, eine Hand freizumachen, um der Bitte nachzukommen.

Es funktionierte nicht. Stattdessen streckte er einen Fuß aus und ließ die Aufzugstüren gegen seinen Schuh prallen.

Der Aufzug piepte ihn vorwurfsvoll an und die Türen glitten wieder auf. Dieses ‚Das‘, das er nicht gebrauchen konnte, auch bekannt als Cade Deacon, packte den Rand der Tür, bevor sie erneut zugleiten konnte. Er war nackt, bis auf die elektronischen Tags, die um seinen Hals baumelten. Seine Füße waren voller Grasflecken, und Blätter verfilzten immer noch seine lockigen, dunkelblonden Haare.

„Danke“, sagte Cade in einem rauen, warmen Ton, als er sich an Marlow vorbeidrückte. Die feuchte Hitze, die von ihm ausging, ganz frischer Schweiß und altes Blut, schwappte in einer Welle über Marlow und blieb an den Innenseiten seines Mundes kleben. So müsste Cade schmecken, wenn er ihn ablecken würde – Salz, Kupfer und Moschus – Marlow versuchte sich dann auf den Gedanken zu konzentrieren, was die Personalabteilung dazu sagen würde, wenn er das täte.

Er sah förmlich die Schlagzeilen vor seinem inneren Auge: „Night Shift-Polizist leckt den Leiter einer privaten Sicherheitsfirma an, um seine unternehmensübergreifende Dominanz zu demonstrieren.“

Sie wären nicht sehr erfreut. Er auch nicht, wenn Cade ihm die Zähne in den Hals rammte.

Marlow drückte den Knopf für seine Etage und sah dabei zu, wie Cade den vierten Stock auswählte. Das Leichenschauhaus. Er nahm einen Schluck von seinem Kaffee – er war kalt und hatte nie wirklich gut geschmeckt, aber es war trotzdem Kaffee – und schob seine Sonnenbrille höher auf seiner Nase. Drei Stockwerke über dem Erdgeschoss und fünfzehn Minuten Papierkram, dann hatte er sein Soll für den Tag erledigt. Er könnte Feierabend machen und das ganze Gebäude Cade Deacon überlassen.

Keiner von ihnen sagte etwas. Cade streckte einen Arm aus, griff nach hinten, und kratzte sich am Arsch.

Es war unhöflich, so etwas zu dieser Zeit des Monats zu einer Sache zu machen. Marlow kaute auf den Innenseiten seiner Wange und schaffte ein ganzes Stockwerk, bevor er einen kurzen Blick auf Cades Hintern riskierte. Er würde nicht so tun, als hätte er den nicht bereits bemerkt. Die taillierten Anzüge, die der Leiter von Cold Winds Security bevorzugte, setzten ihn jedes Mal gut in Szene, wenn Cade hereinkam, um sich mit dem Chef zu beraten oder der Night Shift den Arsch aufzureißen – einschließlich Marlows. Einige Male sogar, obwohl er bezweifelte, dass Cade sich daran erinnerte – das letzte Mal, weil er einen seiner Arschloch-Agenten in den Käfig geworfen hatte. Dies war jedoch das erste Mal gewesen, dass Marlow den Hintern leibhaftig sah.

Er hatte die herrliche Kurve mondblasser Haut und straffer Muskulatur erwartet, aber die Narben, die sich darüber zogen, waren eine Überraschung. Schmale, erhabene, weiße Wülste kreuzten seinen Hintern, die Enden der Narben reichten bis über seine Hüften und seine schlanken Oberschenkel hinunter. Er fragte sich kurz, wie das passiert war. Oder wann.

„Fragen Sie oder schauen Sie woanders hin“, sagte Cade.

Marlow spürte, wie sich kribbelnde Hitze von seinen Schlüsselbeinen bis zu seinen Ohren ausbreitete. Es ließ sie schmerzen. Er blickte auf seine Füße hinunter – der Stoff seiner abgenutzten Converse hatte angefangen, sich von der Sohle abzulösen, und er hatte vielleicht noch eine Woche, bevor sie den Geist aufgaben – und räusperte sich.

„Geht mich nichts an“, sagte er.

„Das wussten Sie bereits.“

Wo er recht hatte, hatte er recht. Marlow verlagerte sein Gewicht von einem Fuß auf den anderen und fluchte, als der Aufzug im zweiten Stock hielt. Es war nicht einmal jemand da, nur ein leerer Flur und eine Aktentasche übrig.

Er beugte sich nach vorne und drückte seinen Daumen gegen den ‚Tür schließen‘-Knopf. Jemand hatte ihm einmal gesagt, dass das eigentlich nichts brachte, außer dir etwas zu tun zu geben, aber er presste trotzdem dagegen. Komm schon, komm schon, komm schon.

„Nicht zuletzt muss ich der Arbeitsmoral von San Diegos steuerfinanzierten LEOs Respekt zollen“, sagte Cade, seine Stimme tief und klar. „Nicht nur früh am Morgen schon hier, sondern angezogen und sieht beschissen aus.“

Manchmal war es schwer, den Unterschied zwischen Dominanzspielen und Flirten zu erkennen. Anscheinend nicht bei Cade. Marlow wusste das zu schätzen.

„Ich habe seit …“ Marlow hielt inne, um sich daran zu erinnern, sein Gehirn in dem Stadium der Müdigkeit, in dem alles funktionierte, aber nur 20 Prozent langsamer als gewöhnlich. Es war November, also wurde die Nachtschicht normalerweise in zwei Teile geteilt. Allerdings hatten sich Harrison und Toledo beide krankgemeldet, also hatte er ihre aufeinanderfolgenden Schichten erwischt. „… siebzehn Stunden Schicht. Das Einzige, was ich möchte, ist mein Kit wieder anzumelden und nach Hause zu gehen.“

Und etwas guten Kaffee. Oder mehr schlechten Kaffee. Er war nicht pingelig.

„Oh, das ergibt Sinn“, knurrte Cade. „Du bist einer von der Spaßpolizei, und jetzt so müde, weil du am vergangenen Abend den Spaß für alle anderen ruiniert hast.“

Marlows Rippen schmerzten vom Aufprall nach einem Sprung in eine Gasse unten im Bekleidungsviertel. Sein Knie hatte das lockere Gefühl von zu weicher Knete, das sich über Nacht entspannen oder ausweiten und dafür sorgen könnte, dass er eine Woche lang humpeln würde. Wenn er morgen Abend zur Arbeit reinkam, wartete da ein Stapel Papierkram auf ihn, dick wie ein Wörterbuch, um den Schaden an seinem Streifenwagen zu protokollieren, nachdem jemand auf das Dach gesprungen und es voller Dellen zurückgelassen hatte.

„So bin ich“, sagte Marlow. Er widerstand dem Drang, die Augen zu verdrehen, und lehnte sich lediglich nach vorne, um den Knopf erneut zu drücken. „Von der Spaßpolizei. Wissen Sie, an jeder Straßenecke gibt es Schließfächer, in denen Sie frische Wechselkleidung aufbewahren können.“

„Ich weiß.“

Schließlich erreichten sie Marlows Etage. Er beschloss zu glauben, dass das Hämmern auf den Knopf funktioniert hatte. Die Türen glitten auseinander, und Marlow war noch nie so froh, das institutionelle Grün der Wände zu sehen. Er sprang nicht gerade aus dem Aufzug, aber die Türen hatten sich nicht ganz geöffnet, als er durch sie hindurch schoss. Er war fast frei und unversehrt, als Cade sich räusperte.

„Officer … Marlow, nicht wahr?“

So viel dazu, nicht zu wissen, wer – oder was – Marlow war.

Marlow spürte die kalte Pfote des Geistes seiner Großmutter am Ohr. Sie hatte nicht Jahre damit verbracht, Marlow Manieren einzutrichtern, damit er unhöflich gegenüber jemandem war, der jetzt über ihm stand. Karma, sagte sich Marlow. Hierfür würde er Anerkennung bekommen.

Er drehte sich um, steif und widerwillig, und sein Gehirn fiel sofort um und flappte herum wie ein Fisch an der Angel. Cade hatte sich gegen die Wand des Aufzugs gelehnt und stützte sich mit seinen Händen auf dem Geländer hinter sich ab. Sein Lächeln offenbarte Zähne, die etwas zu spitz waren, und Augen von einem hellen Honigbraun, umrahmt von Lachfältchen. Es war nicht so, als wäre es eine Überraschung, dass Cade heiß war. Marlow mochte die Idee einer privaten Polizeieinheit nicht, und er mochte den bissigen CEO auch nicht besonders, aber er war nicht blind. Cade sah mit seinen breiten, sommersprossigen Wangenknochen und einem eckigen, fein geschnittenen Kiefer gut aus – auf eine harte, kompromisslose Weise, die nichts Weiches oder Schönes an sich hatte.

Aber diese Anziehung war bloß eine Einbahnstraße. Marlow hatte nie das Gefühl bekommen, dass Cade ihn, oder irgendjemanden sonst, als irgendetwas anderes als ein Hindernis wahrgenommen hätte. Der Mann kümmerte sich nur um seine Arbeit und darum, ein Arschloch zu sein.

Bis jetzt – als Marlow der Atem stockte, während Cade ihn mit diesen wilden, fast goldenen Augen festpinnte.

„Ruh dich ein wenig aus, Marlow“, sagte Cade gedehnt. Für eine Sekunde war Marlow überrascht, dass Cade sich tatsächlich daran erinnerte, wer er war, bis Cades nächste Worte ihn mehr überraschten. „Du siehst aus, als solltest du längst in meinem Bett sein.“

Marlow starrte Cade an, sein Kiefer klappte hinunter, während er sich fragte, ob er sich verhört hatte.

Bevor er sich entscheiden oder dem Drang nachgeben konnte, seine Augen dem lächerlich perfekten Dreieck von Cades Körper nach unten folgen zu lassen, um das direkt zu überprüfen, glitten die Aufzugstüren zu und versperrten Marlows Sicht.

„Was zur Hölle war das?“, sagte Marlow laut und sah sich um, um herauszufinden, ob jemand anderes gesehen hatte, was gerade passiert war.

Der Flur war leer.

Nach einem Moment schüttelte Marlow den Kopf und rieb sich mit der Hand übers Gesicht. Er sollte es gewohnt sein, mit dem Rest der Stadt nicht im Einklang zu sein, sogar mit den anderen Cops. Echten Polizisten. Marlow war...



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