E-Book, Deutsch, 180 Seiten
Moore Split Shift
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-96089-655-5
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Night Shift 2
E-Book, Deutsch, 180 Seiten
ISBN: 978-3-96089-655-5
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wenn du bemerkst, dass das Schwierige an der Arbeit in der Night Shift nicht die Werwölfe sind, sondern die Menschen ... Nachdem der Night Shift Officer Kit Marlow den Mord an dem Kinderstar Haley Jenkins aufgeklärt hat, ist er der Meinung, dass er sich eine kleine Auszeit verdient hat. Vielleicht sogar eine Verabredung zum Abendessen mit Cade Deacon, dem sarkastischen Sicherheitsberater, dem sehr guten Küsser und Werwolf, der bei den Ermittlungen geholfen hat. Das war, bevor jemand in einer Night Shift-Uniform sie beide von der Straße drängt. Bei Vollmond ist die einzige Verabredung zum Abendessen, an der Cade interessiert ist - Marlow auf einem Teller serviert. Und das nicht auf eine sexy Art. Es ist das zweite Mal, dass korrupte Beamte der Night Shift versuchen, Marlow zu töten. Wenn es nach ihm geht, wird es auch das letzte Mal sein. Das Problem ist, dass er nur noch achtundzwanzig Tage bis zum nächsten Vollmond hat. Wenn er bis dahin nicht herausgefunden hat, wer ihn tot sehen will, muss er sich mit einem Team im Rücken, dem er nicht trauen kann, auf die Straßen voller Werwölfe begeben. Aber das Wichtigste zuerst. Die nächsten zwölf Stunden lebend und ungefressen überstehen und hoffen, dass ein zweites Date weniger ereignisreich ausfällt, falls es doch noch zu einem kommt.
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Kapitel 1
Das Auto war für offene Strecken und Geschwindigkeit gebaut worden: lang, cool und schwarz. Es war am Straßenrand zum Liegen gekommen, auf dem Dach gelandet und stark beschädigt, während langsam heiße Flüssigkeit heraussickerte und über den rissigen Asphalt lief. Ein hauchdünnes Spiegelbild des runden weißen Mondes waberte ölig in der flachen Pfütze.
Marlow öffnete seine Augen und blinzelte bei der abstrakten Kollision von Farbe und Licht, die sein Blickfeld erfüllte. Übelkeit kam in ihm auf und er kniff die Augen zusammen. Es half nicht, sondern machte ihm nur bewusst, dass sein Herzschlag in seinen Nebenhöhlen schmerzte und es sich anfühlte, als hätte ihm wieder jemand in die Schulter geschossen.
Er versuchte es ein zweites Mal. Die Übelkeit rumorte unangenehm in seiner Brust, aber nach ein paarmal hartem Blinzeln wurde Marlow klar, was mit der Welt nicht stimmte: Sie stand kopfüber hinter der kaputten Windschutzscheibe. Oder besser gesagt, er lag verkehrt herum. Die Straßenlaternen warfen ihre Linien aus Licht in Winkeln, die er normalerweise nicht sah, über die Straße.
Marlow atmete kräftig aus und sah feine Spritzer Blut auf dem verbliebenen Rest seiner Windschutzscheibe. Das war nicht gut. Marlow registrierte das und archivierte es für später. Im Moment konnte er nicht viel dagegen tun. Nicht, bis er das Auto verlassen und herausgefunden hatte, was passiert war. Seine Gedanken waren zerstreut. Das Letzte, woran er sich erinnerte, war der grobe Griff von Cades Hand an seinem Nacken sowie seine Hitze und sein Gewicht, als er Marlow vom Steuer weggezogen hatte. Mist, hatte Cade gegen sein Ohr gezischt. Dann hatten sich Cades Arme schmerzhaft fest um ihn geschlungen. Harte Knöchel hatten sich in seine Schultern gebohrt und der unbequeme Winkel hatte das Atmen erschwert. Dann war etwas so hart gegen sie geprallt, dass sich Marlow für eine Sekunde schwerelos gefühlt hatte. Bis er es nicht mehr gewesen war.
Marlow streckte die Hand aus und fummelte am Sicherheitsgurt herum. Er war eingeklemmt. Das Nylon war verheddert und die Metallschnalle zerschlagen und unter Marlows Fingern verdreht. Panik überkam ihn und die leise Erkenntnis, dass es schlimm war. Er riss heftig an der Schnalle. Sie gab leicht nach, obwohl er sich das vielleicht nur eingebildet hatte, und wurde wieder unnachgiebig. Die Panik stieg an und verblasste. Er konnte die Auswirkungen immer noch spüren. Sein Atem war heiß und keuchend in seinem Hals und sein Herzschlag, der immer noch schmerzhaft hinter seinen Augen pochte, war zu schnell. Doch je mehr Adrenalin durch seinen Körper pumpte, desto ruhiger war sein Verstand.
Posttraumatische Belastungsstörung. Jeder, den Marlow kannte, hatte sie. Wenn man seine Nächte damit verbrachte, gegen gewaltige Werwölfe zu kämpfen, die Probleme mit der Impulskontrolle hatten, ergaben sich solche Dinge. Die Störung wäre für die Abteilungstherapeuten wahrscheinlich einfacher zu behandeln, wenn sie nicht manchmal so nützlich wäre.
Cade stöhnte neben ihm. Gewissermaßen. Es begann jedenfalls als Stöhnen, bevor es sich auf dem Weg nach draußen durch seine Zähne verdichtete.
Marlow warf einen Blick auf seinen Beifahrer. Blut beschmierte dunkel Cades zerzauste, blonde Locken und sorgte für große, nasse Flecken auf seinem Hemd. Seine Arme hingen schlaff über seinem Kopf, ein Ärmel seines Hemds war abgerissen, zusammen mit einem guten Stück seiner gebräunten Haut. Was von seinem Arm übrig war, zeigte plötzlich eine Gänsehaut und der feine Flaum blasser Haare verdunkelte sich zusehends.
Marlow schluckte etwas Blut, spuckte es aus und kam zurück zu der Frage, wie er sich abschnallen sollte. Wenn ihm das nicht gelang, wäre es egal, wie lange sie schon hier waren. Irgendwann wäre es zu lange.
Er bewahrte ein Taschenmesser in der Ablage der Fahrertür auf, aber auf dem Kopf zu stehen, hatte die Sache verkompliziert. Marlow drehte sich um, so gut er konnte. Schmerz strahlte von seinen Rippen aus, als sie aneinanderrieben. Er musterte das Dach des Autos. Nichts.
Er schluckte die langsame Welle der Übelkeit herunter und griff über sich, um entlang des Dachs nach etwas zu suchen, das er gebrauchen konnte. Alles, was er fand, war ein Stift, was nicht viel nützte. Vielleicht war es aus dem Auto geflogen. Marlow überprüfte das Fenster neben sich. Es war zerbrochen und wie Diamanten draußen auf der Straße verstreut. In der Mitte stach der leuchtend rote Griff des Messers im Mondlicht hervor. Was Marlow daran erinnerte …
Neben ihm sog Cade schnell und eifrig die Luft ein, was nicht ganz … richtig klang. Nicht ganz menschlich. »Wie lange?«, fragte Cade.
»Willkommen zurück«, sagte Marlow mit angespannter Stimme, als er seinen Arm aus dem Auto streckte. Seine Finger stießen gegen das Taschenmesser, aber er bekam es nicht zu fassen. Er stützte seinen Fuß gegen die Konsole und drückte sich so weit wie möglich heraus. Der Sicherheitsgurt war wie ein Schraubstock um seine Schulter und seine Rippen, als er sich bemühte, es zu erreichen. Nah dran. Näher. Marlow schaffte es schließlich, es zu packen und zurück ins Auto zu ziehen. Seine Hand fühlte sich durch den Druck des Sicherheitsgurts taub an, aber er schaffte es und legte den Daumen in die Kerbe an der Klinge, um sie zu öffnen. »Bist du okay?«
Cade lachte rau und nicht gerade amüsiert. »Das werde ich sein«, sagte er. »Wie lange haben wir?«
Das Armaturenbrett hatte beim Aufprall Risse bekommen, die Instrumententafel war eingeknickt und zerbrochen. Marlow zeigte mit seinem Kinn darauf, während er am Sicherheitsgurt arbeitete. Der Griff des Messers war ebenfalls gesplittert; die scharfen Kanten lagen hart in seinen Fingern, während er sägte. »Die Uhr funktioniert nicht. Wie lange glaubst du?«
»Nicht lange«, antwortete Cade. Er hustete und räusperte sich. Oder versuchte es. Es hörte sich an, als ob da etwas stecken geblieben oder beim Unfall beschädigt worden wäre. »Wenn ich weit genug weg von …«
»Von dem frischen Fleisch, das neben dir blutet?« Marlow schnaubte, als er am Rand des Riemens schnitt. »So schnell kannst du dich nicht bewegen.«
»Glaubst du, du kannst es?«, fragte Cade. »Wie geht es deinem T-Bone-Steak von einem Knie?«
Gute Frage. Marlow konnte sie noch nicht beantworten. Er spürte, wie sich das Lenkrad in seinen Oberschenkel drückte, unbequem, aber nicht schmerzhaft, hatte aber keine Ahnung, inwieweit es funktionstüchtig war. Er würde es herausfinden.
Der Riemen trennte sich unter der Messerkante und riss ab. Marlow grunzte, als der Beckengurt sein Gewicht auffing. Er baumelte eine Weile daran, dann wurde er locker und löste sich. Marlow zog sein Bein unter dem Steuer hervor und fiel ungelenk gegen das Dach des Autos. Dem Knie ging es … nicht gut. Marlow biss die Zähne zusammen, als er sich herumwand, bis er flach auf dem Bauch lag. Das Glas grub sich in seine Ellbogen und Knie, als er sich durch das Fenster zwängte, die Arme vor sich ausgestreckt, um seine Schultern schmaler zu machen. Er zog sich heraus, die Straße war nass.
»Marlow. Kit«, sagte Cade. Seine Stimme war dünn, als wäre sie ihm an einem Draht durch die Zähne herausgezogen worden. »Ich hab dich echt gemocht.«
»Du kennst mich nicht«, entgegnete Marlow. Er rollte sich herum und kam auf die Beine. Sein Rücken war trotz der abendlichen Kälte verschwitzt, sein T-Shirt klebte an ihm. »Das hilft wahrscheinlich.«
Es war das Lächeln des Wolfs, das wild und unbeschwert über Cades Gesicht strahlte. Dann war dieses Gesicht verschwunden. Marlow atmete scharf ein. Zehn Jahre in der Night Shift, sein ganzes Leben als Null, und er hatte noch nie eine Verwandlung gesehen. Warum auch? Es war kein Verbrechen, ein Wolf zu sein, und das bedeutete, dass sie nicht Marlows Angelegenheit waren, bis sie etwas anstellten und die Night Shift gerufen wurde. Er fand nicht, dass er etwas verpasst hatte.
Knochen zerbrachen und formten sich neu, dann brachen sie erneut, als sich feste Muskeln verdickten. Die Haut riss auf und schälte sich ab, als raues, gelbbraunes Fell in verfilzten, schleimigen Büscheln durchbrach. Der Mensch klappte zurück wie ein Hoodie, als sich die breite Schnauze und der schwere Schädel des Wolfs durchzwängten. Zerrissene Kleidung wurde ungeduldig von Krallen weggezogen, als sie ihn plötzlich einengte.
Marlow atmete aus. Der Mann war so schnell verschwunden und der Werwolf über das gestülpt, was übrig war. Es fühlte sich an, als hätte es länger dauern sollen.
Der riesige, sandfarbene Wolf war in das schwarze Autowrack gequetscht, halb erwürgt durch den Sicherheitsgurt, der sich in das Fleisch seiner breiten, von dünnem Fell überzogenen Brust grub. Er knurrte, die Zähne waren weiß und spitz und das Auto wackelte heftig von einer Seite zur anderen, als Cade gegen die Barrieren ankämpfte. Der Sicherheitsgurt gab zuerst nach, riss entzwei und dann stieß Cade mit der Schulter die Tür heraus. Sie platzte aus den Angeln und flog über die Straße gegen die metallenen Fensterläden, die an der gegenüberliegenden Ladenfront heruntergezogen waren. Cade schälte sich aus dem Auto, als wäre es eine zu kleine Jacke. Er schüttelte sich und ließ Glassplitter aus seinem dicken, zerzausten Fell regnen. Er warf seinen Kopf zurück und heulte den Mond an.
Ein paar andere Wölfe aus der Stadt antworteten, die zwischen den Hochhäusern und im Hinterland verteilt waren. Allerdings noch nicht viele. Je höher der Mond stieg, desto mehr würden es sein, bis schließlich bis zu 80 Prozent der Stadt den Kopf in den Nacken warfen.
Marlow rappelte sich auf. Er trat einen Schritt zurück....




