E-Book, Deutsch, 400 Seiten
Moreland Beneath the Scars - Nie wieder ohne dich
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7363-0730-8
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 400 Seiten
ISBN: 978-3-7363-0730-8
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Berührend, herzzerreißend, einfach magisch!
Alles, was Zachary Adams will, ist allein gelassen zu werden. Menschen meidet er, da sie sich von seinen Narben abgestoßen fühlen. Seine Bilder, der Ozean und die Einsamkeit - das ist seine Welt. Doch dann lässt er Megan Greene in sein Leben. Auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit, hat die junge Schriftstellerin nur ein Ziel: zur Ruhe kommen. Das Sommerhaus in Maine, das ihr eine Freundin zur Verfügung stellt, ist perfekt. Das Meer, der Strand und das kleine Städtchen sind alles, was sie braucht. Bis sie über ein Gemälde stolpert, das sie auf den ersten Blick fasziniert. Bis sie auf den verschlossenen Künstler trifft, der ihr mit diesem Bild aus der Seele spricht. Bis sie Zachs Geheimnisse aufdeckt und damit zerstört, was sie sich aufgebaut haben ...
'Ein unglaublich gefühlvolle Liebesgeschichte!' Book Bitches
Der neue Roman von Bestseller-Autorin Melanie Moreland
Melanie Moreland ist eine New-York-Times- und USA-Today-Bestseller-Autorin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrer Katze in Ontario. Sie reist gerne, findet jedoch, dass das Heimkommen immer das Schönste ist. Am wichtigsten sind ihr ihre Familie und ihre Freunde. Weitere Informationen unter: www.facebook.com/authormoreland und bei Twitter (@MorelandMelanie)
Weitere Infos & Material
1
Megan
Je weiter ich mich entfernte, desto entspannter wurde ich; meine Schultern lockerten sich, als die Stadt zurückblieb und sich freier Raum vor mir erstreckte. Ich fuhr nicht schnell, sondern ließ mir Zeit und genoss die Landschaft. Aus den Lautsprechern kam klassische Musik, und das sanfte Crescendo der Streicher tat meinen Nerven gut. Normalerweise hörte ich zeitgenössische Musik, doch in diesem Moment brauchte ich die beruhigenden Klänge von Bach. Ich ließ das Fenster runter und streifte endlich mein Haarband ab. Zusammengebunden trug ich die Haare nur bei der Arbeit oder im Hochsommer, und nun genoss ich es, wie der Wind hineinfuhr und mir Kopf und Hals kühlte.
Immer öfter blitzten Wasserflächen auf; das Panorama wandelte sich, und statt zähflüssigem Verkehr gab es leere Straßen. Vereinzelte Bäume standen in der hügeligen Landschaft, die nach dem überstandenen Winter noch kahl dalag und die Rückkehr von Frühling und Wärme erwartete.
Mir war ganz ähnlich zumute.
Am späten Nachmittag hielt ich vor dem kleinen Laden in Cliff’s Edge. Das Küstenstädtchen war ruhig. Zu dieser Tageszeit hatten die meisten Geschäfte geschlossen; von den Einheimischen abgesehen, war die verschlafene Ansiedlung fast ausgestorben. Genau an einem solchen Ort wollte ich sein.
Der Drang, Boston zu verlassen, hatte mich plötzlich übermannt. Meine Freundin Karen hatte mir ihr Haus am Strand angeboten, und ich hatte nicht mal der Schlüssel wegen bei ihr vorbeigesehen, sondern war direkt zu Coopers Gemischtwarenladen gefahren, um die Zweitschlüssel abzuholen.
Karen war nicht glücklich darüber gewesen, dass ich so spät noch aufbrechen wollte, sie meinte, ich sollte doch bis zum nächsten Tag warten, aber ich wollte los, musste fliehen. Die Mail, die ich am frühen Nachmittag bekommen hatte, war der Tropfen gewesen, der das Fass hatte überlaufen lassen.
Doch daran wollte ich nicht denken und konzentrierte mich darauf, wohin ich unterwegs war: zum Strandhaus. Karens Worte »privat« und »abgelegen« gingen mir im Kopf herum – beides klang großartig.
Ich holte tief Luft, stieg aus dem Wagen, streckte mich und betrat den hell erleuchteten Laden, um die Schlüssel zu holen und mir die letzte Wegstrecke beschreiben zu lassen.
Das Haus war unerwartet weit von der Kleinstadt entfernt, die Wegbeschreibung kompliziert. So hatte Mrs Cooper mir angeboten vorauszufahren. Ich folgte ihrem Wagen über steile Straßen und seufzte erleichtert, als wir schließlich hielten. Die Rücklichter ihres Fords erloschen, und auch ich schaltete den Motor aus, ließ den Kopf auf die Brust sinken und genoss die neuen Geräusche ringsum. Es fühlte sich gut an, hier zu sein – an einem anderen Ort und allein.
Kaum war ich ausgestiegen und hatte meine Jacke angezogen, wollte ich Dixie aus ihrer Transportbox befreien und mit ins Haus nehmen. Sie musste müde sein, nachdem sie so lange in dem kleinen Kasten eingesperrt gewesen war, wo es auf Autofahrten sicherer für sie war. Als ich aber die Heckklappe des Wagens öffnete, schoss mein kleiner Hund aus seiner Box; irgendwie musste er den Riegel aufbekommen haben und stürmte nun bellend und schwanzwedelnd auf den dichten Wald hinterm Haus zu. Ich hetzte ihr nach, und wir spielten einige Minuten lang Fangen, ehe ich Dixie mit Mrs Coopers Hilfe in die Enge treiben und an die Leine nehmen konnte. Keuchend lehnte ich an meinem Wagen, während die Händlerin über unser Tollen lachte. »Das Tier hält Sie gut auf Trab.«
Ich nickte. »Ihre Umgebung erkundet sie liebend gern.« Erneut holte ich tief Luft. »Danke, dass Sie mich hierher gelotst haben. Sie hatten recht – allein hätte ich das Haus nie gefunden.«
Mrs Cooper bückte sich zu Dixie und kraulte ihr die Ohren. »Kaum zu fassen, dass Sie so spät gekommen sind, Megan. Gut, dass ich Sie herbringen durfte. Ich habe gestaunt, als Karen mir am Telefon sagte, Sie kämen schon heute. Sie war etwas besorgt wegen Ihrer Ankunftszeit.«
Achselzuckend zupfte ich mir am Ohrläppchen. »Ich wollte einfach weg.« Das Meer rauschte, und ich roch die herrliche Seeluft. »Ich wollte morgen hier aufwachen, wenn Sie verstehen.«
Sie schnalzte bestätigend und gab mir die Schlüssel in die Hand. »Haben Sie, was Sie brauchen?«
»Ich hab einiges mitgebracht und kaufe morgen noch mal ein.« Bei meinem Besuch des kleinen, aber erstaunlich gut sortierten Gemischtwarenladens hatte ich vor allem zweierlei besorgt: Ich wollte eine Menge fettiges Popcorn essen und dann eine Großpackung Eis vertilgen. Zwar hatte ich nicht an die Fruchtsoße gedacht, aber die würde ich nachkaufen.
»Gut. Es ist alles für Sie vorbereitet – mein Mann ist gleich nach Karens Anruf hergefahren und hat nachgesehen, ob alles in Ordnung ist. Ich hab ihm noch einiges mitgegeben. Sie dürften heute Abend also versorgt sein.« Sie hielt inne. »Soll ich mit Ihnen hineingehen?«
Ihre Umsicht ließ mich lächeln. »Danke, ich komme zurecht. Ich bringe schnell meine Sachen ins Haus, und dann gehe ich mit Dixie ein wenig spazieren; später machen wir uns einen ruhigen Abend.«
»Aber gehen Sie nicht zu weit. Sie sehen ja: Der Wald ist dicht – da verläuft man sich leicht.«
»Wir schlendern nur kurz am Strand entlang.« Ich trat einen Schritt von ihrem Auto weg. »Gute Nacht, Mrs Cooper.«
»Nehmen Sie beim Spazierengehen die Taschenlampe aus der Küche mit. Mein Mann hat neue Batterien eingesetzt. Unsere Telefonnummer haben Sie – rufen Sie an, wenn Sie etwas brauchen.«
Sie winkte mir und fuhr davon, und im nächsten Moment war ich allein.
Ein kurzes Bellen ließ mich schmunzeln. Ich hob Dixie hoch, lachte, als sie mit ihrer rauen Zunge über meine Wange leckte, strich ihr über den Kopf, trug sie zur Veranda und war froh, dass alle Schlüssel Etiketten besaßen. Ich schloss die Hintertür auf und brachte Dixie ins Haus, um ihr ein Schlafplätzchen zu bereiten und mich dann ans Entladen des Autos zu machen. Im vorderen Teil des Hauses musterte ich das gemütlich wirkende Zimmer. Der Ausblick war atemberaubend.
Rasch setzte ich Dixie ab und trat näher an das Panoramafenster heran, ohne den Blick von der Aussicht zu wenden. Die Sonne war fast versunken; nur letzte Strahlen schimmerten auf dem Wasser. Die herrliche Szenerie vor meinen Augen schlug mich in Bann. Das Haus lag ein Stück vom Ufer entfernt und deutlich über dem Strand, aber doch so nah am Meer, dass ich sah, wie sich die Wellen am felsigen Ufer brachen. Das Rauschen der Brandung war sogar durch die geschlossenen Fenster zu hören. Neben mir hatte Dixie sich auf die Hinterbeine gestellt und sah schwanzwedelnd durch die Scheibe. Ich lächelte zu ihr hinunter und kraulte sie an den Ohren. »Das Auto kann warten. Lass uns spazieren gehen!«
Ich vergewisserte mich, dass Dixie angeleint war, nahm die Taschenlampe und ging mit meinem Hund zum Strand hinab. Die Luft war frisch und rau, und ihr salziger Geruch füllte meine Lunge. Der Wind schlug mir kalt ins Gesicht, und als wir ans Wasser kamen, spürte ich die eisige Gischt der gegen die Felsen donnernden Brecher. Die gewaltigen Räume von Meer und Himmel schnürten mir beinahe die Kehle zu. Die schlichte Schönheit, dazu der brausende Wind und die rauschenden Wellen als einzige Geräusche, all das trieb mir unversehens Tränen in die Augen. Ich schlang die Arme um den Leib und stieß – froh, schon heute gekommen zu sein – einen erleichterten Seufzer aus. Dixie rannte, so weit die Leine reichte, beschnüffelte alles und bellte fröhlich. Nach einem weiteren tiefen Atemzug wischte ich mir die Nässe von den Wangen, und wir gingen am Wasser entlang und genossen das Offene ringsum. Ich zog die Jacke fester zusammen, stellte mich mit dem Rücken zum Ozean und betrachtete das Haus, in dem ich wohnen würde.
Seine ganze Seeseite war ein einziges Panoramafenster, das bequemen Ausblick aufs Meer bot – jenen Ausblick, der mich an den Strand getrieben hatte. Wände aus rustikalen Steinquadern umrahmten das Fenster, und davor lag eine große Terrasse, aber das Gebäude war weniger groß, als ich es bei Karens Geschmack erwartet hatte. Ich musste lächeln: Hier waltete offenbar der Einfluss ihres Mannes Chris. Die Formen waren einfach und klar, fast streng. Er kam oft für längere Zeit nach Cliff’s Edge, während Karen immer nur kurz blieb. Ihr war das Städtchen zu klein; es gab keine Bars und Klubs, keine großen Läden und zu wenig Wellness- und Beauty-Angebote, um sie beschäftigt zu halten. Chris dagegen genügten wie mir ein Buch, eine Tasse Kaffee und der herrliche Ausblick; Karen wurde es schnell langweilig bei diesem Angebot.
Mein Blick glitt zu den beiden anderen Gebäuden dieses abgeschiedenen Küstenstreifens. Das eine stand nah am Strand und war um einiges größer als das von Karen und Chris; das Haus, von dem Karen mir gesagt hatte, es sei das ganze Jahr bewohnt, lag am anderen Ende oben auf der Klippe. Licht drang durch die Vorhänge, und es tröstete mich etwas, dass es an diesem verlassenen Strand noch jemanden gab – auch wenn er laut Karen zurückgezogen lebte und recht unnahbar war. Alle drei Häuser hatten hinter sich den dichten Wald und vor sich den Ozean. Die Straße hierher war schwer zu finden, jedenfalls stieß man nicht so einfach auf sie. Das bot denen, die hier lebten, viel Privatsphäre. Inzwischen verstand ich, warum Karen mir geraten hatte, bei Tag anzureisen.
Mir fiel ein Licht ins Auge. Wieder sah ich zum Haus auf der Klippe und überlegte, wie überwältigend die Aussicht von dort oben sein musste, wenn schon der Blick vom Strand so...




