E-Book, Deutsch, Band 2430, 144 Seiten
Reihe: Julia
Morey Im Palazzo der heimlichen Träume
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7337-1398-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2430, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7337-1398-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Komm mit mir.' Ein Schauer überläuft Rosa bei der dunklen Stimme des Fremden. Im Trubel des Karnevals hat sie sich in Venedig verlaufen, aber der attraktive Mann in dem historischen Kriegerkostüm scheint zu spüren, wie verloren sie ist. Fasziniert begleitet sie ihn auf eine exklusive Party - und schließlich in einen malerischen Palazzo, wo er sie sinnlich liebt. Erst als Rosa längst wieder in ihrer kleinen Wohnung ist, merkt sie, dass sie einen Perlenohrring bei ihm verloren haben muss! Und dafür etwas unendlich Wertvolles bekommen hat ...
Im Alter von elf Jahren schrieb Trish ihre erste Story für einen Kinderbuch- Wettbewerb, in der sie die Geschichte eines Waisenmädchens erzählt, das auf einer Insel lebt. Dass ihr Roman nicht angenommen wurde, war ein schwerer Schlag für die junge Trish. Doch ihr Traum von einer Karriere als Schriftstellerin blieb. Nach der Geburt ihrer zweiten Tochter erfuhr sie, dass der englische Liebesroman-Verlag Mills & Boon auf der Suche nach neuen Autoren war. Hier war ihre Chance! Umgehend nahm sie an einem Kurs für kreatives Schreiben teil. Sie sandte einige ihrer Manuskripte ein, bekam aber etliche Ablehnungen. Da sie mit ihrer Familie in verschiedenen Ländern lebte und Zeitungsartikel schrieb, wurde es ihr jedoch nicht langweilig Ihre dritte Tochter wurde in Hemel Hempstead, England geboren. Zufällig dieselbe Stadt, in der Trishs Tante vor 70 Jahren geboren wurde, bevor ihre Familie nach Australien auswanderte. Zurück in Australien und nach der Geburt ihrer vierten Tochter, wusste Trish: Jetzt ist es an der Zeit, ernsthaft mit dem Schreiben zu beginnen. Sie nahm an Wettbewerben der Romance Writers of Australia teil und landete gleich beim ersten Anlauf auf Platz drei. Weitere Erfolge folgten, und Trish half bei der Organisation der Wettbewerbe mit. Zurzeit ist sie Vizepräsidentin der RWA in Australien. 2003 schaffte sie endlich den Durchbruch als Autorin. Ihr erster Roman wurde bei Mills & Boon herausgebracht. Nach Trishs Meinung ist die Veröffentlichung eines Buches eine bedeutende Lebenserfahrung, die man mit der Geburt eines Kindes oder dem Fallschirmsprung aus einem Flugzeug vergleichen kann. Alle drei Dinge verlangen Einsatz, Entschlossenheit und großen Mut, aber der Aufwand lohnt sich auf jeden Fall.
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1. KAPITEL
Prinz Vittorio D’Marburg von Andachstein hatte alles so leid. Auch wenn er gerade auf dem Weg zu der exklusivsten Karnevalsfeier Venedigs war – er kam einfach nicht gegen die Frustration an, die sich tief in ihn eingegraben hatte.
Lag es vielleicht nur an dem eisigen Nebel, der sich an diesem Februartag über die Stadt gelegt hatte, dass seine Stimmung so gedrückt war? Die magische Stadt verschwand im dichten Dunst, und das ausgerechnet jetzt, wo sich Schwärme von farbenfroh kostümierten Männern und Frauen in den Straßen und auf den schmalen Brücken drängten. Doch der Nebel schien der guten Laune und der Lebensfreude, die der Karneval mit sich brachte, keinen Abbruch zu tun.
Es war, als wäre die ganze schwimmende Stadt entfesselt und zum Feiern entschlossen, Nebel hin oder her. Vittorio bahnte sich mit wehendem Mantel den Weg durch den nicht enden wollenden Strom feierfreudiger Menschen. Doch seine Laune verschlechterte sich mit jedem Schritt.
Aus irgendeinem Grund teilte sich die Menge vor ihm, doch er machte sich nicht weiter Gedanken darüber. Vielleicht lag es an seinem goldbesetzten Kriegerkostüm aus blauem Leder oder an seiner kampfeslustigen Ausstrahlung. Warum auch immer, es war, als würden sie den brodelnden Ärger in seinem Blick bemerken.
Seine Augen verrieten ihn immer. Vittorio hatte schon als Kind damit aufgehört, sich hinter Masken verstecken zu wollen. Es hatten ohnehin stets alle gewusst, dass er es war, der sich dahinter verbarg.
Vor dem alten Brunnen auf dem Platz, auf dem sich der Palazzo de Marigaldi befand, verlangsamte Vittorio seine Schritte. Normalerweise hätte er erleichtert sein müssen, der tobenden Menge zu entkommen, doch sein Vater hatte bei seinem Anruf vor wenigen Augenblicken allzu erfreut verkündet, dass zufälligerweise Contessa Sirena Della Corte, die Tochter eines seiner ältesten Freunde, bei dem Fest zugegen sein würde. Vittorio schüttelte den Kopf.
Zufälligerweise.
Sie sah das bestimmt so. Die Frau war eine in Designerkleider gehüllte Schlange, die es auf einen Adelstitel abgesehen hatte. Und trotz Vittorios Protest hatte sein Vater sie auch noch ermutigt, ihre aussichtslosen Bemühungen fortzusetzen.
Kein Wunder, dass er seit dem Anruf seines Vaters keine Lust mehr auf die Party hatte, obwohl er seinem alten Freund Marcello versichert hatte, dass ihn nichts davon abhalten könne, heute Abend dabei zu sein.
Dio.
Er war in dem Glauben nach Venedig gekommen, dass der traditionelle Karneval eine willkommene Abwechslung zu der lähmenden Stimmung im Palast sein würde. Doch die Erwartungen des alternden Fürsten Guglielmo schienen ihm hierher gefolgt zu sein – genau wie Contessa Sirena.
Seine nächste Braut, wenn es nach seinem Vater ginge.
Doch nach seiner ersten gescheiterten Ehe hatte Vittorio nicht vor, sich noch einmal vorschreiben zu lassen, mit wem er das Ehebett teilte.
Immer mehr Menschen drängten sich in den Straßen, und deren Feierlaune passte so gar nicht zu seinen düsteren Gedanken. Ihm lag die Welt zu Füßen, doch gleichzeitig verfolgte ihn sein Schicksal. Er war ein Mann, der es gewohnt war, seine eigenen Entscheidungen zu treffen, aber er war dazu verdammt, sein Erbe antreten und den Anforderungen anderer nachkommen zu müssen.
Zu gern wäre er davongelaufen – fort von seinem Schicksal und von der Party. Vittorio hatte keine Lust darauf, sich mit Sirena auseinanderzusetzen, er hatte keine Lust auf ihre plumpen Annäherungsversuche und ihr aufgesetztes Schmollen darüber, dass er ihre allzu offensichtlichen Reize ignorierte.
Doch es kam nicht infrage, wegzubleiben. Marcello war sein ältester Freund und Vittorio hatte ihm versprochen, dass er da sein würde.
Auf einmal fiel Vittorio etwas ins Auge. Es leuchtete zinnoberrot aus der vorbeiziehenden Menge hervor. Er sah ein Knie, ein stolz gerecktes Kinn – die Erscheinung wirkte wie ein klar konturiertes Porträt, dessen Hintergrund in verschwommenen Aquarellfarben gehalten war.
Konzentriert kniff er die Augen zusammen und bahnte sich den Weg durch die Menge. Als er näher kam, sah er lockiges Haar über eine Schulter wallen, als die fremde Frau ihren Kopf drehte und zur Brücke sah. Suchend musterte sie jeden Vorbeigehenden durch den kurzen schwarzen Schleier, der die obere Hälfte ihres Gesichtes bedeckte.
Sie wirkte verloren. Allein. Wahrscheinlich war sie eine Touristin, die sich in dem Gewirr von Straßen und Kanälen nicht auskannte.
Energisch wandte Vittorio sich ab. Das war nicht sein Problem. Schließlich wurde er erwartet. Und doch ertappte er sich dabei, wie er ebenfalls den Platz mit dem Blick absuchte. Niemand sah aus, als würde er eine Person vermissen und nach ihr Ausschau halten. Niemand sah aus, als gehörte er zu dieser fremden Frau.
Wieder blickte er in ihre Richtung und versuchte, sie erneut zwischen den reich verzierten Masken und kunstvollen Perücken und Federn auszumachen. Zunächst konnte er sie nicht finden und glaubte, sie sei verschwunden, doch schließlich entdeckte er sie hinter einer Gruppe von Harlekinen, an deren Narrenkappen Glöckchen läuteten. Sie hob eine Hand an den verführerisch roten Mund, bevor sie resigniert die Schultern hängen ließ.
Dann entfernte sie den Schleier und strich scheinbar enttäuscht ihr Haar zurück. Dabei rutschte ihr Cape herunter, unter dem ein Korsagenkleid aus Satin und ihre bloße Schulter zum Vorschein kamen. Fröstelnd legte sie sich den Umhang wieder um.
Ganz offensichtlich hatte sie sich verirrt. Und war allein. Ihre unschuldige Schönheit und ihre Verwundbarkeit rührten ihn auf eine seltsame Weise.
Und plötzlich war seine Langeweile wie weggeblasen.
Sie hatte sich in Venedig verirrt. Rosa Ciavarro schlug das Herz bis zum Hals, als sie sich aus dem Strom der Kostümierten herauskämpfte und an einer freien Stelle am Rand des Kanals vor der Brücke stehen blieb, um Atem zu schöpfen und sich umzusehen.
Sie suchte nach einem Anhaltspunkt, der ihr verriet, wo sie war, doch als sie schließlich den Namen des Platzes entdeckte, half dieser ihr auch nicht weiter. Und die Vorbeikommenden danach zu mustern, ob ein bekanntes Gesicht dabei war, erwies sich als müßig. Es war unmöglich zu erkennen, wer sich hinter den Masken all der Harlekins und Kolumbinen, Teufel und anderen düsteren Gestalten verbarg.
Die düsteren Gestalten waren ganz passend. Immerhin hatte sich der Abend, auf den Rosa sich so sehr gefreut hatte, binnen Minuten in einen Albtraum verwandelt.
Als sie zum nebelverhangenen Himmel hinaufsah, wich ihre Panik einer tiefen Resignation. Sie schlang die Arme um sich, seufzte tief und gestand sich ein, dass es sinnlos war, weiterzusuchen. Es wurde Zeit, dass sie der Wahrheit ins Gesicht sah.
In dem verzweifelten Versuch, ihre Freundinnen wiederzufinden, hatte sie zu viele Brücken überquert und war zu oft abgebogen, und es bestand keine realistische Hoffnung mehr, dass sie jetzt noch aufeinandertreffen würden.
Es war der letzte Abend des Karnevals, und es wäre die einzige Möglichkeit gewesen, an einer der großen Feiern teilzunehmen, doch nun hatte sie sich verirrt und stand allein irgendwo in Venedig am Rande einer Brücke im dicken Nebel.
Rosa zog das dünne Cape enger um sich. Wie kalt es war! Unruhig trat sie von einem Fuß auf den anderen, um ihre Beine aufzuwärmen, und wünschte, sie hätte etwas Wärmeres angezogen als dieses dünne Korsagenkleid. Etwas, was besser zur Jahreszeit passte. Am besten etwas Gefüttertes. Und Thermounterwäsche darunter.
„Du wirst die ganze Nacht lang tanzen“, hatte Chiara entgegnet, als Rosa in Erwägung gezogen hatte, sich dem winterlichen Wetter entsprechend zu kleiden. „Glaub mir, du wirst eingehen vor Hitze, wenn du etwas Wärmeres anziehst.“
Doch nun kroch ihr die feuchte Kälte die Beine empor. Ihr war so furchtbar kalt! Zum ersten Mal seit Jahren spürte sie, dass ihr die Tränen kamen.
Rosa schniefte. Eigentlich war sie nicht weinerlich. Schließlich war sie mit drei großen Brüdern aufgewachsen, die sich gnadenlos über sie lustig gemacht hätten, wenn sie geweint hätte. Als Kind hatte sie stoisch all die blauen Flecken und Kratzer, die aufgeschlagenen Knie und Ellbogen ertragen, die sie sich bei den gemeinsamen Abenteuern geholt hatte.
Sie hatte auch nicht geweint, als ihre Brüder ihr das Fahrradfahren auf einem viel zu großen Rad hatten beibringen wollen, mit dem sie eine Schotterstraße hinuntergesaust und gegen einen alten Feigenbaum gerast war. Kurz darauf hatten diese ihr geholfen, auf ebenjenen Baum zu klettern, nur um sich dann aus dem Staub zu machen, sodass sie allein hatte zusehen müssen, wie sie wieder herunterkam. Das letzte Stück war sie gestürzt, aber auch diese Blessuren hatte sie ohne Klagen ertragen.
Aber sie hatte sich nie zuvor an dem für sie wichtigsten Abend des Jahres allein in den labyrinthartigen Straßen Venedigs verirrt – ohne ihre Eintrittskarte und ohne jegliche Möglichkeit, ihre Freundinnen zu kontaktieren. In diesem Fall hätten ihre Brüder sicher Verständnis für ihre Tränen.
Vor allem, wenn sie gewusst hätten, wie viel das Ticket gekostet hatte.
Rosa schloss die Augen, als ihre Resignation bitterer Reue wich. Sie hatte sich so sehr auf heute Abend gefreut. Auf den kostbaren freien Abend mitten in der Karnevalszeit. Darauf, einmal nicht nur irgendeine Hotelangestellte zu sein, die den Touristen hinterherräumte. Sich endlich einmal selbst zu vergnügen, anstatt den anderen beim Feiern zuzusehen.
All das viele Geld!
...



