E-Book, Deutsch, Band 2009, 144 Seiten
Reihe: Julia
Morey Von Liebe steht nichts im Vertrag
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-86494-021-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2009, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-86494-021-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Sie kennen mich nicht, aber ich bekomme ein Baby von Ihnen.' Dominic Pirellis Welt steht Kopf, als Angelina ihn anruft. In der Kinderwunschklinik gab es eine Verwechslung - sie trägt das Kind aus, von dem der vermögende Geschäftsmann und seine verstorbene Frau immer träumten. Auch wenn er Angelinas Motiven misstraut, lädt Dominic die überraschend zarte Frau in seine Luxusvilla ein. Natürlich bloß bis zur Geburt - so steht es im Vertrag! Doch ständig in Angelinas Nähe, erwachen bald ungeahnt zärtliche Gefühle in ihm. Nur der Beschützerinstinkt für sein ungeborenes Kind?
Im Alter von elf Jahren schrieb Trish ihre erste Story für einen Kinderbuch- Wettbewerb, in der sie die Geschichte eines Waisenmädchens erzählt, das auf einer Insel lebt. Dass ihr Roman nicht angenommen wurde, war ein schwerer Schlag für die junge Trish. Doch ihr Traum von einer Karriere als Schriftstellerin blieb. Nach der Geburt ihrer zweiten Tochter erfuhr sie, dass der englische Liebesroman-Verlag Mills & Boon auf der Suche nach neuen Autoren war. Hier war ihre Chance! Umgehend nahm sie an einem Kurs für kreatives Schreiben teil. Sie sandte einige ihrer Manuskripte ein, bekam aber etliche Ablehnungen. Da sie mit ihrer Familie in verschiedenen Ländern lebte und Zeitungsartikel schrieb, wurde es ihr jedoch nicht langweilig Ihre dritte Tochter wurde in Hemel Hempstead, England geboren. Zufällig dieselbe Stadt, in der Trishs Tante vor 70 Jahren geboren wurde, bevor ihre Familie nach Australien auswanderte. Zurück in Australien und nach der Geburt ihrer vierten Tochter, wusste Trish: Jetzt ist es an der Zeit, ernsthaft mit dem Schreiben zu beginnen. Sie nahm an Wettbewerben der Romance Writers of Australia teil und landete gleich beim ersten Anlauf auf Platz drei. Weitere Erfolge folgten, und Trish half bei der Organisation der Wettbewerbe mit. Zurzeit ist sie Vizepräsidentin der RWA in Australien. 2003 schaffte sie endlich den Durchbruch als Autorin. Ihr erster Roman wurde bei Mills & Boon herausgebracht. Nach Trishs Meinung ist die Veröffentlichung eines Buches eine bedeutende Lebenserfahrung, die man mit der Geburt eines Kindes oder dem Fallschirmsprung aus einem Flugzeug vergleichen kann. Alle drei Dinge verlangen Einsatz, Entschlossenheit und großen Mut, aber der Aufwand lohnt sich auf jeden Fall.
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2. KAPITEL
Langsam legte Angie den Hörer zurück. Ihre Hand zitterte immer noch, und ihre Wangen waren nass von Tränen. Aber was hatte sie eigentlich erwartet? Sollte der Mann etwa begeistert sein über die Neuigkeit, dass sie sein Kind trug, als hätte sie so etwas wie ein Wunder vollbracht?
Wohl kaum. Mit dem Handrücken wischte sie über ihre Wangen, zog ein Papiertaschentuch aus der Schachtel und putzte sich die Nase. Schließlich hatte auch sie nicht an ein Wunder gedacht, als man ihr die Neuigkeit mitgeteilt hatte. Ganz und gar nicht.
Trotzdem, hatte er wirklich so aufgebracht klingen müssen? Jeder glaubte wohl, dass sie an alldem schuld war.
Vorsichtig legte sie eine Hand auf ihren noch flachen Bauch, in dem ein Kind heranwuchs, das sie eigentlich nie wollte. Sie hatte nur zugestimmt, weil Shayne sich so verzweifelt einen Sohn wünschte. Und jetzt war dieses Kind nicht einmal von ihm.
Vielleicht war es tatsächlich ihr Fehler.
Als unnatürlich hatte Shayne ihre Haltung bezeichnet. Eine richtige Frau wolle doch wohl Kinder haben, hatte er gesagt. Die schlimmste Beleidigung aber hatte er zurückgehalten, bis sie sich mit ihrem mühsam ersparten Geld in der Carmichael Clinic einfanden, der besten Klinik für künstliche Befruchtung in Australien.
Eine richtige Frau würde kein Baby aus dem Reagenzglas benötigen, um schwanger zu werden.
Als die Behandlung dann endlich erfolgreich war, sah es tatsächlich kurz so aus, als werde sie das Kind bekommen, das Shayne sich so verzweifelt wünschte. Doch dann war die Klinik mit der Nachricht herausgerückt, dass etwas schrecklich durcheinandergeraten sei. Und wieder hatte sie in seinen Augen versagt.
Denn eine richtige Frau würde niemals das Kind eines anderen Mannes in sich tragen. Weil sie das Angebot der Klinik annähme, die Sache aus der Welt zu schaffen.
Vielleicht hatte Shayne ja sogar recht.
Doch sie brachte es nicht übers Herz, darüber zu entscheiden, ob dieses Baby leben würde oder nicht. Und deshalb war sie verdammt zu einem Kind, das sie eigentlich nie gewollt hatte und das nicht einmal ihr eigenes war. Und trotzdem war sie nicht in der Lage, die Sache aus der Welt zu schaffen, wie Shayne es umschrieben hatte.
Aus seinem Mund hatte es so einfach geklungen, als handele es sich nur darum, den Müll wegzuwerfen oder sich alter Kleider zu entledigen. Aber hier ging es nicht um einen Sack mit Abfall, den sie mit sich herumtrug. Egal, ob sie es wollte oder nicht, ein Baby wuchs in ihr heran. Ein Leben. Das Kind eines anderen Menschen.
Zudem hing ein solcher Schritt nicht nur von ihrer Entscheidung ab. Denn irgendwo lebte ein Paar, das alles getan hatte, um neues Leben zu schaffen. Ein Paar, dem dieses Kind von Rechts wegen gehörte. Ganz egal, was nun geschehen mochte oder wozu die wirklichen Eltern sich entscheiden würden, hatten sie doch zumindest ein Recht darauf, von der Existenz dieses Babys zu erfahren.
Sie kniff die Augen zusammen. Armes Baby, dass es ausgerechnet bei ihr landen musste, einer Frau, die eigentlich nie ein Kind gewollt und nur zugestimmt hatte, um ihre Ehe zu retten.
Welche Ironie des Schicksals!
„Tut mir leid, Kleines. Aber bald treffen wir deinen Dad. Vielleicht auch deine Mum. Sie wollen dich, da bin ich mir sicher.“
Und wenn nicht?
Eine Träne lief über ihre Wange, als sie an das Telefongespräch von eben dachte, an die tiefe Stimme des Mannes, in der ein vernichtender Ton mitgeklungen hatte. Als sei sie schuld an dieser folgenschweren Katastrophe. So sah er die ganze Geschichte im Moment bestimmt.
Sie hatte all das selbst durchgemacht. Den Schock. Die Fassungslosigkeit. Das schiere Erstaunen darüber, dass ein so fundamentaler Fehler passieren konnte, und das in einer hochmodernen Klinik. Einem Ort, der dazu bestimmt war, Träume wahr werden zu lassen, und nicht, Albträume zu produzieren.
Shaynes Reaktion hatte sie am stärksten getroffen. Sein Entsetzen hatte sich von einem Herzschlag zum anderen in rasende Wut verwandelt. Entrüstung darüber, dass das Baby, mit dem er wochenlang vor Familie und Freunden geprahlt hatte, nicht einmal sein eigenes war. Zorn auf die Klinik, die seine Pläne völlig durcheinandergebracht hatte.
Und dann hatte er seine Wut direkt auf sie, Angie, gerichtet, nachdem sie sich rundheraus geweigert hatte, der Abtreibung zuzustimmen, die man ihr vonseiten der Klinik angeboten und die Shayne gefordert hatte.
Oh ja, sie verstand nur allzu gut, wie schockiert Mr Pirelli im Moment sein musste. Sie hätte sogar verstanden, wenn er in seinem Zorn aufgelegt oder geleugnet hätte, dass das Kind von ihm sei.
Aber er hatte nicht aufgelegt, sondern zugestimmt, sich am nächsten Tag mit ihr zu treffen. Es war das Einzige, was sie für das Kleine, das in ihr heranwuchs, tun konnte – ihm die Chance geben, mit seinen leiblichen Eltern zusammen zu sein, den Menschen, die durch die Hölle gegangen waren, um dieses Leben zu schaffen, und die ein Anrecht auf das Kind hatten.
Sie hörte, wie draußen ein Wagen vorfuhr. Als sie auf die Uhr an der Wand sah und merkte, dass es schon beinahe sechs war, glaubte sie zuerst, es sei Shayne, der aus der Gießerei zurückkam. Und einen kurzen Moment verspürte sie Panik, weil sie noch nicht mit der Vorbereitung für das Abendessen begonnen hatte.
Bis sie einen schmerzhaften Stich verspürte, als die Erinnerung kam.
Shayne würde nicht mehr nach Hause kommen.
Sie war allein.
Auf der Hafenpromenade am Darling Harbour wimmelte es von Feriengästen mit Videokameras und einem Eis in der Hand. Möwen flogen kreischend über ihren Köpfen, und unzählige Touristen verließen gerade den Nachbau eines alten Segelschiffes.
Dominic seufzte schwer. Er fühlte sich völlig fehl am Platz, als er mit Simone beim verabredeten Treffpunkt wartete. Fast wünschte er, seine persönliche Assistentin hätte einen weniger belebten Ort für dieses Treffen ausgesucht.
Doch Simone hatte neutralen Boden vorgeschlagen und sich gegen das Büro seiner Anwälte ausgesprochen, um nicht den Eindruck zu erwecken, er sei auf eine Art Kuhhandel aus. Und auch weit weg vom Pirelli-Komplex, wo sein ungeheurer Reichtum sich schon beim Betreten der marmornen Lobby offenbarte. Auch wenn diese Mrs Cameron vorgab, aus selbstlosen Gründen zu handeln, konnte er nicht sicher sein. Also sollte er sie erst gar nicht in Versuchung führen, doch noch Kapital aus dem Unglück zu schlagen.
Simone hat in diesem Fall recht, dachte er, während er ihr teures Parfüm wahrnahm, das sich mit der vom Geruch nach Salz und Popcorn getränkten Luft vermischte. Er wusste, dass es ihr Lieblingsparfüm war. Zum letzten Weihnachtsfest hatte er ihr eine Flasche davon geschenkt. Es passte zu ihr. Elegant, nüchtern, ohne eine blumige Note. So wie sie selbst. Und genau so, wie er sich seine persönliche Assistentin vorstellte.
Er zog seine Jacke aus und hängte sie über die Schulter. Hier konnte er unerkannt bleiben, war nicht mehr Dominic Pirelli, der Investor und Wirtschaftsstratege mit Millionenvermögen, sondern nur einer der vielen Menschen, die ihrem Büro für eine Stunde entfliehen wollten.
Nur konnte er nicht auf eine erholsame Mittagspause hoffen, sondern traf eine Frau, die sein Kind austrug.
Gespannte Erwartung erfüllte ihn. Er warf einen Blick auf die Platinuhr an seinem Handgelenk und stellte fest, dass die Fremde schon ein wenig zu spät war.
„Glaubst du, dass sie überhaupt kommt?“ Simone sah über ihre Schulter, und ihr perfekt geschnittener Bob schwang mit der Bewegung mit.
Ihre Frage hatte seiner größten Angst eine Stimme gegeben.
„Was ist, wenn sie ihre Meinung geändert hat? Sie hat nicht einmal eine Nummer hinterlassen, wo sie erreichbar ist.“
„Sie wird kommen“, sagte er in dem Versuch, sich selbst zu überzeugen. Nach dem gestrigen Gespräch mit ihr würde es ihn nicht überraschen, wenn sie ihre Meinung geändert hätte. Aber es spielte keine Rolle. Er kannte ihren Namen. Sie war die Mutter seines Babys. Und sie hatte keine Chance, ihm jetzt noch zu entkommen.
Angies Augen waren geschwollen und juckten, während sie über die Fußgängerbrücke eilte, die die geschäftigen Einkaufsstraßen mit dem Touristenviertel Darling Harbour verband.
Schreiend war sie am Morgen aus dem Schlaf hochgeschreckt, aus Träumen von knurrenden Hunden, die nach ihr schnappten und an ihren Kleidern, ihrem Körper zerrten.
Eines der Tiere hatte Shaynes Gesicht angenommen, während es sie umrundete und sie laut kläffend verhöhnte, dass sie nie eine richtige Frau sein würde. Ein anderes Tier hatte sie mit tröstenden Worten zu besänftigen versucht und gleichzeitig nach ihrem Baby schnappen wollen. Plötzlich war ein noch größerer Hund aufgetaucht, der stärkste von allen. Mit gefletschten Zähnen knurrte er sie an, kam immer näher, bereit zum Angriff.
Ihre eigenen Schreie hatten ihr Angst gemacht und sie geweckt. Atemlos und verzweifelt hatte sie bemerkt, dass sie schweißbedeckt und allein in ihrem zerwühlten Bett lag, das ihr jetzt noch leerer vorkam als je zuvor. Aber zumindest war dieser entsetzliche Albtraum vorbei.
Danach war nicht mehr an Schlaf zu denken gewesen. Die Bilder der Nacht hatten sie zitternd und verängstigt zurückgelassen. Und während sie den nächtlichen Geräuschen von Sherwill lauschte – den bellenden Hunden, quietschenden Reifen, lärmenden Nachbarn –, hatte sie sich immer wieder...




