E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Romana
Morgan Verlieb dich nie in einen Prinzen
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7337-3906-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Romana
ISBN: 978-3-7337-3906-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Erfüllt von schmerzlicher Sehnsucht steht Kayla auf der Empore des Ballsaals und beobachtet Prinz Max. Gerade wird ihre heimliche Liebe einer Dame in prachtvoller Robe vorgestellt. Ist es seine zukünftige Braut? Ach, wäre Kayla doch an ihrer Stelle! Aber das ist unmöglich, oder?
Raye Morgan wuchs in so unterschiedlichen Ländern wie Holland, Guam und Kalifornien auf und verbrachte später einige Jahre in Washington, D.C. Jetzt lebt sie mit ihrem Mann, der Geologe und Informatiker ist, und zwei ihrer vier Söhne in Los Angeles. 'Die beiden Jungen zu Hause halten mich immer auf dem Laufenden, was im Moment so angesagt ist", gibt sie lachend zu. 'Das Schreiben dagegen erinnert mich tagtäglich an die Romantik, die ein wichtiger Bestandteil im Leben von uns Menschen ist."
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Prinz Max lehnte sich über das schmiedeeiserne Geländer des Balkons. Es fiel ein leichter Regen, doch er bemerkte ihn kaum. Er stand mindestens fünf Stockwerke hoch über dem Erdboden, und der Schlossgarten unter ihm wirkte weit entfernt. Flüchtig schoss ihm der Gedanke durch den Kopf, was passieren würde, wenn er von hier aus hinuntersprang.
Zu spät. Vor ein paar Wochen noch hätte es niemanden interessiert. Aber jetzt hatte ein neues Leben für ihn begonnen, mit neuen Verpflichtungen. Die Leute erwarteten bestimmte Dinge von ihm, aber wie zum Teufel kamen sie bloß auf die Idee, dass er imstande war, diese Erwartungen zu erfüllen?
Vielleicht wäre ein Sprung von hier oben so ähnlich wie Fliegen, und mit dem Fliegen kannte Max sich aus. Viele Jahre war er als Pilot mit alten Militärmaschinen unterwegs gewesen. Fliegen war das Einzige, was er wirklich gut beherrschte.
In der Hand hielt er eine Pfauenfeder, die er im Schlossgarten gefunden hatte. Jetzt hielt er sie in die Luft.
„Flieg in die Freiheit“, murmelte er und ließ die Feder los. In langen, weiten Bögen schwebte sie zur Erde. Max lehnte sich weiter über das Geländer, um ihr nachzuschauen. Sie schimmerte in Blau, Grün und Gold. Je näher die Feder dem Boden kam, desto schneller drehte sie sich. Max lachte.
Dann landete sie auf der Erde, und sein Lachen verschwand. Jetzt war die Pfauenfeder gefangen, genau wie er. Ein kurzer Flug ins Nirgendwo.
„Hey“, sagte da eine weibliche Stimme. „Lehnen Sie sich nicht zu weit raus, sonst fallen Sie noch.“
Einen Moment lang schloss Max die Augen.
„Alles in Ordnung, Mister?“
Langsam wandte er sich um. Ob sie wusste, wer er war? Wahrscheinlich nicht. Er war zum Wandern angezogen, nicht für einen Ball. Allerdings glaubte er, sie irgendwo im Schloss schon einmal gesehen zu haben.
„Mir geht’s gut.“ Er lächelte.
„Sie sind nass“, erwiderte sie kokett.
Max schüttelte sich wie ein Hund, sodass die Tropfen überallhin flogen. Die junge Frau schrie erst erschrocken auf, aber dann musste sie lachen.
„Am besten kommen Sie mit zu mir, um sich zu trocknen“, bot sie ihm an.
„Zu Ihnen?“
„Klar. Mein Zimmer liegt auf diesem Gang, nur ein paar Türen weiter. Sie müssen sich abtrocknen. Schließlich wollen Sie sich doch nicht erkälten, oder?“
Interessiert ließ er den Blick über sie gleiten. Sie hatte kurze, feuerrote Haare, volle Lippen und eine sehr weibliche Figur. Sein Blick war unverschämt, aber Max spürte, dass sie zu den Frauen gehörte, denen das gefiel.
„Sicher, warum nicht?“ Alles war besser, als mit den anderen Mitgliedern der königlichen Familie an dem albernen Ball teilzunehmen, den sich die Königin ausgedacht hatte. Ein paar Stunden mit dieser willigen Gespielin wären genau das Richtige, um ihn von dem unheilvollen Gefühl abzulenken, das wie eine dunkle Wolke über ihm hing. „Sie sind ein richtiger Schutzengel, stimmt’s? Immer auf der Suche nach jemandem, der in Schwierigkeiten steckt.“
Mit einem kessen Lächeln entgegnete sie: „Eigentlich nicht. Ich wähle sehr genau aus, wem ich helfe.“
Max hob die Brauen. „Und ich habe die Prüfung bestanden?“
Anerkennend musterte sie ihn. „Oh ja. Kann man wohl sagen.“
Er machte eine gespielte Verbeugung. „Ich fühle mich geehrt.“
Sie lachte und ging voran.
Königin Pellea rauschte in das königliche Büro und sah ihre persönliche Assistentin Kayla Mandrake finster an. „Wo ist er?“
Kayla sprang auf und schüttelte den Kopf. Seit sie herausgefunden hatte, um wen es sich bei dem neuen Prinzen handelte, fühlte sie sich ausgesprochen unbehaglich. „Ich habe ihn noch nicht gesehen. Ich dachte, er sollte hier sein.“
Pellea packte die Rückenlehne eines Stuhls. „Natürlich sollte er das. Er hat ausführliche Anweisungen bekommen. Aber er hat sie wie immer ignoriert. Alle warten im Ballsaal auf ihn.“
„Soll ich ihn über das Lautsprechersystem ausrufen lassen?“
Pellea machte eine gequälte Miene. „Ach, Kayla, du warst die ganze Zeit in Paris und hast keine Ahnung, was hier los gewesen ist. Dieser Kerl treibt mich in den Wahnsinn.“
Kayla unterdrückte ein Lächeln. Typisch Max. „Er wird sich dran gewöhnen“, sagte sie. „Wenn er erst mal versteht, wie wir bestimmte Dinge handhaben.“
„Je mehr er versteht, desto mehr setzt er sich über alle Regeln hinweg. Du musst ihn finden.“
Pellea stieß einen ungeduldigen Seufzer aus und warf gereizt den Kopf zurück. Sie trug ein fantastisches Abendkleid aus dunkelblauer Seide, mit Goldfäden durchwirkt, trägerlos, eng anliegend und so geschnitten, dass sich der Stoff beim Gehen oder Tanzen verführerisch bewegte.
Kayla dagegen fühlte sich in ihrem schlichten Rock und dem Pullover langweilig und altbacken.
„Und ich hoffe, du bringst ihn um, wenn du ihn findest“, erklärte Pellea mit Nachdruck.
„Aber …“
„Nicht!“ Abwehrend hielt Pellea ihre Hand hoch. „Ich will nichts hören. Weder Erklärungen noch Geständnisse. Ich will Prinz Maximilian nur hier vor mir haben, wo ich ihn bestrafen kann.“ Sie machte ein grimmiges Gesicht. „Oder seinen Kopf auf einem Tablett. Damit wäre ich auch zufrieden.“ Ihre dunklen Augen blitzten. „Verstanden?“
Kayla nickte. Trotz allem musste sie sich sehr bemühen, ein Grinsen zu unterdrücken. Sie wagte nicht, es zu zeigen, weil Pellea so wütend war. Die Königin und sie hatten zwar ein freundschaftliches Verhältnis, waren aber eben auch Chefin und Angestellte. Kayla achtete darum möglichst darauf, die Form zu wahren. Das galt noch mehr, wenn sie sich in Gegenwart Dritter befanden. „Natürlich. Ich werde mein Bestes tun.“
„Finde ihn einfach!“
Aufgebracht rauschte die Königin wieder hinaus, während Kayla tief durchatmete. Was nun? Wie sollte sie einen rebellischen Prinzen finden, der offenbar nicht gefunden werden wollte?
So war es immer mit Max. Regeln galten nur für andere, nicht für ihn. Mit Sicherheit war er der nervtötendste, aber auch charmanteste Mann, den sie je kennengelernt hatte. Allein der Gedanke, dass sie ihn gleich wiedersehen würde, verursachte ihr ein aufregendes Magenkribbeln. Aber zugleich spürte sie einen pochenden Kopfschmerz. Wie sollte sie jetzt bloß am besten vorgehen?
Zuerst erledigte Kayla einige Telefonate. Überall im Palast gab es Wachen, und an unterschiedlichen Stellen waren Monitore installiert, die ständig von Sicherheitsleuten beobachtet wurden. Falls Max sich im Schloss aufhielt, musste ihn irgendjemand gesehen haben.
Kayla bekam mehrere Hinweise, und schließlich hatte sie einen Wachposten am Apparat, der tatsächlich beobachtet hatte, wie Max im Apartment eines bekannten Party-Girls verschwunden war.
„Natürlich“, murmelte Kayla vor sich hin. „Ich hätte es wissen müssen.“
Sofort eilte sie los, fürchtete jedoch die bevorstehende Konfrontation. Was sollte sie tun, wenn sie dort vor der Tür stand? Einfach in eine Verführungsszene hineinplatzen? Genervt drückte sie den entsprechenden Knopf im Lift.
„Verdammt, Max“, flüsterte sie. „Musst du einem das Leben immer so schwer machen?“
Sie dachte daran, wie sie ihn vor fast zwei Jahren das letzte Mal gesehen hatte, das dichte, goldbraune Haar zerwühlt, die Augen schmerzerfüllt. Sie beide waren in jener Nacht verzweifelt gewesen, voller Trauer über dieselbe Tragödie. Und dann war Max einfach verschwunden.
Die Lifttür öffnete sich lautlos. Mit klopfendem Herzen trat Kayla hinaus auf den Korridor. Nach wenigen Schritten blieb sie vor einer Zimmertür stehen. Da summte ihr Handy. Königin Pellea.
„Ja?“
„Hast du ihn gefunden?“
Kayla seufzte. „Ich weiß, wo er ist. Ich will gleich reingehen und …“
„Pass auf ihn auf“, warnte Pellea. „Falls es einen Balkon gibt, springt er bestimmt runter.“
Kayla erschrak. „Du meinst, er will sich das Leben nehmen?“
„Oh nein. Er fordert den Tod nur so aus Spaß heraus. Er muss ein absoluter Adrenalinjunkie sein“, erklärte Pellea. „Letzte Woche waren wir auf der Skihütte, damit die neuen Prinzen sich besser kennenlernen. Noch vor den Cocktails hat Max sich mit den beiden hübschen Töchtern des Verwalters die Schneemobile geschnappt, ist mit ihnen über die Berge gerast und verschwunden. Und natürlich kam keine Entschuldigung am nächsten Tag. Er glaubt, mit seinem Lächeln kann er sich alles erlauben.“
„Verstehe.“ Kayla hätte ihn gern verteidigt, aber wie?
„Gestern war es das Dinner mit dem italienischen Botschafter“, fuhr Pellea verärgert fort. „Wir stehen kurz davor, einen wichtigen Vertrag mit den Italienern zu unterzeichnen. Max tauchte nicht auf. Und was war die Ausrede? Er hatte in einem Pub an einem Karaoke-Wettbewerb teilgenommen und die Zeit vergessen.“
„Oh nein“, meinte Kayla betroffen.
„Also, behalte den Balkon im Auge. Max wird ein Seil drüberhängen und so tun, als wäre er Tarzan. Lass ihn auf keinen Fall entwischen.“
„Ist gut.“
Pellea seufzte. „Sag mir, wo du genau bist. Ich habe zwei Sicherheitsleute zur Unterstützung hinaufgeschickt. Ich sage ihnen Bescheid.“
Kayla nannte ihren genauen Standort. „Wieso zur Unterstützung?“
„Sie sollen aufpassen, dass er nicht flüchtet. Wenn es sein muss, fesseln wir ihn und schleppen ihn her.“
„Ach ja?“ Sie kannte Max und...




